LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Fi(i)rm- / Firem- bis vill- (Bd. 1, Sp. 369a bis 371a)
 
Fi(i)rm- / Firem- : -bild N.: «Firmbild» (von den Firmpaten dem Firmling zur Erinnerung geschenkt); -giedel F.: «Firmpatin»; -kand N.: «Firmling»; -pätter M.: «Firmpate»; -unterricht M. wie hd.
 
Fi(i)rmong F.: «Firmung».
 
viirsech Adv. lok. am Ostrand für gemeinlx. vi(i)jhenzeg (s. d.).
 
viischt (Osten: fëscht, fiddescht) Adj.: 1) «vorderst, erst, vorder» (für hd. «vorder» im Lx. keine Entsprechung) — wien as de viischten? (wer ist der erste?) — de viischten as vir (der erste ist vorne) — obsz.: de Viischte réiert sech — in unfester Verbindung mit einem Subst.: v. Dir (Haustür zur Straßenseite, dafür auch: Haus-, Haapt-, Gaassdir) — d'Kommäre souzen op hirer viischter Dir (Gegenteil: hënnescht Dir) — ech zerräissen deem d' Schwell vun der viischt(er) Dir nët méi (ich werde sein Haus, seinen Laden, seine Schenke nicht mehr betreten) — wat de Mann zur viischter Dir erabréngt, dréit d'Fra zur hënneschter eraus (von einer verschwenderischen Frau) — ech leën der d'Aarmes op d'v. Dir (zu einem allzu bequemen Bettler) — v. Fruucht «Vorsprang» (die beim Wannen nach vorn geblasene, leichtere Fruucht — s. d.) — v. Ham, Hämmchen (Vorderschinken) — de viischte Won, Fierkel (Vorderwagen, cf. Fierkel II) — obsz.: de viischten Aasch; 2) «recht(s)» — de viischte Fouss (der rechte Fuß).
 
Viischt N.: 1) allgem.: «das Vorderste, der vorder(st)e Teil, Vorderteil» — 't as keen Hënnescht a kee V. un deem ganze Gedäässems (planloses, sinnloses Gerede) — 't as alles bei hinnen d'Hënnescht (an) d'Viischt (durcheinander), ähnlich: d'Ënnescht (an) d'Iewescht; 2) «Oberleder der Schuhe» — dafür auch: viischt Lieder; 3) in dieser Bed. eher F.: «Fassade des Hauses», übtr.: «Gesicht» (cf. Fassad) — 't huet em an d'V. gereent (er schaut griesgrämig drein) in Echt. auch: 't hoat em an d'V. geschneicht (geschneit).
 
Fiischt (lok. Fëscht) F. (bisw. M.) 1) «Dachfirst» (oberster Querbalken von Giebel zu Giebel) — cf. Daachfiischt; 2) übtr.: «Kopf» (als Sitz des Verstandes) — 't huet em an d'F. gereent (im Gegs. zu der bei Viischt sub 3) erwähnten Ra.: a. er ist irr, b. leicht betrunken) — ech klammen der op d'F. (ich werde dich zurecht weisen), lok. dafür an d'F. (möglicherweise dann als Viischt sub 3 verstanden) — de krëss eng op d'Däs dat d'Fëscht der juckelt.
 
viischtzeg = vi(i)jhenzeg (s. d.). [Bd. 1, S. 370]
 
Fiisschen, Fiissen M. Dim. zu Fochs, Fuuss (s. d.), bes. Bed.: Fiissercher: «braungebrannte Kartoffeln» — s. bootschen.
 
Vi(j)oul (Dim.: Vi(j)éilchen) F., vi(j)oulefaarweg Adj., vi(j)ouleg Adj. — s. Veijoul usw.
 
Fiktioun F.: 1) «Fiktion, Vorstellung»; 2) «Einbildung, Vorstellungsgabe» — dat bestät nëmmen a sénger F.
 
Fil (wie frz.) M.: «Zwirn» — aus F. (aus Zwirn) — de fil en aiguille (ε/gwil — nach und nach); dazu die Abl.: Filature F.: «Spinnerei» (wie frz. — dafür auch: Spënnerei); filen Adj.: «aus Zwirn» — filen Händschen (Handschuhe aus Zwirn).
 
filéieren intr. Verb.: 1) «sich aus dem Staube machen»; 2) «mit zu hoher Flamme brennen, schlecht brennen» (von Petroleumlampen); 3) «von Sternschnuppen»: d'Stäre filéieren den Owend schéin — s. funselen.
 
