LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Éidem bis Éi(e)refett (Bd. 1, Sp. 252b bis 254a)
 
Éidem Vorname — s. Adam — Dim. Éidemchen.
 
Eideres, Eidles, Eiderz (Manternach), Edres (Kautenbach) F.: s. Ädeler, Eidechs — Wb. 06 gibt hier die Bedeut. «Ameise» an.
 
éidersen, éiderzen, idderzen (phV.: Ösl.: 'igdrijən, 'igdritsən) intr. Verb.: «wiederkäuen» — d'Kéi idderzen — dazu das Subst.: Éiders, Idderz, Igdrich M.: 1) «Wiederkäuen» — den I. as erëm do (sie wiederkäuen wieder, wenn z. B. die Kühe krank waren); 2) «Wiederkäuer» — in dieser Bedeutung auch: Eiders (Wb. 06) und Eiderz.
 
éier (ebenso häufig: ir, seltener: e:r, 'e·ər, 'i·ər) I Adv.: 1) «früher» — wat [Bd. 1, S. 253] éier, wat léiwer (wat besser); 2) «lieber» — éier ditt ich mech erhenken, wéi dat ze maachen — éier géing ich mam blouse Kapp an eng däreg Fäsch rennen! — dafür häufiger: éischter (s. d.).
 
éier (phV. wie oben) II Konj.: «ehe» — du bas schon op, éier der Däiwel Schong an Huesen unhuet — en as schon op éier et Dag as — en as op éier d'Sonn schéngt (von einem Frühaufsteher) — ir ich dat déich (ehe ich das tun würde — Osten).
 
Éier (phV.: Nordosten: 'i·ər) F.: 1) «Ehrgefühl, Gewissen» — verspriech mer et op É. a Gewëssen — en huet keng É. am Leif (er besitzt kein Ehrgefühl) — domat hat ech em an d'É. gegraff (damit hatte ich seine Ehre angetastet, sein Ehrgefühl gestachelt) — e fillt sech a sénger É. gekränkt, getraff, getouft; 2) «Moral, Anstand, Sitte, Brauch» — an allen Éieren (innerhalb der Grenzen der Moral) — mat zwä Äer huet een d'É. begaangen (mit einer Spende von zwei Eiern hat man dem Osterbrauch Genüge getan); 3) «Ansehen, Hochachtung, Verehrung, Anerkennung»: a) aktiv (die man andern zollt) — hal déng Mamm an Éieren — eng É. as där aner wäert (ein Dienst, eine Geste der Anerkennung verdient erwidert zu werden) — en dät eisem Haus É. un (a. er verleiht dem Haus, der Familie Ansehen durch seine Stellung, Haltung, seinen Lebenswandel; b. er nimmt die Gastfreundschaft unseres Hauses in Anspruch) — en dät dem Iessen É. un (er langt tüchtig zu) — a wiem zu Éieren hues de dech esou erausgefiizt? — spaßh. Ra.: zu Éieren dës Butzweller Méchel; b) passiv (die einem von andern gezollt wird) — dat as dénger É. kä grousse Koup (das ehrt dich wenig) — dat deet dénger É. keen Ofbroch (das schadet deinem Ansehen nicht) — du lees domat keng É. an (du erwirbst damit keine Anerkennung) — ech maache mer eng É. draus (es ist mir eine Ehre) — ech danke fir déi É. (auch ironisch ablehnend); 4) «Schonung» — hal déng Kläder an Éieren, et gët esou bal keng nei méi (gehe sorgfältig mit deinen Kleidern um) — en hält de Stall an Éieren (er sorgt für Ordnung, Sauberkeit . . . im Stall).
 
éier-/ Éier- : -ber Adv.: «freigebig, reichlich» — engem éierber opwaarden (reichlich aufwarten) — en huet éierber giess (reichlich gegessen); -berkät F.: «Ehrbarkeit»; -biddeg Adj.: «ehrerbietig, untertänig» — et duerf än nët zevill éi. sin (man darf sich nicht zu untertänig zeigen — Zusatz.: soss as ä geschwënn aller Welts Stoussnéckel); -erbiddegkät F.: «Ehrerbietigkeit» (Wb. 06); -gäiz M.: «Ehrgeiz» — en huet glat kän É. u sech (er strebt nicht nach Ansehen); -gäizeg Adj.: «ehrgeizig»; -gefill N.: «Ehrgefühl» — huet en da glat kän É. méi u sech?
 
Éiere(n)-: -är N. Pl.: «Ehreneier» — Nach einem früher auf dem Lande allgemein verbreiteten, heute stark im Absterben begriffenen Osterbrauch erhielt jeder Besucher je nach der Einstellung, die man ihm gegenüber hatte, eine gewisse Zahl Eier, die symbolische Bedeutung hatte. Erhielt er zwei Eier, sog. Noutär (Noteier), so hatte der Spender dem Osterbrauch Genüge geleistet; 3 Eier hießen Éierenär und bedeuteten, daß er willkommen sei. Erhielt er aber als evtl. Freier 6 Eier, sog. Freiersär (Freierseier), so durfte er sich gegebenenfalls als genehmen Freier betrachten; -bam M.: «Ehrenbaum» — dem neugewählten Deputierten wird ein mit der Trikolore in lx. Farben geschmückter bis zur Spitze entästeter Tannenbaum (früher Eichenbaum), den neuernannten Bürgermeistern u. Gemeinderatsmitgliedern ein Tannenbaum, stets mit Blumenkränzen und Bändern in den Landesfarben geschmückt, errichtet — s. Mäbam; -danz M.: «Ehrentanz» — bei der Kirmes hatte früher die Herrschaft das Recht auf den Ehrentanz. Dieses Recht war verkäuflich; -dag M.: «Ehrentag»; -gard F.: «Ehrengarde»; -gielchen N.: «Ehrenzeichen» (bes. Medaille) — s. Éierekräiz; -joffer F.: «Ehrenjungfrau»; -kräiz N.: «Ehrenkreuz» — es steht im Ansehen über dem Éieregielchen s. d.; -plaz F.: «Ehrenplatz, -stelle» — auf dem Lande befindet sich der Ehrenplatz am Kopfende des Tisches: antät vum Dësch; -präis M.: 1) «Ehrenpreis»; 2) «gebräuchlicher Ehrenpreis» (bot.) Veronica officinalis — s. Veronik; -puert F.: «Ehrenpforte»; -schold F.: «Ehrenschuld» — Spillscholde sin Éierescholden; -titel M.: «Ehrentitel»; -wäin M.: «Ehrenwein»; -wuurt N.: «Ehrenwort» — op mäin Éierewuurt! (Beteuerung, heute häufig bei Kindern, wobei gelegentlich durch die gespreizten [Bd. 1, S. 254] Finger gespuckt wird, ohne daß sie feucht werden dürfen).
 
Éierchen, Ierchen (Nösl.), Néierchen I (Pl. Éiercher, Néiercher) N.: «Niere» — ä mat den Éiercher huelen (derb anfassen); Kallefséiercher Pl.: «Kalbsnieren».
 
Éierchen, Ierchen II N.: «Öhrchen» — s. Ouer.
 
Éierchen III N.: «kleine Traube mit nur etlichen Beeren» — s. Héierchen.
 
Éi(e)rebrot M.: «Nierenbraten»; Éi(e)refett N.: «Nierenfett» — s. Nirefett.

 

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