LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Bränni bis Bréifkäppchen (Bd. 1, Sp. 149a bis 150a)
 
Bränni Ga.: Brändches M.: «Branntwein» (spaßhaft), auch: Schnurri, Schnorres.
 
BrätF.: «Aas» — dazu gehört, wenigstens dem Sinn nach: Bräckt F. (Mosel): 't sténkt ewéi en B. (es stinkt wie Aas); ähnl. heißt es an der Mosel: eppes Gebräcktnes (wörtl. «etw. Verrecktes» — Verwestes, Tierkadaver); — cf. be- sub 2.
 
brät, breet (flektiert bräden, breeden) Adj.: «breit» — häufig zusammen mit laang in Raa.: laang a brät — dat as mer esou laang ewéi b. (das ist mir einerlei) — en huet dës Laangen an dës Bräden dervu geschwat, oder: e Laangt an e Brät dervu gemaacht (er hat es eingehend erörtert, sehr viel Worte darüber verloren); andere Raa.: sech b. maachen, halen (prahlen, aufschneiden) — sech de Bräde maachen (sich aufplustern, viel Platz beanspruchen); Spww.: B. an dënn, dat geet geschwënn (vom Pflügen: in breiten Furchen aber nicht tief) — O läder, méng Däl gët (Wb. 06: as destou) bräder (wenn ein Bruder oder eine Schwester gestorben ist: «o leider, mein Erbteil wird desto breiter»); brät in ON.: Breedewee M.: Straßenbez. z. B. in Esch a. d. Alz. und Stadtlux. (vom Fischmarkt nach Stadtgrund); Breedewues M.: «breiter Rasen» — Flurn. z. B. im Grünewald und Pfaffenthal.
 
Brät, Breet F.: «Breite» — e geet (al) an d'B. (auch: auserneen — er wird dick) — eng eenzeg, duebel B. (Längenmaß von 0,70 resp. von 1,40 m, Stoffbreite); Ga.: «Bahn, Blattbreite eines Zeuges».
 
Brät-, Breet- / brät-, breet- : -drescher M.: «Breitdrescher»; -mäesch, -meiësch F.: «dicke Frau»; -pännchen F.: «gemeiner Bitterling, rhodeus amarus» (Fisch, — s. Bréissem); -schëf(t), -schof, Breitschaft F.: «Schwefelschnitte» (in Schwefel getauchte Leinwand zum Schwefeln der Fässer) — s. Schwiewelwick; -spureg Adj.: «breitspurig» — spaßh. von jem. der große Füße hat.
 
Bréchel (neben Préchel) M.: «Stock mit Eisenspitze» (1,50—1,80 m langer Stock mit einer 20 cm langen Eisenspitze, an deren oberem Ende ein 5 cm langer u. 2 cm. breiter Zapfen seitwärts ragt: auf diesen tritt man um die Eisenspitze bis zum Ende in den harten Weinbergsboden einzudrücken) — häufiger gebr.: das Steekeisen (s. d. — auch Komës gen.), das am Fuß festgeschnallt wird.
 
Bréchelsdapp M.: «Kreisel mit Eisenspitze» — er wurde meist mit einer Schaassel (Treibschnur) angetrieben und brummte beim Drehen — et brommt ewéi e B. (dafür auch: Préchelsdapp).
 
Bréck I F.: «Brücke» — 1) im eigtl. Sinn: «über eine Vertiefung führendes Verbindungsbauwerk von Fuß- und Fahrwegen» — dee könnt mer nët lieweg iwwer d'B. (ich werde ihm auflauern um ihn umzubringen — im Zorn gespr.) — d'Hesprénger B. («die Hespringer B.» im Volkslied: Et goung emol eng Gääss iwwer d'Hesprénger B.) — Kinderreime: Hei as eng Méck, Déi baut eng B., Hei as e Schof, Dat räisst s'of, An hei as dee klengen Néckelchen, Dee mécht a séng Bexelchen — Et steet e Männchen op der B. (et geet e Männchen iwwer d'B.), En huet e Faass um Réck, E schléit widder d'Dunn, D'Dunn kraacht, De Männche laacht, Du bas aus (un) (Abzählreim); 2) übtr.: dat do gët (as) eng faul B. (neben: Fallbréck) für eine wacklige Konstruktion, übtr.: ein unsicheres Unternehmen; 3) Brückenähnliches: a) «Verbindung zwischen Zähnen» — den Zänndokter huet mer eng gölle B. gemat; b) «turnerische Übung» (der mit dem Rücken zur Erde auf Händen und Füßen ruhende Körper bildet einen straffen Bogen) — e geet an d'B. (er hebt den auf dem Rücken liegenden Körper hoch; oder: er beugt den Oberkörper nach rückwärts bis die ausgestreckten Arme den Boden berühren); 4) als ON. gebr.: op der Bréck «Echternacherbrück» — Echt.: se woanen op der B. (neben Préck); 5) Pennälerspr.: «Eselsbrücke» (Buch, das die Übersetzungen der Schultexte enthält).
 
