LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Dechen bis Deckelsschmier (Bd. 1, Sp. 195b bis 197b)
 
Dechen (lok. Dechant) M.: «Dechant» — e Bauch, eng Faarf, e Gesiicht ewéi en D. (gesund und wohlgenährt) — Echt.: Dir säid noach gout fir D. (bei ausgesprochener Magerkeit).
 
Dechens- (bezeichnet in Zussetz. das Vorzügliche) -bir F.: «Dechantenbirne» (auch: Häre-, Zärebir) = eine bes. gute Birne; -gehalt N.: «hohes Gehalt»; -plaz F.: «einträgliche Stelle» (eines Geistlichen überhaupt).
 
Décher M.: «zehn Stück Felle» (Gerberspr.) — eng Grouf mat siwen D. (eine Lohgrube mit sieben Bündeln von je zehn Stück Kleinhäuten) — mhd. dëcher.
 
déck (gesteigert: déckeg, dekig, bisw.: déckeleg — letzteres häufig an der Mosel) Adj.: «dick» — I. sinnl. in urspr. Bed.: 1) «beleibt» (von Menschen) — den Décken (häufiger Zuname, meist mit dem Familiennamen: Péitesch D.) — den décken Dëmmi (in der Schnellsprechüb. - s. Dittchen) — d. ewéi e Faass, wi en Grondmock (Du.) (dick wie ein Faß, eine Bodenkröte) — op eemol hues d'eng déckech oder deekich op dem Bak!; 2) «fett, aufgebläht» (von Tieren) — de Fräsch (Frosch) mécht sech d. — d'Kou as d. (die Kuh ist aufgebläht nach Genuß von jungem Klee z. B., dafür auch: opgelaf) 3) von irgendwelchem Gegenstand: a) Körperteile — déck Zéif (große Zehe) — et deet mer gutt bis an déi d. Zéif (äußerstes Wohlbehagen) — e mengt, en hätt den (eiser) Herrgott mat der décker Zéif (er schätzt sich sehr glücklich) — huel (hohl) bis an déi d. Zéif (von tüchtigen Trinkern, Essern) — am décke Flääsch, am Décke vum Flääsch (im Sitzfleisch, Oberschenkel) — d'Déckt, d'Déckst vum Been, Aarm (das Dicke, Dickste vom Bein, Arm — der Oberschenkel, Oberarm) — déi d. Träip (Mastdarm) — en huet en décke Pelz (er ist fett, unempfindlich, reich) — cf. auch: Dënnt; b) Sachen: en décke Portmonni — d. ewéi eng Noss, kee Stach emsoss (vom Knoten beim Nähen: dick wie eine Nuß, dann ist kein Stich umsonst) - en dréit en dé(c)kege Sak um Bockel — d'déck Tromm (dicke Trommel) — übtr.: e schléit op d'd. Tromm (er macht marktschreierische Propaganda) — en décke Maufel (fetter Bissen — cf. auch sub III/1) — un engem décke Maufel as nach keen erhéngert — en hëlt eng d. Schlupp (er tut einen kräftigen, tiefen Schluck) [Bd. 1, S. 196] — wann et mir déit nogoen, da méich e keng d. Drecker méi hei (= méich en nët méi laang Mëscht hei — ich gäbe ihm den Laufpaß, wenn ich etwas zu sagen hätte) — d. Bounen (Saubohnen) — d. Klack (große Glocke) — si lauden déi d. Klack (= schloen op déi d. Tromm — s. oben) — dat déckt Gelaits (bei reichen Begräbnissen — Echt.); häufige Flurbezeichnung: bei der décker Bich (bei der dicken Buche) — d'Déckt vun engem Messerréck (die dicke Kante des Messerrückens) — en décke Su (10 Centimes, 2 Sous — Zussetz. damit s. unten) — an nach nët fir en décke Su (Absage, oft ironisch) — d. ewéi e Spéngelskapp (sehr dünn) — nët enger Lëns d. (nicht so dick wie eine Linse) — Klëppelsténg, esou d. ewéi Hieselnëss, Dauwenär, Kannerkäpp; II. sinnl. in bes. Bed.: 1) von Körperteilen — en décke Bak (geschwollene Backe) — en décke Bauch (dickbäuchig oder schwanger) — en huet en décke Kapp (Kopfweh, bes. als Nachwehen einer Zecherei) — ech hun de Kapp d. dervun (ich bin der Sache überdrüssig, überarbeitet damit); 2) von Sachen — d. Mëllech (geronnene Milch) — e Véierel op d. Mëllech (ähnlich: op kal Ierbëssen — spaßh. Antwort auf die Frage, wie spät es sei) — am décke Bësch (im Dickicht) — en déck(eg) Bees (ein herzhafter Kuß) — eng D. op d'Schnëss (eine feste Ohrfeige) - en déckt Hoer (dichtes Haar); III. übtr. in mannigfachen unsinnl. Bed.: 1) «wohlhabend, reich, einflußreich, protzig» — en d. Houchzäit (Hochzeitsfeier mit viel Prunk u. Aufwand) — en décke Maufel (reiche Braut — cf. auch sub III 2) — déi d. Hären (aus der Stad) (die Einflußreichen, die Regierenden aus der Stadt) — déi D. (die Kapitalisten) — en hat en Décken an der Hand (er hatte einen einflußreichen Fürsprecher) — en décke Bauer (Großbauer) — en huet en décke Fësch gefaang (übtr.: eine günstige Heirat, ein gutes Geschäft machen) — en huet eng d. Plaz (einträgliche, verantwortungsvolle, einflußreiche Stellung) — en huet sech den Décke gemat (er hat den Protz gespielt) — d. dun, halen, sech d. maachen (sich brüsten, viel Wesens machen, prahlen) — d. do sin (meist: die Geldmittel haben, tüchtig sein — bisweilen spaßhaft: einen hohen Busen haben) — d. op ee halen (jemanden sehr schätzen) — d. op ee sëtzen hun (sehr böse über jemanden) — den décke vollen (auch: den däitsche vollen — «im Überfluß») — si spillen nët fir d. (um geringen Einsatz) — sech déck undongen (warm kleiden) Spww.: Déi d. Honn bäissen sech nët (Die Einflußreichen halten zusammen) — Wat méi d. Drecker, wat méi fett Schwäin; 2) «unangenehm, schwierig, mühsam» — häufig auch als Adv.: dat déckt Enn kënnt no — dat elo as en décke Maufel (meist pejor.: schweres Unternehmen, unangenehmer Vorfall — cf. auch sub I/3, b — III/1) — en huet d'Häärz d. (es tut ihm leid) — die Stierffall huet em (al) d. gedon (der Sterbefall ging ihm sehr zu Herzen) — déi Affär deet him ze d. (die Angelegenheit setzt ihm arg zu, greift ihn zu arg an, in bezug auf Geldmittel, Gesundheit, geistige Fähigkeiten) — d'Keelt deet em d. (die Kälte setzt ihm zu) — ech donken dem Wiirtshaus nët d. (ich gehe selten ins Wirtshaus) — en huet et d. (do) sëtzen (der Ärger, Kummer, die Trauer drückt ihm aufs Herz) — du gouf et em ze déck, du hat en es d. (da wurde er der Sache überdrüssig, da wurde es ihm zuviel, zu schlimm) — en deet sech nët d. (er überanstrengt sich nicht); 3) steigernd (adverbial gebr.) — si sin d. Frënd matteneen — et schneit zum décksten zou (in höchstem Maße) - 't war d. zéng Auer (mindestens, sicherlich zehn Uhr) — en d. Stonn (eine geschlagene Stunde, über eine Stunde) — 't as d. Zäit, déi décksten Zäit (es ist höchste Zeit) — an der décker Hëtzt, Keelt, Aarbecht — e steet beim Notär d. am Buch (hat große Schulden); 4) alliterierend in Verb. mit andern Wörtern — 't schneit d. an diicht — ech sin duurch d. an däischter mat em gaangen (ich leistete ihm blindlings Parteigefolgschaft) — ech hu se belunn, d. an däischter (ich log ihnen das Blaue vom Himmel herunter) — mir gin duurch d. an dënn mat hinnen (wir gehen durch dick und dünn, sind ganz ihrer Meinung).
 
