LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Fäichholz bis Fäschegeess (Bd. 1, Sp. 310b bis 312b)
 
Fäichholz (lokal) N.: «morsches, mürbes, trockenes Holz» (bes. in Hohlweiden — diente häufig als Zunder), dafür auch: Feem-, Fëmm-, Fengholz.
 
fäicht (allgem. veraltet, vereinzelt im Osten) Adj.: = fiicht (s. d.).
 
Fäich(t)nes F.: «Feuchtigkeit» dafür allgem.: Fiichtegkät (s. d.).
 
fäifaul, feifaul Adj.: «überreif» (Winzerspr.) — s. iedelfaul.
 
Fäifel F.: «Feifel» (Drüsenkrankheit der Pferde).
 
Fäil (Pl. Fäiler) M.: «Pfeil» (cf. Fitschefäil); dafür älter: Päil.
 
fäin, fein (allgem. unterschiedlos ε:i/Ai; phV. cf. Ltb. 67) Adj./Adv.: 1) von der materiellen Qualität: «fein, prima, ausgezeichnet» — f. ewéi Seid, ewéi Pëppcheszwir (feiner, in kleine Strängchen geraffter Zwirn, diese Strängchen hießen Pëppchen — s. d.) — dat as e feine Stofft (fein verarbeiteter, leichter Stoff) — in dieser Bed. häufig auch reng — übtr. auf Zustände: d'Saach as f. (in Ordnung, vorteilhaft) — dat as emol f. ageriicht — dat hues de f. gemaach; 2) von Anstand, Moral und Sitte: «ehrlich, brav, gebildet, gesittet» — du bas e feine Jong (spaßhafter Zusatz: wann s de schléifs, oder: wann s de nët derbäi bas) — e kritt do e feint Meedchen (seine Zukünftige ist ein anständiges Mädchen) — en as vu feine Leit (stammt aus einer besseren Familie), in Stadtlux. und Umgegend wird unterschieden: fei Leit (sozial gehoben). fäi Leit (ehrlich); 3) von der Geldlage: «einträglich, günstig» — e feint Geschäft — en as fein eraus (er hat viel Geld zur Verfügung); 4) von der Kleidung, der Körperpflege: «aufgeputzt, gepflegt» — et brauch eng [Bd. 1, S. 311] Stonn fir sech f. ze maachen — en as f. erausgemaacht, -gefiizt; 5) ironisch: du bas mer e Feinen! — en huet äis f. sëtze gelooss — elo si mer f. gebotzt — en huet eis f. drukritt (hinters Licht geführt) — cf. féng.
 
Fäinhät, -heet F.: «Feinheit».
 
Väit männl. Vorn.: «Veit»; Zënt (Sënt) Väit (Nordösl.: vəkt, vit) ON.: «Sankt Vith» (deutschsprachige Grenzstadt in Ostbelgien) — Stoßgebet zu St. Veit: O helegen Zënt Väit, Erwäch mech zu rechter Zäit, Nët ze fréi, nët ze spéit, Wann d'Klack grad siwe schléit.
 
Väitches-, Väiterblumm F.: «Saatwucherblume».
 
Fäiteler, Fäteler ON.: = Fauschteler (s. d.).
 
Fäktioun (lok. Mosel / veraltet) F.: 1) «Gesundheitszustand» — d'Meedchen as vu kenger gudder F. (= stécht a kenger gudder Haut); 2) «Absicht, Handlungsweise» — en huet et a (aus) gudder F. gemaacht — elauter schlecht(er) F.!
 
fäl, feel (lok. phV. cf. Ltb. 83) Adj.: «feil, verkäuflich» — verbale Raa.: f. bidden, doen «zum Verkauf anbieten, feil bieten, anbieten» — de Papp deet säi Meedchen f. — f. droen, goen a. «hausieren», b. «ausplaudern» — e geet mat Neiegkäte, Beschass, Lige f. — 't as nët fir dermat f. ze goen (vertrauliche Mitteilung) — e geet mat sénger Éier f. (schadet seiner Ehre durch Wort und Tat) — f. hun «zum Verkauf anbieten» (wat hut dir da f.? — e spillt sech op wéi wann e Fett a Speck f. hätt) — f. setzen «feil bieten» — mer hun eis Kou f. gesat — f. sin «verkäuflich sein» übtr.: du bas mer f. = du kanns mer gestuel gin, du bas aus ménger Gnod eraus — deen elo as fir all Schlechtegkete f. (jener gibt sich zu allen Schlechtigkeiten her) — fir d'Geld as alles f. — dat as (mer) fir kee Geld a kee Präis f. — wenn ein Viehhändler in ein Bauerndorf kommt, so fragt er gewöhnlich den Ersten, der ihm begegnet: as näischt, wees de, steet näischt f. am Duerf? (= as näischt ze handelen?).
 
