LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Bouf bis Bounesonndeg (Bd. 1, Sp. 137b bis 139b)
 
Bouf M.: 1) Pl. Bouwen, Dim. Béifchen — Pl. Béiwercher «Bube, Knabe» — mäi B. (mein Sohn) — dat Meedchen as e verfehlte (de rengste) B. — auch tadelnd: da waart elo, du B. (do) — meist mit Adj.: domme, freche, wéischte B. (im äußersten Norden um Binsfeld nicht gebr.) — et geet mat de Bouwen; 2) Pl. auch: Béif — «Bube» im Kartenspiel, dafür häufiger Bauer (s. d. sub 3); Kompos. s. Bouwen-.
 
Boufank, Bouféck (Stadtlux. lieber Pou-) M.: «Buchfink, Fringilla coelebs», dafür auch: Boupitt, Schwéngskëppchen (Oesling), Bësch-, Bischvillchen (äußerster Norden), Pénkerchen (Süden, Esch a. d. Alz.) — éislécker B. «Bergfink, Fringilla montefringilla», dafür auch: Akervillchen — Ra.: verwinnt ewéi e Boufankenascht (lok., z. B. in Red. verballhornt: Boufankenaasch — «sehr verwöhnt»).
 
Boufa(a)scht M.: «Bovist».
 
Bouferdénger (-danger) Muer N.: «Moor zwischen Küntzig und Niederkerschen» (ehedem Weiher der Niederkerschener Brauerei «Bofferding»).
 
Boufert ON. «Bofferdingen» — Gemeinde Lorentzweiler, Kant. Mersch — 333.
 
boufteg (-dig) Interj.: 1) schallnachahmend wie bou (s. d.); 2) zum Zeichen der Verwunderung, Überraschung — b. Anekättchen; im Nordosten dafür: poufteg, poufdig.
 
bougéieren, bujhéieren (bu'ʒeiərən) intr. Verb.: «sich rühren» — an elo (gët) nët bougéiert! (jetzt rührt sich keiner mehr!) — von Maschinenteilen: «wackeln» — übtr. in der Ra.: en huet nët bougéiert (er ging nicht darauf ein) — auch in der Jägerspr. «mit den Hunden auf den Schnepfenstrich gehen» — frz. bouger.
 
Bougie, Bujhi ('buʒi) M. u. F.: 1) «Stearin» (meist M.) — de B. drëpst vun der Käärz; 2) «Kerze» (nur F.) — bisw. für Kerze mit Ständer: Bougeoir; Kompos.: Bougies- / Bujhis- : -fleck M.: «Stearinfleck» — obsz.: et si Bougiesflecken am Leinduch (Samenspuren); -fréisser M.: Spitzname für die Angehörigen der Festungsbesatzungen der früheren Festung Luxemburg, zur österreichischen Zeit für die Österreicher, nach dem Wiener Kongreß für [Bd. 1, S. 138] die Bundestruppen (die Bez. rührt von der Gewohnheit der einquartierten Soldaten her, die zu Beleuchtungszwecken mit auf das Soldatenzimmer gegebenen Rindertalgkerzen, als Speisefett beim Braten zu verwenden) cf. die Ra.: e feiert et eran ewéi geseent Liicht (er ißt es wie gesegnete Talgkerzen); -käärz F.: «Stearinkerze» — frz. bougie.
 
Bougre, Bugger M.: «ungehobelter Kerl» (frz. bougre) — en zolitte B. — du B.! (Scheltwort für Knaben); cf. buggeren.
 
Bouillon M.: «Bouillon, Fleischbrühe».
 
Boukar ('bouka:r) M.: «Pochhammer zum Zerkleinern von Schlacken und Erz» — frz. boccard; (cf. Boggarssand).
 
Boukels, Bukels ON.: 1) «Bockholtz» — Gem. Gœsdorf, Kant. Wiltz — 102; 2) «Bockholtz» — Gem. Hosingen, Kant. Clerf — 68; 3) «Bocholz, frz. Bého», Dorf und Gem. im Arrondissement Bastogne der belg. Prov. Luxemburg, einzige deutschsprachige Gem. der belg. Prov. Lux. jenseits der Nordgrenze des Großherzogtums (mit den deutschsprachigen Dörfern Urth, Deyfeld, Watermal und Bocholz, und dem wallonischen Commanster).
 
