LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Biitchen, Bittchen bis Bintje (Bd. 1, Sp. 111a bis 112b)
 
Biitchen, Bittchen (Pl. Bitercher, Bid(d)ercher) F.: Dim. von Bidden 1) «kleine Bütte, Fäßchen»; 2) übtr.: «Tabakspfeife mit rundem Kopf» — rhäinesch B. (aus Rheinton gefertigte Tabakspfeife).
 
biissen trans. Verb.: «zum zweiten Mal hervorrufen» = frz. bisser (es wird bis, bis gerufen).
 
Biissen ON. «Bissen» — Gem. Bissen, Kant. Mersch — 237. Abwehrende Antwort auf die Frage, wer es gewesen sei: de Biissener Jann.
 
Biisserdag M.: zum vor. ON. — in Bissen zur Abwendung der Cholera im Jahre 1866 eingesetzte kirchliche Feier in der dortigen Kapelle.
 
Biisserwee M.: «Büßerweg» — Weg, auf dem seit 1683 durch Verordnung des Abts von Münster (s. Almënster) am 3. Freitag nach Ostern («am Freitag nach dem Sonntag, wo man Misericordias Domini singt»), einem sog. Bannfreitag (= Freitag, an dem eine Pfarrei verpflichtet war, zur Mutterkirche zu wallfahren), 26 Pfarreien von der Neumünsterkirche zum hl. Johann dem Täufer im Grund aus, längs der Alzette, über Pulvermühl den Kaalverbierg (= Kalvarienberg) hinauf zur Kapelle in Hamm wallfahrten; diese Bittfahrt war im Jahre 983 entstanden, als eine furchtbare Trockenheit alle Feldfrüchte der Umgegend von Luxemburg zu vernichten drohte und führte anfangs nach Trier. (nach dem 1937 erschienenen Sonderdruck von Josef Hurt: «Hamm und seine Kirche im Wandel der Jahrhunderte»); Biisserbréck F.: die über den Biisserwee geführte Eisenbahnbrücke.
 
Bijou ('biʒu) M.: «Juwel, Kleinod» (Pl.: 'biʒuən) — übtr.: e B. vun engem Kand — du bas mäi B. — häufiger Pferdename.
 
Bijouterie F.: 1) «Juwelenhandel»; 2) «Geschmeide», = wat ee vu gölle Saachen huet.
 
Bijoutier (auch: Bijhutchen) M.: «Juwelier» (Pl. bi'ʒutje·ən, Bijhuttercher).
 
Bilan (Ton: 1) M.: «Bilanz» — de B. maachen, opstellen, ofschléissen.
 
Bild (Pl. Biller) N.: «Bild» — e Meedche wéi e B.; e B. vun engem Meedchen (bildschön) — ech sin am B. (weiß Bescheid) — ech ka mer e B. dervu maachen (ich kann mir es vorstellen) — en huet sech e Bild(che) verdéngt (s. Bildchen) — Oesl.: wann ich Pater gä («werde») krëss de ent Bild (zu Kindern, die einen Dienst erwiesen haben: es wird dadurch ein Lohn in Aussicht gestellt, der nicht eintrifft) — beim Kartenspiel: Biller — Dame, König, Bube, woher die Ra.: ech hu keng gebild Kaart an der Hand.
 
Bildhaer M.: «Bildhauer».
 
bildschéin Adj.: «bildschön».
 
Bildchen (Pl. Billercher) N.: 1) eigtl. «Bildchen», bes. für in der Schule zur Belohnung verteilte (Heiligen) bildchen (cf. Schlappebiller), sog. Bonnotten (frz. = bonnes notes) — du hues der e (däi) B. verdéngt, du kriss e B. (du hast ein Lob verdient) — domat verdéngs de der kee B. (damit verdienst du Tadel); 2) übtr.: «unangenehme Rechnung, Steuerbescheid»; 3) d'Veianer Bildchen — wundertätige Muttergottesstatue in einer Kapelle auf der Anhöhe bei Burg Vianden, (Ort. gen. Poorbreetchen), Wallfahrtsort gegen Augenkrankheiten, für heiratslustige Mädchen.
 
Bildcheslei F.: «Bildchenlei», Felsplateau bei Echternach, in der Wolfsschlucht. [Bd. 1, S. 112]
 
Bildong F.: «Bildung», bes. für gute Umgangsformen — en huet keng Bildong (benimmt sich rüpelhaft) — ouni Léier a B.
 