Fälen, Felen ON.: «Feulen», Gem. Feulen, Kanton Diekirch — Nidderfälen «Niederfeulen» 171 — Uewerfälen «Oberfeulen» 173; Ra.: wéi den Hëtz (oder: Schëtz) vu F. — 't mengt än du wärs zu F. (oder: Fäler) op d'Welt komm (Wortspiel: Fälen/Feler — zu jem. der regelmäßig seine Arbeit schlecht ausführt).
 
fälleg Adj.: 1) «fällig» — d'Zënse si f. — elo sin awer Streech f. — Eisenbahnspr.: den Zuch as nach nët f. (noch zu früh zur fahrplanmäßigen Abfahrt oder Ankunft), schon eng hallef Stonn f. (eine halbe Stunde Verspätung); 2) «ledig» — d'Meedchen as f. (zu haben) — 't as eng déck Plaz zu Bréissel f. — Volkswitz: As dee Stull f.? frot de Mann, du sot d'Meedchen: Jo, an ech och.
 
fälschen (Westen: 'fε:əlSən) trans. Verb.: «fälschen, nachahmen».
 
Fälscher M.: «Weinpanscher» — s. Schmierert (Winzersprache).
 
Fälschong F.: «Fälschung» auch: Faux (s. d.).
 
Välten (lok., bes. Osten: Vëlten, bisw. Valtin) männl. Vorn.: «Valentin» — Kurzform: Valli — In den Pfarreien Bövingen, Bauschleiden, Mertzig, Perlé, Rambruch, Sassel und Stadtbredimus gilt der hl. Valentin, Bischof von Terni in Umbrien und Märtyrer (um 270) als Helfer gegen Krankheiten der Schweine. Am 14. Februar, seinem Gedenktag (Välteschdag), finden in diesen Pfarreien Wallfahrten zu seiner Ehre statt. Geopfert werden bei dieser Gelegenheit außer Geld auch geräucherte Schweinekinnbacken und Korn. Beim Opfergang werden diese Gaben in eine bereitgestellte Wanne (Wann) gelegt oder geschüttet. Sein in Deutschland verbreitetes Patronat gegen Epilepsie scheint im Luxemburgischen trotz entsprechender Ikonographie nicht belegt zu sein. Hingegen hat ein volkstümlicher luxemburgischer Brauch in angrenzenden Ländern seine Parallelen, die dort ausdrücklich mit dem Valentinstag in Verbindung gebracht werden: nach de la Fontaine wurden beim Burgbrennen am 1. Sonntag (Invocavit) in den Fasten «den jungen Burschen laut die Namen ihrer Liebchen verkündet, eine Aufmerksamkeit, die diese mit einer Bretzel lohnen müssen». Der Brauch der Lehen am Sonntag Invocavit kommt vor an der Untermosel, wo der Tag geradezu Valentinstag heißt, in Lothringen (so in der Gegend von Diedenhofen), den französischen Ardennen sowie in den Vogesen, wo den jungen Paaren die Namen Valentin und Valentine zugelegt werden. So schließt sich auch der Luxemburger Brauch an die alte höfische Sitte an, die seit Anfang des XV. Jahrhunderts belegt ist und besonders in England in volkstümlicher Form weiterlebt, und nach der am [Bd. 1, S. 312] Valentinstag sich jeder durch das Los eine Dame zum Gegenstand seiner Aufmerksamkeit wählte, die er Valentine nannte, wie er selbst auch Valentin hieß.
 
Fändel, Fuendel (eigtl. Dim. zu dem selten gebr. Funn — s. d.) lok. phV.: Fundel, Foandel, Nordösl.: 'fjεndəl, Pl. Fändelen, Fiendel, M.: «Fahne» — dat steet nët op séngem F. (das ist nicht seine Meinung) — spaßhafter Dank für einen erwiesenen Dienst: du dréis de F. wann ech stierwen (du trägst die Fahne bei meinem Begräbnis) — en dréit de F. ( a. er gibt den Ton an, bei einem Verein, b. = en huet de Läpp eraushänken, en zaapt «er hat einen Hemdzipfel zum Hosenschlitz heraushängen») — de roude F. (als Verkehrssignal, marxistisches Parteisymbol) — mer hun de roude F. aushänken (Hüllwort für Katamenien — auch einfach: mer hun ausgehaang); Zussetz.: Fändel-/ -schlapp M.: «Fahnenschleife, Trauerflor»; -spëtz(t) F.: «Fahnenlanze»; -staang F.: «Fahnenstange» — 't as een ewéi eng F. (hager, dünn).
 
