LWB Luxemburger Wörterbuch
 
dafstomm bis Daifchen (Bd. 1, Sp. 177a bis 179b)
 
dafstomm Adj.: «taubstumm», bisweilen spaßh.: stafdomm.
 
Daf meist M. (bisw. F.) (lok. phV. cf. daf Adj.): 1) «Taufe» (s. auch: Kanddaf) — e kritt den D. (er wird getauft) — nom D. wëllt jidderee Pätter gin (nach der Taufe will jedermann Pate werden) — e Kand iwer d'Daf halen (Patenstelle übernehmen) Géidaf «Nottaufe» — folkl.: s. die einzelnen Zussetz., sowie HVk. SS. 166 ff.; 2) lok.: «Taufwasser».
 
Daf-: -akt M.: «Taufakt»; -bréif M.: «Taufschein»; -buch N.: «Taufbuch» (= -regëschter); -decken F.: «Decke, worin der Täufling zur Kirche getragen wird» — folkl.: s. Dafkëssen; -drëpp F.: «vom Paten gespendetes Gläschen Branntwein» — auf dem Weg von der Kirche zurück hatte der Pate früher sozusagen immer eine Drëpp oder Fläsch in der Tasche u. ein Glas, unterwegs schenkte er dann den ihm begegnenden Erwachsenen ein Gläschen Branntwein aus; -giedel, -gued F.: «Taufpatin» — folkl.: s. Dafpätter; -hauf, -haifchen F.: «erstes Häubchen des Kindes»; -kand N.: «Täufling»; -kapell F.: «Taufkapelle»; -käärz F.: «Taufkerze»; -këssen M.: «Taufkissen» — folkl.: zum Kirchgang wird der Täufling in ein Steckkissen getan, in eine Decke (Dafdecken) gehüllt und von der Hebamme in Begleitung der beiden Paten zur Kirche getragen; -numm M.: «Tauf-, Vorname»; -pätter M.: «Taufpate» — folkl.: Bei den Erstgeborenen sind die Paten meist die Großeltern des Täuflings, bei den darauffolgenden Kindern die nächsten Verwandten, deren Auswahl viel Umsicht erheischt, weil die Patenkinder dem Paten leicht nachschlagen und die späteren materiellen Zuwendungen gemäß der Wohlhabenheit des Paten ausfallen. Die Paten schenken dem Kind ein Eßbesteck, und wenn es über der Taufe geschrien hat, als Pätterstéck, ein neues Röckchen oder Kostümchen. Das Schenken setzt sich fort: zu St. Nikolaus, Neujahr, Ostern müssen Geschenke erfolgen, ebenso zur ersten Kommunion eine Uhr und zur Hochzeit des Taufkindes ein beträchtliches Heiratsgeschenk als Pätterstéck (s. d.). Es wäre verfehlt, ohne den Verzicht des Paten dem Täufling einen andern Namen als den des Paten zu geben — cf. weiter HVk. SS. 167 ff.; -räckelchen M.: «Taufkleidchen» — hellblau oder rosa, je nachdem das Taufkind ein Knabe od. ein Mädchen ist; -regëschter M.: «Taufregister»; -schäin M.: «Taufschein» — en huet säin D. verluer (er hat vergessen, aus welchen Verhältnissen er stammt, er ist stolz geworden); -stän, -steen M.: «Taufstein»; -waasser N.: «Taufwasser»; -zocker M.: «Zuckerplätzchen, die von Taufpate und -patin verteilt werden» — folkl.: Dem Geistlichen und dem Küster überreichen die Paten nach der Taufe eine Düte (Tiitchen) mit Bonbons (Dragées) und einem Stück Geld; auch Verwandte und Bekannte werden mit einer Tiitchen bedacht. [Bd. 1, S. 178] Beim Verlassen der Kirche werden die Paten von den versammelten Kindern unter Geschrei und Gejohle empfangen: es heißt nun fleißig Zocker ausgeheien (Zuckerplätzchen auswerfen), wollen die Paten vermeiden, daß sie als Stréipätter und Sauergued (seltener -giedel) in Verruf kommen. In Echt. ertönt fortwährend, auch über der reichsten Bescherung der Ruf: Stripeeter, Sauergood, Si hoan kän (Sie haben keine Bonbons). — cf. weiter: HVk. S. 169 oben.
 
