LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Bitzelchen bis Blaséierthät, -heet (Bd. 1, Sp. 115a bis 117a)
 
Bitzelchen M.: «Kindchen» (Dim. zu Butz s. d.).
 
bitzen (Osten: béizen - Nordwesten: bicksen; Part. Prät. gebitzt, daneben: gebutt, lok Var.: gebout, gebickst, gebuckt), trans./intr. Verb.: 1) «nähen» (mhd. büeʒen) — si bitzt (absolut: sie ist Nähterin, oder hat durch Näharbeiten einen Nebenerwerb) — si geet b. (sie verrichtet Näharbeiten bei andern Leuten) — übtr.: en as gebutt (u. Nbformen) = en huet Maangel («er hat Skrofeln am Hals»); 2) übtr.: «regelmäßig laufen» (wie eine Bitzmaschinn) — den Auto bitzt gutt (in diesem Zusammenhang auch: «flitzen, sich beeilen»).
 
Bitzesch F.: «Nähterin».
 
Biwels ON. «Biwels» — Gem. Pütscheid, Kant. Vianden — 129.
 
BiwerM.: 1) eigtl.: «Biber, Castor»; 2) übtr.: «Coating, Fries, Flaus» — langhaariges Tuchgewebe (im Handel auch «Kastorin» genannt). — Zussetz.: Biwerhutt M.: «Zylinderhut» (cf. Castorsdunn bei D.).
 
Biwer ON. «Biwer» — Gem. Biwer, Kant. Grevenmacher — 370; Ortsteile: Biwerbaach, davon: Biwer Barrjär; Volkslied: Weesst de nët, wou B. läit.
 
Biwesch ON. «Biwisch» — Gem. Ulflingen, Kant. Clerf — 4.
 
Biwwel F. = Bibel (s. d.).
 
Biwwelamoud, Bëwwelemoud (im Hof Remich: Biwwelemouk) M.: «eingebeizter, geschmorter Rindsbraten» (frz. bœuf à la mode).
 
Biz I (daneben auch: Buz) M.: «Metallkrug mit einem langen Ausguß (mat enger laanger Zull s. d.)». bes. zum Zubereiten und Aufbewahren des Kaffees (Zussetz.: Kaffisbiz) — de B. steet ëmmer bei hinnen um Uewen — übtr.: en huet eng am B. (betrunken).
 
Biz II M.: «penis» — cf. die Zussetz.: Uessebiz «Ochsenziemer».
 
Biz III M.: «Einfaltspinsel» — dafür häufiger die Zussetz.: Dräi-, Dréi-, Stréibiz. — Abl.: bizeg Adj.: «einfältig»; Bizegkät, -keet F.
 
Blaaschend ON. «Blascheid, frz. Blaschette» — Gem. Lorentzweiler, Kant. Mersch — 327.
 
Black (neben: Blach) M.: «Block» — s. auch Plach.
 
Blaff (Echt.) M.: «Verletzung» — wat hoat dee sich en B. geen (cf. Barlaff).
 
Blaffert (neben: Plaffert, Ploufert, Blatzkueder — s. d.) M.: «dicke Silbermünze» (mlat. blaffardus «eine Art Münze», mhd. blaphart «eine Art Groschen», ndl. blaffaart «kölnische Münze, die vier Albus beträgt» — aus fränk. *blaikvaro «bleich von Farbe») — früher sammelten die Buben Blafferten «große Kupfer- oder Messingknöpfe» (auch Dous genannt, wenn sie besonders groß und reich verziert waren).
 
Blamage (blA'ma:S) M. und F.: «Bloßstellung, Blamage» — wat eng B. (welch ein Reinfall, Fiasko) — e B. fir d'ganz Por (für die ganze Pfarrei), de ganze Kéimaart (Viehmarkt).
 
blaméieren trans. und refl. Verb.: «(sich) blamieren» — sech b. bis an d'Baartschossel, bis an den Zoppekomp, bis op d'Knachen — en huet sech blaméiert, et geet emol keen Hond méi widdert e pissen — du blaméiers ons all.
 