Déck- / déck- : -aasch M.: «Prahler» (cf. déck sub III/1); -dauf F.: «Ringeltaube» auch: Bëschdauf (s. d.); -häideg Adj.: «dickhäutig» (bes. von den Trauben vor der Reife) — d'Drauwe sin d., se sin nach nët lauter; -héiler (Wb. 06 -heeler) M.: «Prahler» (cf. déck sub III 1); -kapp M.: 1) «dickköpfiger Mensch» — säin D. huet hat esou wäit bruecht; 2) «Dickköpfigkeit»; -käppeg Adj.; -käppegkeet F.; -panz F. (Wb. 06: M.): 1) «dickwanstiger Mensch»; 2) übtr.: «arroganter [Bd. 1, S. 197] Protz»; -pänzeg Adj.: 1) «dickwanstig» (von Menschen, Tieren); 2) «bauchig» (von Sachen) — d. Fässer (kurze und dicke frz. Fässer von ca. 660 l — s. Bomm sub 3); -pänzer M. = -panz.
 
Déckecht F.: «bestimmte Dicke» (als Maß).
 
Déckesus- (im allg. in Zussetz. mit der Bed.: «von geringem Wert, nichtsnützig»); -drëppchen F.: «ein Gläschen Branntwein für 10 Centimes» (frühere Währung); -schreiwer M.: «Schreiber, der um geringen Lohn arbeitet» (geringschätzig für Clerc).
 
déckevoll Adj./Adv.: «reichlich» — et geet d. duer (s. déck sub III 1) — den déckevollen zum beschte gin.
 
décksen trans./intr. Verb.: 1) «dick werden» — d'Gebääss déckst nët (die Marmelade wird nicht fest); 2) «dick machen» — d'Miel déckst d'Sauce (das Mehl läßt die Tunke fest werden).
 
Déckt F.: 1) «Dicke» — vun der D. vun enger Uewepäif, engem Maansbän (von der Dicke eines Ofenrohrs, eines Menschenbeines); 2) «Dickicht» — en huet an der D. op e gelauert (er hat im Dickicht auf ihn gelauert).
 
Déckt, Dickt ON.: 1) «Hoscheiderdickt», Gem. Hoscheid, Kant. Diekirch — 111; 2) «Hosingerdickt». Gem. Hosingen, Kant. Clerf — 104; (auch gebr. bei manchen Waldnamen).
 
Déckwäller, Dickwëller (-weiler) ON. «Dickweiler», Gem. Rosport, Kanton Echternach —282. (mit gallo-romanischer Siedlung im nahen Wald).
 
Deck (dεk-): -blat N.: «Deckblatt» (der Zigarre, beim Sperrholz usw.); -briet N.: «Fenster-, Türsturz»; -faarf F.: «Deckfarbe» (im Ggs. zur Lasurfarbe); -nol M.: 1) Ga.: «Schiefernagel» (mit breitem, flachem Kopf), also: Läendeckeschnol; 2) «Nagel mit breitem Kopf und Bleiring» (bei Blech-, Zink-, Kupferdach); -nol F.: «gekrümmte Nadel zum Befestigen der Weiden am Strohdach»; -rutt F.: «Rute, womit auf Strohdächern die Büschel festgehalten werden»; -weid F.: «dünner Weidenzweig, der früher zum Dachdecken verwendet wurde».
 
Deckel (lok. Osten: Dekel) M.: 1) «Deckel» — a) vom Geschirr — Jidd Dëppche fënd emol säin Deckelchen — Wat gët et haut z'iessen? (Geweechten) Deckelen am Dëppen (Was gibt es heute zu essen? Eingeweichte Deckel im Topf); b) von Pfeifenköpfen — fréier huet een um Land am Geställs keng Päif ouni D. raachen dierfen — Pätter, maach den D. zou, 't dämpt (eigtl.: wenn die Tabakpfeife übel roch — spaßh.: nach Anhören eines faulen, unglaublichen Witzes); c) vom Brunnen - Wann d'Kand (Kallef) am Pëtz läit, man s'en D. drop (Abhilfe kommt meist zu spät); d) vom Buch — e schwätzt ewéi e Buch ouni D. (er spricht Unsinn); 2) meist im Plur.: Deckelen — «Zymbal» — dafür lieber: Jhummdeckelen; 3) spaßh. für «Hut» im allgem. — im bes.: a) «Zylinderhut» (so Wb. 06); b) «flacher (Stroh-)Hut»; 4) «Schwanz der Ziege» — d'Gääss hätt och gären e Schwanz gehat, si krut awer nëmmen en D. — s. auch: Gääss, Geess; 5) «Fallklappe an der Hose»; 6) «der Hintere» — du kriss eng op den D., wanns de nët roueg bas.
 
deckelen trans./intr. Verb.: 1) «mit einem Deckel versehen»; 2) im bes. von den Bienen: «Waben verschließen» (meist abs. gebr.); 3) «prügeln» (cf. Deckel sub 5 und 6) — schéck dech, soss kriss de der gedeckelt; 4) «auf irgend eine Weise zum Schweigen bringen»; 5) meist. abs. gebr.: «den Hut abnehmen» (auch: dunnen — cf. Deckel sub 3).
 
Deckel(e)schléier M.: «Zymbalschläger» (s. Deckel sub 2).
 
Deckels-: -box F.: «Hose mit Fallklappen» (auch: Falluede-, Falluedsbox, Guederbox), Wb. 06 nur: «Kinderhöschen»; -schmier F.: «doppeltes Butterbrot» (zwei mit den bestrichenen Seiten aufeinandergelegte Brotschnitten);

 

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