LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Bauch bis Bauerepäärd (Bd. 1, Sp. 75b bis 76b)
 
Bauch F.: 1) «große Wäsche in Lauge» (fand gewöhnlich zweimal im Jahre, zu Ostern und im September statt) — Die Bauchbidden wird in der Küche (neuerdings im Waschhaus) auf den Bauchstull neben den Bauchkessel gestellt; sie ist unten mit einem Abflußhahn (Zap) versehen. Auf den Büttenboden werden dürre Buchenzweige gelegt, damit die Lauge (La) besser durchziehe, dann wird die Bütte innen mit dem Äschduch, einem sehr groben Leintuch, ausgekleidet. Nun wird die Wäsche in die Bütte gelegt (ageluegt, agestach), die grobe zuunterst. Wenn die Bütte sich als zu klein erweist, wird sie mit aufgesetzten Schindeln (Schandelen) vergrößert. Nachdem die Bütte mit Wasser gefüllt worden ist, wird das Äschduch über die Wäsche geschlagen und die Asche gleichmäßig darüber verteilt. Das Wasser wird nun zum Teil abgezapft, im bereitstehenden Bauchkessel gewärmt und dann langsam und gleichmäßig aufgeschüttet (opgeschott, -schutt). Diese Prozedur wiederholt sich mehrere Male: durch das kohlensaure Kali (Pottasch) der aufgestreuten Asche wird das Wasser immer brauner gefärbt, die Wäsche hingegen gesäubert. Schließlich wird sie noch am Bach geseift und gebleult und auf der Wiese gebleicht; 2) «Inhalt der Bauchbütte, eingeweichte Wäsche» (auch: Bauchecht).
 
Bauch- : -bidden F.: «große Waschbütte» — e Kapp ewéi eng B. (dick); -haus N.: «Waschhaus» (frz. buanderie); -kessel M.; -stull M.: «Waschstuhl», hölzerner Dreifuß, auf welchen die Bauchbidden gestellt wird — e geet, steet do wéi e B. (breitspurig) — e geet auserneen ewéi e B.; -zap M.: «Zapfen an der Bauchbidden», um die Lauge herauszuholen.
 
Bauchecht F.: «Wäsche, die in einem Mal gebaucht werden kann».
 
bauchen trans./intr. Verb.: 1) «die Wäsche einweichen, mit heißer Aschenlauge [Bd. 1, S. 76] auskochen»; übtr.: e Gesiicht ewéi eng gebaucht Kréischel (nach durchzechter Nacht); 2) übtr.: «das Bett nässen».
 
Bauchesch F.: «die zum Bauchen bestellte Frau».
 
Baudes, Baudeschen ('bAudəsçən) M.: «kleiner Knabe» (eigtl.: Kobold, Poltergeist in den Häusern, so im Märchen und in der Sage).
 
bauen (Part. Prät.: gebaut — Südwesten: gə'bOt — Oesling und spor. im Osten: gə'bAkt, gə'bOkt, gə'bASt, gə'beçt, gə'bAuçt, gə'bauxt): «bauen» — 1) trans. Verb. urspr.: «ein Gebäude (bes. zu Wohnungszwecken) herstellen» von Menschen und Tieren — d'Vullen hun hiirt Nascht gebaut — übtr.: op dee kann een en Haus b.; 2) auch absol. intr. gebraucht — si hu gebaut — d'Vulle b. am Bam, ënnert dem (den) Daach; übtr.: en huet un d'Waasser gebaut (weint beim geringsten Anlaß) — un d'Strooss b. (dem Urteil vieler Leute ausgesetzt sein) — an d'Wolleke b. (Luftschlösser b. — cf.: Wollekeningenieur) — wat baus de nees? (wenn einer nachdenklich scheint) — s. auch: Aascht, Äfalt — Spw.: No siechzeg gebaut huet meeschtens geraut (nach dem Volksglaube hat Bauen im hohen Alter den Tod eines Familienangehörigen im Gefolge); 3) «größere Gegenstände, Geräte herstellen» — eng Maschin, e Won b.; 4) Part. Prät. häufig uneigtl. auf die Körpergestalt angewandt: en as flott gebaut — en zolidd gebaute Maanskärel.
 
