LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Brannt(e)wäinsfaass bis Braupan (Bd. 1, Sp. 145a bis 146a)
 
-faass N.: «kleineres Faß»; -gaard M.: «Akzisenbeamter» — dafür auch: Kellergaard (frz. garde); -glas N.: «Branntweinglas» — häufig als Flüssigkeitsmaß in der Küche, bei Heiltränken usw.: e Branntewäinsgliesche voll; -kessel M.: «Brennkessel» — häufig heißt es lobend von nicht industriell hergestelltem B.: deen as am klenge Kessel gebrannt; -kinnek, -klos M.: «Säufer, einer, der dem B. gern zuspricht» — een dee Branntwäi knae kann (einer, der B. kauen kann); -kluck F.: 1) «bauchiger Krug mit engem Hals»; 2) «Säufer»; -kopp F.: 1) «Destillierhaube»; 2) «Schnapsbruder» (auch: -kinnek, -kluck, -tut); -nues F.: eigtl.: «vom häufigen Branntweinsgenuß gerötete, aufgedunsene Nase», erweitert: «Rosarea der Nase» (med.); -tut F.: «Schnapsbruder» (cf. -kopp sub 2); -wo F.: «Alkoholometer».
 
Branten Pl. F.: «Meerzwiebel, Urginia scilla» — mit Olivenöl zu Brandsaleft (s. d.) verarbeitet.
 
Brasage (brA'za:S) M.: «Art brüchigen Alabasters, kristallinischer Gips in den Schichten des Keuper» (z. B. in der Scharte am Ernzerberg bei Echternach) — auch: Schwéngszocker genannt.
 
Braschen (seltener Braaschen) Pl. F.: «Kohlengestiebe» (Überreste von verbrannten Steinkohlen, Asche und Schlacken); Braschenzillen Pl. F.: «mit Zement, Sand und Wasser hergestellte Tuffziegel» (bes. zum Bau von leichten Innenwänden).
 
braséiert Verbadj.: «verkalkt» (Bergbau) — b. Stéch «verkalkte, ausgefüllte Kluft» — cf. Brasage, Braschen.
 
Brasilien ON.: nach 1828 Ortsbezeichnung für primitive Neuansiedlung mittellos nach der Heimat zurückkehrender Brasilienfahrer, so noch heute Neubrasilien bei Grevels (frz. Grevels-Brésil); nach dem Brasilien 1822 unter Dom Pedro ein unabhängiges Kaiserreich geworden war, hatten zahlreiche Agenten, besonders in Bremen, Ansiedler für B. angeworben.
 
Brasilienholz N.: «Brasilienholz Caesalpinia bijuga» (frz. brésillot).
 
Brassard (Ton: 1) M.: «Armbinde» (frz. brassard).
 
bratsch Interj.: schallnachahmend, z. B. beim unverhofften Einsinken in Schlamm, beim Zerquetschen eines weichen, matschigen Gegenstandes usw.
 
Bratsch M.: «Schlamm, schlammige, breiige Masse» — 't war ee B. an ee Matsch (der Boden war ganz aufgeweicht).
 
bratsch Adj.: «weich (gekocht)», auch: bratschmëll.
 
Bratsch (seltener Braatsch, Brätsch) F.: «dickes, plumpes Weib».
 
bratscheg Adj.: «plump, dickwanstig».
 
bratschen Verb.: 1) trans.: «langsam kochen, braten lassen», auch pejor.: «unordentlich kochen»; 2) intr.: «langsam und mit Geräusch braten», in dieser Bed. auch: bratschelen (neben bratzelen, braddelen, prabbelen) — d'Gebeess (Marmelade) bratsch(el)t am Kessel (wirft Blasen auf); 3) intr.: «mit Geräusch zu Stuhl gehen»; 4) intr.: «sich schwerfällig bewegen» — se bratscht esou e wéineg no enger Säit.
 
Bratschert M.: «lästiger, plumper Mensch» — en ale, décke B.
 
Bratzel I F.: «Schnittlauch, Allium schoenoprasum» — bes. im Frühling in Suppen, Kartoffelgerichten, Eierkuchen (Ammelett), Stoffi (od. wäisse Kéis) als Zutat — Ra.: ech haen dech, dass de Bratzele säächs (s. auch Bock).
 
Bratzel-: -gras N.: «Drahtschmiele, Aira» (Grasart); -stack M.: 1) «Schnittlauchpflanze»; 2) übtr. (spaßh.): a) pudendum virile, b) ovarium muliebre; 3) bisw. spaßh. Kosename für «Kind»; -szalot, -enzalot F.: «Schnittlauchsalat»; -szopp F.: «Schnittlauchsuppe» — z. B.: Broutzopp mat Bratzelen (zur Frühjahrsblutkur).
 
Bratzel (neben: Brëtzel, Bretzel) II F.: «Brezel, Gebäck in Gestalt verschlungener Arme».
 
Bratzel(e)sonndeg M.: «Sonntag Laetare, Halbfastensonntag» — folkl.: an Mosel und Sauer erstehen die jungen Burschen besonders in den Städtchen Remich, Grevenmacher oder Echternach eine Fastenbrezel für ihre Erwählte; nimmt sie sie an, so kommt der Schenkgeber als möglicher Freier in Betracht und darf sich bei ihr zu Ostern zum Empfang der Ostereier einfinden (HVk. S. 255) — In Remich war der Marktplatz mit Händlern besetzt, die Brezeln und Heringe (daher heißt dieser Sonntag in Schüttringen [Bd. 1, S. 146] z. B.: Hierkesonndeg «Heringsonntag») auch Zuckerplätzchen und Zuckerherzen, sowie Karamellen, mit verliebten Spruchzetteln umhüllt, feilboten; neuerdings ist die Brezel durch andere (teuere) Geschenke ersetzt worden.
 
Brau Hausname für Häuser, wo früher Bierbrauer wohnten — ech war a B.
 
Brau- (phV.: Bra-) : (in allen Kompos. Ton: 1); -haus N.; -kessel M.: wie hd. — Blindekuhspiel: der Ruf B. bedeutet «nimm dich in Acht, daß du nicht anstößt» (Ga.); -määschter (-ee-) M.; -pan F.: «tiefe Pfanne aus Kupfer zum Rösten der Maische, die zur Herstellung von obergärigem Bier diente» — Ehemals war das Bierbrauen eine Angelegenheit des Hauses. Es wurde obergäriges Bier gebraut. Dazu wurde Getreide in der Braupfanne geröstet; ein zünftiger Brauer ging mit Braupfanne und sonstigem Zubehör seines Gewerbes von Haus zu Haus sein Handwerk ausüben.

 

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