LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Fëschkaul bis Fest- (Bd. 1, Sp. 362a bis 363b)
 
-kaul, -koll F.: «fischreiche Stelle im Gewässer», Dim.: -kailchen, -këllchen F.: häufiger Flurname; -kären M. Pl.: «Mondsame, Samen des Menispermium» (auch: Kokelter); -kessel M.: «Fischkessel» (länglicher Topf zum Kochen der Fische); -kimmel M.: «Wasserfenchel»; -kreepchen M.: «Angelhaken»; -kuerf M.: «Fischkorb, Reuse» — si geet mam F. (Hausierhandel mit Fischen); -maart M.: «Fischmarkt» (bes. Bed.: Platz und Stadtviertel im Zentrum der Stadt Luxemburg); -plompert M.: «Fischaar, Pandion» — klenge F. «schwarzer Milan, Milvus migrans» — grousse F. «Fischadler»; -räer M.: «Fischreiher, Ardea cinerea»; -rutt F.: «Angelrute»; -(e)schuppen (Osten: -schoupen) F. Pl.: 1) «Fischschuppen» — F. an Huesenhoër gët keng déck Mëschten (der Bauer soll weder fischen noch jagen); 2) «Fischschuppenkrankheit, Ichthyasis» — auch: Fësch(e)schuppekrankheet; -staang F.: «Angelstock»; -tron (Var.: -dron, -drong, -drom, -dronk, -drol(l), -drëff, -trol(l), -trong) M.: «Leber-, Fischtran» (auch: Liewertron); -weier M.: 1) «Fischweiher» (zur Fischzucht); 2) «mit vielen Bohrlöchern versehener kahnförmiger Holzkasten an der Seite des Fischernachens, in welchem die gefangenen Fische lebend aufbewahrt werden» — s. Fléier; -wier M.: «künstliche Wasserstauung zum Fisch-, bes. Aalfang» (über dem Niveau des Flusses, aus Stein und Holzzäunung).
 
Fëschelchen M.: 1) Dim. zu Fësch «kleiner Fisch»; 2) bes. im Pl. gebr.: «Silberfischchen, Zuckergast, Lepisma saccharina, kleine silbrige Tierchen in alten Schränken, Büchern, Bibliotheken» — in dieser Bed. dafür auch: Schëffelcher; 3) der Form nach an Fischlein erinnernde Sachen, etwa: a. «gefärbter Zucker in Form von Fischlein»; b. «schmale Brotschnitte, die in weichgesottene Eier getunkt werden» (häufig werden hierzu auch Zwieback oder getrocknete Kuchenschnitte genommen, früher aarme Ritter genannt); c. cf. den Kinderreim Miniminimo: et schneid dech a siwe Fëschelchen (-cher).
 
fëschen trans. Verb.: 1) eigtl.: «fischen, angeln» — spaßh.: hälts de wuel op, an der Nues ze f. (in der Nase bohren) auch: gees de f.? — e geet an eng Stäkaul (an e Stärausch) f. (seine Ehe bleibt kinderlos); 2) übtr.: «nebenbei erhaschen» (manchmal auf unehrliche Weise) — en huet sech de beschte Maufel gefëscht — hie geet doërëmmer f. fir Suën ze kréien; 3) iron.: «prügeln» — e kritt der gefëscht (er bekommt Prügel).
 
Fëscher M.: «Fischer» (Fem.: Fëschesch) — Spww.: Et as nach kä F. mat dräi Häre begruewe gin (Fischer sind keine reichen Leute) — D'F. an d'Jeër si Plättelefeër (tüchtige Esser) — D'F. an d'Jeër schwätzen eng Sprooch (iron. auch. léien nët — verstehen sich aufs Lügen).
 
Fëscher-: -aacher M.: «Fischerkahn»; -kraut N.: «mandelblättrige Wolfsmilch, Euphorbia»; -latäin N.: «Fischerlatein» (in Echt. gelegentlich dafür: -griichesch).
 
Fëscherei F.: «Fischerei, Angelsport, Angelpartie» — d'F. bréngt näischt an.
 
Fëscht F.: s. Féischt.
 
vësedéieren (fəzə/deiərən — lok. bes. Echt. vësetéieren) trans. Verb.: «genau untersuchen, Körpervisitation halten, die Taschen durchsuchen» — dafür auch: fiselen (s. d.) — cf. auch: visitéieren (unter W).
 
Fesem Plur. Fesemen F.: «Faser» — s. Fisem.
 