Bréck II F.: «Tafel, viereckiges Stück» (= frz. brique) — eng B. Marseiller (spuenesch) Säf.
 
Bréck III M.: «offener Wagen mit zwei Längsbänken» (= engl. break).
 
Bréckenhällegen M.: «Brückenheiliger» (s. Bommenzinnes); bisweilen: «schweigsamer Mensch».
 
Bréckel F.: «kleines, dünnes Reisig» (dafür meist: Gereisers, im Westen: Schnaën) — s. Bräckelchen.
 
bréckelen, breckelen ('brek- 'brεk-) trans./intr. Verb.: «bröckeln».
 
Bréckesch Hausname zu Bréck I.
 
Bredouille (Ga.), Bredull(ech) F.: «Klemme, Verlegenheit» (frz. bredouille).
 
bedrulleg Adj.: «verlegen». [Bd. 1, S. 150]
 
Breger ('bre·jər), lok. Breier M.: «Bettler» — derbäi maache wéi de B. bei d'Kou, wéi de B. op d'Kou schloen (tüchtig zuschlagen), lok.: wéi de B. bei d'Geess (im Norden mit Braier — s. d. — zusammengebracht).
 
Bréi F.: «Maischmasse» (Ga.).
 
Bréidecht F.: «was man auf einmal brät» — eng B. Fësch (eine Portion gebratener Fische).
 
bréidelen intr. Verb.: «Brot verkrümeln» (Wb. 06: «Brot zu unrechter Zeit essen»); hei gët nët gebréidelt «hier wird kein Brot zwischen den Mahlzeiten gegessen»; Abl.: Gebréidels N.: «kleine Vorteile».
 
Bréidercheskraut N.: bot. «rundblättrige Malve, malva rotundifolia» — folkl.: Mittel gegen Ausschlag, Wundliegen (wirkt sogar, wenn es unter dem Bett angebracht ist).
 
Bréiecht (lok.: Bréidecht, Oesl. 'brigdiçt) F.: «die zugleich ausgebrütete Brut» (dafür auch: Huckecht, dies auch für Säugetiere) — mir hun der nëmme sechs vun der B. duurchkritt (es sind nur 6 Küken am Leben geblieben).
 
bréieg (lok.: bréideg, bréizeg, Oesl. 'brigdiç) Adj.: 1) aktiv «zum Brüten geneigt, brütend» (von Vögeln) — Echt.: e sëtzt do wéi e bréidig Houn; 2) passiv «bebrütet» (vom Ei).
 
bréien (lok. bréiden, Oesl. 'brigdən) trans./intr. Verb.: 1) eigtl. «brüten» (von Vögeln); 2) übtr. «im Inkubationsstadium sein» (bes. von Krankheiten, aber auch von Plänen, Ideen) — et bréit eppes un em — e bréit un enger Krankheet (s. auch: brucken).
 
bréien trans. Verb.: «brühen» — d'Schwäi gët gebréit fir d'Biischten ewechzekréien (das Schwein wird mit heißen Wasser gebrüht, damit die Borsten besser entfernt werden können) — d'Fässer gi gebréit (vor der Lese mit einer Sodalösung).
 
Bréif M.: 1) «Brief» — en huet mer e Bréif(che) matgin fir dech; 2) «Protokoll, Sentenz, Urteilsspruch» — dee krut säi B. (= en huet e Protekoll kritt) — Déif, Déif, um Gaalge steet däi B.
 
Bréif-: -boîte, -këscht F.: «Briefkasten»; -dréier M.: «Briefträger»; -käppchen M.: «Briefmarke» (dafür auch das Simplex gebr.);

 

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