LWB Luxemburger Wörterbuch
 
brandschuedeg bis bratschelen (Bd. 1, Sp. 144a bis 145b)
 
-schuedeg, -schiedeg, -schaardeg, -schaarteg Adj.: «vom Staubbrand befallen»; -schazen trans. Verb.: 1) «erpressen»; 2) «schwere Steuern auferlegen»; 3) «bei jem. ungeladen zu Gast sein»; 4) «versichern» (gegen Feuer) Echt.; -schazéng, -schätzéng, -schätzegen F.: «die jährlich zu zahlende Feuerversicherungsprämie»; -schëld N.: «von der Feuerversicherungsgesellschaft über oder neben der Tür angebrachtes Schild» — d'B. as emol nët bezuelt (wenn ein neues Haus noch ganz zu bezahlen bleibt) — huelt ärt B. ewech; -schued M.: 1) «Brandschaden»; 2) = -schaz (s. d.); -suel F.: «Brandsohle» (innere Sohle aus minderwertigem Leder, z. B. Päärdslieder); -ueleg M.: «Brandöl aus Kalkwasser und Leinöl»; -wonn F.: «Brandwunde»; -weiher M.: «Löschteich».
 
Branebuurg ON. «Brandenburg» — Gem. Bastendorf, Kant. Diekirch — 161.
 
Brannt(e)wäin M.: «Branntwein» — wie das Kegel-, das Kartenspiel eng Däiwelserfënd (eine Erfindung des Teufels); er wird gemessen mam Liter, mat der Schappen (Schoppen = ½ Liter), der halwer Schappen, mat der Jöfferchen (¼ Liter), mam Kareli (⅛ Liter), der Pöppchen (⅛ Literflasche, puppenartiger Behälter); seine Qualität wird geprüft — de B. gët geprouft — indem man ein paar Tropfen auf der Hand, dem Handrücken verreibt und riecht, oder indem man ihn in der Flasche schüttelt, wobei die Blasen nicht gleich vergehen dürfen, andernfalls heißt es: de B. hält d'Kräll (= Perle) nët, diese Prozedur heißt d'Prouf. — Raa.: d'Aarbechter hun de B. kritt (als Belohnung nach getaner Arbeit), übtr. und iron.: du kriss de B. (du wirst getadelt, steckst Vorwürfe ein) — ech hun em den dréchene B. gin (abkanzeln) — dee kann och kee B. am Monn verleiden (iron. von einem Schnapstrinker) — bei der Doudenuucht («Totenwache») heißt es, mit Anspielung auf einen häßlichen Menschen: bei deem muss nach vill B. gedronk gin (folkl.: Lag eine Leiche im Haus, so versammelte sich die Nachbarschaft, streng nach alten Gerechtsamen abgegrenzt, im Sterbehaus, zum Beten und Wachen. Drei Rosenkränze mußten gebetet werden. Dazwischen wurden Kuchen und Getränke, meist Branntwein verabreicht, was zu trunkener Laune und zu Unfug Anlaß gab. Das «Waachen» bei Leichen ist seit etwa 30 Jahren außer Brauch gekommen, ist noch stellenweise im Oesling bis Mitternacht üblich; — Umschreibungen: de Kloren, de bloen Zwir, de Bloen (s. d.), de Fusel (s. d.), de Bränni, de Schnicki/ Schnickes u. a.
 
Brannt(e)wäins-: -brach F.: «Wasser mit Zusatz von etwas B. und Zucker, ein Trunk bei Feldarbeiten im [Bd. 1, S. 145] Sommer, löscht den Durst» (so belegt in Münsbach, Filsdorf . . .); -brenner M.: «Branntweinbrenner» — Simplex Brenner meist vorgezogen; -buddel ('budəl 'budεl 'butεl) F.: «Branntweinflasche»; -faass N.: «kleineres Faß»; -gaard M.: «Akzisenbeamter» — dafür auch: Kellergaard (frz. garde); -glas N.: «Branntweinglas» — häufig als Flüssigkeitsmaß in der Küche, bei Heiltränken usw.: e Branntewäinsgliesche voll; -kessel M.: «Brennkessel» — häufig heißt es lobend von nicht industriell hergestelltem B.: deen as am klenge Kessel gebrannt; -kinnek, -klos M.: «Säufer, einer, der dem B. gern zuspricht» — een dee Branntwäi knae kann (einer, der B. kauen kann); -kluck F.: 1) «bauchiger Krug mit engem Hals»; 2) «Säufer»; -kopp F.: 1) «Destillierhaube»; 2) «Schnapsbruder» (auch: -kinnek, -kluck, -tut); -nues F.: eigtl.: «vom häufigen Branntweinsgenuß gerötete, aufgedunsene Nase», erweitert: «Rosarea der Nase» (med.); -tut F.: «Schnapsbruder» (cf. -kopp sub 2); -wo F.: «Alkoholometer».
 
Branten Pl. F.: «Meerzwiebel, Urginia scilla» — mit Olivenöl zu Brandsaleft (s. d.) verarbeitet.
 
Brasage (brA'za:S) M.: «Art brüchigen Alabasters, kristallinischer Gips in den Schichten des Keuper» (z. B. in der Scharte am Ernzerberg bei Echternach) — auch: Schwéngszocker genannt.
 
Braschen (seltener Braaschen) Pl. F.: «Kohlengestiebe» (Überreste von verbrannten Steinkohlen, Asche und Schlacken); Braschenzillen Pl. F.: «mit Zement, Sand und Wasser hergestellte Tuffziegel» (bes. zum Bau von leichten Innenwänden).
 
braséiert Verbadj.: «verkalkt» (Bergbau) — b. Stéch «verkalkte, ausgefüllte Kluft» — cf. Brasage, Braschen.
 
Brasilien ON.: nach 1828 Ortsbezeichnung für primitive Neuansiedlung mittellos nach der Heimat zurückkehrender Brasilienfahrer, so noch heute Neubrasilien bei Grevels (frz. Grevels-Brésil); nach dem Brasilien 1822 unter Dom Pedro ein unabhängiges Kaiserreich geworden war, hatten zahlreiche Agenten, besonders in Bremen, Ansiedler für B. angeworben.
 
Brasilienholz N.: «Brasilienholz Caesalpinia bijuga» (frz. brésillot).
 
Brassard (Ton: 1) M.: «Armbinde» (frz. brassard).
 
bratsch Interj.: schallnachahmend, z. B. beim unverhofften Einsinken in Schlamm, beim Zerquetschen eines weichen, matschigen Gegenstandes usw.
 
Bratsch M.: «Schlamm, schlammige, breiige Masse» — 't war ee B. an ee Matsch (der Boden war ganz aufgeweicht).
 
bratsch Adj.: «weich (gekocht)», auch: bratschmëll.
 
Bratsch (seltener Braatsch, Brätsch) F.: «dickes, plumpes Weib».
 
bratscheg Adj.: «plump, dickwanstig».
 
bratschen Verb.: 1) trans.: «langsam kochen, braten lassen», auch pejor.: «unordentlich kochen»; 2) intr.: «langsam und mit Geräusch braten», in dieser Bed. auch: bratschelen (neben bratzelen, braddelen, prabbelen) — d'Gebeess (Marmelade) bratsch(el)t am Kessel (wirft Blasen auf); 3) intr.: «mit Geräusch zu Stuhl gehen»; 4) intr.: «sich schwerfällig bewegen» — se bratscht esou e wéineg no enger Säit.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

© 2010 - Projekt LexicoLux des Laboratoire de linguistique et de littératures luxembourgeoises der Universität Luxemburg, in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier
Hinweis zum problematischen Wortgut