Filet (/file· /fili·) M.: 1) «Netz, Netzwerk» (auch: Häkelarbeit — cf. filissen), z. B.: Fischer-, Haar-, Einkaufs-, Gepäck-, Tennis-, Korbball-, Fußballtornetz usw.; dazu die Zussetz.: Filetshändschen Pl. F.: = filen Händschen (s. d. sub Fil); 2) «dünner Strahl» (einer Flüssigkeit) — donk nach e F. Esseg bei d'Zalot; 3) «das beste Stück Fleisch, Lendenstück» (Metzgerspr.) — e Stéck vum F. — Zuss.: Contrefilet, Entrefilet, Fauxfilet (Rückenstück) — dazu die Komposita: Filetsbifdeck M., Filetsstéck N.; 4) Handwerkerspr.: «feiner Strich, Randzierat, Rille, linienförmiger Zug» (z. B. auf Bucheinbänden, Löffelstielen, Zwischenstab in der Architektur, Schraubengewinde) — dazu die Zuss.: Entrefilet M.: «eingeschobene Notiz in der Zeitung»; 5) Metzgerspr.: «fette Haut zum Einwickeln des Leberkäse» — d'Liewer gët am F. gebroden (cf. Ränzelchen).
 
Philharmonie F.: «Musikgesellschaft» im Ggs. zur Fanfare (s. d.); heute dafür lieber Harmonie.
 
Filial F.: «Zweiggeschäft, Zweigstelle».
 
Filialkiirch F.: «Filialkirche».
 
F(i)libuster (Westen — cf. frz. flibustier) M.: «Abenteurer» — sonst auch geläufig in der frz. Ausspr.: Flibustier (s. d.).
 
Filière F.: 1) «Werkzeug des Feinmechanikers zum Durchziehen und Ausrichten von Drähten, dünnen Eisenstäben»; 2) «Dienstweg eines Schriftstückes»; 3) «regelmäßiger Aufstieg eines Beamten» — en as duurch d'ganz F. gaang.
 
Philipp männl. Vorn.: «Philipp» — erscheint häufig in der Kurzform Flëpp, lok. bisw. als Fibbi, Fibbes, Fippi, Fips, bisw. Fäipel.
 
Philippchen M.: «Vielliebchen» (Gesellschaftsscherz) — Die sub Välten besprochenen Liebesbräuche bringen dem engl. Valentine die Bed. «Liebchen» ein, die über frz. Valentine auf Philippine übergeht und so ins westl. Mitteldeutsche weitergegeben wird; hier geschieht die (schriftsprachliche) Umdeutung von Philippchen zu «Vielliebchen» (cf. dies bei Kluge-Götze 15. Aufl. S. 839). Der Gesellschaftsscherz besteht darin, daß derjenige, der bei einer Tischgesellschaft eine Doppelmandel findet, einer Dame, die er besonders leiden mag, einen der beiden Kerne gibt; bei der nächsten Begegnung begrüßen sich beide mit dem Namen Philippchen; spricht die Dame das Wort zuerst, so hat sie Anrecht auf ein Geschenk, kommt der Herr ihr zuvor, so schuldet sie ihm einen Kuß.
 
Philippsgaass F.: bekannte Straße in Stadtlx. nach Philipp II (1555-1598), Sohn Karls V. benannt.
 
filissen intr. Verb.: «nach einer besonderen Art häkeln» (cf. Filet sub 1).
 
Philister M.: «Spießer» (aus der hd. Burschenspr.).
 
Filius M: spaßh. für «Sohn» — cf auch: Fils, Fiss.
 
vill (Steigerung: méi, am määschten — s. d.) verstärkt: villeg, in der Ammenspr. bisw. villeleg Adj.: «viel» (adverbial: «sehr») — Spww.: Dee v. huet, verdeet v. (bisw. mit dem Zus.: soss as et e Kuuschtert) — ähnlich: Dee v. huet, brauch v. — Dee v. huet, as v. gehäit — anders: Dee v. huet, as gehäit, deen näischt huet, as et nach méi — Ga.: Deen nët v. gesäit, dee kann nët v. verzielen — 't muss ee villes erdroen, ier ee vun Alter stierft — V. Häre, v. Gekurels (Hader und Streit unter Angehörigen der privilegierten Stände) — v. Kanner, vill(e) Verdross; Raa.: esou v. ewéi (komm gëf mer) näischt — nët esou v. ewéi een am A verdréit, oder wéi d'Schwaarzt vum Nol (sehr wenig) — mat viller Nout a Méi — nët v. awer wéineg — da's eng v. Aarbecht (eine große Arbeit) — 't muss ee villes an de Kaf huelen — 't geet der v. (oder: v. Leit) näischt un (abweisend: kümmere dich deiner Sachen) — 't waren der v. méi wéi ech geduecht hat — villeg méi grouss — da's v. (hoher [Bd. 1, S. 371] Preis) — en as v. ze v. gutt mat him — déi v. Leit! — dee ville Spektakel! — déi v. Méi, déi dat kascht huet! — wat v.! — méi v. ewéi gutt (die Quantität überwiegt die Qualität) — vill Geheies an näischt lass (viel Mühe u. kein Lohn).
 
vill- / Vill-:

 

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