LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Auer- / auer- bis ausdaueren (Bd. 1, Sp. 38a bis 40a)
 
Auer- / auer- Präf.: «Ur-/ur-» — -biddeg, -béidigAdj.: 1) urspr. «willig, untertänig» (so in vielen Ortsch., bes. Echt., Vianden, Medernach, Simmern), stimmt sinngemäß zu frühnhd. «urbittig»; 2) «ungehorsam» (Wb. 06; cf. hd. Aberglaube, -gunst, -witz); -däleg, -deelegAdj.: 1) «noch nicht durch Urteil entschieden» (also sinngemäß: «urteilig»); 2) «nicht einverstanden» (Wb. 06); 3) beim Tanz: «überzähliges Mädchen», das sich mit einem Spiegel in der Hand auf einen Stuhl setzte, mit dem Rücken zu den Tänzern, und sich einen Partner (lx. Kniecht) wählen durfte (Comes); 4) Echt.: entsprechend Goat (= Guet, s. d.) — äich werd dach déi auerdälig Hënsch («Handschuh») dohäm gelosst hoan; (cf. auch: urdäleg); -saachF.: im Osten (bes. Echt.) für Ursaach (s. d.) — Der Dutt hoat allzäit säin A. (Echt.) — da's en oarm A. (fadenscheinige Entschuldigung).
 
Aufgab F.: «Schulaufgabe», in hd. Form, aus der Schülersprache eingebürgert.
 
August (Ton: 1) Vorname, erscheint als: Gust(i), Ësti (dazu die frz. Formen 'o:gyst, 'gygyst) — iron.: du (dommen) A. (Tölpel).
 
August (Ton: 2) M.: «Monat August» — von den Trauben heißt es: Wat den A. nët kacht, dat muss de September broden, od. Den A. muss kachen, de September muss broden; Augustdrauf F.: «grauer Clävner» hd. auch. August-, Jakobi-, Laurenzitraube (selbst in geringen Bodenverhältnissen u. höheren Lagen noch gedeihend; Wb. 06 nennt sie auch Assmannshaiser).
 
Augusta Vorname, erscheint als: Gusta, Gusti, Gustchen.
 
Augustin Vorname, erscheint als: Stinn, Stinni, Stinnes (daneben die frz. Form 'o:gyst).
 
AulF.: «Schüssel, bauchiger irdener Topf» besonders zur Aufnahme von Teig, Konfekt . . . bestimmt — Mos.: den Deessem as an der A. — d'A. mam Damp (lat. aula, mlat. olla, mhd. ûle, afrz. eule; schon zur röm. Zeit importiert).
 
Aulchen (neben Eelchen) M.: «Blutegel» (Kopstal).
 
Aulebäcker M.: «Töpfer» (die Familiennamen Ailebecker, Aulmann, Aulner, die Flur- und Ortsnamen Ailekiem bei Hagen, Ailerei u. ä. erinnern vielerorts an dieses Handwerk); Raa. Echt.: laachen wi en A. deen ëmschlät (d. h. sauersüß, gute Miene zu bösem Spiel machen) — Echt.: Aulebeekeschwoar verdrät kän Neel (spöttisch, wenn jem. irdenes Geschirr bricht u. die Scherben prüft).
 
Aulegeschir (bisw. Aile-) N.: «Töpferware».
 
Aumonier (Ton: 2) M.: «Seelsorger» bes. von Schulen, Klöstern, Armee, Vereinen — lok. Schülerspr.: Monni.
 
Au revoir Interj.: s. Arwuer — auch Subst.: séng Aurevoire maachen.
 
aus Adv. (phV. cf. Ltb. 79): 1) in wenigen Resten entspricht es einem mhd. ûʒe, welches die urspr. Bezeichnung der Ruhelage ist (cf. PE S. 46), in den meisten einschlägigen Fällen durch -baussen zurückgedrängt — wou as en? Aus! (oft mit der Nbbed. «auf [Bd. 1, S. 39] dem Abort») — du bas aus (beim Spiel: ausgeschieden; doch nicht immer in diesem Sinn, cf. sub 3) — de Ball as aus (Fußball) — verschiedene Bsp. unter den nachfolgenden unfesten Zss., z. B.: dat Geld steet nach aus; 2) im allgem. ist es Richtungsbezeichnung — Tromp aus, Rauten aus (Kartenspiel) — géi emol (bis) aus (hinaus) — auch übtr.: op eppes aus sin (nach etw. trachten); 3) «zu Ende, vollständig, abgeschlossen, fertig», häufig in Verbindung mit sin (sein) und in vielen uneigtl. Zss.; in diesem Sinn kann von fast jedem beliebigen intr. Verb das Perf. u. Plusqpf. mit adverbialem aus zusammengesetzt werden, falls es mit hun umschrieben wird; häufig werden adjektivisch gebr-Part. Prät. zur Bezeichnung eines vollkommen erreichten Zustandes mit aus verbunden - d'Schoul, de Kino, d'Mëss, d'Kiirch, d'Frëndschaaft, d'Léift . . . as aus (zu Ende) — de Bal (frz. bail) as a. (abgelaufen) — 't as aus tëschent hinnen (Abbruch der Beziehungen) — d'Saach as aus — d'Feier as aus (erloschen) — dohanne lääft eng Maus, meng Seechen as aus — 't as aus mat em (hat ausgespielt) — 't as aus domat(ter/ten) — all aus (Klickerspiel) mit der bes. Bed.: alle scheiden aus, mir gehört der letzte Wurf, od. mir kommen alle Vorteile zu — auserdiischtert, -erhéngert, -gededegt (bes. in einem Prozeß). -gelafe Kar, -geléiert, -gelueft (iron.: mit Tadel überhäuft), -gekoschtert, -geknuselt (Echt.: fertig mit Kleinarbeit). -gepaff, -gerascht, -gereent, -geschlof, -geschwat, -gesouert, -gespillt, -gekränkelt usw. — desgl. werden viele urspr. intr. Verb., mit aus- zusammengesetzt, als refl. Verb. gebraucht, so z. B.: sech ausklaatschen, -kräischen, -laachen, -pintschen, -raschten, -schwätzen, -schlofen, -soueren, -wannen (vom Winde) usw.; sogar zur Verstärkung von Adj.: ausersierklech (cf. ersierklech); 4) «bis ans Ende in einer bestimmten Richtung» — de Kamäin, d'Trap, de Bierg, riicht . . . aus; 5) in Verbindung mit andern Adv. — an an aus, dat as än An an Aus (bes. bei beweglichen, unruhigen Kindern) — Joer an, Joer aus — vun hei aus — vu mir aus — en as drop aus (oft mit dem Zusatz: wéi der Deiwel op eng aarme Séil) — hannen-, vir- uewen-, ënnenaus(ser) — aus an un (kaum begonnen und schon wieder beendet, bes. beim Kegeln: der letzte Wurf eines Spiels ist zugleich der erste des nächsten) — dat as aus a verbäi (sicher, außer Frage).
 
