LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Deiwelchen bis dämmelen, dämmeren (Bd. 1, Sp. 191a bis 192b)
 
Deiwelchen M.: 1) «kleiner Teufel»; 2) «äußerst lebendiges Kind»; 3) «kleiner Rundofen» (Allesbrenner); 4) Echt.: Deiwelcher (Pl. M.) «die eben aus der Blüte hervorgegangenen kleinen Stachelbeeren»; 5) Kinderspiel: D. an Engelchen — Ein Junge und ein Mädchen verabreden 2 Wörter (blo oder gréng, Kiischten oder Quetschen etc.) und bilden mit Armen und Händen eine Pforte, wo die andern Kinder passieren und eines der Wörter wählen müssen, sie werden demgemäß hinter den Jungen oder das Mädchen aufgestellt. Nachher werden die Teufel bezeichnet. Die Auserwählten (Engelcher) verlachen die andern mit dem Reim: Deiwelchen, Deiwelchen, dréi aus, müssen aber in die Knie fallen, um nicht von den Teufelchen gepackt zu werden. Die Gepackten und die Teufelchen müssen durchs Feuer (duurch d'Feier, d'Bränn) d. h. Spießruten laufen, dann ist das Spiel aus.
 
däiwelen trans. Verb.: «mit dem Hebel die Heuladung zusammenpressen» (damit sie festgebunden werden kann).
 
Däiwel(er)ei, neben Deiwel(er)ei F.: «Teufelei, unheimliches Ereignis» — 1) «nichtswürdige Handlung, Unfug, Streich» — wat fir eng D. hues d'erëm wëlles? (was heckst du wieder aus?) — en huet de Kapp voll(er) Däiwelereien — en as all Däiwelereie voll — en as esou voll(er) Däiweleie wéi den Iesel voll(er) Fiirz; 2) «schwieriges Unternehmen» — déi Aarbecht as déi rengsten D. — d'D. as nëmmen, dass . . . (das Schwierigste ist nur, daß . .); 3) Wb. 06: «unentwirrbares Durcheinander».
 
Däiwels-: -a N.: 1) «Teufelsauge, Adonis vernalis»; 2) «Herbstadonis, Adonis autumnalis»; -aarbecht F.: 1) = Däiwel(er)ei sub 2 (s. d.); 2) in der Ra.: Sonndesaarbecht, D.; -aart M.: 't as een aus dem D. (nicht nur pejor. sondern auch: Draufgänger, arbeitsam) — en huet dem D. säin Aart u sech; -älter «vorgesch. Denkmal» bei Diekirch; -baart M.: «gemeine Küchenschelle, Anemone Pulsatilla», s. Maanskraut; -bänner, bisw.: -bënner M.: 1) «Teufelsbeschwörer»; 2) «Arloner Kapuziner», oder allgem.: resoluter Pfarrer; -brot M.: «Teufelskerl, unbändiges Kind»; -chace F.: «großes Glück»; -dreck M.: «Stinkasant, Asa foetida» — dat sténkt ewéi D.; -erfënd F.: «Erfindung des Teufels» (wie z. B. das Spielen, Trinken . . .); -fiescht, -fëscht F.: «Stinkmuschel, Gryphaea arcuata» (Versteinerung aus dem Liaskalk) — auch: Mummenzéiwen Pl. F., Däiwelsklo; -gäissel F.: «Amulett, Angehänge, Schutzgehänge» (gegen Krankheiten, Bezauberung, bösen Blick . . .) — dafür bisw.: -gääss(el), -geess(el) F. (so [Bd. 1, S. 192] auch Ga.) — (bisw. für im Hause od. in der Brieftasche aufbewahrte Gebete und Heiligenbilder); -kärel M.: «Teufelskerl»; -klo F.: a) «Schlangenkraut, Polygonum bistorta»; b) «Artemisia Dracunculus» (l'estragon); c) «Calla palustris»; -mëllech F.: «Kolbenbärlapp, Lycopodium clavatum» — die Sporen bilden Hexemiel (cf. auch Hexemëllech); -ofbass, -ofbatz M.: 1) Name verschiedener Offizinalpflanzen: a) «Sommerwurz, Orobanche rapum» (Parasit auf Ginster) frz. mors du diable; b) «Grindkraut, Sankt Peterskraut, Abbißkraut, Scabiosa succisa»; c) «Phyteuma spicatum, Teufelskrallen»; 2) «Abschaum der Menschheit» — lok.: ech si kän D. (ich bin nicht der Schlechteste); 3) lok.: «Mordskerl» (im guten Sinn, auch unerträgl. Mensch); -säl, -seel N.: «Waldrebe, Clematis vitalba» (auch Geißblatt und Muttergotteshäärchen); -schoart F.: (Echt.) «Teufelsscharte» (Felsgrotte in der Wolfsschlucht bei Echternach; sie öffnet sich, nach einer Legende, an einem bestimmten Tag für die Dauer von 24 Stunden, dann sieht man den Sünder auf seiner Goldkiste; mit einem Rosenkranz kann man ihn erlösen); -staark M.: «Art starker Barchent» auch: englescht Lieder; -wuurzel F.: «ewiger Ampfer, Rumex patientia»; -zwir M.: «Gundel-, Flachsseide, Cuscuta» auch: Frangs, Fring, Frinn.
 
däiwelzech Adj.: «teuflisch».
 
