LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Ahillicht bis Aarbechtsschong (Bd. 1, Sp. 5b bis 7a)
 
-hillicht F.: «Augenhöhle»; -hoer N.: «Wimper», bes. dort wo Wimpern. u. Brauen geschieden-werden (cf. -bra); -iwwel N. (bisw. M.): «Augenübel, Augenkrankheit»; -trouscht M.: 1) † du bas mäin A. (Tu fais mes délices, ma consolation — Ga); 2) «Augentrost, Euphrasia officinalis», Wiesenkraut, früher gegen Augenkrankheiten verwandt.
 
a Konjkt.: «und» für die Vollform an (s. d.), zum Ausfall des -n cf. Fußnote.
 
a Präp.: «in» für die Vollform an (s. d.), zum Ausfall des -n cf. Fußnote.
 
aachen(Wb. 06. wahrscheinlich a:çən zu sprechen) Interj.: Lockruf des Schäfers um die Herde zu bewegen, ihm zu folgen (ähnl.: Lämmi bä); es mag sich um eine Verkl. von Alamm (Mosel) handeln (der engl. Schäfer ruft im selben Falle «ovey»).

*) Das bewegliche -n: Wenn das wortauslautende -n nicht in Pausa steht, fällt es vor jedem Konsonanten, außer d, t, ts (= z geschrieben), h und n aus. Vor z (= weiches s, s geschrieben) ist der Ausfall bisw. fakultativ. (sogenannte «Eifeler Regel», bisw. auch «n ephelzystikon» genannt.) Es handelt sich um den in der allgem. Linguistik mit dem griechischen Wort «Ekthlipsis» bezeichneten Ausfall eines finalen Lautes im Kontakt mit dem Anlaut des folgenden Wortes (J. Marouzeau, Lexique de la Terminologie linguistique, Paris, 1943). Bsp. d'Féiss di mer wéi, mir gi mat iech, wann se kommen oder: wa se kommen, aber immer: den Dabo, den Houfert, den Aarm. Die Ekthlipsis findet auch statt im Innern der zusammengesetzten Wörter. Bsp. ech fänken un, aber: wann ech ufänken.
Davon zu unterscheiden ist das «ephelzystische oder paragogische» -n, das zwischen du (de) und si (se) einerseits und en (e = «ihn») anderseits aus euphonischen Gründen und anstelle der daneben gebräuchlichen Elision eingeschoben wird. Bsp.: wa s' e bestallt hätten oder: wa se n e bestallt hätten, häss d'e kannt oder häss de n e kannt. [Bd. 1, S. 6]
 
Aachen, Aacher, Pl. Aacher(en) M.: lok. Variante für Naacher «Nachen», iron. gebraucht für große Schuhe (ähnl.: Geiekëschten) — Echt.: Schoun wi Sandaacher (C) — Echt.: dei mer den Aachen (steig' mir den Buckel herunter, cf.: deien); Zussetz.: Aachebam M.: Stange, mit welcher der Nachen fortgestoßen wird.
 
Aacher (lok.) F.: «Ähre», häufiger dafür: Kar-, Fruuchtaacher (cf. Acher).
 
Aacherenholz N.: «Bergahorn, acer campestris», dafür auch: Aaschtert, Aaschtholz, Aachtert, Ärholz.
 
aacht Num.; phV. Oesl. a:it, a:çt, «acht», Raa.: all aacht Deeg — haut, mar, iwwermar . . . (an) aacht Deeg (Ton vorzugsw. auf aacht) «heute, morgen, übermorgen . . . in acht Tagen» — Kindspr.: aacht, d'Box kraacht —dirlittiti, dirlittiti, haut aacht Deeg (Consdorf: «fein, heute in acht Tagen . . .» zu ergänzen: «ist Hochzeit»).
 
Aacht F.: «Ziffer acht».
 
Aachtchen, Pl. Aachtercher F.: 1) «Ziffer acht»; 2) Schëppen-, Kräizer-, Häärzeraachtchen (die Acht im Kartenspiel; Ga schreibt: Achtjet); 3) Kaffeegebäck in Form einer Aacht.
 
Aachtel N. (bisw. M.): «Achtel».
 
Aachtelchesleit, Pl. tant. M.: «Zinswucherer», die beim Geldverleih 8% Kommission verlangen.
 
Aachter M.: 1) «Ziffer acht»; 2) seltener für Aachtchen (3).
 
aachter- ('a:çtər, bisw. im hohen Norden auch: 'a:itər) phV. im Oesl. für gemeinlx. uechter (s. d.).
 
Aalbes F.: «Weißfisch, Alandblecke, Alburnus» (Synon.: Ablett, Albes, Alef).
 
Aalmert (Ton: 1) ON.: «Almeroth», belg. Lx. — B 20.
 
Aalmes F. = Aarmes (s. d.).
 
aals, Aalscht: Abl. von al «alt» (s. d.).
 
aan Adv.: «hinein» bisw. so geschrieben statt an (s. d.).
 
Aang M.: «Stachel der Biene» (Bartringen, Clerf, Mœstroff, Mosel, Redingen).
 