Fësil (Ton: 1) lok. Ösl. M.: «Flinte» (frz. fusil) — cf. auch: Fisek, Fisi.
 
Fëspel (Osten) F., Fëspeler M.: «zu emsiger, übereifriger, nervöser Mensch» (lok. auch: Wëspel).
 
fëspelen (Echt.) intr. Verb.: «sich emsig, übereifrig betätigen».
 
Fesper (lok. im Norden u. Osten bel. — spor., etwa in Echt.: Feesper) F.: «Wespe»; dafür sonst: Harespel (s. d.).
 
Vesper (lok. Ostrand, etwa Echt.: Veesper, Mosel: Väesper) F.: «Vesper» — no der V. (im Laufe des Sonntagnachmittags, ländl. Zeitangabe) — — d'V. as méi laang ewéi d'Houmass (der Unterrock ist länger als der Rock) — 't brauch een esou vill Vespere fir an den Himmel ze kommen ewéi Schnéiklatze fir de Bakuewen ze hëtzen (die Messe, nicht die Vesper hilft den armen Seelen; der Vesperbesuch kann die Sonntagsmesse nicht ersetzen) — bisw. heißt es spaßh.: [Bd. 1, S. 363] eng Sonndesnomëttesnodervespesch Box (Sonntagshose zweiten oder dritten Ranges).
 
Fëss I F.: = Féidéier (s. d.).
 
Fëss II F.: «Hexe, Fee».
 
fest Adj.: «fest, stark, kräftig, gesund» — dafür weitgehend vorgezogen: ferm (s. d.), im Südosten in Randlage: fescht (cf. Palgen, Studien § 70; Bruch, Grundlg. II58 / Karte 45/A) — in vielen unfesten Verbalverbindungen, etwa: festbannen, -halen, -klappen, -maachen, -nelen, -setzen, -sëtzen, -stellen — fest ewéi e Wak (fest wie Kieselstein) — e geet f. a stawer drop lass — en huet séng f. Gewunnechten — en as f. gepaakt, e läit f. an (er ist arg erkrankt) — e sëtzt nët f. am Still (leicht närrisch) — en as (sëtzt) nët f. am Suedel (er ist nicht sehr beschlagen, oder: seiner Arbeitsstelle nicht immer gewiß) — elo sëtze mer f. (wir können nicht mehr weiter) — mir hale f. (scil.: un onser Scholl — Wahlspruch aus dem Feierwon — s. d.; auch Wahlspruch der Oranier: «Je maintiendrai») — en huet e feste Schlof (tiefen Schlaf) — si freie f. ( a. Ton auf freien: man sieht die beiden häufig zusammen; b. Ton auf fest: sie tragen sich mit festen Heiratsabsichten) — e feste Freier (ein ernster Liebhaber) — en as f. ugestallt, en huet eng f. Plaz — en as nët f. (schwächlich, kränklich) — 't as f. (es ist beschlossen, abgemacht) — fir wat maache se Arel nët f.? (früher: warum wird Arlon nicht befestigt?) — hal hanne f.! (Zuruf der Schiffer an die Halfen - Pferdetreiber, die Pferde an de Sträng zu halten, damit das Schiff nicht abtreibe) — Folklor.: festmaachen — a. «an einen Ort bannen», cf. darüber Nik. v. Werveke, Kurze Gesch. d. Landes Luxbg., 1909, S. 320: «Nicht wenige Personen, namentlich Geistliche, standen im Rufe, ihnen mißliebige Personen bannen zu können: durch Lesen bestimmter Gebete oder Hersagen bestimmter Formeln zwangen sie die Betreffenden, unbeweglich stehen zu bleiben, bis sie dasselbe Gebet oder dieselbe Formel noch einmal lasen oder hersagten, nur diesmal von hinten nach vorne»; b. «kugelfest machen» (mit Himmelsbrief oder Teufelsgeißel — dieser Zauber wird gelöst durch silberne, gesegnete Kugel); in vielen Zussetz.: bibel-, feier-, waasserfest, ähnlich: drénkfest usw.
 
Fest (Südosten gelegentl. Fescht) Pl. Fester N.: «Feier, Fest» — 't muss (soll) een d'Fester feiere wéi se falen — bisw. spaßh.: 't war e schéint F. (alle Teilnehmenden waren betrunken) — mir kommen nët aus de Fester eraus — dafür auch: Fête (s. d.).
 
Fest-:

 

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