Däiwe(n)ker, lok. Däifenker-(-eŋŋkər -εŋŋkər), ebenso häufig: Dei- Ton: 1 M.: 1) «Teufel» bes. in Verwünschungen, Ausrufungen — der D.! (Potz Teufel!) — der D. kann dech geheien (vom Leibe schaffen, fortschaffen); 2) Kosewort: «ausgelassenes Kind» Du klengen D.
 
Däl, Deel (εε/ee) (Pl.: Däler, Deeler) M.: «der Teil» — zum D. — schneid d'Brout an dräi Däler — aber: zu gläichen Dälen; dazu das Dim.: Däälchen, Deelchen M. (bisw. F.): 1) «Teilchen»; 2) «kleine Portion» — en(g) D. Zalot (auf dem Markt).
 
Däl, Deel (ε·/e·) (Pl.: Dälen, Deelen) F.: «Erbteil», weiter: «was jem. zukommt» — Raa.: ech froe méng D. (dafür bisw. mäi Vätterlecht — ich fordere mein Erbteil) — ech hu méng D. (kritt) (eigtl.: ich habe mein Teil, Erbteil bekommen — übtr.: ich bin erledigt, meist durch Prügel, Trunk) — sein Däl am Spidol nët verkafen — e schenkt der Kaz séng D. nët (er verzichtet nicht auf sein Teil, meist von einem tücht. Esser) — sein D. nët an d'Schoun schëdden (Echt.) — fäärt nët, du këns dénger D. nach anzäit (enzäit), an Zäiten (es entgeht dir nichts) — du kriss och nach déng D. Brigel (Drohung) — en huet séng D. geschafft (am Liewen) — en huet senger D. genuch (ist betrunken) — häuf. Flurname: an de laangen oder an de schmuelen Dälen; Spww.: Vill Kanner (Bridder), schmuel Dälen (Echt.: Vill Eerwe gët schmoal Dälen) — beim Sterbefall eines Bruders oder einer Schwester bedauert der Überlebende: O läder, méng D. gët desto bräder (dafür in Echt.: Jo, Dälläder, mein D. gët bräder).
 
däleg, deeleg Adj.: «teilbar» — Echt.: en Fra, dat as kän däleg Saach.
 
dälen, deelen trans./intr. Verb.: «teilen», abs. bes.: «das Erbe aufteilen» — d. ewéi déi Piissénger, déi Biissener (Echt.: de Schilz) mat de Kueben (beim Teilen, Handel übervorteilen — dazu Wb. 06: Drei Einwohner von Pissingen gehen in den Wald. Auf einmal entdeckt einer derselben hoch oben auf einem Baume ein Rabennest; er steigt hinauf und holt das Nest, welches drei junge Raben enthält. «Teilen!», rufen die Begleiter. «Gewiß», antwortet der Finder, «es werden drei Teile gemacht; der erste Rabe gehört mir, weil ich das Nest entdeckt habe (Fannerloun); den zweiten beanspruche ich als Kletterlohn (Klammerloun); der dritte endlich ist mein rechtliches Teil (méng Däl zou dräi).») — si hun de Mëssel gedäält (sie haben bei Forderung und Angebot den Unterschied geteilt, um zum Abschluß des Handels zu gelangen — weiter heißt es: den Schaden zur Hälfte teilen, einen Streit beilegen) — Echt.: se hoan noach kä Woort mattenä gedäält (sie hatten noch keinen Zwist) — si hu bridderlech gedeelt.
 
dälereg, deelereg Adj.: «zum Teilen aufgelegt».
 
dälhäfteg (Ton: 2) Adj.: «teilhaft».
 
Dällt Pl. Dällten — Osten: Deelt F.: «Niederung» (langezogene Talmulde) — häufiger Flurname: an der D., an der Laiwerdält (Echt.).
 
Dälong, Deelong, F.: «Teilung».
 
dälweis Adj./Adv.: «teilweise».
 
dämmelen, dämmeren trans. Verb.: «zertreten, zerstampfen, festrammen» — d. ewéi en Dillendenn (cf. das Komp.: verdämmeren) — kleng Kanner dämmelen d'Mamm um Schouss, grouss Kanner um Häärz. [Bd. 1, S. 193]

 

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