Dag M. (allg. daax, Nordösl. daaç), bisw. Do, Pl. Deg (de:ç), lok. Dee (de:); 1) «Tag als helle Zeit» (im Ggs. zur dunkeln), in dieser Bed. häufig mit dem best. Art. der (dər) statt den (dən) gebr.; dafür häufiger: Do M. (s. d.) — Raa.: et war nach nët D. (der Tag war noch nicht angebrochen) — 't gët D., der D. kënnt (der Tag bricht an) — tëschent D. an Nuecht (in der Dämmerung, im Zwielicht) — e läit mer D. an Nuecht an den Oueren (er liegt mir andauernd in den Ohren) — 't kënnt alles un den D. (alles kommt ans Licht) — e gesäit (erlieft) der D. nët méi (er wird noch heute nacht sterben) — stéi op, et as schon héi D. (die Sonne steht schon hoch) — hie verbrennt den (hellen) D. (er läßt die Lampe in den Tag hinein brennen) — et wääss än nët, ob D. oder Nuecht bei him as (er ist sehr verschlossen) — Ga.: e gesäit weder D. nach Luucht (il ne voit ni feu ni flamme, er ist eingesperrt) — si hu sech getommelt (beeilt), fir nach mam D. (auch: Do) dozesin (noch vor Anbruch der Nacht) — Echt./Du.: moar dës Doochs (morgen früh, sobald es tagt); 2) «Tag als Zeitraum von 24 Stunden» — Raa.: all D. (täglich, jeden Tag) — all D., dee Gott geschaf(en) (oder: erschafen) huet — enges gudden Dags, ee gudden D. (eines Tages) — deen aneren D. (am folgenden Tag) — D. fir D. (Tag für Tag) — zënter enger Dager aacht (seit ungefähr acht Tagen) — där Deg (Deger, Degen) een, (nächster Tage) — du kënns den D. nom Maart (du kommst zu spät) — muer as nach en D. (die Angelegenheit eilt nicht so sehr — auch: nicht alles beieinander essen) — e Gesiicht ewéi siwen Deg Reen (ein finsteres, mürrisches Gesicht) — beim Abschiednehmen: äddi dann, bis soss en D., e gudden (e renegen) D. (auf Wiedersehen, bis gelegentlich) — de (ganze) léiwe laangen D. (den ganzen Tag ohne Unterbrechung) — vun D. zu D. — 't as haut esou e verluerenen D. (ein Tag, an dem man nicht weiß, was man beginnen soll) — e schwätzt (versprécht . . .) vill, wann den D. laang as (von einem belanglosen Schwätzer, jem. der verspricht ohne zu halten) — 't as nët aller D. Brauch (das ist nicht die Regel) — en huet mer den dillegen (Echt.: Dillinger, bisw.: dittlechen) D. ugedon (er hat mich gedrängt) — 't vergeet keen D., ouni . . . — esou en aacht Dee(g), enger (oder: e Stécker) aacht Dee(g) (ungefähr acht Tage) — des Do, dis Do (Mosel) = des Deg (dieser Tage, unlängst) — Spww.: Wat den D. méi hälleg (heilig), wat der Däiwel méi älleg (eilig), oder: wat der Däiwel méi uerg (rosen) as (besonders an Sonnund Feiertagen geschehen Ausschweifungen — oder: bes. viele Arbeit an Festtagen) — en aneren D. en anere Maart (eigtl.: ein Handel gilt nicht über eine bestimmte Zeitdauer hinaus — übtr.: Zeiten und Meinungen ändern) — No dräi Deg gët de Gaascht de meeschte Leit zur Laascht — Jidd Hond huet säin D. (es glückt einem bisweilen besser als ein anderes Mal) — 't as nët all D. Kiirmes (man kann nicht immer wie an Festtagen leben — übtr.: man wird nicht immer vom Glück begünstigt) — Gutt Deg kaschte Geld — 't as näischt méi un den Deg wéi déi laang Nuechten — 't as näischt un den Deg, sot de Bauer, 't as näischt un den Nuechten, sot de Kniecht, da wësst ech awer gär, wuer déi sëllechen Zäit hikéim — 't as näischt méi schlëmm wéi dräi Deg Kiirmes; 3) «festgesetzter Tag, Termin, Datum» — Raa.: en huet den (od.: säin) D. nët agehalen — wéi den D. koum, war en nët méi ze spriechen — ech hun op den D. (an d'Stonn) bezuelt — bis op dësen D. — iwer Joer an Dag (bei Rechtsterminen wurde der angebrochene: dies a quo nicht mitgerechnet, sondern durch Zusatz eines vollen Tages am Schluß ersetzt); 4) «besonderer Tag» — a. ohne Epitheton: haut as mäin D. (Namenstag) — si hun em fir säin D. gewënscht (zu seinem Namenstag) — 't huet séng Deg (Katamenien — weitere Hüllbezeichnungen s. sub Besuch, S. 94) — en huet erem säin D. (seine übliche gute oder schlechte Laune) — wat fer en D. as haut? (Wochentag); b. mit Epitheton: 't mengt een, der jéngster D. wier do (man meint, der jüngste Tag wäre angebrochen, bei Lärm, Aufruhr, Durcheinander usw.) — en hält [Bd. 1, S. 179] säi gudden D. (geht zur hl. Kommunion) — de laangen D. (Buß- u. Fasttag der Juden) — all gudden Broutd. as en dohäm — übtr.: 't as haut (de) laangen D. (das Essen wird spät aufgetragen) — en huet säi gudden D. (er ist gut gelaunt, es geht ihm heute alles vonstatten) — dat huet säi gudden D. (oder: Gank — die Sache gelingt, wir brauchen uns nicht zu kümmern); 5) speziellere Bezeichnung für «Zeit» im allgem. — Raa.: zéng Joer, da's e laangen D. (10 Jahre sind eine lange Zeitspanne) — zënter (iwwer, no, vru . . .) Joer an D. (seit jeher, nach langer Zeit, vor Jahren) — zu méngem alen D. (auch: zu méngen alen Doën, Dee, Degen) — si spuere fir den alen D. (für das Alter) — e lieft an den D. eran (er lebt ohne Überlegung darauf los) — dës Deg, dës Deegs, lok. Dees (jüngst) — cf. hingegen: dës Do(s) (vor etlicher Zeit) — dëser Deg een (auf die Zukunft bezogen).
 
