LWB Luxemburger Wörterbuch
 
belsch bis Berlénk (Bd. 1, Sp. 101a bis 102b)
 
belsch Adj.: 1) ursprüngl.: «belgisch» — belschen Dreck (aus Belgien bezogene Ramschware); 2) «betrunken» — en as b.; 3) «querköpfig, verkehrt» — nu gëf nët b. (letztere Bedeutungen, 2 und 3, erinnern an die belgische Revolution von 1830, während der die Festung Luxemburg im Gegensatz zu den Landortschaften vorübergehend allein unter holl. Verwaltung blieb — unter belgischem Regime war der Branntwein billiger: aus den Vororten heimkehrende Spaziergänger waren daher leicht «belsch», wenn sie in der Hauptstadt anlangten).
 
Belsch(t) F.: «Belgien» — e könnt aus der B.
 
Belschen (Pl. Belsch) M.: «Belgier» — déi Belsch hun nach Frange, wa mir (scho laang) keng Sue méi hun.
 
Bëls, Bëlz (lok. phV.: Béils bes. im Westen, Bails im Osten um Echt.) Pl. Bëlsen (selten: Bëlzen) F.: 1) «Beule, Geschwulst» am Körper u. an Gegenständen (die Hohlseite davon an Gegenständen heißt Téitsch); 2) bes. Bed.: a) «Holzrelief» (an Möbeln), b) eng elle B. «plumpes Frauenzimmer».
 
Bëlz (im Ggs. z. vor. mit Schwebe-l: bəllts) Kollekt. (Wb. 06: M.): «Ungeziefer (an Hunden und Katzen), Zecken».
 
bëlzen intr. Verb.: 1) «hervorstehen» (wie eine Beule); 2) «hervorquellen» — d'Blutt koum gebëlzt.
 
Bene ('be:ne) M. (N.): «Gemütlichkeit» — sech e B. undun (es sich gemütlich machen).
 
Benéi, Beni, Bene ('be:ne) M.: «gemütlich-dummer Mensch» (frz. benêt) — ähnlich bisw.: Bediktes.
 
benedékt (auch: gebenedékt) ledigl. in Raa. wie: en huet kee b. Wuert méi ervirbruecht (so z. B. in Bettborn belegt).
 
Benedikt Vorn. erscheint als: Benes, Benn, Dikt, Dickes.
 
Benefice (bənə'fis) M.: «Vorteil, Profit» — hie weess (huet) säi B. derbäi — hie mécht en décke B., déck Beneficer; in Schwarzhändlerkreisen häufig verkürzt: Benëf, Beneff.
 
Benes seltene Kurzform zu «Bernhard» (auch: Benn, Benni) — meist zu Benedikt.
 
Bengalrous ('bẽ:gAl-) F.: «indische Rose, rosa indica».
 
Bengel (Koinè: 'bεŋəl, phV.: 'beŋ-, 'biŋ-, baŋ-) M.: 1) «Stock» (vom Knüppel bis zum Spazierstock u. feinen Stecken), im äußersten Norden ist nur Staf «Stab» bekannt — Spw.: Mat Bengele fängt ee keng Vullen; Raa.: d'Hamen hänken um B. (die starken Stäbe zum Aufhängen des Dürrfleisches, der Würste . . . heißen B.) — e geheit de B. an den Nössert (er wagt etwas Zweifelhaftes) — en hält sech drun ewéi de Geck un de B. (er läßt nicht locker) — en huet Dreck um B. (er hat sich etwas vorzuwerfen) — an deem Haus maachen se nach iwwer de B. (auch: iwwer d'Staang, altertümliche, schmutzige Abortanlage) — mir hun nach eng Ham um B. (= an der Haascht hänken) — du verdéngs de B. (du verdienst Prügel) — gëf där e B. an d'Hand (nach Anhören einer unglaubwürdigen Geschichte); 2) symbolisch: «der Stock als Zeichen der Amtswürde» in den Raa.: ech verbidde mer mäi B. (Echt.: ich verbéide mer mäi Kleepel — ich verbiete mir das beim Zeichen meiner Amtswürde, als Stadtbote, Feldhüter . . .) — d'Haus könnt ënnert de B. (wird wegen Verschuldung versteigert) — de B. huet gesteet, den Artikel hänkt am B. (der Preis wurde durch den Riffer oder durch die Versteiglasser in die Höhe getrieben, gebaatscht, weil der richtige Liebhaber fehlte) — en huet den Artikel um B. behalen (der Artikel fand keinen Liebhaber); 3) bildlich: «dünne Beine» — wat deierlech Bengelen (Ggs.: Stempelen); 4) «unhöflicher (junger) Mensch» (auch das Kompos.: Gaassebengel).
 
