LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Bobëssen, Bobescher bis Boke- (Bd. 1, Sp. 127b bis 129b)
 
Bobëssen, Bobescher (-sç-) M. Pl.: in der Ammenspr. «Kopfläuse» — d'B. maache vun den Hor e Säl an zéien d'Kand an d'Waasser.
 
Bobine (Ton: 2) F.: «Spule» — «aufgespulter Zwirn» (frz. bobine).
 
Bock M.: 1) «Bock» (Männchen der Ziege, des Schafes, Rehes, Steinund Damwildes, Kaninchen) — Zussetz.: Geesse-, Schofs-, Réi-, Kanéngerchesbock — en huet de B. zum Gäärtner gemat (er hat seine Angelegenheiten den schlimmsten Händen anvertraut) — de B. huet e gestouss (allgem.: er hat sich mehr zugemutet als er kann, bes. beim Mähen: er hat Seitenweh) — ech wäärd em (scho) weise, wou de B. d'Lach huet (ich werde ihm heimleuchten, ihn zurechtweisen) — elo as de B. (häufiger: d'Bëtschel) fett (jetzt ist das Unheil geschehen, häufig beim Kartenspiel) — dat do deet de B. schnadderen (das ist angenehm) — hie kuckt ewéi e gestachene B., ewéi e B., dee Bratzele Böschäppel frësst (verdrossen) — et sténkt no(m) B. — e sténkt ewéi e B. (em Méchelsdag — s. bockeg) — dann hale mer de B. nach e Joer (bis e Mëllech gët «es bleibt beim Alten») — op de B. goen (den Bock jagen) — tjëft, as dann haut alles (der Deiwel) zu B.! (geht denn heute alles verkehrt) — en as esou gouereg (mager), e könnt e B. tëschent den Hare (Hörner) këssen — folkl.: wivill Haren huet de Bock? (s. Berlénk) — d'Geess déi leeft de Bierg op (s. Geess) — a wann der Däiwel zu B. kéim; 2) übtr.: auf Menschen: en ale B. (alter Junggeselle) — e knadderege B. (Querkopf) — als Schimpfname hinter dem Hausnamen gebraucht, z. B.: Schneidesch B.; 3) übtr. auf Tiere: e knadderege B. (verbastardiertes Rind) — häufig in Zusetz. für verschiedene Käfer: Kréischele-, Puppel-, Grompere-, Kuer-, Hiirzebock; 4) übtr.: auf Gegenstände: a) «Kutschersitz» — houfereg wéi de Kitschner um B.; b) «Steg»; c) «Tellerbrett»; d) «Feld-, Gurtbett»; e) [Bd. 1, S. 128] «Hebel»; f) «hölzernes Gestell zum Höherstellen von Gegenständen»; häufig näher bestimmt in Zussetz.: Holzbock (im Norden dafür: Sääch-, Seechbock «Gestell zum Holzsägen»), Fässerbock («Gestell, auf das die Fässer vor dem Einfüllen zu liegen kommen»), (Fäschebock «Gestell, auf dem die Faschinen gebunden werden»), Schneidbock, neben: -bänk («Gestell, auf dem die Weinbergspfähle verarbeitet werden»); g) in der Landwirtschaft: neben dem Simplex auch das Kompos. Kuerbock, Karbock in vielfacher Bedeutung — zwei oder meistens drei Garben, die zusammengebunden werden beim Kornaufrichten, woran die andern aufgeschichtet werden — hölzerner Sensenaufsatz beim Kornmähen — Gestell, worauf die Garben ausgeklopft werden: d'Fruucht gët iwwert de B. ausgeklappt fir Säler (Seile) a Somfruucht (Samenkorn) ze kréien (dafür auch: Plauschbock); 5) übtr.: «Fehler, Verstoß», in den Raa.: wat hues du e B. geschoss — e kapitale B.; 6) «mehrere Haselnüsse (meist vier) auf einem Fruchtstand»; 7) «Grundlage, Stütze» beim Bubenspiel, Turnen — hien as staark, hie muss ëmmer de B. halen (bisw. auch für das Spiel selbst gebr.); 8) Kartenspiel (Zwick): «Karten, die man austauschen kann (oder muß) gegen die seinen» (auch: Blannen s. d.) — hien huet de B.
 
