LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Fälen, Felen bis fiechten (Bd. 1, Sp. 311a bis 313a)
 
Fälen, Felen ON.: «Feulen», Gem. Feulen, Kanton Diekirch — Nidderfälen «Niederfeulen» 171 — Uewerfälen «Oberfeulen» 173; Ra.: wéi den Hëtz (oder: Schëtz) vu F. — 't mengt än du wärs zu F. (oder: Fäler) op d'Welt komm (Wortspiel: Fälen/Feler — zu jem. der regelmäßig seine Arbeit schlecht ausführt).
 
fälleg Adj.: 1) «fällig» — d'Zënse si f. — elo sin awer Streech f. — Eisenbahnspr.: den Zuch as nach nët f. (noch zu früh zur fahrplanmäßigen Abfahrt oder Ankunft), schon eng hallef Stonn f. (eine halbe Stunde Verspätung); 2) «ledig» — d'Meedchen as f. (zu haben) — 't as eng déck Plaz zu Bréissel f. — Volkswitz: As dee Stull f.? frot de Mann, du sot d'Meedchen: Jo, an ech och.
 
fälschen (Westen: 'fε:əlSən) trans. Verb.: «fälschen, nachahmen».
 
Fälscher M.: «Weinpanscher» — s. Schmierert (Winzersprache).
 
Fälschong F.: «Fälschung» auch: Faux (s. d.).
 
Välten (lok., bes. Osten: Vëlten, bisw. Valtin) männl. Vorn.: «Valentin» — Kurzform: Valli — In den Pfarreien Bövingen, Bauschleiden, Mertzig, Perlé, Rambruch, Sassel und Stadtbredimus gilt der hl. Valentin, Bischof von Terni in Umbrien und Märtyrer (um 270) als Helfer gegen Krankheiten der Schweine. Am 14. Februar, seinem Gedenktag (Välteschdag), finden in diesen Pfarreien Wallfahrten zu seiner Ehre statt. Geopfert werden bei dieser Gelegenheit außer Geld auch geräucherte Schweinekinnbacken und Korn. Beim Opfergang werden diese Gaben in eine bereitgestellte Wanne (Wann) gelegt oder geschüttet. Sein in Deutschland verbreitetes Patronat gegen Epilepsie scheint im Luxemburgischen trotz entsprechender Ikonographie nicht belegt zu sein. Hingegen hat ein volkstümlicher luxemburgischer Brauch in angrenzenden Ländern seine Parallelen, die dort ausdrücklich mit dem Valentinstag in Verbindung gebracht werden: nach de la Fontaine wurden beim Burgbrennen am 1. Sonntag (Invocavit) in den Fasten «den jungen Burschen laut die Namen ihrer Liebchen verkündet, eine Aufmerksamkeit, die diese mit einer Bretzel lohnen müssen». Der Brauch der Lehen am Sonntag Invocavit kommt vor an der Untermosel, wo der Tag geradezu Valentinstag heißt, in Lothringen (so in der Gegend von Diedenhofen), den französischen Ardennen sowie in den Vogesen, wo den jungen Paaren die Namen Valentin und Valentine zugelegt werden. So schließt sich auch der Luxemburger Brauch an die alte höfische Sitte an, die seit Anfang des XV. Jahrhunderts belegt ist und besonders in England in volkstümlicher Form weiterlebt, und nach der am [Bd. 1, S. 312] Valentinstag sich jeder durch das Los eine Dame zum Gegenstand seiner Aufmerksamkeit wählte, die er Valentine nannte, wie er selbst auch Valentin hieß.
 
Fändel, Fuendel (eigtl. Dim. zu dem selten gebr. Funn — s. d.) lok. phV.: Fundel, Foandel, Nordösl.: 'fjεndəl, Pl. Fändelen, Fiendel, M.: «Fahne» — dat steet nët op séngem F. (das ist nicht seine Meinung) — spaßhafter Dank für einen erwiesenen Dienst: du dréis de F. wann ech stierwen (du trägst die Fahne bei meinem Begräbnis) — en dréit de F. ( a. er gibt den Ton an, bei einem Verein, b. = en huet de Läpp eraushänken, en zaapt «er hat einen Hemdzipfel zum Hosenschlitz heraushängen») — de roude F. (als Verkehrssignal, marxistisches Parteisymbol) — mer hun de roude F. aushänken (Hüllwort für Katamenien — auch einfach: mer hun ausgehaang); Zussetz.: Fändel-/ -schlapp M.: «Fahnenschleife, Trauerflor»; -spëtz(t) F.: «Fahnenlanze»; -staang F.: «Fahnenstange» — 't as een ewéi eng F. (hager, dünn).
 
Fändelchen, Fiendelchen, Feendelchen M.: 1) «Fähnchen», auch: Fanion; 2) «leichte Frauenkleidung» — 't koum am liichte (Summer-) Fiendelchen.
 
fändelen (phV. Nordösl.: 'fjεndələn) intr. Verb.: 1) «planlos, umhergehen, herumlungern» — mir si Stonne laang duerch de Bësch gefändelt — dat Meedchen fändelt gär doruechter (von einem Mädchen, das Abenteuer sucht) — dat Gefändels héiert mer op, sot de Papp; 2) «anrücken, herausplatzen» — a mat wiem kënns de do gefändelt? — do koum e mat der Wouerecht gefändelt.
 
Fändelesch F.: «Mädchen, Weib, das gerne in die Öffentlichkeit geht».
 
