LWB Luxemburger Wörterbuch
 
braséiert bis Braut (Bd. 1, Sp. 145a bis 147a)
 
braséiert Verbadj.: «verkalkt» (Bergbau) — b. Stéch «verkalkte, ausgefüllte Kluft» — cf. Brasage, Braschen.
 
Brasilien ON.: nach 1828 Ortsbezeichnung für primitive Neuansiedlung mittellos nach der Heimat zurückkehrender Brasilienfahrer, so noch heute Neubrasilien bei Grevels (frz. Grevels-Brésil); nach dem Brasilien 1822 unter Dom Pedro ein unabhängiges Kaiserreich geworden war, hatten zahlreiche Agenten, besonders in Bremen, Ansiedler für B. angeworben.
 
Brasilienholz N.: «Brasilienholz Caesalpinia bijuga» (frz. brésillot).
 
Brassard (Ton: 1) M.: «Armbinde» (frz. brassard).
 
bratsch Interj.: schallnachahmend, z. B. beim unverhofften Einsinken in Schlamm, beim Zerquetschen eines weichen, matschigen Gegenstandes usw.
 
Bratsch M.: «Schlamm, schlammige, breiige Masse» — 't war ee B. an ee Matsch (der Boden war ganz aufgeweicht).
 
bratsch Adj.: «weich (gekocht)», auch: bratschmëll.
 
Bratsch (seltener Braatsch, Brätsch) F.: «dickes, plumpes Weib».
 
bratscheg Adj.: «plump, dickwanstig».
 
bratschen Verb.: 1) trans.: «langsam kochen, braten lassen», auch pejor.: «unordentlich kochen»; 2) intr.: «langsam und mit Geräusch braten», in dieser Bed. auch: bratschelen (neben bratzelen, braddelen, prabbelen) — d'Gebeess (Marmelade) bratsch(el)t am Kessel (wirft Blasen auf); 3) intr.: «mit Geräusch zu Stuhl gehen»; 4) intr.: «sich schwerfällig bewegen» — se bratscht esou e wéineg no enger Säit.
 
Bratschert M.: «lästiger, plumper Mensch» — en ale, décke B.
 
Bratzel I F.: «Schnittlauch, Allium schoenoprasum» — bes. im Frühling in Suppen, Kartoffelgerichten, Eierkuchen (Ammelett), Stoffi (od. wäisse Kéis) als Zutat — Ra.: ech haen dech, dass de Bratzele säächs (s. auch Bock).
 
Bratzel-: -gras N.: «Drahtschmiele, Aira» (Grasart); -stack M.: 1) «Schnittlauchpflanze»; 2) übtr. (spaßh.): a) pudendum virile, b) ovarium muliebre; 3) bisw. spaßh. Kosename für «Kind»; -szalot, -enzalot F.: «Schnittlauchsalat»; -szopp F.: «Schnittlauchsuppe» — z. B.: Broutzopp mat Bratzelen (zur Frühjahrsblutkur).
 
Bratzel (neben: Brëtzel, Bretzel) II F.: «Brezel, Gebäck in Gestalt verschlungener Arme».
 
Bratzel(e)sonndeg M.: «Sonntag Laetare, Halbfastensonntag» — folkl.: an Mosel und Sauer erstehen die jungen Burschen besonders in den Städtchen Remich, Grevenmacher oder Echternach eine Fastenbrezel für ihre Erwählte; nimmt sie sie an, so kommt der Schenkgeber als möglicher Freier in Betracht und darf sich bei ihr zu Ostern zum Empfang der Ostereier einfinden (HVk. S. 255) — In Remich war der Marktplatz mit Händlern besetzt, die Brezeln und Heringe (daher heißt dieser Sonntag in Schüttringen [Bd. 1, S. 146] z. B.: Hierkesonndeg «Heringsonntag») auch Zuckerplätzchen und Zuckerherzen, sowie Karamellen, mit verliebten Spruchzetteln umhüllt, feilboten; neuerdings ist die Brezel durch andere (teuere) Geschenke ersetzt worden.
 
Brau Hausname für Häuser, wo früher Bierbrauer wohnten — ech war a B.
 
Brau- (phV.: Bra-) : (in allen Kompos. Ton: 1); -haus N.; -kessel M.: wie hd. — Blindekuhspiel: der Ruf B. bedeutet «nimm dich in Acht, daß du nicht anstößt» (Ga.); -määschter (-ee-) M.; -pan F.: «tiefe Pfanne aus Kupfer zum Rösten der Maische, die zur Herstellung von obergärigem Bier diente» — Ehemals war das Bierbrauen eine Angelegenheit des Hauses. Es wurde obergäriges Bier gebraut. Dazu wurde Getreide in der Braupfanne geröstet; ein zünftiger Brauer ging mit Braupfanne und sonstigem Zubehör seines Gewerbes von Haus zu Haus sein Handwerk ausüben.
 
Brauch (phV. cf. Ltb. 79) M.: «Brauch, Sitte» — 't as kee B. — 't as nët B. bei äis — da's esou de B. (auch: Gebrauch, seltener Usus); Spw.: Wou et B. as, leet een d'Kou an d'Bett (andere Länder, andere Sitten); cf. auch: Moud.
 
