LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Dag bis dallen (Bd. 1, Sp. 178a bis 181a)
 
Dag M. (allg. daax, Nordösl. daaç), bisw. Do, Pl. Deg (de:ç), lok. Dee (de:); 1) «Tag als helle Zeit» (im Ggs. zur dunkeln), in dieser Bed. häufig mit dem best. Art. der (dər) statt den (dən) gebr.; dafür häufiger: Do M. (s. d.) — Raa.: et war nach nët D. (der Tag war noch nicht angebrochen) — 't gët D., der D. kënnt (der Tag bricht an) — tëschent D. an Nuecht (in der Dämmerung, im Zwielicht) — e läit mer D. an Nuecht an den Oueren (er liegt mir andauernd in den Ohren) — 't kënnt alles un den D. (alles kommt ans Licht) — e gesäit (erlieft) der D. nët méi (er wird noch heute nacht sterben) — stéi op, et as schon héi D. (die Sonne steht schon hoch) — hie verbrennt den (hellen) D. (er läßt die Lampe in den Tag hinein brennen) — et wääss än nët, ob D. oder Nuecht bei him as (er ist sehr verschlossen) — Ga.: e gesäit weder D. nach Luucht (il ne voit ni feu ni flamme, er ist eingesperrt) — si hu sech getommelt (beeilt), fir nach mam D. (auch: Do) dozesin (noch vor Anbruch der Nacht) — Echt./Du.: moar dës Doochs (morgen früh, sobald es tagt); 2) «Tag als Zeitraum von 24 Stunden» — Raa.: all D. (täglich, jeden Tag) — all D., dee Gott geschaf(en) (oder: erschafen) huet — enges gudden Dags, ee gudden D. (eines Tages) — deen aneren D. (am folgenden Tag) — D. fir D. (Tag für Tag) — zënter enger Dager aacht (seit ungefähr acht Tagen) — där Deg (Deger, Degen) een, (nächster Tage) — du kënns den D. nom Maart (du kommst zu spät) — muer as nach en D. (die Angelegenheit eilt nicht so sehr — auch: nicht alles beieinander essen) — e Gesiicht ewéi siwen Deg Reen (ein finsteres, mürrisches Gesicht) — beim Abschiednehmen: äddi dann, bis soss en D., e gudden (e renegen) D. (auf Wiedersehen, bis gelegentlich) — de (ganze) léiwe laangen D. (den ganzen Tag ohne Unterbrechung) — vun D. zu D. — 't as haut esou e verluerenen D. (ein Tag, an dem man nicht weiß, was man beginnen soll) — e schwätzt (versprécht . . .) vill, wann den D. laang as (von einem belanglosen Schwätzer, jem. der verspricht ohne zu halten) — 't as nët aller D. Brauch (das ist nicht die Regel) — en huet mer den dillegen (Echt.: Dillinger, bisw.: dittlechen) D. ugedon (er hat mich gedrängt) — 't vergeet keen D., ouni . . . — esou en aacht Dee(g), enger (oder: e Stécker) aacht Dee(g) (ungefähr acht Tage) — des Do, dis Do (Mosel) = des Deg (dieser Tage, unlängst) — Spww.: Wat den D. méi hälleg (heilig), wat der Däiwel méi älleg (eilig), oder: wat der Däiwel méi uerg (rosen) as (besonders an Sonnund Feiertagen geschehen Ausschweifungen — oder: bes. viele Arbeit an Festtagen) — en aneren D. en anere Maart (eigtl.: ein Handel gilt nicht über eine bestimmte Zeitdauer hinaus — übtr.: Zeiten und Meinungen ändern) — No dräi Deg gët de Gaascht de meeschte Leit zur Laascht — Jidd Hond huet säin D. (es glückt einem bisweilen besser als ein anderes Mal) — 't as nët all D. Kiirmes (man kann nicht immer wie an Festtagen leben — übtr.: man wird nicht immer vom Glück begünstigt) — Gutt Deg kaschte Geld — 't as näischt méi un den Deg wéi déi laang Nuechten — 't as näischt un den Deg, sot de Bauer, 't as näischt un den Nuechten, sot de Kniecht, da wësst ech awer gär, wuer déi sëllechen Zäit hikéim — 't as näischt méi schlëmm wéi dräi Deg Kiirmes; 3) «festgesetzter Tag, Termin, Datum» — Raa.: en huet den (od.: säin) D. nët agehalen — wéi den D. koum, war en nët méi ze spriechen — ech hun op den D. (an d'Stonn) bezuelt — bis op dësen D. — iwer Joer an Dag (bei Rechtsterminen wurde der angebrochene: dies a quo nicht mitgerechnet, sondern durch Zusatz eines vollen Tages am Schluß ersetzt); 4) «besonderer Tag» — a. ohne Epitheton: haut as mäin D. (Namenstag) — si hun em fir säin D. gewënscht (zu seinem Namenstag) — 't huet séng Deg (Katamenien — weitere Hüllbezeichnungen s. sub Besuch, S. 94) — en huet erem säin D. (seine übliche gute oder schlechte Laune) — wat fer en D. as haut? (Wochentag); b. mit Epitheton: 't mengt een, der jéngster D. wier do (man meint, der jüngste Tag wäre angebrochen, bei Lärm, Aufruhr, Durcheinander usw.) — en hält [Bd. 1, S. 179] säi gudden D. (geht zur hl. Kommunion) — de laangen D. (Buß- u. Fasttag der Juden) — all gudden Broutd. as en dohäm — übtr.: 't as haut (de) laangen D. (das Essen wird spät aufgetragen) — en huet säi gudden D. (er ist gut gelaunt, es geht ihm heute alles vonstatten) — dat huet säi gudden D. (oder: Gank — die Sache gelingt, wir brauchen uns nicht zu kümmern); 5) speziellere Bezeichnung für «Zeit» im allgem. — Raa.: zéng Joer, da's e laangen D. (10 Jahre sind eine lange Zeitspanne) — zënter (iwwer, no, vru . . .) Joer an D. (seit jeher, nach langer Zeit, vor Jahren) — zu méngem alen D. (auch: zu méngen alen Doën, Dee, Degen) — si spuere fir den alen D. (für das Alter) — e lieft an den D. eran (er lebt ohne Überlegung darauf los) — dës Deg, dës Deegs, lok. Dees (jüngst) — cf. hingegen: dës Do(s) (vor etlicher Zeit) — dëser Deg een (auf die Zukunft bezogen).
 