Fändelsdréier M.: «Fähnrich».
 
fängeg Adj. in der Ra.: eng Fal f. maachen (die Falle zum Fangen geeignet machen, indem man z. B. durch Erhitzen der Metallstücke den Geruch des vorher gefangenen Tieres vertreibt, den Speck hineinlegt, die Falle stellt usw.).
 
fänken (phV. s. Ltb. 16), Part. Praet.: gefaang(en), Ösl. gefongen, trans. Verb.: 1) «(ein)fangen, festnehmen» — Spww.: Mat gefaange, mat gehaangen — Wann ee Vulle f. wëllt, muss (däerf) een nët mat Knëppelen draschloen; Raa.: e fänkt Mécken (schlägt die Zeit tot, langweilt sich, bisw. auch: greift Lügen aus der Luft) — abweisend, bei allzu vorwitziger Frage: ech gin Dëlpesse f. — beim Spiel: du kriss mech nët gefaang (oder: erëm) — gees de Fësch f.? (zu nasenbohrenden Kindern) — wat hu mer da gefaang? (Frage an den Fischer) — Folklore: d'Braut f. (s. Braut); 2) übtr.: «bei einer Lüge ertappen, in Widersprüche verwickeln, zum Geständnis bringen» — mat där Fro hun ech e gefaang; 3) von Krankheiten: «durch Ansteckung erhalten» — esou eppes fänkt sech liicht (solch eine Krankheit ist leicht zu übertragen) — ier s de dech emsinn hues, hues d' esou eppes gefaang; cf. oprafen.
 
fänkelen intr./trans. Verb.: «auf kluge Art zu erfahren suchen» — en huet hannert mer gefänkelt, bis en alles wousst.
 
Fänkes, Fänkches (Nordösl.: Fänke) N.: «Fangspiel» — d'Kanner spille F. — übtr.: elo hu mer laang genuch F. matenee gespillt, looss mer emol eescht rieden.
 
Fär F.: «Fähre» — s. Ferger, Fuer.
 
fär (fε:r) Adj.: «in Ordnung, schön, gut» — 't as alles fäin a f., ma wou d'Geld hierhuelen?
 
Fär(ent) F.: «Ferne» — aus der Färent (= vu wäitem).
 
fär(en) Adj.: «fern, entfernt» — vu f. (s. d. vor.) — Osten: wufären (woferne) — übtr.: ech kucken deem Spill vu f. no. — bleif mer f.!
 
färens Adv.: in der Ra.: bei färens «bei weitem».
 
Fäsch (Echt. veraltet: Fäscht, Pl. Fäjhden) F.: «Faschine, Reisigbündel» — im Nordösl. gänzlich unbekannt, dafür: Schanz (s. d.) — haut gi mer Fäsche maachen — en déit sech léiwer eng däreg F. duerch den Aasch zéie loossen, ewéi e Su erausgin — beim Kartenspiel, zu jem. der unschlüssig ist, wie er spielen soll: dajee, eng Kaart oder eng F. Där! — en huet eng (séng) F. (gelueden) (er ist betrunken) — eng F. an zwee Seel (gebonnen) (eigtl.: eine große, an den zwei Enden gebundene Faschine, übtr.: a. grober Witz, Unfug, b. große Betrunkenheit) — e knetzelt, mécht sech eng F. (bindet sich eine an) — 't as een ewéi eng däreg F. (unwirscher Mensch); Folklor.: gewisse Spukgeister verwandeln sich in eine Faschine und lassen sich von dem Ahnunglosen, der sie aufgehoben hat, eine Strecke weit tragen.
 
Fäsche(n)- (zum Abfall des auslaut. -n, s. Fußn. S. 5) -bock M. (bisw. auch: -geess F.): «halbrundes Eisen, dessen [Bd. 1, S. 313] Druck das Binden der Faschinen erleichtert»; -drot M.: «Draht zum Faschinenbinden»; -holz N.: «Reisig»; -klëppel, -knëppel M.: «Knüppel von der Dicke eines Armes, wie sie in die Faschine gebunden werden»; -koup M.: «Reiserhaufen»; -kromm F.: «gekrümmtes, sichelartiges Beil»; -säl, -seel N.: «Faschinenseil» auch für Bindematerial aus dünnen, biegsamen Zweigen (alles, was sich brueden — s. d. — läßt, war gut dazu), heute durch Fäschendrot ersetzt.
 
fäschtlech (zu faaschten) Adj.: «fasttäglich, wie es das Abstinenzgebot vorschreibt» — 't as haut f. — mir maache f. (wir kochen wie an Freitagen).
 
Fässchen (Dim. zu Faass — s. d.) N.: «Fäßchen» bes. als Hohlmaß (5 Liter) für Obst, Kartoffeln, Möhren . . . — véier Fässercher sin e Sieschter.
 
vätterlechersäits Adv.: «väterlicherseits» (aus der Rechtsspr. übernommen) — 't as en Ierfstéck v. (auch: vum Papp eraus).
 
Vätterlecht N.: «väterliches Erbteil zu Lebzeiten der Mutter» — en huet säi V. gefrot, kritt — entsprechend: Mëtterlecht (s. d.).
 
Februar (phV. bisw. 'fe:bwa:r), Février (Ton: 1) M.: «Februar» — alte Bezeichnung: Spierkel.
 
fechten intr. Verb.: 1) «betteln» — si kommen erëm fir eng Tombola f. (Sammlung zu einer Vereinstombola); 2) «fechten» (mit dem Degen, Säbel), in dieser Bed. häufig auch: fiechtenübtr.: hie fiecht jo nëmme mat Wierder, Ausdréck — e fiecht mat Hänn a mat Féiss, wann en diskutéiert (cf. fuchtelen).

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

© 2010 - Projekt LexicoLux des Laboratoire de linguistique et de littératures luxembourgeoises der Universität Luxemburg, in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier
Hinweis zum problematischen Wortgut