LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Fiffegkät, Piffegkät, -keet bis Fiischt (Bd. 1, Sp. 368b bis 369b)
 
Fiffegkät, Piffegkät, -keet F.: «Pfiffigkeit».
 
Fiffi M.: 1) «Muttersöhnchen, Lieblingskind» — hien as der Mamm hire F.; 2) «Günstling, Liebling der Lehrperson» — dem Schoulmääschter säi F. (meist absprechend); 3) Kosename für Kleintiere (Schoßhündchen, Vögel u. dgl.).
 
Fiffikus, Piffikus M.: «Pfiffikus».
 
Fig (fi:k) Pl. Figen, Figgen F.: 1) «Feige» (Frucht); 2) «Ohrfeige» — da gët et Figen — cf. auch Feig — e kritt Fige mat Stillen (Prügel).
 
Fige-: -bam M.: «Feigenbaum»; -blat N.: «Feigenblatt»; -stack M.: «Feigenstock» (vielfach in großen Blumenbottichen als Zierpflanze gezogen, trägt bei günstiger Witterung Früchte); -waasser N.: «warmes Feigenwasser» (in welchem Feigen abgekocht worden sind — gegen Geschwülste im Mund).
 
Vigelchen M.: Dim. zu Vugel, Vull (s. d.) «Vögelchen» — ostlx. Variante zu west- und gemeinlx. Villchen (s. d.) — cf. Bruch, Grundlegung, Karte 38/A; der Ostrand um Echt. spricht /fi·əlçən.
 
Figur F.: «Figur, Gestalt, Aussehen» — wat eng F.! — eng traureg F. — Echt.: sein F. gefeelt mer nët (er sieht krank aus).
 
Figurant M.: «Statist».
 
Figuratioun F.: «früher, erstes Tanzfest der Teilnehmer eines Tanzkursus».
 
figuréieren intr. Verb.: «figurieren, vorhanden sein, vermerkt sein» — dat figuréiert nët am Budget — du figuréiers alt näs bei de Räpper a Kläpper. [Bd. 1, S. 369]
 
Figurist M.: Ga.: «Gipsarbeiter» (der Bilder aus Gips zu gießen versteht).
 
Fiicht F.: «Fichte» (Wb. 06: «Tannenzapfen»).
 
Fiichte(n)-: -bam M.: «Fichte»; -nol F.: «Fichtennadel»; -strauss F.: «Fichtenzweig»; -strupp F.: «Fichtenzapfen» — s. Däppchen, Dännenzap.
 
fiicht (lok.: fäicht) — s. d.) Adj.: 1) «feucht» — dafür auch: fiichteg, fäichteg (im äußersten Norden und im Süden fi:t) — e fiichte Keller — e f. Haus — 't mengt een, du häss hënt f. geleën (zu jem. der Anzeichen von Erkältung, Übernächtigung, verrät) — d'Kand läit f. — gesond Hënn hun eng f. Nues — d'Kand huet eng f. Box — d'Huewer as f. akomm, se wiist aus; 2) dermat.: «nässend» — eng f. Wonn — e fiichten Ausschlag.
 
Fiichtegkät, -keet F.: 1) «Feuchtigkeit»; 2) dermat. «Wundserum, Wundsekret»; 3) übtr.: «Fortgang», in der Ra.: da kritt d'Saach hir F.
 
Viichten ON.: «Vichten» — Gem. Vichten, Kant. Redingen — 212; e war do (oder: esou séier) ewéi de Schëtz (oder: Schotz) vu V. (cf. Fälen).
 
fiichtkal Adj.: «feuchtkalt».
 
vi(i)jhenzeg, lok. viischtzeg bisw. auch visenzeg Adj./Adv.: 1) adjektivisch «vorder» (dafür meist viischt — s. d.) — d'vi(i)jhenzegt Zëmmer (Vorderzimmer, Zimmer an der Straßenfront des Hauses); 2) adverbial «vorwärts, nach vorn» (am Ostrand dafür auch: viirsech — s. d.) — e kënnt nët hannerzeg an nët v. — en as mam lénke Fouss v. opgestan (auch einfach: mam lénke Fouss vir) — kuck emol v. (schau mal vor dem Hause nach) — kuck v.! oder vrun dech! — Dien nët viischtzeg gät, gät hannerzeg.
 
