LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Amer bis andeems (Bd. 1, Sp. 23a bis 25a)
 
Amer ('Amε:r) M.: zu frz. les amers, «bittere Kräuteraufgüsse»; hier durchwegs: wermuthaltiges, stark alkoholisches Getränk (hd. «Bitter, Magenbitter»; cf. Aperitif).
 
Amerika N.: in den dreißiger und vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Ziel vieler Auswanderer; Zeuge davon, das hier eingebürgerte Lied der Amerikafahrer: «Nun ist die Zeit und Stunde da, wir reisen nach Amerika...» (cf. HVK. S. 157); allg. «Inbegriff des Wunderlandes» — ech gin an A. (sagen die schmollenden Kinder) — de Mononk aus A. (als Quelle unerklärlichen Wohlstandes) — den Amerikaner (aus A. Zurückgekehrter) — amerikanesch (außergewöhnlich, extravagant) — verkürzt zu: Merika.
 
Amma (Ton: 1) bisw. Ammama (Ton: 1) F.: «Großmutter», Koseform, zu frz. grand-maman; dafür auch häufig: Boma (frz. bonne maman) und Oma. cf. Appapa.
 
ammass Adj., Adv. (Ton: 2): «völlig, genug» — en huet Suen a. (zu frz. en masse; im Afrz. heißt es: «se mettre en amasse» = s'attrouper).
 
Amméi Vorname, zu «Annemarie».
 
Ammel, Ammeli Vorname, zu «Amalia».
 
Ammelett (Ton: 1) F.: «Eierkuchen» (frz. omelette) — pass op, soss gët et eng A. (zu jem. der Eier trägt) — wat eng A. (unbestimmbares, mißlungenes Gericht). Das Afrz., Lothr. und Wall. haben a- statt o-: amelette.
 
ammerdéieren trans. Verb.: 1) «belästigen, plagen, quälen»; 2) lok. «nicht mit Bitten nachgeben» (Ospern) (zu frz. emmerder).
 
ammeséieren (phV. amy'zeiərən, spor. -muz-, -miz-) trans. (refl.) Verb.: «belustigen» (frz. amuser) — ammeséier dech nët laang (beeile dich, verliere keine Zeit damit) — ammeséiers de dech gutt? (zu jem., bes. einem Kind, das uns direkt od. indirekt auf die Nerven fällt); Ablt.: ammeséierlech Adj.: «belustigend» — an ammeséierleche Kärel (fröhl. Gesellschafter); Ammeséierchen F.: «Zeitvertreib, Zerstreuung, Vergnügen» — 't as nëmmen eng A. (nicht ernst zu nehmende Liebelei) — Echt.: en A. as en glän Dänzerei, e Kno'uterbal; Ammesett, Ammesettchen (Ami'zεt, -muz-) F.: «Zeitvertreib»; Ammisement (-myz-, -muz-) N.: «Vergnügen» — looss de Kanner hiirt A. (auch auf Erwachsene bezogen).
 
Ammoniak M.: «Salmiakgeist».
 
Ammoss (Ton: 2) F.: eigtl. «Lunte, Zünder, Raketensatz»; hauptsächlich Kinderspielzeug: «kleines, rundes Pulverblättchen», das entweder mittels einer Ammosseschéiss (Spielzeugrevolver), oder indem man mit dem Fuß darauf stampft, zum Knallen gebracht wird; auch: Rammoss cf. frz. amorce.
 
Ampass (Ton: 2) M.: 1) «Verstocktheit» — ech wäärd der däin A. scho verdreiwen! — deen A. vergeet der nach, mäin Aalt!; 2) «Verstockter» — esou en A. wéi dee lieft nët méi!; der Ausdruck ist an der Mosel häufig — cf. Rh. Wb.: «der Einpaß, Einpässer», Mann ohne Familiensinn, altköln. «einpaß» (1587) = Hartnäckigkeit.
 
