LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Biirkesaaft bis Bimbam (Bd. 1, Sp. 110b bis 112a)
 
-saaft N.: «Birkensaft, Birkenwein» (als Haarmittel u. als Getränk) — Volksmedizin: B., wéi d'Saaft vum Riefstack as gutt fir rout Aen (wenn der Saft steigt, wird er mit einer Röhre aus Holunderrinde aus der angeschlagenen Birkenrinde in eine Flasche geleitet).
 
Biirkenhaff ON. «Birkenhof», Gehöft bei Oberwampach.
 
Biirkelt ON. «Birkelt» — Weiler der Gem. Berdorf, Kant. Echternach — 273.
 
Biirkhong N.: «Birkhuhn, Lyrurus tetrix tetrix».
 
Biirkhunn M.: «Birkhahn» (s. d. vor.).
 
Biisch (Pl. Biijhen), neben Biiss, Buuss F.: «Buchse» — Hülse (früher meist aus Holz, heute aus Metall) zwischen zwei sich ineinander drehenden Maschinenteilen, bes. in den Naben der Wagenräder.
 
Biischt F.: 1) «Borste» — d'Messer as bis zur B. ausgeschlaff (haarscharf geschliffen) — si stoungen openeen, et wär emol keng B. méi agaang (dicht, eng aufgeschlossen) — maach, dass keng vun dénge Biischten (Buuschten) sech méi heibanne weist; 2) «Bürste», auch für «Kehr-, Bohnerbesen» [Bd. 1, S. 111]meist in näher umschriebenen Zussetz.: Baart-, Bam-, Drot-, Hoer-, Kläder-, Schong-, Wichs-, Zänn-, stole . . . B.; 3) «zu dichte Natur-Jungwüchse, die bei der Waldkultur verdünnt werden»; 4) «Borstenfäule» (Ga.: «Pestbeule am Halse der Schweine») — auch übtr.: en huet d'B. (er ist sehr unwirsch); 5) «Borte an der Innenseite des Rocksaums» (als die Röcke noch lang getragen wurden) auch Biischtchen genannt; 6) gemein: «pudendum muliebre».
 
Biischtebënner (auch: Buuschte-) M.: «Bürstenbinder» — e säift, flucht ewéi e B. — Rapp a Klapp wéi bei de B. — déi hausen do wéi d'B. — en huet säi Geschir wéi e B. (scherzweise von einem Handwerker, der wenig od. kein Geschirr hat).
 
biischten trans. Verb.: 1) «bürsten»; 2) gemein: «coire» (in diesem Sinn auch intr. gebr.).
 
Biischtert M.: 1) nomen agentis zum vor. sub 2; 2) Flurname für zusammenhängende Waldparzellen.
 
Biiss F.: 1) «Büchse» — zylindrischer Behälter aus Holz oder Metall zum Aufbewahren von Nadeln (Nolebiisschen, neben Spéngelsfässchen), Schreibzeug, Griffeln (Grëffelebiiss) u. a.; 2) «Buchse» dafür auch: Buuss, Biisch (s. letzteres); 3) übtr.: «pudendum muliebre» — zu kleinen Mädchen, die sich ungebührlich benehmen: bä, ech späizen der op déng B.
 
Biitchen, Bittchen (Pl. Bitercher, Bid(d)ercher) F.: Dim. von Bidden 1) «kleine Bütte, Fäßchen»; 2) übtr.: «Tabakspfeife mit rundem Kopf» — rhäinesch B. (aus Rheinton gefertigte Tabakspfeife).
 
biissen trans. Verb.: «zum zweiten Mal hervorrufen» = frz. bisser (es wird bis, bis gerufen).
 
Biissen ON. «Bissen» — Gem. Bissen, Kant. Mersch — 237. Abwehrende Antwort auf die Frage, wer es gewesen sei: de Biissener Jann.
 
Biisserdag M.: zum vor. ON. — in Bissen zur Abwendung der Cholera im Jahre 1866 eingesetzte kirchliche Feier in der dortigen Kapelle.
 
Biisserwee M.: «Büßerweg» — Weg, auf dem seit 1683 durch Verordnung des Abts von Münster (s. Almënster) am 3. Freitag nach Ostern («am Freitag nach dem Sonntag, wo man Misericordias Domini singt»), einem sog. Bannfreitag (= Freitag, an dem eine Pfarrei verpflichtet war, zur Mutterkirche zu wallfahren), 26 Pfarreien von der Neumünsterkirche zum hl. Johann dem Täufer im Grund aus, längs der Alzette, über Pulvermühl den Kaalverbierg (= Kalvarienberg) hinauf zur Kapelle in Hamm wallfahrten; diese Bittfahrt war im Jahre 983 entstanden, als eine furchtbare Trockenheit alle Feldfrüchte der Umgegend von Luxemburg zu vernichten drohte und führte anfangs nach Trier. (nach dem 1937 erschienenen Sonderdruck von Josef Hurt: «Hamm und seine Kirche im Wandel der Jahrhunderte»); Biisserbréck F.: die über den Biisserwee geführte Eisenbahnbrücke.
 
