LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Ambrosius bis Ampoll (Bd. 1, Sp. 22b bis 24a)
 
Ambrosius Vorname, erscheint als: Ambros, Ambrous, Bros, Brous.
 
Ambulanz F.: 1) «Krankentransportwagen»; 2) «Betreuungsstätte Verunglückter, plötzlich Erkrankter» — 't war schlëmm, si koumen e mat der A. sichen; Abl.: A.auto, -won.
 
Amecht, (lok. Amëscht) N. (urkundl. Ambaht, kelt. Urspr.: die «ambacti» waren die Klienten des Häuptlings): Eines der bekanntesten Wörter der lx. Volkskunde, die sich nicht eines besonderen Reichtums rühmen kann. Über ein Dutzend Autoren haben sich darum bemüht, teils berichtend, teils erklärend; neben Dicks («Sitten und Bräuche» 1889) und Direktor Gredt (Programmabhandlung 1870/71) vor allem Joseph Hess: Das Amecht, 1933 (Schrœll, Esch a. d. Alzette).1) «Amt» im Sinne von Zunft, Bruderschaft, z. B.: Schmiddsamecht (Eligiuszunft), «wever ambaht» (urkundl. 1419); 2) «Jungburschenschaft des Dorfes», vor 1800; 3) vereinzelt veranstaltetes Gerichtsspiel dieser Borscht, der die Aufrechterhaltung von Zucht und Sitte im Dorf oblag; in ulkiger Weise wurden die Frevler abgeurteilt. Nach der Einverleibung des Herzogtums Luxemburg in die frz. Republik (12. Thermidor 1796) wurde es verboten, lebte aber unter Napoleon vereinzelt wieder auf. Aus Lenningen berichtet Comes: Wenn ein Jüngling in ein anderes Dorf einheiratete, wurde eine Amech veranstaltet. Auf der Kräizgaass wurde durch als Handwerker verkleidete Jünglinge, denen sich auch die Männer anschlossen, ein Haus (eng Heemecht) zeremoniell ausgemessen, worauf der Fremde mit der Braut in dasselbe eintreten durfte, und sich mit einem Stück Geld, bei ärmeren Leuten mit einer Flasche Branntwein (oder einem Kranz Kuchen) loskaufte. 4) in Stadtbredimus: «Karfreitagsgottesdienst» (s. Amt) — Ablt. und Zussetz.: Amesland für Amechtsland N.: der Besitz der Pfarrkirche von Vianden (A. Kœnig in «Ons Hémcht» 1907, 366); die Bruderschaften des hl. Eligius (Schmiddsamecht) und des hl. Sebastian hatten, gegen Abgabe eines [Bd. 1, S. 23] Drittels vom Ertrag, den Genuß davon; Amechtsbrudder M.: «Zunftbruder» (Ambachtsmann bezeichnet laut Rh. Wb. im Rheinland den Handwerker); Geienamecht F.: «langwierige Gesprächsangelegenheit». (In gewissen Flurnamen ist Amecht erhalten, z. B. Amisberg bei Bech). — Während das Wort sowohl bei Grimm wie im Rh. Wb. fehlt, erscheint in verschiedenen lat. Urkunden Hollands «ambacht» im Sinne von «Rechtsbefugtheit in einem bestimmten Distrikt» (Tijdschrift voor ned. Taal- en Letterkunde LXV, S. 45).
 
amedesch (Hoffelt) Adv.: ech gin amedesch — «ich gehe treppauf».
 
Amen: Schlußwort der Gebete — jo an Amen zu eppes soen (bereitwilligst zustimmen) — an engem Jo an Amen (im Nu) — esou séier (sécher) wéi A. am Gebiet (id.) — keen A. a kee Jo gepipst! — wann ech fuurzen, däärfs du A. soen (du hast hier nichts zu bestimmen); amelaangEcht.: esu vill Zäit ä bro'uch fir A. ze son (C.); all Amelaang: «jeden Augenblick». (cf. nl. al amerij «jedes Ave Maria»).
 
Ament (bisw. Nament) M.: «Augenblick» — lo den A. (jetzt gerade) — dësen A., deen A. (diesen, jenen A.) — all Ament (jeden A.); Anlehnung an A (Auge) und Abléck, wie die phV. des Vortonvok. beweisen (O:'mεnnt, OA:'mεnnt, -mε:nt, -m:nt, mε:int).
 
Amer ('Amε:r) M.: zu frz. les amers, «bittere Kräuteraufgüsse»; hier durchwegs: wermuthaltiges, stark alkoholisches Getränk (hd. «Bitter, Magenbitter»; cf. Aperitif).
 
Amerika N.: in den dreißiger und vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Ziel vieler Auswanderer; Zeuge davon, das hier eingebürgerte Lied der Amerikafahrer: «Nun ist die Zeit und Stunde da, wir reisen nach Amerika...» (cf. HVK. S. 157); allg. «Inbegriff des Wunderlandes» — ech gin an A. (sagen die schmollenden Kinder) — de Mononk aus A. (als Quelle unerklärlichen Wohlstandes) — den Amerikaner (aus A. Zurückgekehrter) — amerikanesch (außergewöhnlich, extravagant) — verkürzt zu: Merika.
 
Amma (Ton: 1) bisw. Ammama (Ton: 1) F.: «Großmutter», Koseform, zu frz. grand-maman; dafür auch häufig: Boma (frz. bonne maman) und Oma. cf. Appapa.
 
ammass Adj., Adv. (Ton: 2): «völlig, genug» — en huet Suen a. (zu frz. en masse; im Afrz. heißt es: «se mettre en amasse» = s'attrouper).
 
