LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Ammoniak bis abegräifen (Bd. 1, Sp. 23b bis 25b)
 
Ammoniak M.: «Salmiakgeist».
 
Ammoss (Ton: 2) F.: eigtl. «Lunte, Zünder, Raketensatz»; hauptsächlich Kinderspielzeug: «kleines, rundes Pulverblättchen», das entweder mittels einer Ammosseschéiss (Spielzeugrevolver), oder indem man mit dem Fuß darauf stampft, zum Knallen gebracht wird; auch: Rammoss cf. frz. amorce.
 
Ampass (Ton: 2) M.: 1) «Verstocktheit» — ech wäärd der däin A. scho verdreiwen! — deen A. vergeet der nach, mäin Aalt!; 2) «Verstockter» — esou en A. wéi dee lieft nët méi!; der Ausdruck ist an der Mosel häufig — cf. Rh. Wb.: «der Einpaß, Einpässer», Mann ohne Familiensinn, altköln. «einpaß» (1587) = Hartnäckigkeit.
 
ampässeg, ampësseg (Ton: 1 od. 2), daneben auch mit der Vorsilbe ëm-, om- (Ton: vorzugsweise: 1) Adj.: 1) «eigensinnig, störrisch, trotzig, verbissen» — Echt.: domm an a. wi d'Oossen (C.) — sie mécht esou eng ompässeg (Miene) Synon.: expresseg, tock(s)eg, tock(s)- käppeg, rabbelkäppesch (cf. altköln. «einpässig» = hartnäckig, 1558); 2) «hoffärtig, zierlich, elegant» (so z. B. in Eich — dafür auch: verpaasst); 3) «einseitig, einsilbig, scheu, einsiedlerisch» [Bd. 1, S. 24] (so z. B. in Stadtlux., Lorentzweiler — dafür in Redingen auch: verpaasst, pësseg); Ablt.: Ampässegkeet F.: «Eigensinn, Trotz, Verbohrtheit»; s. auch: verampassen, verampässegen.
 
Ampel (phV. d. Hpttonvok. cf. Ltb. 4) F.: 1) urspr. «eiserne od. irdene Hängelampe» (lat. ampulla, Ölgefäß); 2) bes. «ewige Lampe» vor dem Altar; 3) «Blumentopf zum Aufhängen»; 4) dann auch für den darin befindlichen Blumenstock, meist Tradescantia guyanensis od. Asparagus Springerii.
 
Amperen, -pelen Kollekt. F.: «Himbeeren» (spor. im ganzen Land; cf. Amber).
 
Ampes (Echt.) M.: «Amboß» — auch: Undels (häufigste Form des Gutlandes), dafür Unsels (z. B. in Lintgen), Unzelt (das im Norden als Aanzelt, Anzelt erscheint); im Norden auch Ansel, Anzem.
 
amplaz, aplaz Adv., Präp.: «anstatt» (das Rh. Wb. vermerkt: an de Platz, am Platz, an Platz, das Nl. kennt in plaats van) — a. ménger (statt meiner) — a. wann ech géing (hingegen wenn ich ginge) — mäin Hutt as futti, ech huelen deen hei(ten) a. — huel léiwer dësen a. deen do — a. ze goen as en nach laang bliwwen (= hd. «anstatt zu», frz. «au lieu de»).
 
Amplejéierten (bisw. Ampəl'jeiərt) M.: 1) eigtl. «Angestellter» (frz. employé, dafür auch lx. Am'plwaije); 2) bes. «Grenzaufseher».
 
Ampoleong (Echt.) (Ton: 2) M.: = frz. le napoléon, Geldstück (20 Franken in Gold).
 
Ampoll (Echt.) (Ton: 2) M.: eigtl. «Ampulle», das kleine Wassergefäß am Spinnrocken zum Nässen der Finger (lat. ampulla), cf. Ampel.
 
