LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Affen bis Akerland (Bd. 1, Sp. 15a bis 16b)
 
Affen ON.: «Ofen, Fouches», belg. Lx. — B 36; Affener Weiher: im Volkslied «d'Meedche vu Götzen» erwähnt; Nach dem Volksglauben in Luxemburg werden die ehelosen Jungfrauen in einen Weiher gebannt, in den Affener Weiher (Fouches, heute im deutschsprachigen Teil Belgiens), in den Weiher von Büderscheid, in den von Wawern (Regierungsbezirk Trier, ehemals luxemburgisch). Sie werden in Affen zu Kiebitzen und rufen «piewitsch» in den Weiden des Weihers. Umgekehrt heißt es in Büderscheid, daß dort die heiratslustigen Mädchen um das Ufer gehen und «piewitsch» rufen; so kann's ihnen noch gelingen. In Palzem a. d. Mosel müssen die Unverheirateten Sand knüpfen, auf dem Heiderscheider Markt in einen Ring beißen, in Wawern für die Frösche Strümpfe stricken. (Prof. Jos. Hess in der Sudetendeutschen Zeitschrift für Volkskunde.)
 
Affer M.: 1) «Opfergang» um den Altar während der Messe; 2) «Opfergeld, Pfennig, Scherflein» (nicht eingebürgert ist die neuerdings geprägte Lehnübs. Affer = «Opfer, sacrifice»). cf. mnd. offer, frz. offre.
 
afferen Verb.: (Osten: 'O:fərən): 1) allg. «spenden, beisteuern»; 2) bes. «beim Opfergang geben» (auch: affere goen); 3) Studentenspr.: «bezahlen»; 4) beim Kartenspiel: dem Spieler von derselben Seite hochzahlige Karten aufgeben (häufiger: bäiafferen — si affere gutt bäi).
 
Afferstack M.: «Opferstock, -kasten, -büchse».
 
Affertendag (auch: Här A.) M.: «Christihimmelfahrtstag».
 
Affisch F.: «Anschlagzettel».
 
affischéieren: 1) trans. Verb. «durch Anschlagzettel bekanntmachen» — † en as affischéiert (er hängt an der Këscht, am Reider zwecks Heiratsveröffentlichung — Ga.); 2) trans. Verb. «prahlen» mit einem hochstehenden Bekannten, Freund — wat huet se hir Frëndin, d'Doktesch, d'Ministesch . . . affischéiert — auch: sech mat ëmmescht a.; davon das Verbadj. affischéiert (Mos.): «protzig»; 3) refl. Verb. «sich ins Gerede bringen, auffällig benehmen».
 
Affront (phV. im Südwesten A'fro:nt, A'frõ:nt, A'fro:unt) M.: 1) «Schimpf, Frechheit, Beleidigung»; 2) bes. «Vergewaltigung»; 3) Hüllwort für gesellschaftlich untragbare Vorkommnisse, Mißgeschicke; — engem en A. undin, maachen — än an den A. setzen — am A. sëtzen, sin (blamiert) — et as en A. fir esou eppes ze man, soen (unerhört, unverfroren) — esou en A. as mer nach nët geschitt — et as em en A. geschitt (= en huet an d'Box gemat, ä gelooss, sech iwwergin, et as ugefouert gin).
 
affrontéiert Adj.: (bisw. AfrAn'teiərt) 1) «grob, anmaßend, rüpelhaft»; 2) «übermäßig» — du hues mer en a. Stéck Fleesch op den Teller gin. Abl.: [Bd. 1, S. 16] veraffrontéieren (Ga.: affrontéieren); cf. wall. affronté (Namür).
 
Africk (Ton: 2 od. 1) F.: «Afrika» — e war an der A. (bisw.: Fremdenlegion).
 
Aga(t) (Ton: 1), Pl. Aga(r)en F.: «Knicker», meist bunt oder aus Glas (lat. achates, frz. agate — nach Form und Bed. dem Frz. entlehnt).
 
Agatenzant (Ton: 1) M.: «Glättzahn der Weißgerber».
 
Agätt Vorname, zu «Agatha», auch: Gättchen, Gätti, Gätt(es), Jätti.
 
Agence F.: «Auskunftei, Vermittlungsstelle, Reisebüro, Bankfiliale» usw.
 
Agent (A'jεnnt, A'ʒεnnt, 'Aʒã·) M.: «Agent».
 
