LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Auberge bis Aus- / aus- (Bd. 1, Sp. 37b bis 39b)
 
Auberge ('obεrS, 'o:bεrS) F.: «Gasthaus, Herberge, Hotel» — 't as fir mam Kapp an eng A. ze lafen — laténgesch A. (wenn Gäste, bes. Studenten beim Pfarrer speisen); Abl.: Aubergist(Ga.); frz. auberge.
 
Aubette ('o:bεt) F.: «Verkaufskiosk, kleine Bahnhofswirtschaft», entlehnt aus dem sog. «français de Belgique».
 
Audel Vorname, zu «Ottilie» (auch: Oudel, Uddel).
 
Auder (phV.: Sg. Oesl. 'Agdər, 'Ogdər, 'εgdər; im NO und SW des Gutlandes die Krompromißformen 'Odər, 'ədər, 'εdər; Pl. Koinè Aider, Oesl. 'εgdər, sonst wie Sg.) M.: «Euter» — Echt.: Wee beim A. as, kréit d'Mëllech (sonst: wie beim Wäiwaasser as, dee seent sech) — a la bonne Auder, sot d'Fra, du huet se de Bock gestrach (Volkswitz); Abl.: aideren intr. Verb. (mit ähnl. phV): «Euter bekommen» — déi Kou as gutt geaidert. Mit n-Agglutination: naideren, usw.
 
Audersërek (Ehnen) ON.: «Haute-Sierck» Dorf in Lothringen.
 
auen Interj.: in jëmmen auen, jësëssen auen.
 
Auer (phV. des Hpttonvok. cf. Ltb. 74) F.: 1) «Uhr»; 2) «Uhrzeit, Stunde» [Bd. 1, S. 38] — Aueren a Stonne sin ongläich (das Leben ist wechselvoll) — ëm dräi A. (um drei Uhr, bisw.: um dräi A.) — Echt.: ëm dës A. (um diese Stunde) — géint dräi A., esou ëm dräi A. (gegen drei Uhr) — d'A. geet, téckt, jhatscht (tickt unregelmäßig), räpst (Geräusch vor dem Schlagen), schléit, steet, geet no, geet vir — d'A. as ofgelaf (auch übtr.: die Frist ist um) — d'A. opzéien, opdréien, riichten, virréckelen, vir-, noriichten, unhalen — übtr.: engem d'Auer opdréien (einen harten Verweis geben) — dat huet gedauert vun zwielef A. bis Mëtteg (war nicht dauerhaft, z. B. Kleider, Spielzeug) — ech soen der gläich, wivill A. datt et as (den Standpunkt klarmachen) — 't as een ewéi eng A. (so pünktlich, unermüdlich, genau) — hien as méng A. (von jem. bes. einem Säugling, Kranken, Gebrechlichen . . ., der regelmäßig seine Aufwartung verlangt) — wivill A. as et? spaßhafte Antworten: haalwer bäi verdräi (Stadtlux.), véierel op kal Ierbëssen, esou vill ewéi gëschter em dës Zäit; iron.: Gromper (meist, schlechte, große Taschenuhr).
 
Auer-: -blumm F.: «Rupprechtskraut, Geranium Robertianum»; -(e)- kapp M.: «Gestell einer Wanduhr»; -klack F.: «Glocke, welche die Stunden angibt»; -poppert (Redingen) M.: «einer, der beständig an den Uhren zu schaffen findet»; -mécher (spor.: -micher) M.: «Uhrmacher»; -(e)schaf M.: «Uhrgehäuse»; -schlëssel M.: «Uhrschlüssel» (zum Aufziehen von Wand-, Standuhren); -täsch F.: «Uhrtasche»; -wier(e)k N.: «Uhrwerk».
 
Auerdronk (Osten) M.: in Wein angesetzte Heilkräuter zur Blutreinigung nach dem Rezept eines Pfarrers in Auw (Eifel).
 