Bijou ('biʒu) M.: «Juwel, Kleinod» (Pl.: 'biʒuən) — übtr.: e B. vun engem Kand — du bas mäi B. — häufiger Pferdename.
 
Bijouterie F.: 1) «Juwelenhandel»; 2) «Geschmeide», = wat ee vu gölle Saachen huet.
 
Bijoutier (auch: Bijhutchen) M.: «Juwelier» (Pl. bi'ʒutje·ən, Bijhuttercher).
 
Bilan (Ton: 1) M.: «Bilanz» — de B. maachen, opstellen, ofschléissen.
 
Bild (Pl. Biller) N.: «Bild» — e Meedche wéi e B.; e B. vun engem Meedchen (bildschön) — ech sin am B. (weiß Bescheid) — ech ka mer e B. dervu maachen (ich kann mir es vorstellen) — en huet sech e Bild(che) verdéngt (s. Bildchen) — Oesl.: wann ich Pater gä («werde») krëss de ent Bild (zu Kindern, die einen Dienst erwiesen haben: es wird dadurch ein Lohn in Aussicht gestellt, der nicht eintrifft) — beim Kartenspiel: Biller — Dame, König, Bube, woher die Ra.: ech hu keng gebild Kaart an der Hand.
 
Bildhaer M.: «Bildhauer».
 
bildschéin Adj.: «bildschön».
 
Bildchen (Pl. Billercher) N.: 1) eigtl. «Bildchen», bes. für in der Schule zur Belohnung verteilte (Heiligen) bildchen (cf. Schlappebiller), sog. Bonnotten (frz. = bonnes notes) — du hues der e (däi) B. verdéngt, du kriss e B. (du hast ein Lob verdient) — domat verdéngs de der kee B. (damit verdienst du Tadel); 2) übtr.: «unangenehme Rechnung, Steuerbescheid»; 3) d'Veianer Bildchen — wundertätige Muttergottesstatue in einer Kapelle auf der Anhöhe bei Burg Vianden, (Ort. gen. Poorbreetchen), Wallfahrtsort gegen Augenkrankheiten, für heiratslustige Mädchen.
 
Bildcheslei F.: «Bildchenlei», Felsplateau bei Echternach, in der Wolfsschlucht. [Bd. 1, S. 112]
 
Bildong F.: «Bildung», bes. für gute Umgangsformen — en huet keng Bildong (benimmt sich rüpelhaft) — ouni Léier a B.
 
Bile (bil) F. = frz. bile im übtr. Sinn: «Ärger, Kummer» — maach der keng Bile (laß dich es nicht verdrießen) auch: kee béist Blutt.
 
Bill F.: «Spielkugel, Billardkugel» (frz. bille); s. auch: Ball, Bal.
 
Billard ('bilja:r) M.: «Billard».
 
Billeball(eg) M.: «Spielball».
 
Billek M. = Bigelek, s. d.
 
Billioun F.: «Billion».
 
billen intr. Verb.: 1) «bellen» — Honn déi b. bäissen nët (en Hond dee billt, dee bäisst nët); 2) auf Menschen übtr.: «überlaut schreien, bellend husten» (s. Billert und Bal IV).
 
Billerbuch N.: 1) «Bilderbuch»; 2) spaßhaft: «Kartenspiel» — da bréngt eis d'B. (zum Wirt, damit er die Spielkarten bringe).
 
Billert M.: «Bellhusten» (zu billen sub 2) cf. Bal IV.
 
Billet ('bilje·, Pl. 'bilje·ən) M.: «Billett».
 
Bilsduerf, Bilschdrëf ON. «Bilsdorf» — Gem. Arsdorf, Kant. Redingen — 137.
 
bimbam onomatop. Nachahmung des Glockenläutens (Ammensprache), bes. in dem Wiegenlied: Bimbam Biren, d'Klacke lauden zu Schieren (auch: Syren), Wien as (dann) dout? (oder: gestuerwen?) De Péiter vun de Lueden. Wéini gët e begruewen? Zans ëm den Owend, Wann déi Hecke räifen, Wann déi Mille päifen, Wann déi Hénger schlofe gin, Wann déi Villercher opstin. Var.: Bimbam Biren, d'Klacke lauden zu Schieren, Wie gët begruewen? De Péiter vun de Lueden. Wien huet en dout geschlon? Schellem an Déif huet wuel gedon. — Zweite Hälfte auch: . . . Wann déi Hénger schlofe gin, Wann déi Hunnen opstin, Wann déi Villercher päifen, Wann déi domm Kënnercher kräischen. Stegen: Bomba Biren usw.
 
Bimbam F.: Ammenspr. «Glocke» — héier, d'Bimbam! — Auch als N. in der Spr. der Erwachsenen: et leeft bei all B. an d'Kiirch.
 
Bimbam M.: in der Ra.: o du hälleger B.! (ach herrje).

 

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