LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Brennes bis briechen (Bd. 1, Sp. 153a bis 154a)
 
Brennes N.: «Brennmaterial» — mir hu B. fir de Wanter ageluegt — huel B. erop (bringe B. aus dem Keller herauf) — si hu kee B. méi; cf. auch: Brand.
 
brenzeg Adj.: «angebrannt schmeckend oder riechend».
 
brenzeleg Adj.: 1) wie d. vor.; 2) «heikel, gefährlich» — dat as eng b. Affär — et gesäit b. aus.
 
brenzelen intr. Verb.: «jucken» (wie Sand zwischen den Fingern, wie eine Fliege, die unter der Haut läuft).
 
brenzen intr. Verb.: «nach Angebranntem schmecken oder riechen» — de Speck brenzt (das Griebenfett für die Kartoffeln schmeckt angebrannt).
 
Brenzert M.: «brandiger Nachgeschmack» — den Heffebranntewäin huet e B. (der Hefenbranntwein — der leicht im Kessel anbrennt — hat einen brandigen Geschmack).
 
Brëschter Pl.: «Haufen gebildet aus Rasen, Blättern und Reisig einer Lohhecke» (wird verbrannt und dient als Dung — s. brennen sub 5) — auch: Gebrëschters N.
 
brëschteren trans. Verb.: «Reisig zum Saangen (s. d.) zusammentragen».
 
Brëtellen (Ton: 1) Pl. F.: 1) «Hosenträger» (frz. bretelles) — daneben bisw. auch als Sg. F. gebraucht: méng Brëtell as futti (mein Hosenträger ist entzwei); 2) «Schulterschlaufen an Damenunterwäsche»; 3) «Traggurt» — iron.: e Piano mat Brëtellen (Ziehharmonika); Zussetz.: Brëtellsbox F.: «Hose mit Hosenträgern» (cf. Vjbl. 21-22).
 
Brëtsch I F.: «erhöhte, bretterne Lagerstätte», im bes.: 1) «Feldbett, Gefangenenliegestatt, Lager der Schweine» — spaßh.: elo geet et op d'B. (jetzt gehen wir zu Bett); 2) iron.: «Operationstisch» e läit op der B. (er liegt auf dem Operationstisch) — mech kritt keen Dokter op d'B. (mich bringt kein Arzt auf den Operationstisch); 3) «Tragbahre» als ländl. Transportmittel; 4) Oesling: «Lattengestell im Kellerloch, auf dem die Kartoffeln hinabgeschüttet werden»; 5) Oesling: «Getreidelager über den Balken der Tenne».
 
Brëtsch, Brätsch II F.: 1) «Pritsche, Prügel» bes. «die Pritsche, die man Fastnacht zum Schlagen benutzt» (dafür auch: Kläpper); 2) «Prügelbock»; 3) «Prügelstrafe» — Ra.: da waart, elo gës d'iwwer d'B. gezunn (statt: iwwert de Knéi — jetzt wirst du über das Knie gelegt und geprügelt) — ähnlich: du kriss der iwwer d'B.; 4) folkl. Mosel: «Strafe, die die Leserinnen am Abend von den Lesern erhalten wegen der Trauben, die sie beim Lesen haben hängen lassen», dabei liegt die zu strafende Person bäuchlings auf dem Stuhl oder Tisch — dann: «von den Leser(inne)n übersehene Traube».
 
brëtschen, brätschen trans. Verb.: «auf den Hintern prügeln» (cf. d. vor.) — s. auch: bretzen.
 
Brett (brεt) F.: 1) «Auseinandersetzung» (cf. wall. brète «différend, querelle» — Haust stellt es zu frz. brette «sorte de longue épée»); 2) «Knickerspiel».
 
Brëttel, Brettel, Briddel, Breedel, Brädel M.: 1) «Trense, Zaum mit doppelter Maulstange, bes. bei Reitpferden»; 2) «Knebel (Querholz, oder -eisen) am Ende eines Seils, einer Kette, um sie in einem Ring, oder sonst einer Öffnung (Knopfloch bei der Uhrkette) festzuhalten».
 
Bretz (brεts) F.: «Klemme» — ech sin an der B. (ich fühle mich bedrängt), dafür auch: Press, Pëtz, Pretz (s. d.).
 
Bretzecht F.: «Prahlerei».
 
Brëtzel, Bretzel F. s. Bratzel II.
 
bretzen ('brεtsən) Verb.: 1) trans.: «klemmen, einzwängen» — auch intr.: bretz emol nach eng Grimmel, da kriss de de Schaf schon op (klemme noch ein bißchen, dann kriegst du den Schrank schon auf) — in dieser Bed. im Norden auch: brëtschen (s. d.); 2) refl.: «prahlen» — wat dee sech eppes mat séngem Monni an Amerika bretzt (wie der mit seinem Onkel in Amerika prahlt).
 
bretzeg Adj.: «prahlerisch, protzig». [Bd. 1, S. 154]
 
Bretzert M., Bretzësch F.: «Prahler, Prahlerin», für das M. auch: Bretzaasch M.
 
Brevéier, lok. Brevejéier M.: «Brevier» — spaßh. auch auf andere Bücher bezogen, die immer wieder zur Hand genommen werden.
 
Brevet ('brəve·, brəvi·) M.: «Zeugnis», und zwar: 1) «Examenszeugnis, weiter: der durch ein Examen erreichte Grad, Rang» — bes. beim Lehrpersonal: en huet säin éischte (zweete, drëtte) B. gemaacht (in dieser Bed. häufiger: Rang M. s. d.); 2) «Patentzeugnis»; 3) «Pensionsbuch».
 
