LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Braut bis Bräiklos (Bd. 1, Sp. 147a bis 148b)
 
Braut (phV. s. Ltb. 81), Dim. Braitchen, Pl. Bräit, Brait F.: «Braut» — Folkl.: d'B. eraus ruffen (ein Spielmann, umgeben von den Jünglingen des Dorfes forderte zum Hochzeitszug auf, dabei ward, bes. im Oesling, eine längere Szene mit feststehenden Liedern und Deklamationen gespielt, bei der Braut, Bräutigam und die gesamte Dorfjugend mitwirkten) — d'B. déi nët viraus kräischt, kräischt hanneno (es war Sitte, daß die B. vor dem Kirchgang geweint hatte, weil sie sonst leicht ihr ganzes Eheleben hindurch weinen müßte) — trauereg B. (bei der Aufforderung zum Hochzeitszug sangen die Jünglinge an verschiedenen Orten: Eraus, eraus, du trauereg Braut, Hei bausse steht eng liddereg Haut, während dem Gang zur Kirche sang die Jugend das «Lied von der traurigen Braut» (cf. Thill, Singendes Volk, S. 407)); d'B. fänken, d'B. lasskafen (nach der Messe ziehen die Dorfjungen od. die Freunde des Bräutigams ein Band über die Straße, angeblich um die B. zu fangen, die der Bräutigam loskaufen muß) — zu den Hochzeitsbräuchen cf. Hvk. S. 185 ff. und die Literaturangabe ibidem S. 308 Anm. 44; Spw.: Wien d'Gléck huet, dee féiert d'B. an d'Kiirch; Ra.: eng schéi B., d'B. as schéin ugeschiert (von der festlich gekleideten B.) — d'B. trëtt dem Bräitchemann op der Märei oder an der Kiirch op de Fous, da behält se d'Meeschterschaft — Kartenspiel: Rauten, dat gët schéi Brauten (als Trumpf).
 
Braut-: -bouquet M.: «weißer Blumenstrauß der Braut beim Kirchgang» (häufig aus künstlichen Blumen) — nach der Feier wurde er in die Kirche für den Muttergottesaltar abgegeben; -frack M.: «Frack des Bräutigams» (an der linken Brustseite mit einem weißen Blumensträußchen geschmückt); -gezei N.: «gesamte Ausstattung der Braut und des Bräutigams» — si gin d'B. kafen (der Bräutigam kaufte das Brautkleid, die Braut das Hemd des Bräutigams) — Titel eines bei Thill «Singendes Volk» Nr. 267 verzeichneten Liedes, worin der Bräutigam aufzählt, wie er seine Braut möglichst billig und dauerhaft ausstatten wird; -hiem N.: «Hemd des Bräutigams» — die Braut kauft es, der Bräutigam trägt es nur am Hochzeitstag, dann wird es häufig aufbewahrt um als Sterbehemd zu dienen; -huesen Pl. F.: «Strümpfe der Braut» — übtr.: d'Meedchen huet séng B. un (sie geht strumpflos); -kläd N.: «Brautkleid» — esou pipsroueg wéi d'Matten am B. (so mäuschenstill, wie die Motten im B.); -kranz, -kränzchen, M., -kroun F.: «Myrtenkranz der Braut» (alt: Mirekroun) — Die Braut trug in vielen Pfarreien die Krone der Muttergottes zum Kirchgang an ihrem Hochzeitstag. Dafür wurde ein Entgelt an die Kirche abgegeben. Nur unbescholtene Bräute hatten dazu das Recht. Stellte es sich nachträglich heraus, daß eine Braut widerrechtlich die Krone getragen hatte, so erfolgte eine öffentliche Kirchenstrafe; -leit Pl.: «Braut und Bräutigam»; -puer N.: «Brautpaar»; -nuecht F.: «Brautnacht» — gibt zu allerlei, oft derben Späßen Anlaß — folkl.: wenn es der Braut in der B. gelingt, ihre Kleider auf diejenigen des Bräutigams zu legen, so wird sie d'Box un hun, d. h. das Regiment führen; -rack M.: «Rock der Braut» (vom Bräutigam gekauft); -rank, -rénk M.: «Trauring»; -schlär M.: eigtl. «Brautschleier» — «Name des Pfeifenstrauchs, Philadelphus coronarius» wohl wegen der schneeweißen Blüten; -schong M. Pl.: «Schuhe der Braut und des Bräutigams» — früher wurden nur die B. fertig gekauft, die gewöhnl. Schuhe wurden im Hause selbst vom Dorfschuster angefertigt; -stand M.: «Brautstand» — das «Lied vom B.» (bei Thill, Singendes Volk, S. 405); -stull M.: eigtl. «der Platz, auf den sich die Verlobten sonntags im Hochamt setzten, nach der in der Frühmesse erfolgten Verkündigung des Heiratsaufgebots», dann: «Zeit zwischen Verlobung und Heirat» — si sin am B. (verlobt); -wäin M.: «warmer Wein mit Zucker und Zimtschale, den alle Hochzeitsgäste vor dem Kirchgang trinken»; -wuel M.: «Brautschleier» — nach der Feier häufig der Muttergottes geschenkt.
 
