LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Faass bis Fachmann (Bd. 1, Sp. 296b bis 298a)
 
Faass (Nom. überlang.: faas, Dat. halblang: Am fa·s «im Faß»), Pl. Fässer, Dim. Fässchen (s. d.) — phV. des Pl. Feesser, Fäässer (Ostrand), Faasser (veraltet an der Mosel) N.: 1) «Faß» — d'F. as gréng (fertig zum Empfang des Weines) — d'F. gët gewieremt (angewärmt), gët ofgestouss (abgeschärft, abgeschrägt) — frësch vum F. — de Wäi schmaacht nom F. — dees kann än e F. voll drénken — en huet e Bauch (eng Panz) ewéi e F. — dat huet dem F. de Buedem ageschloën — du bas eppes ewéi en eidelt F. (ein Schwätzer) — Bauernregel: Mä kill an naass, fëllt dem Bauer Scheier a F.; Arten von Weinfässern: féideregt F. auch: Fudderf. (von 1000 l), hallefféideregt F. (500 l), Ohmf. (160 l), hättegt F. (40 l), Litf. (Kühlfaß), Lagerf.; sonstige Fässer: Béiërf., Branntwäinsf., Kabesf. (Sauerkrautsfaß), Raachf. (Rauchfaß), Rompf. (Butterfaß), Salzfaass, Tëntef., Vizf. — Herstellung eines Fasses: Die Dauben (eng Dau) müssen fehlerlos sein, (riichtfuedems, riichtrësseg, ouni Kniet). Sie sind in der Mitte breiter, nach den Seiten verjüngt (verschréit), je nach der Faßgröße (féidreg, hallefféidreg); sie werden um eine entsprechende Holzschablone aufgerichtet, mit Seilen umbunden. Die Schablone wird entfernt, ein Feuer im Innern des aufgerichteten Fasses angezündet (ugewiermt), außen werden die Dauben naß gehalten; das Feuer darf nur erhitzen, nicht anbrennen. Nach ungefähr einer halben Stunde werden die Enden mit einem Seil (Seelzoch) zusammengezogen, alte Eisenbänder helfen einstweilen aus. Dasselbe Verfahren wiederholt sich für den andern Faßkopf. Die neu angelegten Reifen sind bei kleineren Fässern genietet (Nitt-refer), bei größeren mit Eisenknöpfen und entsprechenden Löchern versehen (Schlëpprefer). Die Köpfe werden abgerichtet, [Bd. 1, S. 297] gleich gemacht (ofgestouss), dann wird im Innern mit Hilfe eines besonderen Hobels (Guergelkamp) die Rille (Guergel, eng Fou, Féichen) für die beiden Böden angebracht, indem der Hobel dank einem daran angebrachten Eisen über dem Rand (iwer Kapp) die Fuge richtig zieht. Die Bodenbretter werden mit Holzstiften (Dibbelneel) ineinander gefügt, dann der Boden eingesetzt (mit dem Fou- oder Buedemeisen). Das Innere wird vor dem Einsetzen des Vorderbodens (viischte Buedem mit dem Scheif-lach; Scheif ist der Zapfen unten) mit dem Hobel geglättet. Bei kleineren Fässern wird die Form in kochendes Wasser gestellt und dann zurechtgebogen. Die Daube oben in der Mitte ist etwas breiter (Pontendau), weil darin das Spundloch (Pontelach) angebracht wird: die Pont wie die Scheif sind gewöhnlich aus leichtem Holz (Linde, Ulme). Bei neuen Fässern ist ein Abdichten (Ofdiichten) mit Réit, Kéiferlësch nicht nötig, es darf nirgends eine Nässe sich zeigen (et däerf net zeechnen). Trotz der Bindergasse (Echternach) heißen die Faßbinder nicht Bënner, sondern Kéifer, Kiffer. — Die Faßreifen sind abgepaßt und werden mit Hilfe von zwei Hämmern (Setz a Schlo) in Stellung gebracht (cf. auch die Komposita); 2) Maßeinheiten: a. «Hohlmaß» (für Feldfrüchte, Obst usw.) (Pl.: Faass) — véiër Faass vun zwanzeg Liter — zwee Faass Kallek; b. «Feldmaß» (soviel als man mit einem Faß Saat besäen kann).
 