Bock- : -baart, -s(e)baart M.: 1) eigtl. «Bart des Bocks» (beim Mann: Kinnbart); 2) «Wiesenhaferwurz, Tragopogon orientalis» (auch: Butsch); 3) «Bocksriemenzunge, Loroglossum hircinum»; 4) «Steinbrech, Saxifraga» (Volksmed.: gegen Harnverhaltung u. Nierensteine); -schieren N.: «Bockscheren» in der Ra.: et geet iwwer d'B. lass (kritischer, entscheidender Augenblick); -skraut N.: 1) «Hartheu, Hypericum»; 2) «stinkender Gänsefuß, Potentilla» (weil es bockst «stinkt»); -see F.: «kurze Holzsäge mit Eisenbogen»; -spréng M. Pl.: «Bocksprünge», übtr.: «Seitensprünge»; -spréngerches N.: «Bubenspiel» — ein oder mehrere Knaben bücken sich, den Oberkörper mit den Händen auf die Knie gestützt, der oder die andern springen reihum darüber, sich mit den Händen aufstützend (auch einfach: Bock).
 
Bockebäbi «gutschmeckende Wurzel, die von Kindern gegessen wird» (Wiltz).
 
bockeg Adj.: 1) «brünstig» — em Méchelsdag gin d'Geesse b.; 2) «widerspenstig» (von Menschen, Zugtieren); dafür auch: béckeg; Abl.: Bockegkeet F.
 
Bockel M.: 1) «Buckel» — ech muss erëm de B. duerhalen (ich bin wieder der Sündenbock, ich muß die Verantwortung tragen) — en huet de B. voller Schold (auch: Lais — er ist arg verschuldet) — e mécht e B. ewéi d'Kaz um Schläifstän (eine lächerliche Figur) — dat mécht der Kaz kee B. (das verschlägt nichts) — laf mer der B. eran (häufiger Zus.: awer nët mat geneelte Schong — laß mich ungeschoren) — 't as fir sech e B. an d'Säit ze laachen — e kritt de B. geschmiert (häufiger Zus.: mat engem Grapp ongebrannter Äschen — er wird geprügelt) — en huet d'ganzt Wiesen um B. (leien — die ganze Arbeit, Verantwortung auf dem Hof lastet nur auf seinen Schultern) — ech hun awer och alles um B. (alles obliegt mir) — ech luede mer deen nët op de B. (a. — ich setze mich seiner Feindschaft nicht aus; b. — ich werde ihn nicht bei mir aufnehmen) — ech hun em de B. ersielt (mat geneelte Schong — geprügelt) — huel mech op de B. (auch: Hatze-, Hitze-, Halzebockel, Bockelschierz, Hatzekatz, Hutzekutz, Hitzekatz, Houzekouz, Männi, Vull) — ech hun e bräde B. (ich kann manches ertragen); 2) «Unebenheit» — e B. am Stéck (Acker), an der Mauer.
 
bockeleg Adj.: «buckelig, uneben» — kromm a b. — eng b. Mauer (dafür lieber: gebockeleg, -elecht) — e gebockelechte Männchen.
 
bockelen Verb.: 1) trans.: «auf den Rücken heben, auf dem Rücken tragen» — d'Holz muss gebockelt gin — eng aarme Fra geet Holz rafen an da bockelt s'et ereem (heim); 2) intr.: «purzeln, kopfüber fallen» — a scho koum en d'Trap erof gebockelt — d'Tréine sin em d'Baken erof gebockelt (s. bonzelen).
 
Bockelibunz, Bockelschierz F.: «Purzelbaum» — d'Kënni mécht eng Bockelibunz (auch: Koppeli-, Koppelabunz), daneben: eng B. falen, schloen.
 
Bockelschierz M.: in der Ra.: um B. droen (s. Bockel sub 1).
 