brauchen (phV. cf. Ltb. 79) trans. Verb.: 1) «benutzen, verwenden» — versuerg et, ech kann et nach eng Kéier (ge)b. — deen ale Kniwweler kann alles b. (dieser alte Bastler kann alles verwerten) — en as fir näischt ze (ge)b. (er taugt zu nichts) — d'Uursaache sin (do) fir ze (ge-)brauchen (wenn jem. versucht, sich zu entschulgen) — en as a kenger Sauce (Zooss) ze b.; 2) «aufbrauchen, vertun» — ech brauch dat nët alles — séng Fra brauch zevill am Stot (seine Frau gibt zuviel für den Haushalt aus); 3) «bedürfen, nötig haben» — brauchs de d'Zaang nach? — ech brauch kengem sénger (ich beanspruche niemandes Dienste) — ech brauch därs (dat do) nët (ich kann darauf verzichten) — du brauchs Kläpp (du verdienst Prügel) — hu mir dat gebraucht? (war das nötig?) — wat een nët b. kann, as geschenkt ze deier; 4) negativ gebr.: «müssen, dürfen» — du brauchs mer näischt ze schwieren (D.) — deem brauchs de näischt ze léinen (dem darfst du nichts leihen, er wird dir es nicht zurückerstatten) — du brauchs elo nët ze pinschen (du hast keinen Grund zum Weinen); 5) «leiden mögen, auskommen mit» (wie: leiden, ausstoen, richen) — ech kann e gutt b., nët b. — ech hun e gutt ze b. — e ka sech selwer nët b. (er kann sich vor übler Laune selbst nicht ausstehen) — en as nët ze b. (unausstehlich, schlechter Laune).
 
Brauecht F.: «das gebraute Quantum» (urspr.: Bier, dann auch erweitert) — eng gutt B. (ein gutes Getränk) — eng B. Kaffi, Téi (bisw. mit pejor. Beigeschmack) — ech hun em eng gutt B. agin (ich habe ihm viel Arbeit zur Erledigung zugedacht).
 
brauen trans. Verb.: 1) eigtl.: «Bier brauen» — auch abs.: haut hu se erëm gebraut; 2) erweitert: «(heiße) Getränke zubereiten» — se huet eis eng staark Taass Kaffi gebraut — pejor.: wat hues de do eppes gebraut; 3) übtr.: «nachsinnen, ausdenken» — e braut ewell eng Zäitlaang un eppes, ech mengen et wier näischt Gutts (ähnlich: brucken s. d.) — der Deiwel weess, wat déi zesumme b.!; 4) refl.: «sich einbrocken» — dee braut sech eng!; 5) unpersönl. intr.: «sich zusammenballen, im Anzug sein» (vom Wetter) — 't huet de ganzen Dag eppes iwwert der Stad gebraut, dat gët Reen (Regen) oder en Dimmer (Gewitter) (ähnlich: brucken s. d.).
 
Brauerei F.: «Brauerei»; Zussetz.: Brauereispäärd N.: 1) «schweres belgisches Pferd»; 2) übtr.: «kräftige Frau».
 
Braulecht F.: eigtl. «Brautlauf», hat hier wie im Rhein. und Hess. die Bed. «Hochzeit» angenommen, — anders die folg. phV.: Brolënt (Mosel) F.: «ausgelassene Freude bei der Hochzeit» (Brolëntsleit Pl. «die Hochzeitsgesellschaft») Brullecht (lokal) F.: «mehrere Tage dauernde Zecherei» (ähnlich: Néngchen, Rull s. d.).
 
braukes Adj.: «verrückt» (aus dem Jenischen).
 
brausch (brA:uS) Adj.: 1) «spröde, brüchig» — d'Päärd huet e brauschen Huff — den Deeg as b. (der Teig ist leicht, luftig — es heißt auch ähnlich: liicht, linn); 2) vom Haar: «kraus» — en huet esou b. Hoer ewéi en Neger (in dieser Bed. auch: braujheg, brauscheg); 3) übtr.: «widerwärtig, kurzabfertigend» bisw. auch: «verschroben» — dat as emol e brausche Kärel (ein wortkarger Kerl) — e schwätzt esou b., en as schlecht opgeluegt (er spricht so unfreundlich, er ist schlecht gelaunt).
 
Brausch (brA:uS) M.: «verschnittener Eber». [Bd. 1, S. 147]
 
brauscheg, braujheg Adj.: 1) «brünstig» (beim Schwein) (cf. raujheg); 2) «vielästig, verwachsen».
 
Braut (phV. s. Ltb. 81), Dim. Braitchen, Pl. Bräit, Brait F.: «Braut» — Folkl.: d'B. eraus ruffen (ein Spielmann, umgeben von den Jünglingen des Dorfes forderte zum Hochzeitszug auf, dabei ward, bes. im Oesling, eine längere Szene mit feststehenden Liedern und Deklamationen gespielt, bei der Braut, Bräutigam und die gesamte Dorfjugend mitwirkten) — d'B. déi nët viraus kräischt, kräischt hanneno (es war Sitte, daß die B. vor dem Kirchgang geweint hatte, weil sie sonst leicht ihr ganzes Eheleben hindurch weinen müßte) — trauereg B. (bei der Aufforderung zum Hochzeitszug sangen die Jünglinge an verschiedenen Orten: Eraus, eraus, du trauereg Braut, Hei bausse steht eng liddereg Haut, während dem Gang zur Kirche sang die Jugend das «Lied von der traurigen Braut» (cf. Thill, Singendes Volk, S. 407)); d'B. fänken, d'B. lasskafen (nach der Messe ziehen die Dorfjungen od. die Freunde des Bräutigams ein Band über die Straße, angeblich um die B. zu fangen, die der Bräutigam loskaufen muß) — zu den Hochzeitsbräuchen cf. Hvk. S. 185 ff. und die Literaturangabe ibidem S. 308 Anm. 44; Spw.: Wien d'Gléck huet, dee féiert d'B. an d'Kiirch; Ra.: eng schéi B., d'B. as schéin ugeschiert (von der festlich gekleideten B.) — d'B. trëtt dem Bräitchemann op der Märei oder an der Kiirch op de Fous, da behält se d'Meeschterschaft — Kartenspiel: Rauten, dat gët schéi Brauten (als Trumpf).

 

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