Ampris (Ton: 2) F.: die lx. Bed. stimmen im ganzen mit denen im Larousse verzeichneten frz. überein, nämlich 1) «entreprise», Unternehmen; 2) «action de prendre des terrains par expropriation», Abtretung von Gelände zu öffentl. Nutzen; 3) «empiètement sur le domaine public»; 4) auffällig ist die Bed.: «Eifer» — an der éischter A. (erinnert an das von Zéliqzon zitierte lothr. amprinses = «petits brins de bois qu'on allume à l'entrée du four pour voir clair avant d'enfourner», doch gibt N. Majerus «Hist. du Droit» II/519 ein afrz. aprise, das auf alte Rechtszusammenhänge schließen läßt: «au XIII siècle apparaît la poursuite d'office dans les juridictions laïques sous le nom d'aprise»).
 
amstand Adj., Konjunkt.: du bas dees (ës, därs) a. (dessen fähig) — hien as emol nët a. säin Numm ze schreiwen — amstand du hues dat nët gesot (du willst mich doch nicht glauben lassen, du habest das nicht gesagt); cf. auch: emstand.
 
an (a:n): auf dem Lande die häufigste Form zu «Anna»; auch: Ann, Annachen, Annchen, Anni, Änn, Ännchen, Änni, Änneli, Anéi, Annett, Annettchen, Annetti, Nann, Nannchen, Nanni, Nannett; Zussetz.: Anegréit, Anegritt: «Anna-Margareta»; Anekätt: «Anna-Katharina»; Aneleis, Anelis, Aneliss: «Anna-Elisabeth, Anneliese» — Kinderreim: Mumm Aneleis, Mumm Aneleis, wou sin dann déng Gais? Se suddelen, se puddelen, se wäschen sech hir Schwänz. (zweiter Vers häufig auf hd.: «was machen eure Gäns»; Nd.kerschen: Mumm Anelis, wou sin är Gis? Am Gréngewald! Wien hitt se dann? En ale Mann! Wat kritt en dann? Eng al beschasse Box!; andere Varianten weniger geläufig); Anemärri, Anemrei, Amrei, Amméi, Anemräch, Amräch, Amech: «Anna-Maria, Annemarie» (neuerdings wird die frz. Form Marie-Anne, Marianne mit ihren Varianten vorgezogen); Anendag M.: «Fest der hl. Anna» — Spw.: Anendag zeidegt de Weess esou huurteg an der Nuecht ewéi am Do. Neben Maria früher der häufigste weibliche Vorname. Die hl. Anna wurde gegen Gewitter und Blitz angerufen. Die Formen des Rh. Wb. entsprechen vielfach den unsern: Ann, Änn, Aan (Westeifel) u. a. m. Auch das Wall. gebr. Ane, Ane-Catrîne und Ane-Lîzbet.
 
an (phV. NOesl. mit Huldingen, Wilwerdingen, Beiler: on; Dahlem: O:n; Enscheringen: a:n) Konjunkt.: «und», dient: 1) zur Verknüpfung zweier koordinierter Satzteile od. Sätze — vir bäi an hanne widder — e könnt an e geet; 2) zur Anknüpfung an das Vorhergehende, bes. in bewegter Erzählung, wo die Formel an du (an dunn) zu Beginn eines jeden Satzes wiederkehrt; 3) zum Ausdruck der Ungehaltenheit, Herausforderung, Spannung in Fragen u. Anreden — an du? — an dann? — a wat as? — a wann s de nët gees! and für an erscheint in den Raa.: dann and wann — hei and do (oft sogar: hei ands do, «ab und zu»; hei an do, «hier und dort»); cf. die Kurzform a.
 
