LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Bënzelter bis Bëss (Bd. 1, Sp. 102b bis 104a)
 
Bënzelter (lok.: Banzelter) M.: laut Wb. 06 «Tollkirschbaum»; «gemeine Schlinge, Viburnum Lantana» (wegen der anfangs roten, dann schwarzen Früchte bisw. mit der Tollkirsche verwechselt); «Heckenkirsche, Lonicera xylosteon» (auch: Wäisshölzchen).
 
Bënzert ON. «Binzrath», Weiler bei Mersch — 250.
 
Berburg ON. Dorf der Gem. Manternach, Kant. Grevenmacher — 365.
 
berdaafteg, berda(a)tsch(teg), berdauf(teg) Interj.: «plumps» — auch beim Anhören einer Dummheit, einer unangenehmen Nachricht.
 
berdéng, berding, berdang (lok.: berlink - berlank) Interj.: Schallwort zum Hinweis auf Zerbrechen von Glas, geräuschvolles Durcheinanderfallen v. Gegenständen.
 
Berdorf ON. Dorf der Gem. Berdorf, Kant. Echternach — 274.
 
Béret, Berri M.: «Barett» — Béret basque «Baskenmütze».
 
Bergamottebir F.: «Bergamotten-, Pastorenbirne», bisw. Perlemotten.
 
Berlengo (Ton: 2) M.: «Art Zucker» (cf. frz. berlingot) — en Berlengosstaang (Echt.: Berlengosstrupp) — bei D. Schimpfname: hal stëll, Berlingo!
 
Berlénk (bər'leŋŋk) N.: «Fingerratespiel», dabei heißt es in singendem Tonfall: Schlip(p), schlap(p), (Sch)liedersak (auch: Schluedersak), (Var.: Klipp, klapp, Kludersak), wivill Hierner (Haren) huet de Bock, wat steet? (worauf der andere die Zahl der ausgestreckten Finger erraten muß, dann:) Häss de (die betr. Zahl) geroden, da wäärs de haut zu Daler (auch: vun dane) komm (Var.: dann hätt ech dech net geschloen).
 
berlénk Interj.: im Refrain des Arloner Liedes «Zu Arel op der Knippchen»: berlénk, dénk, direlidénk — Var.: berléng, léng, léngeléngeléng.
 
Berlock (bər'lok) F.: «Uhrgehänge» (frz. breloque).
 
BerlockF.: bei Ga.: «Trommeln zur Brot- und Fleischausteilung» (Soldatenspr.) — frz. breloque (auch: berloque) bedeutet: «signal indiquant qu'il faut rompre les rangs».
 
berlucken, bärlucken s. bar-. [Bd. 1, S. 103]
 
bernickRa.: b. soen, lääschten op eppes «rundweg nein sagen, entschieden ablehnen».
 
Bert, Bertes Vorn. zu «Hubert» (s. d.).
 
Bertha Vorn. erscheint als: Berth, Berthi (-chen).
 
Berthemes Vorn. zu «Bartholomäus» — auch als Familienname.
 
Bertunika F.: s. Bartunnéckel und Var.
 
bës häufige lok. Var. zu bis (s. d.).
 
bës(sel)chen (lok. auch häufig: 'bəsən) Adv. der Quantität: «bißchen» — e b. dëses an e b. däärs (ein b. von diesem und ein b. von jenem) — vun alles (allem) e b. — nët e b. (viel) — e b. lues! (nun höre aber auf) — e ganz kleng(t) b. (sehr wenig).
 
Bëschof (phV.: 'bəSəf, 'bəfəS — letzteres z. B. in Wellenstein belegt), M.: «Bischof».
 
Bëschofs- / bëschofs- : -blo Adj.: «veilchenblau»; -blumm F.: «Clivia» (laut Wb. 06 so gen. weil vom Bischof Adames zuerst hierlands gezogen); -kap F.: 1) «Mitra»; 2) übtr.: «Bürzelknochen mit Fleisch» des gebratenen Huhnes — bisw auch: Schëppenäss; -rénk M.; -staf M.: «Bischofsstab».
 
