LWB Luxemburger Wörterbuch
 
bäi bis bäisetzen (Bd. 1, Sp. 78b bis 80a)
 
bäi (Koinè bε:i, Stadtlux. bA:i/ba:i — die Präpos. lautet lediglich längs der Ostgrenze bε:i, sonst überall bAi — s. Artikel bei) Adv., meist prädikativ gebraucht: 1) «nahe, dabei» — en as [Bd. 1, S. 79] weder (wéider) b. nach no (nirgends) — 't war kä Mënsch (weder) b. nach no — 't as no b. (kurz vor einem Ereignis) — elo si mer vir b. an hanne widder, dafür in Echt.: hanne widder a vir b. (festgerannt, in verzweifelter Lage); 2) «am Ziel, am Ende, nicht im Hintertreffen» — beim Spiel: bäi sin, kommen (das Resultat der andern erreichen) — in diesem Sinn bisw. auch im Superl.: am bäisten (am nächsten beim Ziel) — Echt.: Mer si mat isem Speck b. (am Ende); 3) adjektivisch: «angelehnt» (von Tür und Fenster) — d'Fënster as b. — maach d'Dir nëmme b.; 4) «hinzu, dazu» (statt: derbäi), häufig in unfesten Verbindungen — en huet nach allerhand b. gelunn (hinzugelogen) — mer hun en Aarbechter b. kritt (hinzugekommen) — en huet sech nach eng Bauplaz b. kaf.
 