Fiirchen (Pl. Firercher) lok. Färrchen F.: «kleine Furche».
 
fi(i)rmen, firemen (Part. Praet. mit Vorliebe gefiremt, Ehnen: /fεrəmən) trans. Verb.: 1) eigtl.: «firmen» — beim Fiirmen sagt der Bischof zum Firmling: packs de déi? («verträgst du die, scil. Ohrfeige» — umgedeutet aus «pax tecum»); 2) spaßh. übtr.: «ohrfeigen» — den Dechen huet d'Bouwen erem gefirmt an der Kannerléier.
 
Fi(i)rm- / Firem- : -bild N.: «Firmbild» (von den Firmpaten dem Firmling zur Erinnerung geschenkt); -giedel F.: «Firmpatin»; -kand N.: «Firmling»; -pätter M.: «Firmpate»; -unterricht M. wie hd.
 
Fi(i)rmong F.: «Firmung».
 
viirsech Adv. lok. am Ostrand für gemeinlx. vi(i)jhenzeg (s. d.).
 
viischt (Osten: fëscht, fiddescht) Adj.: 1) «vorderst, erst, vorder» (für hd. «vorder» im Lx. keine Entsprechung) — wien as de viischten? (wer ist der erste?) — de viischten as vir (der erste ist vorne) — obsz.: de Viischte réiert sech — in unfester Verbindung mit einem Subst.: v. Dir (Haustür zur Straßenseite, dafür auch: Haus-, Haapt-, Gaassdir) — d'Kommäre souzen op hirer viischter Dir (Gegenteil: hënnescht Dir) — ech zerräissen deem d' Schwell vun der viischt(er) Dir nët méi (ich werde sein Haus, seinen Laden, seine Schenke nicht mehr betreten) — wat de Mann zur viischter Dir erabréngt, dréit d'Fra zur hënneschter eraus (von einer verschwenderischen Frau) — ech leën der d'Aarmes op d'v. Dir (zu einem allzu bequemen Bettler) — v. Fruucht «Vorsprang» (die beim Wannen nach vorn geblasene, leichtere Fruucht — s. d.) — v. Ham, Hämmchen (Vorderschinken) — de viischte Won, Fierkel (Vorderwagen, cf. Fierkel II) — obsz.: de viischten Aasch; 2) «recht(s)» — de viischte Fouss (der rechte Fuß).
 
Viischt N.: 1) allgem.: «das Vorderste, der vorder(st)e Teil, Vorderteil» — 't as keen Hënnescht a kee V. un deem ganze Gedäässems (planloses, sinnloses Gerede) — 't as alles bei hinnen d'Hënnescht (an) d'Viischt (durcheinander), ähnlich: d'Ënnescht (an) d'Iewescht; 2) «Oberleder der Schuhe» — dafür auch: viischt Lieder; 3) in dieser Bed. eher F.: «Fassade des Hauses», übtr.: «Gesicht» (cf. Fassad) — 't huet em an d'V. gereent (er schaut griesgrämig drein) in Echt. auch: 't hoat em an d'V. geschneicht (geschneit).
 
Fiischt (lok. Fëscht) F. (bisw. M.) 1) «Dachfirst» (oberster Querbalken von Giebel zu Giebel) — cf. Daachfiischt; 2) übtr.: «Kopf» (als Sitz des Verstandes) — 't huet em an d'F. gereent (im Gegs. zu der bei Viischt sub 3) erwähnten Ra.: a. er ist irr, b. leicht betrunken) — ech klammen der op d'F. (ich werde dich zurecht weisen), lok. dafür an d'F. (möglicherweise dann als Viischt sub 3 verstanden) — de krëss eng op d'Däs dat d'Fëscht der juckelt.

 

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