Bocken M.: in dem Ausdruck: welsch B. «Bewohner von Moinet» (in den lux. Maa.: Welsch-Bockholz genannt).
 
bocken Verb.: 1) trans./intr.: «coitieren»; 2) intr.: «störrisch sein»; [Bd. 1, S. 129] 3) intr.: spaßhaft beim Kartenspiel «den Bock nehmen» (s. Bock sub 8).
 
Bockenidderz in der Ra.: dat do könnt ewéi B. (auch: Bock an der Idderz — das kommt mir wie gewünscht, im rechten Augenblick) — s. Idderz.
 
bocksen intr. Verb.: «stinken wie ein Bock» (s. auch: bécksen).
 
Bockweiler On. «Beuvillers», lothr. Grenzdorf.
 
Bodarem (Ton: 1) M.: «dicker, gedunsener Darm».
 
Boddi, Bodd(e)ri (Boddee, Boddéi) M.: 1) «verschließbarer viereckiger oder ovaler Wäschekorb» (wall. bodèt bei Haust); 2) «kleiner (meist verschnittener) Stier» (wall. bodé = «gros, rond» wall. bodèt = «petit veau» — Haust) — en huet de B. erausgelooss (er hat sich töricht, rüpelhaft benommen), davon übtr.: «Rüpel, Lümmel».
 
boën refl. Verb.: «prahlen, aufschneiden».
 
Boër(t) M.: «Prahlhans» — E B. huet kee Brout, e Kloer(t) leid keng Nout — Dem B. ergeet et gewéinlech méi schlecht wéi dem Bekloër — e Boërt as mer léiwer wéi e Kloërt; dafür auch: Bohaans, -hanes M.; Boësch F.
 
Boërei F.: «Prahlerei» (dafür auch: Gebos).
 
Boff (Pl. Böff) M.: «Puff, Stoß» — übtr.: «Unannehmlichkeit, Schicksalsschlag» — deen huet ewell genuch Böff kritt an der Friemd (s. auch: Puff) — B. widder B.
 
Böff in der Ra.: esou mëll (weich) ewéi B. (Redingen).
 
boffen (bisw. auch: buffen) intr. Verb.: 1) «Laut geben» — vom Schwein, Wildschwein: «stoßend grunzen»; 2) auf den Menschen übtr.: «knurren, barsch oder unwillig antworten» — en huet mer granzeg erëmgebofft — auch: de Sturem bofft a bauft; 3) Wb. 06: «unbeholfen laufen» (von Mastschweinen).
 
Bogaro (bo'gA·ro) M.: 1) = Bigarreau (s. d.); 2) übtr.: «dicker Gegenstand» — wat e B.
 
Boggarssand ('boga:rszAnnt) auch einfach: Boggar (Ton: 1) M.: «Hochofenschlackensand» — s. Boukar.
 
boiséieren trans. Verb.: «täfeln» (frz. boiser); Abl.: Boiserie F.: «Holztäfelung, Fußleiste» (auch: bruaze'ri:, brAzə'ri:).
 
Bojhee ('bo:ʒe·) M.: in der Eisenbahnerspr.: «Notschuppen, Schuppen zum Unterstellen von Lokomotiven».
 
Bok (Pl. Beek, Boken) M.: 1) «Haube aus gestärktem Stoff» früher gab es deren mat Spëtzen (Spitzen), mat engem Krack (auch: gezaangte, gekniffte B. — mit gewelltem Rand), mat engem Keidel (Haarbeutel, Haarnetz) — heute bes. für die Hauben der Ordensschwestern — du kriss (ech gin der) eng an de B. (ich werde dir eine Ohrfeige geben); 2) «Maske» — en huet e Gesiicht ewéi e B. (s. auch: Bokegesiicht); 3) «Maskierter» (dafür meist das Kompos.: Fuesendsbok); 4) «verglimmter Docht» (auch: Boz, Koz); 5) Mosel: «große schwarze Wolke» — wat zéit dohannen e schwaarze B. erop! — cf. Vjbl. 29-30, 1949, S. 73 ff.
 
Boke-:

 

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