LWB Luxemburger Wörterbuch
 
bu(u)jheleg bis Buz (Bd. 1, Sp. 167b bis 168b)
 
bu(u)jheleg Adj.: «aufgeregt, nervös, aufheberisch, gereizt» — sief nët esou b. fir (alt: ëm) näischt a widder näischt (mache nicht soviel Aufhebens um eine so belanglose Sache).
 
Buurschënd, Buurscht (phV.: bu·eSt, 'burSt, 'burəSt) ON.: «Bourscheid» — Gem. Bourscheid, Kant. Diekirch — 160; Buurschter Schlass, Millen.
 
Buurfëld ON. «Burfeld» — Gehöft bei Insenborn.
 
Buurg, Bureg (Norden: 'buriç) F.: 1) «Burg» — op der B. (häufiger Flurname); 2) «Burgfeuer» — folkl. d'B. gët ge- (ver-)brannt. Das Fastenfeuer wird zum ersten Fastensonntag abgebrannt, an der Mosel bei Sierck Baiersonndeg (s. d. — frz. Dimanche des Bures, Banons, Brandons), in der Eifel und im Ösling stellenweise Scheefsonndeg (dazu allgem. Fackelsonntag und früher Lehensonntag). Die Jungburschen sammeln von Haus zu Haus Stroh, Reisigbündel und sonstige brennbare Stoffe und schaffen sie auf eine Anhöhe nahe dem Dorf, wo sie nach dem Abendläuten in Brand gesteckt werden. Eine mächtige Baumstange ragt in der Mitte des Haufens in die Höhe, und die Spitze trägt oft ein Holzkreuz. Der jüngtsverheiratete Ehemann des Dorfes zündet die B. an, welche Ehre mit Geldspenden für einen Trunk bezahlt wird. Nach dem Buurgbrennen erfolgt ein Tanz um die Brandstätte herum. Übermütige Burschen springen über das verlöschende Feuer, und die Jugend übt den Schabernack des Gesichtsschwärzens. Dieser Brauch (an den sich früher die Lehenvergebung anschloß) wird noch vielfach geübt. (genaue Schilderung und Deutung sowie Literaturangaben s. HVk. SS. 253, 254, 317) — häufigstes Heischelied beim Sammeln des Brennmaterials: Stréi, Stréi fir déi nei B., déi al, déi as erduurch (Varianten s. HVk. loco cit.); 3) ON.: an der B. «Burglinster» — Gem. Junglinster, Kant. Grevenmacher — 352.
 
Buurg-: -aup F.: «Burgfeuer» (s. Buurg sub 2); -feier N.: «Burgfeuer» (s. Buurg sub 2); -haff M.: «Herrschaftssitz im Dorf» (als Ortsbezeichnung, z. Bsp.: Dickweiler, Cruchten, Bonneweg); -kapp M.: «Fliehburg bei Consdorf»; -lënster ON. s. Buurg sub 3; -mauer F.: Ortsbezeichnung — hanner [Bd. 1, S. 168] der B. «in Echt. eine Straße direkt außerhalb der Stadtmauer»; -plaz F.: «Platz auf einer Anhöhe, wo die Buurg gebrannt wird» (s. Buurg sub 2) — häufiger Flurname (z. B. an der äußersten Nordspitze bei Huldingen); -sonndeg M.: «der erste Fastensonntag» (auch: Baier-, Boune-, Scheef-, Fakelsonndeg — s. d.) — Spw.: Wéi den Damp op B. geet, sou geet en de ganze Virsummer; -stat F.: «Burgstätte» (häufiger Flurname).
 
Buurgermeeschter, -määschter (Ton: 3) (phV. s. Meeschter) M.: 1) «Bürgermeister» — en as B. (Westen: Maire) gin (von einem Bauern, dessen Wagen umkippt); 2) Pennälerspr.: «der letzte der Klasse» (die Vorletzten heißen: Scheffen «Schöffen»).
 
Buusch(t)el M. und F. «vordere Griessäule am Pflug» (s. Kolterholz).
 
Buuscht: A. M.: 1) «Schopf, Strähne» — kämm der emol de wëlle B. iers de bei d'Leit könns (kämme dein Haar, ehe du zu den Leuten gehst) — ech kämmen, stréilen him de B. (übtr.: ich weise ihn derb zurecht) — e ganze B. (Schapp) Hoer; 2) verengte Bed.: «borstiges Haar» — wat huet deen e B. (cf. die Zussetz.: Widderbuuscht); B. F.: nur im Pl. gebr. «Borsten, Haare» — rout B. (geringschätzig: rote Haare) — hat huet e mat de Buuschte geholl, gezunn, gerappt (sie hat ihn bei den Haaren genommen, gezogen, gezaust) — maach, dass dénger Buuschte sech keng méi heibanne weist (bleib mir mitsamt deinen Angehörigen aus dem Hause) — si kréien (hun) sech mat de Buuschten — dajé, huelt iech mat de B.! (cf. Biischt).
 
buuschteg Adj.: 1) im eigtl. Sinn «borstig, ungekämmt» — wat huet dee b. Been (was der haarige Beine hat); 2) übtr.: a. «eigensinnig» (cf. widderbuuschteg); b. «reizbar, leicht aufbrausend».
 
Buuschte-: -bënner M.: s. Biischtebënner — si zerschloe sech, saufe . . wéi d'B.; -kréimer M.: «ungekämmter, unordentlicher Mensch».
 
buuschten refl. Verb.: 1) «alle Kraft aufwenden» (zur Erreichung eines Ziels) — du muss dech b. wanns de dat wëlls fäärdeg bréngen; 2) «sich beeilen»; 3) «sich widersetzen» — zu den drei Bed. cf. Buucht; 4) Wb. 06: «streiten, einander bei den Haaren zerren», gewöhnlich: sech zerbuuschten.
 
Buuss I. F. (Norden nur M.): 1) «Büchse» (im allgem.) — eng stole B. (eine Büchse aus Stahl); 2) «Buchse am Rad» — s. Biiss; 3) nur M.: «Wingsel», ein Sack im Bodenstein der alten Mühlen, um das Mühleisen gebunden, gewöhnlich mit Werg gefüllt, damit des Geschrotene zwischen dem Mühleisen und dem Futter nicht herausfalle — de B. rënnt oder d'Millen as buusswand (wenn bei großer Geschwindigkeit des Mühleisens ein Teil des Werges verbrennt, und das Schrot herausfällt).
 
Buuss II M.: 1) «Poisse, im Alter verschnittener Zuchtstier», bisw.: «zum Schlachten bestimmter Ochse»; 2) «weibl. Tier, das nicht trägt» — auch von unfruchtbaren Frauen; 3) «Hagestolz» — bisw., wie Steebock (s. d.): «Person, halb Frau, halb Mann» — deen ale B. (Schimpfname).
 
buusswand Adj.: von der Mühle — s. Buuss I sub 3.
 
Buvette (Ton: 1) F.: «Bahnhofswirtschaft».
 
Buwweränz (Ton: 3) F.: «Verbeugung, Reverenz».
 
Buz M. = Biz (s. d.). [Bd. 1, S. 169]

 

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