aus Adj.: «erloschen», hergeleitet von Ausdrücken wie: d'Feier as aus — ausse Kuelen (taube, ausgebrannte Kohlen).
 
aus Präp.: räumlich und zeitlich gebr. 1) urspr.: a) zur Bezeichnung der Herkunft — e könnt aus dem Frankräich, aus enger räicher Familjen — ech drénken aus engem Glas, Patt, Humpen . . . — eng Bless (Wunde) aus dem Krich — hierbei verliert der folgende best. Art. häufig das anlautende d-: aus em Krich — aus dem virechte Joerhonnert; b) zur Bezeichnung der Richtung — géi deem aus dem Wee, aus de Féiss (auch übtr.: meide ihn) — géi mer aus den Aen — en danzt aus der Reih — nët aus Plaze kommen (sich fast nicht bewegen können, auch: mit der Arbeit nicht vom Fleck kommen); c) bisw.: auch noch zur Lagebezeichnung — en as aus de Féiss — dat Duerf läit aus de Féiss — d'Kiischte sin elo aus der Zäit; 2) übtr. auf Unsinnliches — en huet mer aus dem Häärz geschwat — en as aus dem Kapp, aus em Haischen (geroden), «verrückt» — aus den Aen, aus dem Sann (Varianten s. A.); 3) zur Bezeichnung des Zustandes, aus dem man herauskommt — aus dem Moud (komm) — aus der Gewunnecht (komm); 4) zur Bezeichnung des Stoffes, aus dem etw. gefertigt wird — aus Holz, Gapp (Gips) — e mécht mer eng Box aus dem ale Mantel — aus enger Méck en Elefant, aus engem Fuurz en Donnerwieder maachen (übertreiben); 5) ursächlich — aus Aangscht, Léift, Fräd, Geier(egkät) . . . — aus mir kommen ech nët (aus eigenem Antrieb).
 
Aus- / aus- Präf. (Ton: wenn nicht auf dem Präf., bes. angegeben — ein Teil der angeführten zusammengesetzten Verba werden ebenso häufig mit eraus- gebildet): -aarbechten trans.: bes. hdw. «rauh behobeln»; -baschten intr.: méng Box bascht iwwerall aus; -bauchen intr.: bes. von einer Mauer, die der hinter ihr angesammelten Erdmasse nachgibt; -bäissen trans., refl.: ech hu mer en Zant ausgebass (beim Kauen) — übtr.: d'Kanner mussen den Elteren hir Dommhäten nach a. (büssen dafür); -bänen, -beenen trans. Verb.: «der Knochen entledigen» — de Metzler bäänt d'Flääsch aus (Bän, s. d., hier in der Bed. von Knochen); -bedéng M.: «Vorbehalt» — mat deem A., datt . . .; -bedéngen trans. Verb.; [Bd. 1, S. 40] -behalen (sech) refl.: «sich ausbedingen», dazu Part Prät.: «unter Vorbehalt, mit Ausnahme von» — dat a. — auch Subst.: mat dem Ausbehal; -beidelen trans.: «ausbeuteln, bestehlen»; -bestueden trans. refl.: «(sich) außer des Hauses verheiraten»; -bezuelen trans.: ech krut d'Paye ausbezuelt — en huet mech ausbezuelt, «er hat mich entlassen»; -billen trans.: «ausbilden» (dazu Lehnübs. -bildong F.); -blosen trans.: bes. hdw.; -botzen trans. Verb.: 1) «gründlich reinigen» — d'Auer, de Stall gët ausgebotzt; 2) übtr.: «tadeln» — e gouf ausgebotzt (verbotzt), en Auermécher hätt et nët besser könne maachen; -bréien trans.; -brennen trans., bes. med, eng Wonn — d'Päif as ausgebrannt (zu aus Adv. 3); -briechen trans., intr.: bes. «die überflüssigen Triebe der Reben wegbrechen»; -broch M.; -bueren trans.; -buschtawéieren trans.: «genau erforschen»; -daueren trans. Verb.: «überdauern» — dat dauert äis (ons) aus — en ausdauert de Wanter nët méi (en Iwerzéier, deen ofdankeg gin as); cf. gedauern;

 

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