dag- / Dag- : -deeglech, auch dodeeglich, Adj./Adv.: «täglich» — dat as d. dat selwecht — 't as näischt iwwer dat Dagdeeglecht; -déif M.: «Tagedieb, Nichtstuer» (wofür in Echt. bisw.: Valontär s. d.); -liicht (Wb. 06) N.: «Tageslicht» — 't gët näischt esou reng gestiicht, 't könnt um Enn dach und d'D. (es ist nichts so fein gesponnen, es kommt ans Licht der Sonnen); -triweler M.: «geschäftiger Müßiggänger».
 
Dagobert ('dAgobε:r) M.: «Stuhl» (gekreuztes Fußgestell und konkaver Sitz).
 
Dai (lok. bisw. Dau): 1) F. «Nachdruck» — déi Ried huet keng D. (es steckt kein Schwung, keine Begeisterung in dieser Rede) — 't as keng D. derhannert; 2) M. Echt.: «plumper Mensch» (bes.: von schwerfälliger Gangart).
 
Dai-/dai- : -bam M.: «Schiffsstange» — glat ewéi en D.; -doër (Du-Echt.) M.: «Quälgeist» — (Doër = lok. phV. zu Dar, Där «Dorn»); -staach, -staang F.: = -bam (s. d.); -uess M.: eigtl. «Zug-, Arbeitsochse», nur übtr.: 1) = Déckkapp (s. d.) «dickköpfiger, hartnäckiger, verstockter Mensch»; 2) = Stoussnéckel, Déngsdénger (s. d.) «zu allen Arbeiten herangezogener u. dabei schlecht behandelter Mensch» — Echt.: äich säin däin D. nët (ich lasse mich nicht von dir antreiben); 3) «Tölpel»; -uessen trans. Verb.: «an die Arbeit spannen» (um selbst daran vorbei zu kommen).
 
daien, dauen (bes. längs der Ostgrenze gebr.) Part. Praet. gedaut, neben gediën, lok. gedaicht — trans. Verb.: 1) «(vorwärts-, hoch-)drücken, schieben, schwerfällig gehen» — Echt.: oan er Käierchen d. (einen Karren vorwärts schieben) — dau mech (= lich mech — schiebe mich hoch); 2) «einen Nachen mit der Schiffsstange vorwärtsbewegen» — übtr.: dai mer den Aachen! (laß mich unbehelligt!) — hal d'Maul an dai! (sprichwörtlich nach einer volkstüml. Anekdote); 3) Echt.: «sich schwerfällig vorwärts schieben» — en as gedië (gedaut) komm — cf. hingegen dauen (sub 2).
 