brav Adj.: 1) «brav, von guter Aufführung» — sief b. (= schéck dech gutt, «führe dich gut auf») — lobend, zu Kindern: du bas och e brave Jong — spaßh.: e war b. wéi e kleng war (als Erwachsener ist er es nicht mehr); 2) «anständig, von moralisch einwandfreiem Lebenswandel» — Spw.: B. Meedercher a gutt Gäns gi mat Zäit häm (schlofen) — «Anständige Mädchen und gute Gänse gehen beizeiten heim oder schlafen» — iron.: b. bis un d'Knéien — b. ewéi d'Nuecht (unredlich); [Bd. 1, S. 148] 3) «ehrlich, rechtschaffen» — dat si b. Leit — dat as kä Braven — ëmmer b. bleiwen — b. ewéi Gold — aarm a(wer) b. (Zus.: wann et och schwéier fällt).
 
brav Adv.: «sehr, arg» — en huet mech b. belunn (er hat mich sehr belogen) — s. bra.
 
Bravheet F.: «Rechtschaffenheit» — 't as nët wäit hier mat där B.
 
bravo (bisw.: pravo) (Ton: 1 oder 2) Interj.: wie hd.
 
Bräch, Brächelchen (Osten: -ee-) F.: «in Kaffe oder Milch eingebrocktes Brot» (cf. auch: Brach).
 
Bräch † F.: «Maische für die Bierbereitung» (s. auch: Bréi.)
 
brächen trans. Verb.: «(ein)brocken».
 
Bräckelchen M.: «kleiner Span» — D'Bräckelcher sin och Holz (s. Bréckel).
 
Brädeler (-ee-) ON. «Breidweiler» — Gem. Consdorf, Kant. Echternach — 264; dafür auch bisw.: Präiteler.
 
Brädel, Breedel F.: «Trense, Zaum mit doppelter Mundstange bei Reitpferden».
 
Brädelt, Bree-, Bréi- ON. «Breidfeld» — Gem. Weiswampach, Kant. Clerf — 20.
 
bräden, breeden (Westösl. 'brεgdən) I trans. Verb.: «gerben».
 
bräden, breeden II trans. Verb.: «ausbreiten» — de Flues gët (aus)gebreet.
 
Bräi (phV. cf. Ltb. 66) M.: «Brei» — Spw.: Vill Käch verdierwen de B. (Viele Köche verderben den B.); Raa.: em de B. fueren, dréien, erëmgoen, réieren (Umschweife machen) — e geet drëm (erëm) wéi d'Kaz em de (waarme) B. (zaudern) — en huet mer de B. waarm gemat (er hat mir Schwierigkeiten bereitet, er hat mich geängstigt, aufgeregt, aus der Fassung gebracht) — en huet em (de) B. em de Mond geschmiert (schmeicheln, schöntun) — e schléit (facht, flutscht) dran ewéi d'Sau an de wäisse (Weesse-, Häisseoder Hiijhe-) B. (eigtl.: er ißt mit gutem Appetit, wie die Sau den weißen, Weizen-, Hirsebrei — nur übtr.: er behauptet baren Unsinn) — en huet de B. mam Sabel akritt (auch: mam Schaimläffel — er hat einen großen Mund, übtr.: eine schlechte Erziehung genossen) — en hoat B. am Koap (Echt.: er ist dumm) — et war ee (elauter) B. (das Essen war zu B. verkocht, verrührt) — de B. (bes.: Huewer-, Weessebräi (Hafer-, Weizenbrei als Morgenkost)) war esou steif, dass ee konnt eng Laus drop klécken (so dickflüssig, daß man eine Laus darauf zerdrücken konnte) — en huet em de B. virgeknat (er hat ihm den B. — übtr. seine Rede — vorgekaut) — d'Grompere sin an de Bräi geroden, gerannt (zu B. gekocht); Dim.: Brei-, Bräichen M.: «leichter Brei» (als Kindernahrung — Ammenspr.) — Kinderreim: Nana Popäichen, Kacht dem Kënnche B., Donkt em Bötterchen, Zéckerchen dran, Fir datt d'Kënnchen en iesse kann — Kinderspiel: B. maachen (auch: Bullibräi), (Straßenkot, Sand mit Wasser oder Harn vermischen und mit Stöckchen darin rühren).
 
Bräi-: -däiwel, -digel, -sak M.: «Kleinkind, das immer wie ausgehungert scheint und nach dem B. schreit» — Kinderlied: ale Bräisak, schléifs de bal?; -digel (-j-) M.: eigtl.: «Breitiegel» — übtr. s. d. vor.; -doap M.: «Breikessel» — übtr.: «Dummkopf» (der Brei statt Hirn im Kopf hat — Du. — Echt.); -klos M.: «Dummkopf» (cf. d. vor.);

 

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