ampässeg, ampësseg (Ton: 1 od. 2), daneben auch mit der Vorsilbe ëm-, om- (Ton: vorzugsweise: 1) Adj.: 1) «eigensinnig, störrisch, trotzig, verbissen» — Echt.: domm an a. wi d'Oossen (C.) — sie mécht esou eng ompässeg (Miene) Synon.: expresseg, tock(s)eg, tock(s)- käppeg, rabbelkäppesch (cf. altköln. «einpässig» = hartnäckig, 1558); 2) «hoffärtig, zierlich, elegant» (so z. B. in Eich — dafür auch: verpaasst); 3) «einseitig, einsilbig, scheu, einsiedlerisch» [Bd. 1, S. 24] (so z. B. in Stadtlux., Lorentzweiler — dafür in Redingen auch: verpaasst, pësseg); Ablt.: Ampässegkeet F.: «Eigensinn, Trotz, Verbohrtheit»; s. auch: verampassen, verampässegen.
 
Ampel (phV. d. Hpttonvok. cf. Ltb. 4) F.: 1) urspr. «eiserne od. irdene Hängelampe» (lat. ampulla, Ölgefäß); 2) bes. «ewige Lampe» vor dem Altar; 3) «Blumentopf zum Aufhängen»; 4) dann auch für den darin befindlichen Blumenstock, meist Tradescantia guyanensis od. Asparagus Springerii.
 
Amperen, -pelen Kollekt. F.: «Himbeeren» (spor. im ganzen Land; cf. Amber).
 
Ampes (Echt.) M.: «Amboß» — auch: Undels (häufigste Form des Gutlandes), dafür Unsels (z. B. in Lintgen), Unzelt (das im Norden als Aanzelt, Anzelt erscheint); im Norden auch Ansel, Anzem.
 
amplaz, aplaz Adv., Präp.: «anstatt» (das Rh. Wb. vermerkt: an de Platz, am Platz, an Platz, das Nl. kennt in plaats van) — a. ménger (statt meiner) — a. wann ech géing (hingegen wenn ich ginge) — mäin Hutt as futti, ech huelen deen hei(ten) a. — huel léiwer dësen a. deen do — a. ze goen as en nach laang bliwwen (= hd. «anstatt zu», frz. «au lieu de»).
 
Amplejéierten (bisw. Ampəl'jeiərt) M.: 1) eigtl. «Angestellter» (frz. employé, dafür auch lx. Am'plwaije); 2) bes. «Grenzaufseher».
 
Ampoleong (Echt.) (Ton: 2) M.: = frz. le napoléon, Geldstück (20 Franken in Gold).
 
Ampoll (Echt.) (Ton: 2) M.: eigtl. «Ampulle», das kleine Wassergefäß am Spinnrocken zum Nässen der Finger (lat. ampulla), cf. Ampel.
 
Ampris (Ton: 2) F.: die lx. Bed. stimmen im ganzen mit denen im Larousse verzeichneten frz. überein, nämlich 1) «entreprise», Unternehmen; 2) «action de prendre des terrains par expropriation», Abtretung von Gelände zu öffentl. Nutzen; 3) «empiètement sur le domaine public»; 4) auffällig ist die Bed.: «Eifer» — an der éischter A. (erinnert an das von Zéliqzon zitierte lothr. amprinses = «petits brins de bois qu'on allume à l'entrée du four pour voir clair avant d'enfourner», doch gibt N. Majerus «Hist. du Droit» II/519 ein afrz. aprise, das auf alte Rechtszusammenhänge schließen läßt: «au XIII siècle apparaît la poursuite d'office dans les juridictions laïques sous le nom d'aprise»).
 
amstand Adj., Konjunkt.: du bas dees (ës, därs) a. (dessen fähig) — hien as emol nët a. säin Numm ze schreiwen — amstand du hues dat nët gesot (du willst mich doch nicht glauben lassen, du habest das nicht gesagt); cf. auch: emstand.
 