Amméi Vorname, zu «Annemarie».
 
Ammel, Ammeli Vorname, zu «Amalia».
 
Ammelett (Ton: 1) F.: «Eierkuchen» (frz. omelette) — pass op, soss gët et eng A. (zu jem. der Eier trägt) — wat eng A. (unbestimmbares, mißlungenes Gericht). Das Afrz., Lothr. und Wall. haben a- statt o-: amelette.
 
ammerdéieren trans. Verb.: 1) «belästigen, plagen, quälen»; 2) lok. «nicht mit Bitten nachgeben» (Ospern) (zu frz. emmerder).
 
ammeséieren (phV. amy'zeiərən, spor. -muz-, -miz-) trans. (refl.) Verb.: «belustigen» (frz. amuser) — ammeséier dech nët laang (beeile dich, verliere keine Zeit damit) — ammeséiers de dech gutt? (zu jem., bes. einem Kind, das uns direkt od. indirekt auf die Nerven fällt); Ablt.: ammeséierlech Adj.: «belustigend» — an ammeséierleche Kärel (fröhl. Gesellschafter); Ammeséierchen F.: «Zeitvertreib, Zerstreuung, Vergnügen» — 't as nëmmen eng A. (nicht ernst zu nehmende Liebelei) — Echt.: en A. as en glän Dänzerei, e Kno'uterbal; Ammesett, Ammesettchen (Ami'zεt, -muz-) F.: «Zeitvertreib»; Ammisement (-myz-, -muz-) N.: «Vergnügen» — looss de Kanner hiirt A. (auch auf Erwachsene bezogen).
 
Ammoniak M.: «Salmiakgeist».
 
Ammoss (Ton: 2) F.: eigtl. «Lunte, Zünder, Raketensatz»; hauptsächlich Kinderspielzeug: «kleines, rundes Pulverblättchen», das entweder mittels einer Ammosseschéiss (Spielzeugrevolver), oder indem man mit dem Fuß darauf stampft, zum Knallen gebracht wird; auch: Rammoss cf. frz. amorce.
 
Ampass (Ton: 2) M.: 1) «Verstocktheit» — ech wäärd der däin A. scho verdreiwen! — deen A. vergeet der nach, mäin Aalt!; 2) «Verstockter» — esou en A. wéi dee lieft nët méi!; der Ausdruck ist an der Mosel häufig — cf. Rh. Wb.: «der Einpaß, Einpässer», Mann ohne Familiensinn, altköln. «einpaß» (1587) = Hartnäckigkeit.
 
ampässeg, ampësseg (Ton: 1 od. 2), daneben auch mit der Vorsilbe ëm-, om- (Ton: vorzugsweise: 1) Adj.: 1) «eigensinnig, störrisch, trotzig, verbissen» — Echt.: domm an a. wi d'Oossen (C.) — sie mécht esou eng ompässeg (Miene) Synon.: expresseg, tock(s)eg, tock(s)- käppeg, rabbelkäppesch (cf. altköln. «einpässig» = hartnäckig, 1558); 2) «hoffärtig, zierlich, elegant» (so z. B. in Eich — dafür auch: verpaasst); 3) «einseitig, einsilbig, scheu, einsiedlerisch» [Bd. 1, S. 24] (so z. B. in Stadtlux., Lorentzweiler — dafür in Redingen auch: verpaasst, pësseg); Ablt.: Ampässegkeet F.: «Eigensinn, Trotz, Verbohrtheit»; s. auch: verampassen, verampässegen.
 
Ampel (phV. d. Hpttonvok. cf. Ltb. 4) F.: 1) urspr. «eiserne od. irdene Hängelampe» (lat. ampulla, Ölgefäß); 2) bes. «ewige Lampe» vor dem Altar; 3) «Blumentopf zum Aufhängen»; 4) dann auch für den darin befindlichen Blumenstock, meist Tradescantia guyanensis od. Asparagus Springerii.
 
Amperen, -pelen Kollekt. F.: «Himbeeren» (spor. im ganzen Land; cf. Amber).
 
Ampes (Echt.) M.: «Amboß» — auch: Undels (häufigste Form des Gutlandes), dafür Unsels (z. B. in Lintgen), Unzelt (das im Norden als Aanzelt, Anzelt erscheint); im Norden auch Ansel, Anzem.
 
amplaz, aplaz Adv., Präp.: «anstatt» (das Rh. Wb. vermerkt: an de Platz, am Platz, an Platz, das Nl. kennt in plaats van) — a. ménger (statt meiner) — a. wann ech géing (hingegen wenn ich ginge) — mäin Hutt as futti, ech huelen deen hei(ten) a. — huel léiwer dësen a. deen do — a. ze goen as en nach laang bliwwen (= hd. «anstatt zu», frz. «au lieu de»).
 
Amplejéierten (bisw. Ampəl'jeiərt) M.: 1) eigtl. «Angestellter» (frz. employé, dafür auch lx. Am'plwaije); 2) bes. «Grenzaufseher».
 
Ampoleong (Echt.) (Ton: 2) M.: = frz. le napoléon, Geldstück (20 Franken in Gold).
 
Ampoll (Echt.) (Ton: 2) M.: eigtl. «Ampulle», das kleine Wassergefäß am Spinnrocken zum Nässen der Finger (lat. ampulla), cf. Ampel.

 

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