Aangber ON.: «Imbringen», Kant. Grevenmacher, Gem. Junglinster — cf. R V/105 (auch: Angber, Amber).
 
Aangel M.: 1) «Stachel der Biene» (z. B.: Stadtlux., Berdorf, Bettborn, Echt., Ermsdorf), sonst im Lande dafür meist: Stécher; 2) hdw.: «vierkantige Spitze einer Feile, an welcher das Heft befestigt wird» (Wecker); 3) in diesem Sinn neuerdings auch bisw. F.: «Türangel» — Ra.: auf die Frage: «Wou wunns de, Klengen?», erfolgt (in Simmern) die Antwort: «An deem Haus, wou d'Dir am A. ageet»; Abl.: späraangelwäit Adj., Adv. (wie hd.).
 
Aangel F.: «Fischerangel».
 
Aangel(s)bass, -bëss, -batz M.: 1) «Bisserwurm, Dasselbeule», dicke, unter der Haut des Hornviehs sitzende Made der großen Bremse, weiter: das durch den Austritt der Made erzeugte, die Haut entwertende Loch — déi Haut huet Aangelsbëss; 2) Begriffserweiterung: «Made im Obst» (Clerf).
 
Aangelfësch M.: «Elritze, Pfrille, Phoxinus laevis», aus der Familie der Karpfen.
 
Aangscht (lok.) F. = Angscht (s. d.).
 
Aanzelt M.: «Amboß», phV. im Oesl. für gemeinlx. Ampes, Undels.
 
Aapkraut N.: «Wasserhanf, hanfartiges Kunigundenkraut, Eupatorium cannabinum» (cf. Appkraut); E. J. Klein riet auf eine Wortverwechslung mit Eppich (lat. apium, vlat. *apia), es dürfte eher eine volkstüml. Verstümmelung von eupatoria, eupatoire sein (ma. au-/aa- für urspr. eu-).
 
Aarbecht F., phV. der Tonsilbe cf. 2; Ablsilbe -beçt/biçt : 1) «Arbeit»; 2) Ergebnis der Arbeit; 3) dem urspr. Sinn des Wortes entspr. Begriff des Lästigen, Beschwerlichen im allgem. (cf. mhd. arebeit); 4) «umständliches Getue, Gerede, überflüssiger Aufwand an (meist nur vorgetäuschter) Sorge»; Spww.: Vun der A. gët kä fett — Keng A. ëm(e)soss (Jede Arbeit ist des Lohnes wert) — 't lieft än nët vun der A., mä vum Profitt (auch: vun de fette Mäifel) — Wann d'A. räich méich, da wier den Iesel méi räich ewéi de Mëller (Miller) — d'A. schänd nët, mä d'Hönn krepéieren dervun — Gutt A. lueft sech selwer (das Werk lobt den Meister); Raa.: ad 1) op d'A. goen (zur Arbeitsstätte gehen, neuerdings, bes. im Süden: op den Travo = frz. travaux) — e geet eng ganz Woch no A. sichen, a sonndes as e frou, wann e keng fond huet — d'A. geet em gutt vun Hänn (flink u. geschickt), auch: gutt vun Hand — de Schräiner huet mäi Schaf an (der) A. (arbeitet zurzeit daran) — mir hun all Hänn voller A. (überlastet) — e versuergt sech d'A. (langsamer Arbeiter) — en huet d'A. gär, wa se gemat as (faul) — e fäärt d'A. nët, e leet sech derbäi (bequem, od.: schläft ein über der A. —en huet d'A. nët erfond (faul) — wéi beim Iessen, esou bei der A. (auch: wéi um Dësch, esou un der A.) — schwéier A., moer Zoppen (dort [Bd. 1, S. 7] wird zwar viel vom Arbeiter verlangt, aber ihm wenig geboten) — 't gët nach Aarbecht, wa mir nët méi do sin (wenn jem. bei der A. drängt); ad 2) dat as jo keng A. (schlechtes Produkt) — eng schéin A. (gefällig, von Möbeln, Schmiedearbeit, Skulptur . . .) — en huet haut e gutt Stéck A. geleescht — ageluegt A. (s. ageluegt); ad 3) 't as dem Däiwel séng A. (knifflige, anstrengende, schwierige, endlose A). — maach der dach keng A. (bemühe dich nicht); ad 4) wat hat en eng A. domat(ter/ten) — ähnlich auch: Gedäässems, Gedéngs, Ambra — wat hues de mol ëmmer eng A. mat anerleits Saachen (was du dich um andrer Leute Angelegenheiten kümmerst).
 
Aarbechts-/chs- (-çts-/-çs-): -geschir N.: «Handwerkszeug»; -gezei N.: 1) «Handwerkskleidung»; 2) (Osten) = -geschir; -leit Plur. tant: M.: 1) «die Arbeiter, die Handwerker»; 2) allg. «die arbeitenden Klassen»; -loun M.: «Arbeitslohn»; -mann M.: 1) «Arbeiter»; 2) oft auch als Vertreter seiner sozialen Klasse, «Proletarier»; -schong M.;

 

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