an (a:n): auf dem Lande die häufigste Form zu «Anna»; auch: Ann, Annachen, Annchen, Anni, Änn, Ännchen, Änni, Änneli, Anéi, Annett, Annettchen, Annetti, Nann, Nannchen, Nanni, Nannett; Zussetz.: Anegréit, Anegritt: «Anna-Margareta»; Anekätt: «Anna-Katharina»; Aneleis, Anelis, Aneliss: «Anna-Elisabeth, Anneliese» — Kinderreim: Mumm Aneleis, Mumm Aneleis, wou sin dann déng Gais? Se suddelen, se puddelen, se wäschen sech hir Schwänz. (zweiter Vers häufig auf hd.: «was machen eure Gäns»; Nd.kerschen: Mumm Anelis, wou sin är Gis? Am Gréngewald! Wien hitt se dann? En ale Mann! Wat kritt en dann? Eng al beschasse Box!; andere Varianten weniger geläufig); Anemärri, Anemrei, Amrei, Amméi, Anemräch, Amräch, Amech: «Anna-Maria, Annemarie» (neuerdings wird die frz. Form Marie-Anne, Marianne mit ihren Varianten vorgezogen); Anendag M.: «Fest der hl. Anna» — Spw.: Anendag zeidegt de Weess esou huurteg an der Nuecht ewéi am Do. Neben Maria früher der häufigste weibliche Vorname. Die hl. Anna wurde gegen Gewitter und Blitz angerufen. Die Formen des Rh. Wb. entsprechen vielfach den unsern: Ann, Änn, Aan (Westeifel) u. a. m. Auch das Wall. gebr. Ane, Ane-Catrîne und Ane-Lîzbet.
 
an (phV. NOesl. mit Huldingen, Wilwerdingen, Beiler: on; Dahlem: O:n; Enscheringen: a:n) Konjunkt.: «und», dient: 1) zur Verknüpfung zweier koordinierter Satzteile od. Sätze — vir bäi an hanne widder — e könnt an e geet; 2) zur Anknüpfung an das Vorhergehende, bes. in bewegter Erzählung, wo die Formel an du (an dunn) zu Beginn eines jeden Satzes wiederkehrt; 3) zum Ausdruck der Ungehaltenheit, Herausforderung, Spannung in Fragen u. Anreden — an du? — an dann? — a wat as? — a wann s de nët gees! and für an erscheint in den Raa.: dann and wann — hei and do (oft sogar: hei ands do, «ab und zu»; hei an do, «hier und dort»); cf. die Kurzform a.
 
an (phV. NOesl. mit Huldingen und vereinzelt in Besslingen: on) Präp.: [Bd. 1, S. 25] «in», steht mit Dat. zur Bezeichnung der Lage in Raum, Zeit u. Zuständen, mit Akk. zur Bez. der Richtung; in vielen Raa. übertragen auf unräumliche Verhältnisse. — räumlich: en hänkt an der Luucht, e spréngt an d'Luucht — dat fällt mer an d'A, ech behalen et am A — ech gin an d'Mass, ech sin an der Prouf, am Concert, an der Konferenz — bei Städtenamen steht meist zu (Dat.) resp. op (Akk.), also: ech wunnen zu Esch, ech gin op Arel. Hingegen heißt es: ech wunnen an der Stad, ech fueren an d'Stad (meist für Luxemburg, im W. bisw. für Arlon). Bes. im Sd. hört man häufiger: ech wunnen an Esch, ech gin an Esch (dabei ist bes. das Stadtinnere gemeint) — bei Ländernamen ist an mit Dativ u. mit Akk. gebräuchlich: e lieft an Holland, e fiirt an Däitschland. — en dréit sech am Kräs, e fléit am Bou; zeitlich: an der Nuecht, am Do — spéit am Muergen, am Mëtteg (sonst lediglich: muerges, mëttes) — bis déif an d'Nuecht, bis an de fréie Muergen (eran) — an enger Stonn wäärd e kommen, en hat et an enger Woch fäärdeg — am Ament, am Nu, an engem Nu; zuständlich: a gudden Termen (Beziehungen) — an deem Fall — am Gaang (im Begriff) — an der Reih (Ordnung) — am Féiwer, Dram, Schlof — am Krich, Fridden — a Gefor, an der Gefor — am Recht, Zweiwel, Eescht, Spaass — am Marsch, Schwonk, Jhumm — a guddem Glaf, am gudde Glaf — huel dech an Uecht (auch: en Uecht, «in Acht»); cf. a, am; Zussetz.: -deems: 1) Adv.: «unterdessen»; 2) Konjunkt.: «indem» (eigtl.: an deem dass); anderbant, anderbaants Adv.: «während dieser Zeit»;

 

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