Fändelchen, Fiendelchen, Feendelchen M.: 1) «Fähnchen», auch: Fanion; 2) «leichte Frauenkleidung» — 't koum am liichte (Summer-) Fiendelchen.
 
fändelen (phV. Nordösl.: 'fjεndələn) intr. Verb.: 1) «planlos, umhergehen, herumlungern» — mir si Stonne laang duerch de Bësch gefändelt — dat Meedchen fändelt gär doruechter (von einem Mädchen, das Abenteuer sucht) — dat Gefändels héiert mer op, sot de Papp; 2) «anrücken, herausplatzen» — a mat wiem kënns de do gefändelt? — do koum e mat der Wouerecht gefändelt.
 
Fändelesch F.: «Mädchen, Weib, das gerne in die Öffentlichkeit geht».
 
Fändelsdréier M.: «Fähnrich».
 
fängeg Adj. in der Ra.: eng Fal f. maachen (die Falle zum Fangen geeignet machen, indem man z. B. durch Erhitzen der Metallstücke den Geruch des vorher gefangenen Tieres vertreibt, den Speck hineinlegt, die Falle stellt usw.).
 
fänken (phV. s. Ltb. 16), Part. Praet.: gefaang(en), Ösl. gefongen, trans. Verb.: 1) «(ein)fangen, festnehmen» — Spww.: Mat gefaange, mat gehaangen — Wann ee Vulle f. wëllt, muss (däerf) een nët mat Knëppelen draschloen; Raa.: e fänkt Mécken (schlägt die Zeit tot, langweilt sich, bisw. auch: greift Lügen aus der Luft) — abweisend, bei allzu vorwitziger Frage: ech gin Dëlpesse f. — beim Spiel: du kriss mech nët gefaang (oder: erëm) — gees de Fësch f.? (zu nasenbohrenden Kindern) — wat hu mer da gefaang? (Frage an den Fischer) — Folklore: d'Braut f. (s. Braut); 2) übtr.: «bei einer Lüge ertappen, in Widersprüche verwickeln, zum Geständnis bringen» — mat där Fro hun ech e gefaang; 3) von Krankheiten: «durch Ansteckung erhalten» — esou eppes fänkt sech liicht (solch eine Krankheit ist leicht zu übertragen) — ier s de dech emsinn hues, hues d' esou eppes gefaang; cf. oprafen.
 
fänkelen intr./trans. Verb.: «auf kluge Art zu erfahren suchen» — en huet hannert mer gefänkelt, bis en alles wousst.
 
Fänkes, Fänkches (Nordösl.: Fänke) N.: «Fangspiel» — d'Kanner spille F. — übtr.: elo hu mer laang genuch F. matenee gespillt, looss mer emol eescht rieden.
 
Fär F.: «Fähre» — s. Ferger, Fuer.
 
fär (fε:r) Adj.: «in Ordnung, schön, gut» — 't as alles fäin a f., ma wou d'Geld hierhuelen?
 
Fär(ent) F.: «Ferne» — aus der Färent (= vu wäitem).
 
fär(en) Adj.: «fern, entfernt» — vu f. (s. d. vor.) — Osten: wufären (woferne) — übtr.: ech kucken deem Spill vu f. no. — bleif mer f.!
 
färens Adv.: in der Ra.: bei färens «bei weitem».
 
Fäsch (Echt. veraltet: Fäscht, Pl. Fäjhden) F.: «Faschine, Reisigbündel» — im Nordösl. gänzlich unbekannt, dafür: Schanz (s. d.) — haut gi mer Fäsche maachen — en déit sech léiwer eng däreg F. duerch den Aasch zéie loossen, ewéi e Su erausgin — beim Kartenspiel, zu jem. der unschlüssig ist, wie er spielen soll: dajee, eng Kaart oder eng F. Där! — en huet eng (séng) F. (gelueden) (er ist betrunken) — eng F. an zwee Seel (gebonnen) (eigtl.: eine große, an den zwei Enden gebundene Faschine, übtr.: a. grober Witz, Unfug, b. große Betrunkenheit) — e knetzelt, mécht sech eng F. (bindet sich eine an) — 't as een ewéi eng däreg F. (unwirscher Mensch); Folklor.: gewisse Spukgeister verwandeln sich in eine Faschine und lassen sich von dem Ahnunglosen, der sie aufgehoben hat, eine Strecke weit tragen.
 
Fäsche(n)- (zum Abfall des auslaut. -n, s. Fußn. S. 5) -bock M. (bisw. auch: -geess F.): «halbrundes Eisen, dessen [Bd. 1, S. 313] Druck das Binden der Faschinen erleichtert»;

 

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