Bile (bil) F. = frz. bile im übtr. Sinn: «Ärger, Kummer» — maach der keng Bile (laß dich es nicht verdrießen) auch: kee béist Blutt.
 
Bill F.: «Spielkugel, Billardkugel» (frz. bille); s. auch: Ball, Bal.
 
Billard ('bilja:r) M.: «Billard».
 
Billeball(eg) M.: «Spielball».
 
Billek M. = Bigelek, s. d.
 
Billioun F.: «Billion».
 
billen intr. Verb.: 1) «bellen» — Honn déi b. bäissen nët (en Hond dee billt, dee bäisst nët); 2) auf Menschen übtr.: «überlaut schreien, bellend husten» (s. Billert und Bal IV).
 
Billerbuch N.: 1) «Bilderbuch»; 2) spaßhaft: «Kartenspiel» — da bréngt eis d'B. (zum Wirt, damit er die Spielkarten bringe).
 
Billert M.: «Bellhusten» (zu billen sub 2) cf. Bal IV.
 
Billet ('bilje·, Pl. 'bilje·ən) M.: «Billett».
 
Bilsduerf, Bilschdrëf ON. «Bilsdorf» — Gem. Arsdorf, Kant. Redingen — 137.
 
bimbam onomatop. Nachahmung des Glockenläutens (Ammensprache), bes. in dem Wiegenlied: Bimbam Biren, d'Klacke lauden zu Schieren (auch: Syren), Wien as (dann) dout? (oder: gestuerwen?) De Péiter vun de Lueden. Wéini gët e begruewen? Zans ëm den Owend, Wann déi Hecke räifen, Wann déi Mille päifen, Wann déi Hénger schlofe gin, Wann déi Villercher opstin. Var.: Bimbam Biren, d'Klacke lauden zu Schieren, Wie gët begruewen? De Péiter vun de Lueden. Wien huet en dout geschlon? Schellem an Déif huet wuel gedon. — Zweite Hälfte auch: . . . Wann déi Hénger schlofe gin, Wann déi Hunnen opstin, Wann déi Villercher päifen, Wann déi domm Kënnercher kräischen. Stegen: Bomba Biren usw.
 
Bimbam F.: Ammenspr. «Glocke» — héier, d'Bimbam! — Auch als N. in der Spr. der Erwachsenen: et leeft bei all B. an d'Kiirch.
 
Bimbam M.: in der Ra.: o du hälleger B.! (ach herrje).
 
Bimsstän (-steen) M.: «Bimsstein», dafür lok. bisw. 'pεrpÕ:s (= frz. pierre ponce).
 
Binatioun F.: v. Geistlichen, «Recht zwei Messen zu lesen».
 
binéieren intr. Verb.: v. Geistlichen, «sonn- und feiertags 2 Messen lesen».
 
bingbang onomat.: «klirr».
 
Binjong (Ton: 1) M.: «kleine aufrechte Leiter am Wagen», meist dafür: Geck.
 
binneren intr. Verb.: 1) zu Binnert (sub 1) «sich knabenhaft benehmen», bes. überbedächtig zahlen und sich dabei Kleingeldes bedienen, auch: ungern bezahlen — auch trans.: bis en déi puer Groschen zesummegebinnert huet! 2) «im Kleinen zusammenbringen durch Bitten und Betteln, eindringlich bitten»; 3) «mühselig zusammensparen».
 
Binnert M.: 1) «kleiner Junge» auch: Binneschen (sç-); 2) spaßhaft für Eisebinner(t) «Eisenbahner» (eigtl.: Eisebunner); Zussetz.: Intebinnert (s. d.).
 
Binnes (auch Bunnes, Nord. 'bu:nəs) M.: 1) «penis»; 2) nur Ga.: «geschnittener Farren»; Zussetz.: Intebinnes (s. d.).
 
Binnett (Ton: 1) F.: «Kopf, Gesichtsausdruck» (frz. argot: binette) — du hues eng domm B. (ähnlich: en dommt Ouer) gemaach (= frz. faire une sale tête) — cf. wall. binète «tête ridicule» (Haust).
 
Binokel M.: «Augenglas (Lorgnette) für beide Augen» (dafür auch den frz. Ausdruck: face-à-main).
 
Bintje (Pl. Bintercher) F.: «Kartoffelart».

 

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