Faass- / faass-: -band N.: «Reifen, Bandeisen» (entweder fest vernietet oder an einem Ende mit kurzen, kantigen Stutzen — Krämp —, am andern mit entsprechenden Löchern versehen, welche Vorrichtung es erlaubt, die Faassbänn enger oder weiter zu stellen, je nach dem Umfang des Fasses); -bäz, -beez F.: «Faßbeize» (gewöhnlich eine heiße Sodalösung zum Ausbrühen der längere Zeit ungefüllt liegenden Fässer, die durch diese Behandlung gréng oder wäigréng gemacht werden); -buedem M.: «Faßboden»; -dau F.: «Faßdaube»; -geschmaach M.: «Faßgeschmack» (des Weins); -gréng Adj.: «fertig zum Empfang des Weines» (cf. -bäz); -hief F.: «Bottich-, Bierhefe»; -käärchen F.: «zweirädriger Karren zum Transport kleinerer Fässer» (und Weinkisten); -laër, -läër M.: «Faßlager» (urspr. aus schweren Eichenbalken, neuerdings auch aus Beton); -räf, -reef M.: = -band (s. d.); -schloss M. (auch: -schléiss F.): «Holzkeil als Faßunterlage» (werden vorne und hinten zu beiden Seiten unter die Fässer zum Auflegen geschoben und fest geklopft, der Vorgang heißt: d'Schlëss, d'Schläisse gin ugezunn); -schro F.: «Faßwinde»; -setz F. u. -schlo F.: «zwei Hämmer von besonderer Form zum Anziehen der Faßreifen»; -stéch M.: «Faßstich» (eine Art Leiter, über welche die Fässer auf den Wagen gerollt werden); -wann F.: «Faßwinde»; -weis Adv.: «faßweise», dafür: am Faass.
 
Faassel, lok. (bes. Norden) Fassel F.: allgemein «viereckige Grube mit Holzverschalung», z. B.: a. holzverschalte Wassergrube, die beständig nachgefüllt wird, b. großes Waschbecken, weiter, die darin befindliche Wäsche, c. Lohgrube, d. Teil des Kelters.
 
faassen trans. Verb.: 1) «fassen, auffangen» — de Wäin f. (in Fässer tun, auch stalen) — se hun den Herrescht gefaasst (geerntet) — beim Schluechte gët d'Blutt gefaasst (wird aufgefangen) — en huet e Bei gefaasst (einen Bienenschwarm eingefangen) — en huet den Dëlpes gefaasst (hat eine Torheit begangen) — d'Fënstre gouwe fréier a Bläi gefaasst (eingefaßt); 2) «in Empfang nehmen» — mer gi faassen (Geld in Empfang nehmen); 3) «rüsten» — ech sin drop gefaasst (ich bin darauf gefaßt) — maach oder: hal dech op eppes gefaasst (drohend); dazu die Ablt.: Fa(a)ssong F., wie hd. gebr.
 
fabbeleg (bisw.: fabelleg) Adj.: «charakterschwach, wankelmütig».
 
fabbelen intr. Verb.: «unentschlossen sein.»
 
Fabrek, Fabrik F.: «Fabrik» — e schafft op (häufiger als: an) der F. — bisw. spaßh. verballhornt: Fallbréck (s. d.).
 
Fabrikant M.: «Fabrikant».
 
Fabrikatioun F.: «Fabrikation» — da's méng ege F. — oft auch geringschätzig: dat as alt esou eng F. (Erzeugnis u. Erzeugung).
 
Fabriks-: -aarbecht F.: «Maschinenarbeit» (oft mit abfälliger Nebenbedeutung im Gegensatz zur Handaarbecht); -aarbechter M.: «Fabrikarbeiter»; -meedchen N.: «jugendliche Fabrikarbeiterin»; -spéngel (Echt.) F.: «Sicherheitsnadel»; -wuer F.: «Fabrikware» (oft mit abfälliger Nebenbedeutung). [Bd. 1, S. 298]
 
fabrizéiëren, faberzéiëren trans. V.: 1) «fabrizieren»; 2) «pfuschen, Törichtes anstellen» — wien soll deem dat faberzéiërt hun? — wat fabrizéiers de do? — der Deiwel soll wëssen, wien hir dat Kand fabrizéiert huet! — cf. koschteren, zammeren, zwaffen, zaffen.
 
Face (wie frz.) F.: 1) «Gesicht» — ech gouf em eng an d'F.; 2) «Vorderseite»; 3) «Fassade» — mer mussen d'ganz F. frësch maache loossen.
 
Face-à-main ('fAzam·) M.: «Lorgnette» — wie frz.
 
Facette (Ton: 1) F.: «Seitenfläche, kleine Rautenfläche».
 
Fach M.: 1) «Fach» (Gewerbe, Geschaft) — en as geschéckerlech (en as e Määschter) a séngem F. — huel e Mann vum F. (einen Fachmann) — da's mäi F. nët (auch übtr.: ich kümmere mich nicht darum); 2) «Lehrfach» (Pl. Fächer).
 
Fach-: -aarbecht F.: «Facharbeit»; -mann M.: 1) «Fachmann», Pl.

 

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