dag- / Dag- : -deeglech, auch dodeeglich, Adj./Adv.: «täglich» — dat as d. dat selwecht — 't as näischt iwwer dat Dagdeeglecht; -déif M.: «Tagedieb, Nichtstuer» (wofür in Echt. bisw.: Valontär s. d.); -liicht (Wb. 06) N.: «Tageslicht» — 't gët näischt esou reng gestiicht, 't könnt um Enn dach und d'D. (es ist nichts so fein gesponnen, es kommt ans Licht der Sonnen); -triweler M.: «geschäftiger Müßiggänger».
 
Dagobert ('dAgobε:r) M.: «Stuhl» (gekreuztes Fußgestell und konkaver Sitz).
 
Dai (lok. bisw. Dau): 1) F. «Nachdruck» — déi Ried huet keng D. (es steckt kein Schwung, keine Begeisterung in dieser Rede) — 't as keng D. derhannert; 2) M. Echt.: «plumper Mensch» (bes.: von schwerfälliger Gangart).
 
Dai-/dai- : -bam M.: «Schiffsstange» — glat ewéi en D.; -doër (Du-Echt.) M.: «Quälgeist» — (Doër = lok. phV. zu Dar, Där «Dorn»); -staach, -staang F.: = -bam (s. d.); -uess M.: eigtl. «Zug-, Arbeitsochse», nur übtr.: 1) = Déckkapp (s. d.) «dickköpfiger, hartnäckiger, verstockter Mensch»; 2) = Stoussnéckel, Déngsdénger (s. d.) «zu allen Arbeiten herangezogener u. dabei schlecht behandelter Mensch» — Echt.: äich säin däin D. nët (ich lasse mich nicht von dir antreiben); 3) «Tölpel»; -uessen trans. Verb.: «an die Arbeit spannen» (um selbst daran vorbei zu kommen).
 
daien, dauen (bes. längs der Ostgrenze gebr.) Part. Praet. gedaut, neben gediën, lok. gedaicht — trans. Verb.: 1) «(vorwärts-, hoch-)drücken, schieben, schwerfällig gehen» — Echt.: oan er Käierchen d. (einen Karren vorwärts schieben) — dau mech (= lich mech — schiebe mich hoch); 2) «einen Nachen mit der Schiffsstange vorwärtsbewegen» — übtr.: dai mer den Aachen! (laß mich unbehelligt!) — hal d'Maul an dai! (sprichwörtlich nach einer volkstüml. Anekdote); 3) Echt.: «sich schwerfällig vorwärts schieben» — en as gedië (gedaut) komm — cf. hingegen dauen (sub 2).
 
daierlech, -lich Adj.: 1) «armselig, Mitleid erregend» - zu Dauer M. (s. d.); 't Kand huet esou d. gekrasch, 't konnt engem läd dun — en huet sech esou d. gestallt (er hat sich verstellt, um Mitleid zu erregen); 2) übtr.: a. «spärlich, schäbig» — en daierlecht Iessen (schäbiges Mahl) — en d. Pai (geringer Lohn) — eng d. Musek — en daierlecht Geliichts (schäbige Beleuchtung); b. «schwach, kränklich» — 't as mer esou d. as misst ech de Gääscht opgin — en d. Stëmm — Echt.: esu en daierliche Griips (ein armer Krebs, Schwächling), Stadtlux.: en daierleche Kripi (sonst auch: Kriips) — 't as mer d. (ich fühle mich nicht wohl).
 
Daierlechkeet F.: «Armseligkeit, Schwäche» — e ka vun elauter D. nët méi op de Bä ston.
 
Daifchen (Pl. Daiwercher) F.: Dim. von Dauf (s. d.) 1) «Täubchen» — haut gët et eng gebroden D.; 2) als Kosename zu kleinen (und großen) Mädchen (auch als Spitzname); 3) bisw. mehr oder weniger pejor. im Pl. gebr.: «Wirtsfrauen, -töchter» — bei den Daiwercher; — cf. auch: Jesusdaifchen.

 

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