Auer- / auer- Präf.: «Ur-/ur-» — -biddeg, -béidigAdj.: 1) urspr. «willig, untertänig» (so in vielen Ortsch., bes. Echt., Vianden, Medernach, Simmern), stimmt sinngemäß zu frühnhd. «urbittig»; 2) «ungehorsam» (Wb. 06; cf. hd. Aberglaube, -gunst, -witz); -däleg, -deelegAdj.: 1) «noch nicht durch Urteil entschieden» (also sinngemäß: «urteilig»); 2) «nicht einverstanden» (Wb. 06); 3) beim Tanz: «überzähliges Mädchen», das sich mit einem Spiegel in der Hand auf einen Stuhl setzte, mit dem Rücken zu den Tänzern, und sich einen Partner (lx. Kniecht) wählen durfte (Comes); 4) Echt.: entsprechend Goat (= Guet, s. d.) — äich werd dach déi auerdälig Hënsch («Handschuh») dohäm gelosst hoan; (cf. auch: urdäleg); -saachF.: im Osten (bes. Echt.) für Ursaach (s. d.) — Der Dutt hoat allzäit säin A. (Echt.) — da's en oarm A. (fadenscheinige Entschuldigung).
 
Aufgab F.: «Schulaufgabe», in hd. Form, aus der Schülersprache eingebürgert.
 
August (Ton: 1) Vorname, erscheint als: Gust(i), Ësti (dazu die frz. Formen 'o:gyst, 'gygyst) — iron.: du (dommen) A. (Tölpel).
 
August (Ton: 2) M.: «Monat August» — von den Trauben heißt es: Wat den A. nët kacht, dat muss de September broden, od. Den A. muss kachen, de September muss broden; Augustdrauf F.: «grauer Clävner» hd. auch. August-, Jakobi-, Laurenzitraube (selbst in geringen Bodenverhältnissen u. höheren Lagen noch gedeihend; Wb. 06 nennt sie auch Assmannshaiser).
 
Augusta Vorname, erscheint als: Gusta, Gusti, Gustchen.
 
Augustin Vorname, erscheint als: Stinn, Stinni, Stinnes (daneben die frz. Form 'o:gyst).
 
AulF.: «Schüssel, bauchiger irdener Topf» besonders zur Aufnahme von Teig, Konfekt . . . bestimmt — Mos.: den Deessem as an der A. — d'A. mam Damp (lat. aula, mlat. olla, mhd. ûle, afrz. eule; schon zur röm. Zeit importiert).
 
Aulchen (neben Eelchen) M.: «Blutegel» (Kopstal).
 
Aulebäcker M.: «Töpfer» (die Familiennamen Ailebecker, Aulmann, Aulner, die Flur- und Ortsnamen Ailekiem bei Hagen, Ailerei u. ä. erinnern vielerorts an dieses Handwerk); Raa. Echt.: laachen wi en A. deen ëmschlät (d. h. sauersüß, gute Miene zu bösem Spiel machen) — Echt.: Aulebeekeschwoar verdrät kän Neel (spöttisch, wenn jem. irdenes Geschirr bricht u. die Scherben prüft).
 
Aulegeschir (bisw. Aile-) N.: «Töpferware».
 
Aumonier (Ton: 2) M.: «Seelsorger» bes. von Schulen, Klöstern, Armee, Vereinen — lok. Schülerspr.: Monni.
 
Au revoir Interj.: s. Arwuer — auch Subst.: séng Aurevoire maachen.
 