Agio (bisw. lok. Südwesten: 'la:ʒi) M.: «Aufgeld, Übersatz», der Betrag um welchen der Kurs einer Währung den Nennwert derselben übersteigt.
 
Agnes Vorname, erscheint als: Agnis, Addis, Néis.
 
agreabel Adj.: «angenehm» (frz. agréable).
 
aideren s. Auder.
 
Aier, Aierdéng, Aierjen, im Norden Auer (meist im Pl. gebraucht) F.: «Lust, Anwandlung, Eifer» — ech hun haut keng A. zu näischt — et huet haut gutt (vill) A. fir ze reenen — souvill A. wéi de Wollef fir Hee ze friessen; cf. Ärdéngen.
 
aiereg Adj.: «etwas abgemattet» — et as mer haut esou a. gewiescht.
 
aieren (sech) refl. Verb.: «sich verändern, auf Veränderung hinweisen» (vom Wetter) — 't aiert — auch: 't as aiereg Wieder.
 
Aigrette (ε'grεt) F.: «Reiherbusch, Zitternadel, Perlenstrauß», meist als Damenhutschmuck.
 
Ailebäcker M.: Umlautform zu Aulebäcker, sogar Gailebäcker findet sich; Ailegeschirr, Ailerei s. Aul.
 
Air (εεr) M.: 1) «Miene, Aussehen, Gestalt»; 2) «Schein»; 3) «Ton, Weise»; 4) «Liedchen» — wat gët dee sech en A., auch: Schlag (Wichtigtuer), zu frz. air.
 
Aise (εεs, lok. ε:əs, ees) M.: «Behaglichkeit, Wohlbehagen» — huel der däin A. (mache es dir bequem) — ech sin nët a méngem A. (unwohl, unbehaglich) — en as à son aise (er hat sein gutes Auskommen — Ga.).
 
Ajestat, lok. Aëstat (bes. Mos.), bisw. Estat M.: «Attest, Zeugnis».
 
ajournéieren trans. Verb.: 1) «aufschieben» (Sitzung, Prozeß); 2) «auf ein Nachexamen vertagen».
 
Ajoute F.: «Zusatz, Beifügung, Ergänzung» (frz. ajoute).
 
ajüstéieren trans. Verb.: hdw. «zu-, vorbereiten, zurechtmachen» — d'Néidesch huet mäi Kläd nach nët ajüstéiert.
 
Ak (lok. im Südwesten bisw. Ack) M.: 1) eigtl. «Nacken» — du kriss eng an den Ak — den Ak seet dem Hënner Bejour (beginnende Glatze) — den Äfalt, Dabo huet em an den Ak gebaut — d'Steng an den Ak haen (beim Mähen die Sense zu tief halten); 2) übtr.: «Bergkamm»; Ablt.: Akaul F.: «Genick», eigtl. «Nackengrube», meist anstelle von Ak gebraucht — eng gossen A. (Metallplatte im Hinterkopf); cf. Krazkaul, Nasterkaul; (Kluge: «Anke» = Genick am Mittelrhein u. in Schwaben; mhd. anke, ahd. anka).
 
Akazi (Ton: 2) F.: «Robinie, Schotendorn, Robinia pseudacacia».
 
Aker (belg. Obersau. Akert) M.: «Eichelmast, Eckerich» — d'Schwäin an den A. dreiwen (zur Mast in den Buchenwald treiben); häufig. die Zussetz.: Buch-, Buck-, Buaker (alle häufig als Kollekt. empfunden, bisw. auch F.) Rh. Wb.: «Aker» = im Rheinland die Frucht der Waldbäume im allgemeinen, bes. Eichel und Buchecker; im Westmsfrk. hat die Sitte des Eintreibens der Schweine in die Eichelmast am längsten gedauert; Kluge: «Ecker» aus nd. ecker (Eichel, Buchecker) erst in nhd. Zeit entlehnt; mhd. ackeram, schweiz. acheram, bair. akram; nl. aker; got. akram = «Ertrag, Frucht» erlaubt das Wort zu «Acker» in seinem ältesten Sinn zu stellen («unbebautes Land») cf. d. folg.; für das Simpl. auch die Zussetz.: Akerschaz, Bëschaker.
 
AkerM.: «Acker», nur noch gebr. in Zss.: -koul M.: «gemeine Milche, Lampsana»; -land N.;

 

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