daierlech, -lich Adj.: 1) «armselig, Mitleid erregend» - zu Dauer M. (s. d.); 't Kand huet esou d. gekrasch, 't konnt engem läd dun — en huet sech esou d. gestallt (er hat sich verstellt, um Mitleid zu erregen); 2) übtr.: a. «spärlich, schäbig» — en daierlecht Iessen (schäbiges Mahl) — en d. Pai (geringer Lohn) — eng d. Musek — en daierlecht Geliichts (schäbige Beleuchtung); b. «schwach, kränklich» — 't as mer esou d. as misst ech de Gääscht opgin — en d. Stëmm — Echt.: esu en daierliche Griips (ein armer Krebs, Schwächling), Stadtlux.: en daierleche Kripi (sonst auch: Kriips) — 't as mer d. (ich fühle mich nicht wohl).
 
Daierlechkeet F.: «Armseligkeit, Schwäche» — e ka vun elauter D. nët méi op de Bä ston.
 
Daifchen (Pl. Daiwercher) F.: Dim. von Dauf (s. d.) 1) «Täubchen» — haut gët et eng gebroden D.; 2) als Kosename zu kleinen (und großen) Mädchen (auch als Spitzname); 3) bisw. mehr oder weniger pejor. im Pl. gebr.: «Wirtsfrauen, -töchter» — bei den Daiwercher; — cf. auch: Jesusdaifchen.
 
Daim (d·) M.: «Damhirschleder»; Zussetz.: Daims- : -händschen Pl. F.; -schong Pl. M., -posch F.
 
Daimchen (lok. phV. Dëmmchen) M.: 1) Dim. von Daum (s. d.) — ech halen der den D. (ich wünsche dir alles Gute, ich denke an dich) — e kann den D. réieren (er hat Geld) — Fingernamen der Ammenspr.: D., Praimchen, laange Mann, Toopmann, Tippchen (weitere Namen cf. Daimerléck sub 3) — d'Kand suckelt um D. (lutscht am Daumen); 2) «Zaunkönig» (meist: Dëmmchen — s. Daumsdéck sub 2); 3) «Bitterling, Rhodeus amarus» — cf. Bréissem I, Brätpännchen; 4) = Daimerléck sub 4 (s. d.). [Bd. 1, S. 180]
 
daimelen (lok. phV. dëmmelen) trans. Verb.: «zwischen Daumen und Zeigefinger prüfen» (z. B. Obst, Stoff usw.).
 
Daim(er)léck, Daim(er)léng (lok.: Dëmm-), M.: 1) «Daumen am Handschuh» (bes. der Fäustlinge); 2) «schützender Überzug für den Daumen allein» (bei Verletzungen, schmerzhaften Arbeiten) — im bes.: breiter Gummiring (aus einem Gummireifen geschnitten) um den Daumen der Trambahnschaffner, damit die Fahrkarten leichter vom Block geschoben werden können; 3) Fingernamen der Ammenspr. (cf. auch Daimchen sub 1): den D. (auch: Dommenéck — s. d.) war an de Pëtz gefall, de Féngerléck huet en erausgezunn, de Laanghals (bisw.: -hans) huet en ofgedréchent, de Grohänschen huet en an d'Bett geluegt, an de klenge Babbeler (de Stuppschwänzchen) huet der Mamm et gesot (an du huet en eng Botterschmier kritt); 4) «der kleine Däumling » (im Märchen — dafür lok. auch: Dëmmchen) — weiter: «zwerghafter Mensch» — sou en daierlechen D. (auch Daumsdéck — s. d.).
 