bäi- / Bäi- : -behalen trans. Verb.: «beibehalten»; -bës M.: «gemeiner Beifuß, artemisia vulgaris» — Oesl. auch: Päifëls; dafür hat Wb. 06 -fousszu spätahd., mhd. bîfôz, so genannt nach einem uralten Glauben, wonach derjen., der sich B. in die Schuhe legt, beim Wandern nicht ermüdet (nach Kluge); bisw. auch für «Balotta nigra» (andere Namen: Weiwësch, Gottvergiess); -bréngen trans. Verb.: 1) «bei-, aufbringen» — e bréngt et nët méi (zur Zäit er)bäi (er bringt das nötige Geld nicht mehr zur Zeit auf) — alles, wat een op- a bäibréngt (alles nur Mögliche); 2) engem eppes b.: a) «lehren» — e léisst sech näischt b. — ech wäärd em Manéiere b.; b) «schonend zu verstehen geben» — wann ech nëmme wéisst, wéi ech em et am beschte könnt b.; c) «rügen, gewaltsam zu verstehen geben» — mam Bengel b.; 3) «überlisten» — ech wäärd em et scho b. — ech hun e bäibruecht; -drag M.: «Beitrag» (Lehnw., dafür auch das frz. Cotisatioun); -dréien trans./intr. Verb.: 1) «die Bremsen anziehen» — de Won b.; 2) übtr.: «bedächtiger vorgehen, nicht übereilen»; -drécken trans. Verb.: 1) «andrücken» z. B.: de Buedem (die Erde an einen Pflänzling andrücken); 2) übtr.: «mit Geld aushelfen» — de Mononk dréckt em alt hei ans do (eppes) bäi; -droen trans.: «beitragen» — dat huet vill derzou bäigedroen (s. apperen); -dun trans. Verb.: «aufs Feuer setzen» (eine Speise); -falen intr. Verb.: 1) pers.: «abfallen, mager werden» — en as vill bäigefall (dafür auch: falléiert); 2) unpers.: «einfallen» — 't as mer bäigefall (dafür neuerdings unter Anlehn. ans Hd.: agefall); -fall M.: wie hd.; -fälleg Adj.: wie hd.; -flécken trans. Verb.; -gin trans. Verb.: 1) «zugeben» (z. B. beim Verkauf — cf. -luecht); 2) «beisteuern» — jidderee muss alt eppes Klengs b. — auch absol. gebr.: wa s'all (mat) b. da geet et duer; 3) intr.: «nachgeben» bes. in der Ra.: kleng b. (kleinlaut werden); 4) intr.: «die Garben heranbringen» (beim Dreschen); -hal F.: «Vorrichtung zum Drücken», z. B. beim Einschlagen eines Nagels; -halen Verb.: 1) intr.: «von nachhaltiger Wirkung sein» (von der Nahrung) — dat as Kascht, dee bäihält; 2) trans.: «für jem. eintreten, parteiisch sein» — du hues him nach allzäit bäigehal(en) — dafür häufiger zou-; 3) «beieinanderhalten» (von zwei Gegenständen, die auseinanderstreben); -hälen, -heelen intr. Verb.: med. «zuheilen» — d'Wonn as bäigehäält (etwas zugeheilt); -kafen (sech) refl. Verb.: beim Spiel «nachzahlen um (überhaupt weiter od. wieder) mitspielen zu dürfen»; -känteg Adv.: «dabei, herbei» (aus dem Jenischen, wo es auch als Adj. u. Subst. gebr. wird); -kommen intr. Verb.: 1) «an die Reihe, zu Wort kommen zugelassen werden» — mir kommen haut nët méi bäi (beim Arzt, Schlangestehen) — Echt.: mat der Red b. — unpers.: 't as em nët bäizekommen (er ist nicht zu übertrumpfen); 2) «hinzukommen», bes. vom Einsatz ins Kegelspiel beim Rampo (s. d.) — et kommen zéng Frang bäi; 3) «zu Schaden kommen» — lo säin ich fär en Zenner (Hundertfrankenschein) bäikom (Echt); -lafen intr. Verb.: «durch Mangel an Vorsicht betrogen werden, übel ankommen, falsch spekulieren», dafür auch: widder-; -läfeg Adj./Adv.: «nebenbei»; -läfer M.: 1) «einer, der nicht zur Gesellschaft, zum Ganzen gehört»; 2) pejor.: «Schmarotzer, ungebetener Gast»; -läden, leeden trans. Verb.: «hinters Licht führen»; -läen, leën intr. Verb.: 1) «bei-, hinzulegen» — hie muss iwwerall säi Pefferkäärche b. (er muß sich zu allem äußern, in jedermanns Angelegenheiten einmischen); 2) bes. Bed.: «Geld zulegen, mit Verlust verkaufen»; 3) selten: e (klengt, gutt . . .) Wuert (Wiirtchen) fir ee b. (dafür häufiger: aläen); 4) refl. Verb.: «sich anschaffen» — sech eng Freiesch, e Meedche b. (dafür auch: zou-); -léien intr. Verb.: «hinzulügen» (cf. [Bd. 1, S. 80] bäi sub 4); -léieren intr./trans. Verb.: «hinzulernen», bisw. auch «Erfahrung machen auf seine Kosten» — do kanns de nëmme b. — e muss nach vill b. — en huet scho Muenches bäigeléiert; -loossen trans. Verb.: «zulassen, Platz machen, Zutritt verschaffen» — wöllt der mech b., ech si presséiert — häufig zweideutig mit obsz. Nb.Bed.; -luecht (phV. cf. Ltb. 6) lok. bes. Mos.: -lo F.: 1) «Zugabe» beim Brot-, Fleisch- . . . Einkauf; 2) iron.: «kleiner Mensch»; 3) «Nesthäkchen»; -maachen Verb.: 1) trans.: (die Tür) «anlehnen»; 2) refl.: «sich sputen, vordrängen, hinzudrängen» — dajee, maach dech bäi; iron.: en huet sech bäigemaacht wéi d'Nuesen, d'Oueren . . . ausgedäält gouwen (er hat eine auffällige, große Nase, auffällige Ohren . . .); -mëschen trans./ refl. Verb.: «beimischen»; -paken trans. Verb.: «hinzupacken»; -saz M.: 1) «Person, an welche in Ermangelung von Kindern das Stammgut vererbt wird» — B. (auch: Bäistouss) maachen (eine Person in Ermangelung von Nachkommen als Erben einsetzen); 2) bes. Bed.: «eingeheiratete Person» — en as Bäisaz; 3) beim Kegelspiel: «Einsatz nach dem Rampo» (s. d.); -schären trans./ intr. Verb.: 1) urspr.: «bei-, hinzuscharren»; 2) übtr.: «heimlich jem. aus der Familie mit Geld oder sonstwie unterstützen» (s. -drécken, -stoussen); -schmalzen, -schmieren, -schwätzen (sech) refl. Verb.: «sich einschmeicheln», davon die Substantive: -schmalzer(t), -schmierer(t), -schwätzer(t) (die beiden ersten bes. häufig in der Pennälerspr.); -setzen trans. Verb.: 1) «hinzusetzen», bes. in der Pennälerspr.: «zu dem Resultat Punkte beisetzen» — en huet bäigesat kritt (ebenso vom Arbeitslohn); 2) «abstellen», z. B.: den Uewe b. (dafür auch: zou-);

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

© 2010 - Projekt LexicoLux des Laboratoire de linguistique et de littératures luxembourgeoises der Universität Luxemburg, in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier
Hinweis zum problematischen Wortgut