Boulette, Bullette ('bulεt) F.: 1) «Fleischkloß»; 2) «bischöfl. Konvikt in Luxemburg»; Abl.: Boulettaner M.: «Pennäler, der im Konvikt wohnt»; Zussetz.: Boulettes- / Bulletts- : -alen M.: «Direktor des bischöfl. Konvikts» (cf. al); -quatsch M.: «Koadjutor im Konvikt»; -zopp F.: «Konviktssuppe» — dat as klor wéi B. (das ist sonnenklar) (s. auch: Konvikt).
 
Boulevard ('bulva:r) M.: «Ring, Boulevard» — hie wunnt um B. — hat mécht de B. (treibt Straßenprostitution — cf. auch: Stréch, Termäin).
 
Boulon, Bullong (Ton: 1) M.: 1) «eiserner Stift zum Vernieten»; 2) «große, dicke Schraube» (die meist durch eine Mutter festgehalten wird); Pl.: Bullongen, Bulloën.
 
Boumenettenhaifchen F.: «Häubchen für junge Mädchen» (veraltet, in Lannen belegt).
 
Boun (phV. s. Ltb. 96 — Dim. ibid.) F.: 1) «Bohne, Phaseolus» — Arten: Mier- oder Schneidbounen, Staacheoder Steefbounen, Stäckelches- oder Stempelbounen, déck, Sau- oder Gaardebounen, Feier- oder tierkesch Bounen, Feld- oder Schwéngsbounen — gréng, wäiss, gedréchent Bounen — Aussaat: Im Gutland werden die Puffbohnen schon im Februar gesetzt, dort heißt es: Wie vill Boune wëllt fannen (wannen), muss sech am Spierkel (Februar) begannen (si können am Dreck ageschmiert gin); im Oesling geschieht die Aussaat später: Wie wëllt vill Bounen eessen, däärf dës Määrz nët vergeessen; man setzt die Bohnen am besten, wann et vill Auere schléit und bei zunehmendem Licht — nët bei (jong) Neiliicht — und zwar je 7,9 oder 11 beieinander; die Bohnen gedeihen am besten in schwerem — steiwem — Tonboden, bes. in der Monnericher Gegend (nordöstl. von Esch a. d. Alz.), daher heißt die Feldbohne (vicia faba) allgemein Monnerecher Boun, vom Monnerecher Kascht heißt es: Muerges Zopp, Bounen drop, mëttes Brach, Bounen nach, owes Bräi, Bounen derbäi. (Dieser Spruch wird auch allgemein für den lux. Bauern gebraucht); Folkl.: Der Duft der Bohnenblüten bringt Geistesverwirrungen hervor, dies bekunden die Raa.: d'Boune bléien (wenn jem. den Kopf verliert) — en as an de Bounen (drun), oder e weess nët wou en an de Bounen drun as (zerstreut, geistesabwesend sein) — wou as deen nammel an de Bounen? — Boun am Kuch, Bounekinnek: Am Dreikönigstag werden in den Festkuchen zwei Bohnen eingebacken; der Tischgenosse, dem die schwarze Bohne zufällt, ist König und ihm wird eine papierne Krone aufgesetzt. Die weiße Bohne bestimmt gleicherweise die Königin. Oft wählt sich der König seine Königin ohne die Loswahl der weißen Bohne. Der König regelt das Trinken; trinkt er, so setzen alle das Glas an die Lippen. Er fordert die Gäste auf, Schwänke oder Anekdoten zu erzählen. Manchmal zahlt er die Unkosten des Essens od. der Zeche. — Faaschtebounen: Am Sonntag Laetare oder Halbfastensonntag, auch Faaschtebounesonndeg genannt, ziehen die Kinder in Arlon, früher auch in Luxemburg und sonstigen Orten, zu den Häusern der im vergangenen Jahr Verheirateten und rufen: Vill Gléck an ärem Haus, Git ons d'Faaschtebounen eraus. Ursprünglich hatten nur die Hochzeitsgäste, die ein Stück des in den Nationalfarben (rotweißblau) verteilten sogenannten Strumpfbandes der Braut besaßen, Recht auf ein Geschenk der Neuvermählten, das ihnen in Form von Bewirtung, Brezeln oder Geldstücken verabreicht wurde. Neuerdings sank dieses Recht auf die [Bd. 1, S. 139] halbwüchsige Jugend herab. — Mancherorts werden die Heischelieder in mannigfachen Varianten vorgetragen: «Hei kommen déi X. . .er Jongen, Si heesche Biren a Bongen (oder: Fuesends-, Faaschtebounen)» usw.; Spww.: Jidder (all) B. (Béinchen) gët (huet) hiren Toun (Téinchen) (die Bohnen verursachen Blähungen); Raa.: Millioune Kroune Bounen (sehr viel) — nët déi B. (sehr wenig, gar nichts, indem man mit den Fingern schnippt) — Echt.: äm d'Bunne rollen (jemandem die Bohnen rollen = Schabernack spielen); 2) «Zuckerplätzchen», für das Kompos. Zockerboun; 3) «Exkrement v. Ziegen, Schafen, Rehen usw.», häufig Dimin. — se komme gefall wéi d'Boune vun de Gäässen (vun der Gääss) — Mosel: ech schloen dech, datt d'Sënne (die Sünden) vun dir räsen (reisen), wéi d'Boune vun de Gäässen — dafür allgem.: dass de Boune säächs; cf. Gäässebéinchen; 4) blo Bounen «Kugeln» — e fäärt déi blo Bounen (er hat Angst vor dem Gefecht); 5) in der Ra.: engem eng (Wb. 06: welsch) B. setzen (mit dem Daumen hinter das Ohr drücken, bei Kindern als Zeitvertreib).
 
