LLU Lexikon der Luxemburger Umgangssprache
 
Bourrelet bis Brach (Bd. 1, Sp. 57 bis 59)
 
Bourrelet, m., der Bausch, Fallhut, die ausgestopfte schützende Kopfbedeckung der Kinder.
 
Bourse, f., die Börse, der Geldbeutel. — Celt. bours; engl. purse; holl. beurs; ital. borsa; gaunersp. plotte. — Il n'y a point de doute qu'une bourse étant d'ordinaire faite de cuir, ce mot ne vienne de βύρσα, qui signifie cuir. (de Caseneuve.)
 
Bourse, f., die Börse, der Ort, wo Kaufleute, Mäkler, Rheder, Schiffscapitaine u. s. w., zusammenkommen, um über Alles, was ihre Geschäfte betrifft, sich zu besprechen, und mit Wechseln, Geld, Waaren u. s. w. zu verkehren. Der Name Börse soll daher rühren, daß die erste Börse zu Amsterdam in einem Hause eingerichtet wurde, über dessen Thüre drei Beutel (bourses) in Stein gehauen waren; nach Andern von der adeligen Familie van der Beurse zu Brügge in Flandern herstammen, in deren Hause 1530 die Kaufleute ihre Versammlungen hielten. — Engl. burse; holl. beurs.
 
Bourse, f., das Stipendium (jährliche Einkünfte oder Freitisch für Studirende). — Holl. beurs. — Op èng bourse studéren, avoir une bourse, étudier sur une bourse; holl. op een beurs studeeren. — Bursarii nannten sich im Mittelalter die Studirenden nach den gemeinschaftlichen Gebäuden, Bursæ, in welchen sie wohnten. Daher der Name Bursche.
 
Bourse, f. (lit.), double carton couvert d'étoffe dans lequel on met le corporal qui sert à la messe, das Meßtuch=Futteral.
 
Bousin, m., croûte tendre attachée aux pierres qui sortent de la carrière, die Steinrinde.
 
Boussole, f. (buxula, bois de buis), cadran dont l'aiguille aimantée tourne toujours vers le nord, der Compaß, das Magnetkästchen. — Ital. bussola.[S. 58]
 
Bout de table, m., das Salzgestell, krystallenes, porcellanenes, silbernes Gefäß, welches Salz und Pfeffer enthält.
 
Bout- (à) portant, ganz nahe dabei, das Gewehr gleichsam an die Brust gesetzt. — Prov. Bout (au) du fossé la culbute, man treibt's wie man kann, od. so lange es geht.
 
Bouterolle, f. (serr.), das Eingerichte am Schlosse (Eisenbleche, welche verhindern, daß andere Schlüssel öffnen).
 
Boute-selle, m. (mil.), signal avec la trompette pour seller les chevaux et monter à cheval, das Signal zum Auflegen der Sättel; das Morgensignal bei der Cavalerie.
 
Bouture, f. (bouter, mettre), branche d'un arbre ou d'une plante vivace que l'on coupe et que l'on plante en terre pour qu'elle prenne racine, das Steckreis, der Ableger, Absenker.
 
Bów, pl. -en, m., der Bube, der ungezogene boshafte Junge, le garçon, le polisson. — Kil. Boef; holl. boef; schwd. bof.

Só âl, esó e' grósse' Bârt,
A' nach mat klènge' Bówe' spillen.
So alt, so einen großen Bart,
Und noch mit kleinen Buben spielen. (Wieland.)


 
Bówe'schenkel, pl. -en, f., eine Art Backwerk, welche ungefähr die Gestalt eines Bubenschenkels hat.
 
Box, pl. -en, f., die Hosen, Beinkleider, la culotte (gaunersp. montante, culbute). — Holl. bokse; angels. box; engl. box (büchse); hunsr. Mdt. Buxe; schwed. byxa; Kil. Bockse; gaunersp. Bücksen. — Bux, Büchse, femorale, tibiale; dialecto inf. Saxoniæ. Sumptum a theca per synecdochen generis. Enimvero si Græcis licuit dicere χειροθηκη pro tegumento manus, cur non liceat Saxonibus dicere Büxe pro tegumento femorum vel tibiarum? (Gloss. germ. J. G. Wachteri.) — 't Frûcht geet aus de' Boxen, das Getreide schießt in Aehren, les blés montent en épi. — 't blo Box aushènken; ein schier gänzlich außer Mode gekommener Gebrauch, welcher darin bestand, daß die Nachbarn oder Nachbarinnen eines verreisten Mannes oder einer verreisten Frau zum Dachfenster ihres Hauses ein Paar (gewöhnlich blauer) Beinkleider oder eine blaue Schürze aushingen, was man 't blot Schirteg aushènken nannte. Dieser Spaß endigte sich schier immer mit einem Schmause.
 
Böx, pl. -en, f., die Büchse, Schachtel, la boîte. — Mittellat. buxuletta, von buxula; engl. box; holl. bus, bos.
 
Böx, pl. -en, f., die Büchse, das Feuergewehr mit gezogenem, d. h. inwendig gerieftem Lauf, la carabine.
 
Boxe'goider, pl. -en, m., die Hosenklappe, le pont.
 
Boxe'knapp, pl. -knæpp, m., der Hosenknopf, le bouton de culotte.
 
Boxe'knapp, m. (conf.), das Geduldplätzchen, la patience.
 
Boxentäsch, pl. -en, f., die Hosentasche, le gousset, la poche d'une culotte.
 
Boxer (géo.), Boxhorn, Dorf in der Gemeinde Asselborn.[S. 59]
 
Boxe'schesser, pl. Boxe'schesser, m., 1° der Hosenscheißer, le chieen-chausses, 2° die feige Memme, le poltron, couard. — Holl. schijtebrock; engl. shit-breech.
 
Brabançonne, f., der patriotische Gesang der Belgier, der während der Revolution im September 1830 aufkam.
 
Bracelet, m., bijou qui sert d'ornement au bras, der Armband, die Armspange. — Ital. braccialetto; engl. bracelet; Kil. Braselet; lat. brachiale; span. brazalete.
 
Brach, pl. -en, die Milchmährte, Kaltschale, eingebrockte Milch, das Eingebrockte (ein kalter flüssiger Körper, worin ein festerer eingebrockt ist), pain trempé dans du lait, la miée, jattée de lait dans laquelle on émie du pain. — Prov. Et as lauter Kés a' Brach zesoimen, das sind Leute eines Gelichters, ce sont gens de même trempe, de même farine (ejusdem farinæ); ital. sono d'un pelo e d'una lana.

 

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