aus Adv. (phV. cf. Ltb. 79): 1) in wenigen Resten entspricht es einem mhd. ûʒe, welches die urspr. Bezeichnung der Ruhelage ist (cf. PE S. 46), in den meisten einschlägigen Fällen durch -baussen zurückgedrängt — wou as en? Aus! (oft mit der Nbbed. «auf [Bd. 1, S. 39] dem Abort») — du bas aus (beim Spiel: ausgeschieden; doch nicht immer in diesem Sinn, cf. sub 3) — de Ball as aus (Fußball) — verschiedene Bsp. unter den nachfolgenden unfesten Zss., z. B.: dat Geld steet nach aus; 2) im allgem. ist es Richtungsbezeichnung — Tromp aus, Rauten aus (Kartenspiel) — géi emol (bis) aus (hinaus) — auch übtr.: op eppes aus sin (nach etw. trachten); 3) «zu Ende, vollständig, abgeschlossen, fertig», häufig in Verbindung mit sin (sein) und in vielen uneigtl. Zss.; in diesem Sinn kann von fast jedem beliebigen intr. Verb das Perf. u. Plusqpf. mit adverbialem aus zusammengesetzt werden, falls es mit hun umschrieben wird; häufig werden adjektivisch gebr-Part. Prät. zur Bezeichnung eines vollkommen erreichten Zustandes mit aus verbunden - d'Schoul, de Kino, d'Mëss, d'Kiirch, d'Frëndschaaft, d'Léift . . . as aus (zu Ende) — de Bal (frz. bail) as a. (abgelaufen) — 't as aus tëschent hinnen (Abbruch der Beziehungen) — d'Saach as aus — d'Feier as aus (erloschen) — dohanne lääft eng Maus, meng Seechen as aus — 't as aus mat em (hat ausgespielt) — 't as aus domat(ter/ten) — all aus (Klickerspiel) mit der bes. Bed.: alle scheiden aus, mir gehört der letzte Wurf, od. mir kommen alle Vorteile zu — auserdiischtert, -erhéngert, -gededegt (bes. in einem Prozeß). -gelafe Kar, -geléiert, -gelueft (iron.: mit Tadel überhäuft), -gekoschtert, -geknuselt (Echt.: fertig mit Kleinarbeit). -gepaff, -gerascht, -gereent, -geschlof, -geschwat, -gesouert, -gespillt, -gekränkelt usw. — desgl. werden viele urspr. intr. Verb., mit aus- zusammengesetzt, als refl. Verb. gebraucht, so z. B.: sech ausklaatschen, -kräischen, -laachen, -pintschen, -raschten, -schwätzen, -schlofen, -soueren, -wannen (vom Winde) usw.; sogar zur Verstärkung von Adj.: ausersierklech (cf. ersierklech); 4) «bis ans Ende in einer bestimmten Richtung» — de Kamäin, d'Trap, de Bierg, riicht . . . aus; 5) in Verbindung mit andern Adv. — an an aus, dat as än An an Aus (bes. bei beweglichen, unruhigen Kindern) — Joer an, Joer aus — vun hei aus — vu mir aus — en as drop aus (oft mit dem Zusatz: wéi der Deiwel op eng aarme Séil) — hannen-, vir- uewen-, ënnenaus(ser) — aus an un (kaum begonnen und schon wieder beendet, bes. beim Kegeln: der letzte Wurf eines Spiels ist zugleich der erste des nächsten) — dat as aus a verbäi (sicher, außer Frage).
 
aus Adj.: «erloschen», hergeleitet von Ausdrücken wie: d'Feier as aus — ausse Kuelen (taube, ausgebrannte Kohlen).
 
aus Präp.: räumlich und zeitlich gebr. 1) urspr.: a) zur Bezeichnung der Herkunft — e könnt aus dem Frankräich, aus enger räicher Familjen — ech drénken aus engem Glas, Patt, Humpen . . . — eng Bless (Wunde) aus dem Krich — hierbei verliert der folgende best. Art. häufig das anlautende d-: aus em Krich — aus dem virechte Joerhonnert; b) zur Bezeichnung der Richtung — géi deem aus dem Wee, aus de Féiss (auch übtr.: meide ihn) — géi mer aus den Aen — en danzt aus der Reih — nët aus Plaze kommen (sich fast nicht bewegen können, auch: mit der Arbeit nicht vom Fleck kommen); c) bisw.: auch noch zur Lagebezeichnung — en as aus de Féiss — dat Duerf läit aus de Féiss — d'Kiischte sin elo aus der Zäit; 2) übtr. auf Unsinnliches — en huet mer aus dem Häärz geschwat — en as aus dem Kapp, aus em Haischen (geroden), «verrückt» — aus den Aen, aus dem Sann (Varianten s. A.); 3) zur Bezeichnung des Zustandes, aus dem man herauskommt — aus dem Moud (komm) — aus der Gewunnecht (komm); 4) zur Bezeichnung des Stoffes, aus dem etw. gefertigt wird — aus Holz, Gapp (Gips) — e mécht mer eng Box aus dem ale Mantel — aus enger Méck en Elefant, aus engem Fuurz en Donnerwieder maachen (übertreiben); 5) ursächlich — aus Aangscht, Léift, Fräd, Geier(egkät) . . . — aus mir kommen ech nët (aus eigenem Antrieb).
 
Aus- / aus- Präf. (Ton: wenn nicht auf dem Präf., bes. angegeben — ein Teil der angeführten zusammengesetzten Verba werden ebenso häufig mit eraus- gebildet):

 

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