Boune(n)- zum Abfall des silbenauslautend. -n s. Fußnote S. 5: -äärz M.: «Bohnerz»; -bäi (auch: Bunnibäi) M.: «Knopfkreisel, Knopfscheibchen» (zum Spielen) — Kinderreim: Eent, zwee, dräi, Hacke B. (Hacke Bullibräi, Hackebounebräi), Hacke Bounen Huewerstréi, d'Këndchen dat läit an der Wéi, d'Frächen huet de Männche verluer, d'Këndchen huet en erëm fond, d'Mais kieren d'Stuff aus, d'Kaze schloen d'Tromp aus, d'Villercher laachen s'um Kiischtebam aus; -blat N.: «Bohnenblatt» — dënn ewéi e B. (sehr dünn, bes. von einer Schinkenschnitte); -bléi F.: «Bohnenblüte»; -britt F.: «Bohnenbrühe» — klor ewéi B. (auch: Ierzebritt — trüb, unklar); -döppen N.: «großer Steinguttopf für eingemachte Bohnen»; -drescher M.: «Kleinknecht» (im Kiischpelt — cf. ndrhein. bones «Arbeitsjunge auf Bauernhof für niedrige Arbeitsverrichtungen»); -faass N.: «Faß, in dem die Bohnen eingemacht werden» — d'B. as em opgaang, steet op (er hat einen Wind streichen lassen); -kinnek M.: «Bohnenkönig» (s. Boun sub 1/Folkl.); -kraitchen N.: «Gartenpfefferkraut, satureja», bisw. auch für den Thymian (sonst Träipekraitchen gen.); -miel N.: «Bohnenmehl, Farina fabarum», früher zu Breiumschlägen verwandt, dient zur Herstellung des Pap (Klebematerial — s. d.); -säck M. Pl.: Spitzname der Monnericher — déi Monnerecher Bounesäck; -schlupp M./F.: «Bohnensuppe (Schneidebohnen)», auch spaßhaft: Bounentéi genannt; -sonndeg M.: «Halbfastensonntag» — auch: Faaschtebounesonndeg; Folkl.: s. Boun sub 1 und Bratzelsonndeg;

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

© 2010 - Projekt LexicoLux des Laboratoire de linguistique et de littératures luxembourgeoises der Universität Luxemburg, in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier
Hinweis zum problematischen Wortgut