Briddel ON. Häusergruppe oberhalb Siebenbrunnen, Gem. Kopstal, Kant. Capellen — 400.
 
Bridderchen (phV. s. Ltb. 71) M.: «Brüderchen», häufig zu Kindern: solle mer der nach e B. kafen? (sollen wir dir noch ein Brüderchen kaufen?) — Dim. zu Brudder (s. d.).
 
bridderlech Adj.: «brüderlich» — en huet b. mat mer gedeelt (er hat b. mit mir geteilt); Abl.: Bridderlechkeet F.: «Brüderlichkeit» — Name des ersten Arbeitervereins sozialistischer Observanz (Stadtgrund 1848).
 
Briech ON. «Bras», Dorf in belg. Lux. (wall. brAu); Briechter Steen M.: «Braser Stein» — ziemlich fester Devonschiefer.
 
briech Adj.: «vollkantig, viereckig zugeschnitten, gewinkelt».
 
Briech (lok. Breech, Brääch) F.: 1) «Brecheisen», dafür auch: Briech-, Hief-, Réck-, Stéckeisen — um schwere Gegenstände fortzubewegen, wird die Briech auf einen Klotz als Unterlage (Zuet s. d.) aufgestützt, um einen Hebel zu bilden; 2) «Flachs- oder Hanfbreche», weiter auch: «Ort, wo der Hanf gebrecht wird» (wofür auch: Briechkaul) — übtr.: en huet eng Schnëss ewéi eng B. (ein großes und giftiges Maul); 3) «gebrochene Zweige an Bäumen, die im Walde als Orientierungszeichen oder Wegweiser dienen».
 
Briech-: -eisen N.: «Brecheisen» (s. Briech sub 1); -haus N.; -kaul F.: 1) «Flachs- oder Hanfbreche» (s. Briech sub 2); 2) «Steinbruch»; -mëttel N.: «Brechmittel» — auch iron.: «unausstehlicher Mensch».
 
briechen I trans. Verb.: «einbrocken» (Wb. 06) — stadtlux. Form zu gemeinlux. brächen (s. d.).
 
briechen II (phV. cf. Ltb. 23) Verb.: A) trans.: «in Stücke brechen» 1) mit konkretem Objekt — Spww.: Mathäis mécht Äis oder brécht Äis (St. Mathias — 24. Februar — macht Eis od. bricht Eis) — Deen Ongléck huet, brécht (sech) de Fanger am Bräi (bisw. auch: an der Nues, am Aasch — Wer Unglück hat, bricht sich den Finger im Brei, in der Nase, im A.); Raa.: bu bréchs (der) nach den Hals, d'Halsgenéck (du brichst noch den Hals) — dat as fir Hals a Been ze b. (das ist zum Hals- und Beinbrechen) — hie brécht sech eng Rutt (Rittchen), mat där e selwer gebeetscht gët; 2) mit abstraktem Objekt — si hun déi ganz Affär iwwert de Knéi gebrach (sie haben die ganze Angelegenheit über das Knie gebrochen — überstürzt) — en huet säi Verspriechen, säi Wuert, d'Trei . . . gebrach (er hat sein Versprechen, sein Wort, die Treue gebrochen) — den Niichter (Iichter) b. (die Nüchternheit brechen, den ersten Bissen zu sich nehmen) — ech b. der schon däin Trotz, Tockskapp (ich werde dir schon den Trotz b.) — ech wärd em säi Wëlle scho b. — dat huet em d'Häärz gebrach — e schwätzt gebrache (e gebrachent) Franséisch (wie hd.: gebrochen Französisch); 3) ohne Objekt, das zu ergänzen ist — haut brieche mer (scil.: de Flues — heute brechen wir Flachs) — e brécht (scil.: Steng) dohannen am Bierg (er bricht Steine dahinten im Berg) — ech hu mat em gebrach (ich habe die Beziehungen mit ihm abgebrochen) — vom Zahnen des Pferdes heißt es: d'Päärd as am B., huet gebrach, (und zwar: op zwee, véier, sechs, aacht Zänn) — d'Päärd huet aus gebrach (hat alle Zähne, ist alt); B) intr. oder absol.: 1) «in Scherben gehen» — Spw.: De Krou geet op de Buer, bis e brécht (Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht); Raa.: béien oder briechen (biegen oder brechen) eng gebrache Linn (eine gebrochene Linie) — eng gebrache Kar (schwächlicher Mensch, schäbige Gesundheit) — dat brécht ewéi Glas (das bricht wie Glas); 2) übtr. in den Raa.: d'Stëmm brécht (die Stimme bricht — Stimmwechsel) — 't as näischt gebrach (es ist noch nichts verdorben) — d'Keelt as elo gebrach (die Kälte ist gebrochen) — spaßh. im Hochsommer: elo as déi meescht(e) Keelt gebrach — d'Féiwer as gebrach (die Fiebertemperatur nimmt ab); 3) absol. oder refl.: «erbrechen, Gegessenes (Getrunkenes) wieder von sich geben» dafür auch: sech iwwergin, schëdden, gröber: katzen (s. d.) — en huet (sech) gréng a giel gebrach — bisw. auch trans.: en huet Long a Liewer gebrach [Bd. 1, S. 155] (auch: erëmgin — er hat Lunge und Leber erbrochen).

 

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