LWB Luxemburger Wörterbuch
 
buschtawéieren bis Buurgfeier (Bd. 1, Sp. 166a bis 167b)
 
buschtawéieren trans. Verb.: 1) «buchstabieren»; 2) «mühsam zu verstehen suchen, ausknobeln, sehr bedächtig arbeiten» — wourunner buschtawéiers du dann nëmmen? — hues de bal aus buschtawéiert?; 3) «die Beine hin- und herwerfen» (Gangart der Betrunkenen) — en huet al mat de Bee buschtawéiert, wéi en heemgoung.
 
Buschtawenzopp F.: «Suppe mit Einlage aus Teigbuchstaben» — vun enger B. gët ee gescheit (zu Kindern).
 
Busem, Bousem M.: «Busen» — en huet de Schellem am B. (er hegt hinterlistige Gedanken, ist zu Schelmenstreichen aufgelegt).
 
Buss F.: «Laus» (cf. Bissercher).
 
bussig (lok. Echt.) Adj.: «boshaft, bösartig».
 
Büst M.: 1) «Oberkörper»; 2) «Büste» (Skulptur); 3) «Modellpuppe der Nähterinnen»; 2 und 3 häufig F.
 
Butbutt M.: «Wiedehopf» (s. Mitock) — e sténkt ewéi e B.
 
Butfu (Ton: 1) M.: 1) wie frz. boutefeu «Unfriedensstifter»; 2) «großes Glas Branntwein» (ähnlich: Schassmarri, Borrel — s. d.).
 
Butsch I F.: 1) «Ziege»; 2) verächtl.: «junges Mädchen» — lok. Spottwort: d'Butschen «Schülerinnen der Primärschule» — allgem.: domm B.; 3) Kinderspiel: s. Zéckel; 4) bot.: «Wiesenhaferwurz» (s. Bocks(e)- baart).
 
Butsch II F.: 1) «Sprung» — Ammenspr. auch: Butschi maachen (ein Kind springen lassen); 2) «fehlgeschlagener, rückgängig gewordener Heiratsplan»; 3) «Fehlgeburt» — 't huet eng B. gemaacht (sie hat fehlgeboren), (in Echt. heißt es dann spaßh.: elo hääscht d'Këndchen Eenchen — Wortspiel Ännchen/Endchen).
 
Butschanz (Ton: 1) F.: «Purzelbaum».
 
Butschebuurg (-brech) ON.: «Budersberg» — Dorf der Gem. Düdelingen, Kant. Esch — 538.
 
butschdeg Interj.: «plumps» — u. a. Ausruf beim Springen, beim unerwarteten Hinfallen.
 
butschen intr. Verb.: 1) «Zicklein werfen» — dafür lieber bëtschelen (s. d.); 2) «fallen, straucheln, purzeln» — auch: butschelen.
 
Butschert M.: 1) im eigtl. Sinn: «Fehlsprung, -tritt»; 2) übtr.: «moralischer Fehltritt» (bes. von einem Mädchen, das sich verfehlte); 3) bisw. lok wie Butsch sub 3.
 
Buttéck, Buttick (Osten: 'budik) M.: 1) «Verkaufsladen» (frz. boutique) — bisw. schon (bes. in der Hauptstadt) mit einem pejor. Nebensinn: «unbedeutender, unordentlicher Laden» (Ggs.: Geschäft) — Raa.: wéi d'Mëtsch am (alt: om) B. (flink, reibungslos, sofort — s. Mëtsch) — bes. Bed.: d'Buttécker (Verkaufsstände mit Zuckerwaren und Spielzeug auf dem Rummelplatz); 2) «schlimme Wirtschaft, [Bd. 1, S. 167] Lumpenpack, verkommene Familie» — de ganze B. daagt näischt — 't as weider näischt ewéi B. a Pak — houere B. (verlotterte Gesellschaft); 3) «Kram, wertlose Habe, Plunder» — ech päifen op dee ganze B. — pak däi B. zesummen (an) — wann ech de ganze B. do nëmme lass wier!; 4) Hüllwort: a) si weist de (hire) B. (Frauenbrust); b) de gliese B. (pudendum muliebre — bes. bei Kindern); 5) «Streit» — si hun éiweg B. matteneen — du gouf et B. — wat schléit deen e B. fir näischt an nach emol näischt!
 
Buttécks Hausname: a. B. «beim Krämer».
 