bescht (Nordosthälfte -st-): 1) Adj.: «best» — déi b. Stuff (die gute Stube, die oft gescheuert wird, aber nur zu Paradezwecken dient, höchstens zur Kirmes, Kindtaufe, Kommunion, Hochzeit . . . benutzt wird) — de beschte Fuedem (der Festtagsanzug — verstärkt: den houbeschte Fuedem) — bescht Saucisse «Dauerwurst»; 2) häufig mit dem best. Art. oder dem Poss. Pron. verbunden und substant. gebr.: du bas de(e) Beschten (häufig mit dem iron. Zus.: deen an dénger Haut stécht — wa soss keen do as) — lobend zu Kindern: du bas och mäi (de, dem Papp säi) Beschten — auch ironisch abweisend: nee mäi Beschten! (keineswegs, mein Lieber) — déi Lescht sin déi B. — déi Gerode (gut Geratenen) sin déi B. — looss mer dat B. virkéieren (häufiger Zus.: an dat Schlëmmst erwaarden — wir wollen uns in die Verhältnisse schicken) — looss mer dat B. hoffen — hien as där Beschter kän (er hat manches auf dem Kerbholz) — e séngt, spréngt, schafft . . . säi Meescht a säi B. (nach Herzenslust, eifrig), in Echt. umgekehrt: säi Best a säi Määst doun — Du.: mer dät säi Best, wi en ale Blosballig — ech maache mäi B. (ich werde nichts unversucht lassen) — dat B. as grad gout genouch — dat B. könnt eréischt (eigtl. und iron.: in cauda venenum); 3) adverbial gebr. mit den Präpos. zum und am: 't as alles zum beschten (ganz in Ordnung) — nët zum beschten (die Lage läßt zu wünschen übrig) — en hält mech zum beschten — esou geet et am beschten — e gët eng Tournee (eine Runde) zum beschten — dat do as alles zum beschten (bedient euch, greift zu, ich biete euch alles an) — Spw.: Dee fir d'lescht laacht, laacht am beschten (lok. bes. Osten u. Norden: dee fer d'lest laacht, laacht der best).
 
Bëschtom, Bëschtëm N.: «Bistum» (dafür auch die hd. Form gebr.).
 
Bëschtouer M.: phV. für Paschtouer (s. d.).
 
bëselen (auch: bausen, Echt.: beisen, Ga.: bëseren) intr. Verb.: «wild umherrennen» (urspr. vom Vieh, das von den Fliegen geplagt wird, dann auf Menschen übertragen) — e bëselt doruechter, wéi wann en en Ä hannen hätt (dafür auch: broselen s. d.) — hei könnt e gebëselt — Päifen- (Päipel) neijoeschdag, wann d'Schleke b. («niemals» — auch: wann d'Vullen (d'Fräschen) nei Eesch (Schwänz) kréien, dafür im Osten: wann d'Schleken iwer d'Broach b. — «über das Brachfeld»); Spw.: Wann eng Kou bëselt, dann hieft déi aner de Schwanz op (man ahmt gern andern nach), (cf. mhd. bisen, wall. bizer «courir avec impétuosité», Lüttich).
 
bëseleg Adj.: «unruhig (vom Vieh), hastig, überstürzt, unüberlegt (von Menschen)» — cf. broseleg, haseleg, Echt.: bujhelig.
 
Bëseler M.: «unüberlegter Geselle», dazu das F.: Bëselesch.
 
Besoin (Ton: 1), Pl.: Besoi en M.: «Bedürfnis» — e klenge B., e grousse B. — s. Kommissioun.
 
Bëss I F.: «Steinchenspiel der Ardenner Jugend», dann: «die zu diesem Spiel dienende kleine Grube» — mir spillen op der Bëss; an den vier Ecken eines etwa anderthalb Meter breiten Quadrats wird je eine Vertiefung (Bëss) in den Boden gegraben. Die beliebig zahlreichen Spieler stellen, einer nach dem andern, den Fuß in die erste Grube und jeder sucht seinen Klicker (Wak — bisw. ist es nur ein Stein) in die nächste Grube zu werfen. Ist ihm dies gelungen, so versucht er es in derselben Weise mit den nächsten Gruben, dabei sagt er beim Einlaufen des Klickers in die Grube: [Bd. 1, S. 104] eng B., zwou B., dräi B., véier B. Derselbe Weg wird noch einmal begonnen mit dem Rufen: Tournee eng, Tournee zwou, Tournee dräi, aus. Wer eine Grube verfehlt, muß seinen Knicker liegen lassen, wo er hinfiel. Wer auf dem Rundgang durch die Bëssen einen gegnerischen Klicker antrifft, darf denselben mit dem seinigen wegstoßen (Mosel: knällen) und dann seine Runde fortsetzen. (laut Wb. 06 in Wiltz eifrig von der halbwüchsigen bis erwachsenen Jugend gespielt).
 
Bëss II F.: «Schlag, Hieb» (Wb. 06).
 
Bëss III F.: «der gesamte Einsatz beim Spiel» (Ga.: «Gesamteinsatz beim Geldbeutel»).

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

© 2010 - Projekt LexicoLux des Laboratoire de linguistique et de littératures luxembourgeoises der Universität Luxemburg, in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier
Hinweis zum problematischen Wortgut