Blanc (blÃ), neben Blang M.: «Blindmaterial» (Buchdruckerei).
 
Blanc-manger (Ton: 2), auch blA- 'ma:S, blA'ma:ʒe· gespr., M.: «weiße Gallerte».
 
blanchéieren (blÃS-, blÃʒeiərən) trans. Verb.: «weiß feilen oder brennen» (frz. blanchir).
 
Blanchéiereisen N.: «Glatthobel».
 
Blani, Blanéi M.: «Dummkopf».
 
blank Adj.: «blank, klar, glänzend» — b. wéi en neie Su — e blanken Daler — de Wäin as nët b. (trüb); bes. Raa.: b. zéien (das Messer, die blanke Waffe zücken) — b. weisen (= de Läpp weisen, zum Zeichen der Verachtung).
 
Blankebur M.: «Glattschicht aus purem, mit Kuhhaaren gemischtem Kalk».
 
Blankenheimer Téi M.: «Blankenheimer Auszehrungskräuter» — ehemals vielgepriesenes Geheimmittel (auch Liebersche Auszehrungskräuter genannt) bestehend aus zerschnittenen, blühenden Hanfnesselpflanzen, Galeopsis ochroleuca — cf. auch: Bramecht, Grammecht (wird besonders an den Hängen der Our gepflückt).
 
blann (lok. im Osten: bland) Adj.: 1) «blind» a) «nicht sehend» — Spw.: [Bd. 1, S. 116] 't kann och emol eng b. Sau eng Eechel fannen (mit diesen Worten wird der Erfolg eines Ungeschickten, eines Törichten als Zufallstreffer abgetan) — Norden: Bland gebuarren, all Wäsches verluarren (ein Erbfehler ist nicht zu heilen) — sech d'Aë blann kräischen (= sech d'Aën auskräischen) — hallefblann (oder: stallblann — vom Vieh, das im Stall überwintert und wieder ins Freie kommt) — Ra.: bas de da b. (zu jem. der augenfällige Tatsachen übersieht - im Norden wird spaßh. hinzugefügt: räiss déng Naslächer op). Folkl.: de blannen Theis — Der erste mit Namen bekannte Liedersänger in lux. Ma. Er hieß Mathias Schou und wurde Ende April 1747 in Grevenmacher geboren. Geführt von seiner Frau Bärbel, von einem Hunde begleitet, zog der blinde Geiger von Dorf zu Dorf, fiedelte dem Volk zum Kirmestanz, bei Hochzeit und Kindtaufe oder erwarb sich an den Türen klingenden Lohn. Er sang dabei auch eigene Lieder in der Heimatsprache, und zwar mit Vorliebe nach einer volkstümlichen Weise im einfachen Tonfall. Von diesen Liedern ist wenig erhalten. Dicks widmete ihm ein rührendes Lied. Er starb am 18. Okt. 1824 in Eich. (Nik. Welter in «Das Luxemburgische u. sein Schrifttum»). — de blanne Jhang (König Joh. der Blinde) — Rodange RX: dat sin déi blannst vun allen, déi guer nët wëlle kucken — spaßh.: ech gi blann, 't as fir blann ze gin (beim Erblicken von Nacktheit). Schimpfnamen: blanne Jhicki, Jhitz, Jhitzki, Guckuck; (bes. wenn jem. etw. gut Sichtbares nicht findet, häufiger Zusatz: wann et e Wollef gewiescht wier, dann hätt en dech gebass (oder: erbass); b) «geistig verblendet, verstockt, unwissend, unüberlegt» — Spww.: D'Léift mécht blann — Echt.: D'Léift micht pland, an d'Kaz leekt de Schmand (den Rahm) — D'Léift as blann, si fällt op e Rousestack an och op e Kouflapp — D'Léift mécht blann, ma duerno fuere villen d'Aën op wéi Ginzescheeken (= Ginsterschoten) — Raa.: en as blann a säi Misär gelaf (s. auch blannemännches) — en huet e blannt Vertrauen — auch substantivisch gebr.: e léit, fantaséiert, ried, fuebelt ... an d'Blannt eran; 2) «versteckt, unsichtbar, unkenntlich» — blanne Stéch (a. Bergbau: unsichtbare Ritze, b. Schneiderei: unsichtbarer Nadelstich) — blanne Préiter (unter frz. Regime: den Dorfbewohnern unbekannter Bannhüter) — blann Lanter (Blendlaterne) — blann Souch (Nord.: in sumpf. Gelände ein mit Steinen, ohne Mörtel, gemauerter Abflußgraben in 0,50—1 m Tiefe, unter einer Erdschicht); 3) «falsch, vergeblich» (etwas, dem das Wesentliche fehlt) — blann Fënster (vermauertes, verstelltes oder lediglich markiertes Fenster) — blann Täsch (Tasche, die nur zum Schmuck oder der Symmetrie wegen markiert ist) — blanne Manöver, Maneewer, Manéiwer (auch: blanne Lärem — Scheinmaßnahme, irreführende Handlung); 4) «dem die Augen (im übtr. Sinn), der Glanz, Schliff ... fehlen» — blann Gromperen, Zopp (Kartoffeln, Suppe ohne Fettaugen) — blanne Spigel (trüber Spiegel) — blannt Glas (oder: grijhlech) (trübes, undurchsichtiges Glas) — eng blann Taart (Torte ohne oder mit wenig Obst), Schmier (Brot ohne Aufstrich).
 