Buttecks-: -fënster F.: «Auslagefenster»; -fra F.: «Krämerin, Geschäftsfrau» — Kinderreim in Esch a. d. Alz.: Do sëtzt déi B., Mat engem (hirem) schielen O, Mat enger plak'ger Kopp, Deen Alen hät se drop (setzt sech drop) (Dort sitzt die Krämerin, Mit ihrem scheelen Auge, Mit einem kahlen Kopf, Der Alte haut sie drauf, setzt sich drauf); -joffer F.: «Ladenfräulein, Verkäuferin»; -jong M.: «Stift, Laufbursche in einem Geschäft»; -leit Pl. «fahrende Krämer»; -mann M.: «Ladeninhaber»; -meedchen N.: «Ladenmädchen, Verkäuferin».
 
Butz M.: 1) «Geschöpfchen, kleines Kind» — eise B. (unser Kleinstes) — 't as nëmmen esou e B. (er ist sehr klein, auch von Erwachsenen); 2) der urspr. Kosename für das kleinste Kind (Dim.: Butzi) wird allgem. als Vorname für Knaben und Mädchen, auch noch für Erwachsene gebraucht; 3) Hundename.
 
butzeg Adj.: «niedlich, klein».
 
Butzel M.: immer zusammen mit Hutzel (s. d.).
 
Butzemännchen M.: 1) «eingemummtes, kleines Kind, Knirps»; 2) «Kobold, Popanz».
 
butzen trans. Verb.: in der Ra.: eng Schläich b. (eine Eisbahn zerstören — sonst: käppen, opkappen).
 
Butzert M.: «Farbklecks» (Druckerei).
 
Butzi M.: «Kuß» (lok.).
 
Buucht F.: 1) «Stand, Widerstand» — vom Steifleinen heißt es: d'Léngent hält d'B. (bleibt steif) — auch von der Sense: d'Séissel hält nët méi d'B. (die Schneide ist verbogen) — übtr. auf Menschen: Jongen, elo heescht et (d') Buucht gehal (jetzt heißt es standhaft bleiben, Widerstand leisten) — bisw. auch: (d')B. stoen (id.) — cf. buuschten; 2) Norden (bu:t): om But sën firr gätt ze man (im Begriff sein, etwas zu unternehmen).
 
Buuchtschëff N.: «Nachen mit starkem, breiten Bug».
 
bu(u)jheleg Adj.: «aufgeregt, nervös, aufheberisch, gereizt» — sief nët esou b. fir (alt: ëm) näischt a widder näischt (mache nicht soviel Aufhebens um eine so belanglose Sache).
 
Buurschënd, Buurscht (phV.: bu·eSt, 'burSt, 'burəSt) ON.: «Bourscheid» — Gem. Bourscheid, Kant. Diekirch — 160; Buurschter Schlass, Millen.
 
Buurfëld ON. «Burfeld» — Gehöft bei Insenborn.
 
Buurg, Bureg (Norden: 'buriç) F.: 1) «Burg» — op der B. (häufiger Flurname); 2) «Burgfeuer» — folkl. d'B. gët ge- (ver-)brannt. Das Fastenfeuer wird zum ersten Fastensonntag abgebrannt, an der Mosel bei Sierck Baiersonndeg (s. d. — frz. Dimanche des Bures, Banons, Brandons), in der Eifel und im Ösling stellenweise Scheefsonndeg (dazu allgem. Fackelsonntag und früher Lehensonntag). Die Jungburschen sammeln von Haus zu Haus Stroh, Reisigbündel und sonstige brennbare Stoffe und schaffen sie auf eine Anhöhe nahe dem Dorf, wo sie nach dem Abendläuten in Brand gesteckt werden. Eine mächtige Baumstange ragt in der Mitte des Haufens in die Höhe, und die Spitze trägt oft ein Holzkreuz. Der jüngtsverheiratete Ehemann des Dorfes zündet die B. an, welche Ehre mit Geldspenden für einen Trunk bezahlt wird. Nach dem Buurgbrennen erfolgt ein Tanz um die Brandstätte herum. Übermütige Burschen springen über das verlöschende Feuer, und die Jugend übt den Schabernack des Gesichtsschwärzens. Dieser Brauch (an den sich früher die Lehenvergebung anschloß) wird noch vielfach geübt. (genaue Schilderung und Deutung sowie Literaturangaben s. HVk. SS. 253, 254, 317) — häufigstes Heischelied beim Sammeln des Brennmaterials: Stréi, Stréi fir déi nei B., déi al, déi as erduurch (Varianten s. HVk. loco cit.); 3) ON.: an der B. «Burglinster» — Gem. Junglinster, Kant. Grevenmacher — 352.
 
Buurg-: -aup F.: «Burgfeuer» (s. Buurg sub 2); -feier N.: «Burgfeuer» (s. Buurg sub 2);

 

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