Daisecker M.: «verbissener, schweigsamer Mensch, dem man nicht trauen mag» — du D. (Anruf des Lehrers an die Kinder, die mit der Antwort nicht heraus wollen).
 
dajee (Ton: 1 oder 2) Ösling: 'da·jə Interj.: 1) einräumend: «wohlan, es sei denn, meinetwegen» — d. alt!; 2) verweisend: «höre auf» — d. d.! — d., elo hun ech däärs (grad) genuch — bisw. Antwort auf d.: wat soll ech da jeën? (Wortspiel: was soll ich denn jagen?); 3) ungeduldig, anspornend: «nun los» — d. dann — als Subst.: esou en Dajee-alt (einer, der immer angehalten werden muß); in diesem Gebrauch häufig: dann tjee! (Nachdruck auf beiden Silben); 4) zweifelnd: «wir werden ja sehen».
 
dajezen intr. Verb.: «drängen, antreiben» (auch: jozelen).
 
Daktylo F.: «Tippfräulein».
 
Dal (da:l) F.: «Abdeckplatte» (bei einer Grube) s. Dall.
 
Dalem (Süden) M.: «Dummkopf» (Schimpfwort) — du D.
 
Dal(l)emdëschtel F.: 1) «kohlartige Saudistel, Sonchus oleraceus u. arvensis» (auch: Daudëschtel); 2) Wb. 06 «Ackerhohlzahn, Galeopsis».
 
Daler M.: 1) «Taler» (Münze) — Echt. spaßh.: fir kän D. a kä Breiss (statt: Präis — «Preiss/Preuße») — ech späizen Daleren (gewöhnl.: Piessen) (ich verschmachte beinahe vor Durst) — ewéi en D. esou grouss — Ammenreime: Do hues d'en D., da gees d'op de Maart, do kääfs de der eng Kou, an e (mat hirem) Källefchen derzou, mat engem (klenge) Schwänzchen, direli direli Dänzchen (direlirelänzchen — dabei wird bei jedem Vers mit der Hand über die innere Handfläche gestrichen u. beim letzten Vers die Handfläche gekitzelt) Var.: Do hues d'en D., Géi op de Maart, Kaf der eng Kou, E Källefchen derzou, Mat séngem Ränzelchen, Fir den aarme Fränzelchen, E Stéckelche Long, Fir den aarme Jong, E Stéckelche Liewer, Fir de Wiewer, An de Schwänzelchen, Direlirelänzelchen — vor dem Spiel wird das Kind gefragt: wëlls d'en D.? (dazu zahlreiche Var.) — deen huet e Mond, e puer Lëpsen, 't kënnt ee frei en D. Mënz drop zielen — Miller, Miller, Maler, schäiss en décken D. (Neckruf der Buben für Spielgefährten namens Müller) — si hun d'Dalere mam Sieschter gemooss (bei einer reichen Erbschaft); 2) «Talerförmiges» — schneid d'Muerten (Möhren), d'Kornischongen (Gurken) an Daleren — en D. Zoossiss (eine Scheibe Hartwurst) — iron.: d'Meedchen huet Daleren (Zusatz: awer méi Muertendaleren); 3) «Fleck» (bes. auf der Haut).
 
dalereg, gedaleregt, gedalert Adj.: «scheckig» — e gedaleregt Päärd (Apfelschimmel) — eng dalereg Haut (gesunde, weiß und rosig gewölkte Hautfarbe) — Nordösl.: wann d'Hokt (die Haut) d. as, schécken d'Kanner sich gout (Binsfeld — dann gedeihen die Kinder gut).
 
daleren trans. Verb.: «mit Talern auslegen» — wann de Buedem gedalert aplaz gedillt wär (ja, hätte man Geld).
 
Dalia (Pl. Daliaën, Dalien) F.: «Georgine, Dahlia variabilis» (auch: Daniels-, Grompereblummen).
 
Dall (dAl) F.: «(Stein-, Marmor-)- Platte, Fliese, Deckstein».
 
Dall (dAll) — Echt.: daal, Westen: dOOl dA·ul; Pl. Däller, Dim. Dällchen (Echt.: 'de:l-) M.: 1) «Tal» — iwwer Bierg an D. — am D. geleën (im Ggs. zu: am Hank); 2) als (gekürzter) ON.: am Dall — a. «Pratzertal» (Am dA:ul) b. «Schweichertal» (Am dA:ul) c. «Trintingertal» (auch: Kiischtendall) d. am Dällchen «Pfaffenthal»; am Rusendal «Straße in Echt.»; 3) sehr verbreiteter Flurn.: am D., am Dällchen. [Bd. 1, S. 181]
 
Dallem, Dällem (Nord.) M.: «Qualm» (cf.: Gallem).
 
dallen trans. Verb.: «mit Fliesen belegen» — fréier waren d'Hausgäng gedallt.

 

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