Bauer (Dimin. Baierchen) M.: 1) «Ackersmann» — en décke B. (Großbauer, reicher B.) — e klenge B. (Kleinbauer, dafür auch: Kräizerbaierchen) — Kéi-, Uessebauer (im Gegs. zum reicheren Päärdsbauer) — e laténgesche B. (der studiert hat, aber als B. unfähig ist) — B. späiz (schäiss) Tubak — der Buchfink ruft: B., bezuel déng Steiere vu virzejoer; Spww.: E B., e Béier an e Stéier, dat sin dräi ongemelleger (uerger) Dénger (auch: E B. an e Béier, e Widder an e Stéier si véier ongeschéckter Déier) — De B. as eppes ewéi e Weidentrausch, hat en of, e schléit erëm zu alle Säiten aus — Bei engem gudde B. läit kee Stéck brooch — D'Bauere sin och Leit — Déi dommst(e) Bauern hun déi déckst(e) Gromperen — Deen engem B. e Gefalen deet, spillt eiser Herrgott e Schelmestéck — Wat de Bauer nët kennt, dat frësst hien nët — Fir e B. ze stëppele muss een en anere B. hun — Wann een de B. këddelt, da mécht en engem an d'Hand (gemäßigter: da stellt hie sech op d'Zéiwen) — Jidderee lueft séng Kanner wéi de B. séng Ranner — E schlechte B., deen nët en halwe Muergen a séngem Liewe gestrëppt — E gudde B. verdréit am Joer zéng Pond Dreck — De B. an d'Maus erhéngeren zum leschten; 2) Schimpfwort (bes. in städt. Betrachtung) — du B. (ungehobelter Kerl) — wat e B. — du domme B. (aber auch: e luussege B.); 3) besondere Karte, Figur im Karten-, Schach-, Kegelspiel; 4) die gewöhnlichen Maikäfer im Gegs. zu den dickeren.
 
Baueren- (zum Ausfall des ekthliptischen -n, s. Fußnote S. 5): -aasch M.: in der Ra.: wéi e B., naass, kal a wandeg; -adel M.: «Bauernstolz» — B. a Stécker op der Box; -brout N.: «Bauernbrot, oder Brot nach Bauernart»; -danz M.: «ländlicher Tanz» (Schottisch); -draach M.: «Tor» (dem der Mund aufsteht); -druecht F.: «ländliche Tracht»; -drull(es) M.: «plumper, ungeschickter Mensch»; -féischt F.: «wohlgemeinter, aber derber Empfang»; -flapp M.: «grober Bauer» (verächtlich); -fluppes M.: «schwerfälliger Bauer»; -fouer F.: «Schobermesse der Bauern» (s. -sondeg); -fra, -frächen F.: «Bäuerin»; -gréit N.: verächtl. für Bäuerin; -gutt N.: «Bauerngut»; -haff M.: «Bauernhof»; -ham F.: «Bauernschinken» (der Metzleschham bevorzugt); -jong M.: «Landbursche»; -kascht M.: «kräftige, gesunde, wenn auch grobe Kost» (= rau a schlau — wie bei den Bauern); -kiirmes F.: 1) «Bauernkirchweih»; 2) «farbiger Flitter mit Schmuck überladene Kleidung»; -kniwwel F.; -knuet M.: «derbes, dralles Bauernmädchen»; -lëmmel M.: Schimpfwort; -lëmmelzegkät, -keet F.: in dem Spw.: Bauerelëmmelzegkeet, Stämetzeschruckelzegkeet a Pafebegierlechkeet daueren an all Éiwegkeet; -meedchen N.: «Mädchen vom Lande»; -mimchen F.: «alte Frau vom Lande»; -moud M.: «Bauernmode» gew. im Gegs. zum guten Geschmack der Städter — blo a rout as B. (häufig mit dem Zus.: a gréng as Schënnesch — weil das Leinen früher bei den Bauern rot und blau gefärbt wurde, während der Schinder einen grünen Hut trug); -päärd N.: «schwerer Ackergaul»;

 

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