Bengelek, Bengeléng M.: «Rogenstein, Kalkoolith» — die Schichten eines Steinbruches sind de Raum (die wegzuschaffende obere Erdschicht), de Bengelek (kieseliges Konglomerat [Bd. 1, S. 102] im lux. Lias), und schließlich d'Steng (die auszubeutende Steinschicht).
 
bengelen (phV. s. Bengel) trans./ intr. Verb.: 1) eigtl. mit dem Bengel treiben, anspornen — wat hun ech missen un em baalgen a b. (um ihn soweit zu bringen); 2) «mit jem. streiten, ihn tadeln» — en huet mat mer gebengelt, bis ech nogin hun.
 
bengelzeg Adj.: «grob, flegelhaft» (zu Bengel (sub 4); dazu das Subst. Bengelzegkät, -keet F.
 
Bengerléck M.: «Lausbube» — du B.!
 
Benn, Benni, Benno, Vorn. zu «Bernhard».
 
Benn (bεn) F.: «großer Kohlenbehälter» (cf. dasselbe Wort «Benne» bei Kluge, frz. benne). Ursprünglich: Korbwaren der Fuhrleute, die Holzkohle für die ehemaligen Eisenhütten transportierten, cf. Bootsch.
 
Bënner (ebenso im Pl.) M.: 1) «Garbenbinder» (Mann, der die Garben bindet), dazu das F.: Bënnesch; 2) «mechanischer Getreidebinder» (früher dafür: «Selbstbinder») — en as mam B. eraus (um Feld); 3) «Bindestein» im Mauerwerk (dafür auch: Bënnert).
 
Bëns (lok. dafür älteres Bans) F.: «Sumpf- od. Teichbinse, Scirpus lacustris» (laut Wb: 06: «Meerstrandsimse, Scirpus maritimus» meist dräieckeg B.) — bisw. auch für «Segge, Carex». Zussetz.: Bansenhaischen N.: «Binsenhäuschen» (beim Viehhüten geflochten, um kleine Tiere, wie Heuschrecken, einzusperren).
 
bënter, benter, benterlech Adj.: 1) «ungeheuer(lich)» — ech hun eng b. Angscht ausgestanen; 2) «ängstlich» — wat fehlt iech da, Frächen, dass der sou b. sid? (was fehlt Ihnen, Frauchen, daß Sie so ängstlich sind?); 3) neg.: «wertlos» — Mosel: d'Drauwe sin dëst Joer nët benter (nicht gut ausgefallen); 4) «nach etwas trachtend» — en as b. dorop.
 
Bënzchen N.: «Wänstchen» (bes. bei kleinen Kindern) — lok. Echt.; s. Panz, Pänzelchen.
 
benzeg Adj.: «wie besessen, toll, rasend, außer sich» — en as (ewéi) b. drop (Ga.: no deem Meedchen, sonst auch: an dat Meedchen). — e laacht ewéi b. — du méchs mech b. (du bringst mich außer Fassung).
 
Bënzekraut N.: «gefleckter Schierling, Conium maculatum».
 
Bënzel, Bënjhel, Bënschel (lok. Westen: Béinzel) M.: «Bund, Bündel» (was man auf einmal zusammenbindet) — davon zu trennen: Bienzel usw. (s. d.).
 
Bënzelt ON. «Binsfeld» — Gem. Weiswampach, Kant. Clerf — 23. — Ra.: Da geet Holler iwwer B. (die letzten werden die ersten sein, anders als vorausgesehen).
 
Bënzelter (lok.: Banzelter) M.: laut Wb. 06 «Tollkirschbaum»; «gemeine Schlinge, Viburnum Lantana» (wegen der anfangs roten, dann schwarzen Früchte bisw. mit der Tollkirsche verwechselt); «Heckenkirsche, Lonicera xylosteon» (auch: Wäisshölzchen).
 
Bënzert ON. «Binzrath», Weiler bei Mersch — 250.
 
Berburg ON. Dorf der Gem. Manternach, Kant. Grevenmacher — 365.
 
berdaafteg, berda(a)tsch(teg), berdauf(teg) Interj.: «plumps» — auch beim Anhören einer Dummheit, einer unangenehmen Nachricht.
 
berdéng, berding, berdang (lok.: berlink - berlank) Interj.: Schallwort zum Hinweis auf Zerbrechen von Glas, geräuschvolles Durcheinanderfallen v. Gegenständen.
 
Berdorf ON. Dorf der Gem. Berdorf, Kant. Echternach — 274.
 
Béret, Berri M.: «Barett» — Béret basque «Baskenmütze».
 
Bergamottebir F.: «Bergamotten-, Pastorenbirne», bisw. Perlemotten.
 
Berlengo (Ton: 2) M.: «Art Zucker» (cf. frz. berlingot) — en Berlengosstaang (Echt.: Berlengosstrupp) — bei D. Schimpfname: hal stëll, Berlingo!
 
Berlénk (bər'leŋŋk) N.: «Fingerratespiel», dabei heißt es in singendem Tonfall: Schlip(p), schlap(p), (Sch)liedersak (auch: Schluedersak), (Var.: Klipp, klapp, Kludersak), wivill Hierner (Haren) huet de Bock, wat steet? (worauf der andere die Zahl der ausgestreckten Finger erraten muß, dann:) Häss de (die betr. Zahl) geroden, da wäärs de haut zu Daler (auch: vun dane) komm (Var.: dann hätt ech dech net geschloen).

 

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