an (phV. NOesl. mit Huldingen und vereinzelt in Besslingen: on) Präp.: [Bd. 1, S. 25] «in», steht mit Dat. zur Bezeichnung der Lage in Raum, Zeit u. Zuständen, mit Akk. zur Bez. der Richtung; in vielen Raa. übertragen auf unräumliche Verhältnisse. — räumlich: en hänkt an der Luucht, e spréngt an d'Luucht — dat fällt mer an d'A, ech behalen et am A — ech gin an d'Mass, ech sin an der Prouf, am Concert, an der Konferenz — bei Städtenamen steht meist zu (Dat.) resp. op (Akk.), also: ech wunnen zu Esch, ech gin op Arel. Hingegen heißt es: ech wunnen an der Stad, ech fueren an d'Stad (meist für Luxemburg, im W. bisw. für Arlon). Bes. im Sd. hört man häufiger: ech wunnen an Esch, ech gin an Esch (dabei ist bes. das Stadtinnere gemeint) — bei Ländernamen ist an mit Dativ u. mit Akk. gebräuchlich: e lieft an Holland, e fiirt an Däitschland. — en dréit sech am Kräs, e fléit am Bou; zeitlich: an der Nuecht, am Do — spéit am Muergen, am Mëtteg (sonst lediglich: muerges, mëttes) — bis déif an d'Nuecht, bis an de fréie Muergen (eran) — an enger Stonn wäärd e kommen, en hat et an enger Woch fäärdeg — am Ament, am Nu, an engem Nu; zuständlich: a gudden Termen (Beziehungen) — an deem Fall — am Gaang (im Begriff) — an der Reih (Ordnung) — am Féiwer, Dram, Schlof — am Krich, Fridden — a Gefor, an der Gefor — am Recht, Zweiwel, Eescht, Spaass — am Marsch, Schwonk, Jhumm — a guddem Glaf, am gudde Glaf — huel dech an Uecht (auch: en Uecht, «in Acht»); cf. a, am; Zussetz.: -deems: 1) Adv.: «unterdessen»; 2) Konjunkt.: «indem» (eigtl.: an deem dass); anderbant, anderbaants Adv.: «während dieser Zeit»; anenän, -een, -aner Adv.: «ineinander»; an engems Adv.: «zugleich, in einem Stück, zusammen» (Sauer: an eems, ääms) — komm, elo geet et an engems (auch: an enge Käschten) — beim Klickerspiel: gutt an engems (Ausruf, der dem Spieler besondere Vorteile sichert).
 
an Adv.: 1) entspricht in wenigen Resten dem mhd. «inne», zur Bezeichnung der Ruhelage (cf. nhd. «hierin, darin, worin» usw., die alle auch im Lx. erhalten sind: hei-, do-, wouran(ner, -nen)) — bannen an «binnen inne» — ënnen an («unten inne», im Erdgeschoß, Ggs.: uewen op) — häufig in unfesten Zussetz.: en hält et an (hält es bei sich, bes. den Stuhl) — e läit an (krank im Bette) — en hält sech an (geht nicht unter die Leute); s. weitere Bsp. bei den unter A(n)-/ a(n)- zitierten Zussetz.; im allgem. ist an in dieser Funktion durch bannen verdrängt; 2) «ungefähr» neben Zahlwörtern — en huet an déi siechzeg Joer.
 
an entspricht nördl. einer Linie Trotten-Rümlingen-Clerf-Hosingen dem un der Koinè (s. alle Varianten unter un).
 
an (meist kurz An, in Stadtlux. a:n) Adv.: «ein», zur Richtungsbezeichnung («in» und «ein» fallen also lautlich in der Umgangssprache zusammen, statt mhd. în wurde nur die Kurzform in weiterentwickelt) — an an aus (ein und aus) — Joer aus, Joer an — mir gin d'Duerf an (das Dorf hinunter) — d'Musel an (moselab) — d'Trap an (auch: eran, die Treppe hinunter, bisw. auch: die Treppe hinauf) — e wunnt d'Duerf an (eigtl.: «das Dorf ein, weiter im Dorf») — d'Kanner sin an (hineingegangen) — mir ware bei Mëllesch an (eingekehrt) — gees de mat an? — den Nol geet nët an (dringt nicht ein) — dazu die merkwürdige Bildung: ech gi bis an (s. bis).
 
A(n)-/a(n)- (zum Ausfall des -n s. Fußnote S. 5) Präf.: «ein-» meist kurz An-, A-, in Stadtlux. häufig halblang a·n oder lang a:n gesprochen; in der Mehrzahl der Fälle liegt der Ton auf dem Präfix. -aarbéchten (sech) refl. Verb.; -band M.; -bannen trans. Verb.; -bann-Nol F.: «Riemnadel» (Ga.: passe-corde, sorte d'aiguille dont le bourrelier se sert pour enfiler les ficelles et les faire passer où il veut); -bäärden, -bären, Stadtlux. -bierden trans. Verb.: «verbrämen, borten, besetzen» — iron. du kriss d'Oueren agebäärd (wirst geprügelt) — auf die vorwitzige Frage der Kinder: «Sid der bal fäärdeg?», antwortet die Nähterin: «Jo, hätte mer d'Oueren nach agebäärd», (s. Agebäärds); -bäzen, -beezen trans. Verb.: «einpökeln», meist in Wein oder Weinessig — d'Mamm huet en Hues agebääzt, (Ablt.: Agebääztes); -begräifen trans. Verb.: de ganze Bibelot (Plunder) mat abegraff;

 

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