blannemännches Adv.: «blindlings» (eigtl. u. übtr.:) — ech maachen dat b. (mit geschlossenen Augen, ohne aufzupassen, ohne nachzudenken) — auch substantivisch gebr.: Blannemännches spillen («Blindekuh»); seltener sind die Synonyma: blands, blanterdéngs, blënterdéngs Adv.: ech trauen der b. — ech hätt em b. dausend Frang geléint; spaßh. bisw.: blannentiitches Adv.
 
Blannen (Pl. Blanner) M.: 1) «Blinder» — Spw.: Bei de B. as de Schiele Kinnek. — Raa.: dat gesäit jo e B., e Blanne geséich et (das springt doch in die Augen) — spaßh.: du hues engem B. d'A ausgetratt (du hast in einen Kuhfladen getreten) — da looss mer kucken (oder: mir wäärte jo gesinn), sot de B. — e schléit dran ewéi e B. (prügelt zu heftig, im Zorn) — e schëtt an ewéi e B. (er schenkt ein, oder säuft übermäßig und schnell) — taaschten ewéi e B. — Echt.: äm B. as läicht eppes virmolen. Ggs.: Geséngenen «Sehender» (s. d.); 2) bes. Bed.: «blindes Pferd» — de Blanne virspanen (das ungeeignete Mittel anwenden) — de Schielen op e Blanne vertauschen (ein schlechtes Geschäft machen); 3) beim Kegel- und Kartenspiel: a) «Strohmann», ein nicht vorhandener Mitspieler, dessen Rolle abwechselnd von den vorhandenen Spielern übernommen wird; von der Partei, die einen Spieler weniger hat, heißt es: si hun de Blannen; b) z. B. Zwickspiel: = Bock, auf dem Tisch liegende unbekannte Karte, die ein Spieler freiwillig oder gezwungen an [Bd. 1, S. 117] sich nimmt; 4) wenn bei einer Tischgesellschaft ein Glas zuviel aufgetragen worden ist, heißt es: Wie kritt de B.?
 
Blannenhaff ON. Gehöft in der Gem. Niederanven.
 
Blannhät, Blannheet F.: «Blindheit» (wie hd. gebr.).
 
Blannschlécher (Osten und Norden: Blandschlécher) M.: «Blindschleiche, anguis», dafür auch: Blank-, Blénk-, Lann-, Land-, Lankschlécher.
 
blaséiert Verbadj.: «abgestumpft, unempfänglich, gleichgültig», dabei häufiger Nebensinn: «hochmütig, eingebildet»; Abl.: Blaséierthät, -heet F.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

© 2010 - Projekt LexicoLux des Laboratoire de linguistique et de littératures luxembourgeoises der Universität Luxemburg, in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier
Hinweis zum problematischen Wortgut