LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Bier bis Biermeréng(en) (Bd. 1, Sp. 108a bis 109a)
 
Bier bi:ər (phV. be:ər, Norden bjε·r) N. (bisw. M.): «Beere» im bes. für «Erdbeere» — häufig als Kollektivum gebr.; die einzelne Beere heißt: e Kär B.
 
Bier-/lächer N. Pl.: déi Böschrieder (Buschrodter) B. (s. -tuten); -säälchen (-seelchen) bes. im Pl. gebr.: Biersälercher N.: «Erdbeerranke» — s. auch Birefank; -villchen M.: «Waldlaubsänger, grüner Laubvogel, gelbbrüstiger Sänger, Phyloscopus sibilator» — auch: Bliedervillchen, Siipchen; -tuten F. Pl. in der Ra.: déi Rammeldanger B. (die Rammeldinger Beerensammler, eigtl. Beerensteiße - s. Tut). cf. auch: -lächer.
 
Bier M. (phV. wie das N.): 1) «Bär» — ech schwäässen ewéi e B. — dee gesäit kee klenge B. (er übertreibt im Planen und im Reden) — Wb. 06: en huet mer e B. opgehaang (einen Bären aufbinden); 2) «Dampfsignal in den Fabriken»; 3) verächtl. für «Italiener» (Süden); Bierwuurzel F.: «haarblättrige Bärwurzel, Meum».
 
Bier (biər) F.: «Tragbahre» bisw. für «Schubkarren» (in dieser Bed. dafür: Schub-, Stoussbier — auch: Stousskar, Bayar s. d.).
 
Bier (bi:ər) F.: Ga. «Trichter-, Rumpfbäume» (Schreinerei).
 
Bierbel (Stadtlux.) Vorn. zu Barbara (s. d.).
 
Bierchem ON. «Berchem» — Gem. Rœser, Kant. Esch — 496.
 
Bierchen N.: Dim. zu Bier N.: «Beere», häufig in Zussetz.: z. B. Mille-, Schnéibiercher (s. d.) usw.
 
bierden (lok. Hauptst. Arlon) = abäärden s. d.
 
Bierden ON. «Bürden» — Gem. Erpeldingen, Kant. Diekirch — 168; Bierdener Hals (Sauerschleife bei B.).
 
Bierécht F.: «Tragbahre voll» (zu Bier F.).
 
Bierel, Bärel (Norden: 'bjεrəl) M. (F.): «große Kuerbel aus Stroh oder Weiden, Mulde» (Oesl.).
 
Bieren-/ (zum Ausfall des -n, s. Fußnote S. 5) -danz M.: «schwerfälliger Tanz» (wobei mit dem Fuß aufgestampft wird); -läder, -leeder (Echt.: Beerläder) M.: 1) urspr.: «Bärenführer»; 2) übtr.: «hergelauf. Mensch»; -schwanz M.: «Handbohrer».
 
bieren trans. Verb.: «entbehren» bisw. lok. für entbieren (s. d.).
 
Bierend (Stadtlux.) Vorn. zu Bernhard.
 
Bieréng (lok.: 'be:reŋ) ON. «Beringen» — Gem. und Kant. Mersch — 247.
 
Bierg (bi:ərç, b'i·əreç, phV.: s. Ltb. 23), Pl. Bierger (bisw. Bierg) M.: «Berg» in Echt. auch für «Obstgarten» — auch übtr.: «große Menge» (in Raa. wie: e B. vun Aarbecht); Spww.: Hanner dem B. sin och Leit — D'Bierger begéine sech nët, ma d'Leit (begéine sech — man soll sich entgegenkommen, nicht endlosen Haß entgegenbringen) — 't geet méi liicht de B. erof ewéi op (übtr. auf Geldverhältnisse, Lebenshaltung) — Vom Pferd heißt es: De B. op dreif mech nët, de B. of reit mech nët, op gläichem Land schoun mech nët. — Raa.: d'Hoer sti mer zu B. — e fällt vun engem B. op deen aner (redet unzusammenhängend) — en ësst sech duurch de B. oder: éiss sech duurch e B. (hat großen Appetit) — vun alle Bierger an Héichte jäizen s'et (die Spatzen pfeifen es von den Dächern) — iwwer B. an Dall — lo si mer iwwer de B. (über die Hauptschwierigkeit hinweg) — en as iwwer de (siwente) B. (er ist berauscht, von Sinnen) — si as iwwer de B. (geht schwanger, in den letzten Monaten) — veraltet: ech mengen, du bas iwwert dës Bierg (du bist nicht recht weise) — lo geet et den hölze B. aus (op — ins Bett) — en hält hanner dem B. (mat der Wouerécht — er verheimlicht die Wahrheit) — Pennälersprache: de B. opzéien (sich ungebührlich benehmen, Gestank verbreiten) — B. op B. of (auch adverbial: biergop, biergof) — et geet B. of mat em (er geht physisch, moralisch, materiell zugrunde). Den erhöhten Teil [Bd. 1, S. 109] einer Ortschaft nennt man bisw. kurz Bierg: so für Lampertsbierg, Jonglënster B., Wuermeldenger Berrig (= Oberwormeldingen) — die Einwohner heißen déi vum B., déi Bierger.
 
Bierg ON.: 1) «(Colmar-)Berg» — Gem. Berg, Kant. Mersch — 232; 2) «Berg» Gem. Betzdorf, Kant. Grevenmacher — 378.
 
biergeg Adj.: «bergig».
 
Biergem ON. «Bergem» — Gem. Monnerich, Kant. Esch — 500.
 
Bierger M.: «Bürger» — e gelungene (droleche) B. (drolliger Kauz); im Pl. auch: Biergesch «Bürgersleute».
 
Bierger- : -dag M.: «Bürgertag» — 1) «Christihimmelfahrt», nach altem Brauch machten an dem tag die Stadtluxemburger einen Ausflug ins Freie; 2) «Donnerstag der Schobermesse»; -kräiz N.: «Bürgerkreuz» — Bannkreuz (Grenzmarke), bes. als Ortsbezeichnung am Rande des Bambösch (s. d.).
 
biergerlech Adj.: «bürgerlich» — verallgemeinert: dat as nët méi b. (übertrieben, nicht tragbar).
 
Biergesch- : -kräiz N.: «Freiheitskreuz»; -kascht M.: «gute, bürgerliche Kost, ohne Verfeinerung» — cf. Bauerekascht; -leit M. Pl. «Bürgersleute» (auch: Biergesch s. o.); -sonndeg M.: «Sonntag der Schobermesse» (cf. Bierger-dag).
 
Biermeréng(en) ON. «Bürmeringen» — Gem. Bürmeringen, Kant. Remich — 544; wegen ihrer Schlauheit nennt man die Bürmeringer: d'Biermerénger Fiiss (sie hatten bei einem Gemeindebau den Unternehmer überlistet).

 

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