LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Fiisschen, Fiissen bis fillen (Bd. 1, Sp. 370a bis 371a)
 
Fiisschen, Fiissen M. Dim. zu Fochs, Fuuss (s. d.), bes. Bed.: Fiissercher: «braungebrannte Kartoffeln» — s. bootschen.
 
Vi(j)oul (Dim.: Vi(j)éilchen) F., vi(j)oulefaarweg Adj., vi(j)ouleg Adj. — s. Veijoul usw.
 
Fiktioun F.: 1) «Fiktion, Vorstellung»; 2) «Einbildung, Vorstellungsgabe» — dat bestät nëmmen a sénger F.
 
Fil (wie frz.) M.: «Zwirn» — aus F. (aus Zwirn) — de fil en aiguille (ε/gwil — nach und nach); dazu die Abl.: Filature F.: «Spinnerei» (wie frz. — dafür auch: Spënnerei); filen Adj.: «aus Zwirn» — filen Händschen (Handschuhe aus Zwirn).
 
filéieren intr. Verb.: 1) «sich aus dem Staube machen»; 2) «mit zu hoher Flamme brennen, schlecht brennen» (von Petroleumlampen); 3) «von Sternschnuppen»: d'Stäre filéieren den Owend schéin — s. funselen.
 
Filet (/file· /fili·) M.: 1) «Netz, Netzwerk» (auch: Häkelarbeit — cf. filissen), z. B.: Fischer-, Haar-, Einkaufs-, Gepäck-, Tennis-, Korbball-, Fußballtornetz usw.; dazu die Zussetz.: Filetshändschen Pl. F.: = filen Händschen (s. d. sub Fil); 2) «dünner Strahl» (einer Flüssigkeit) — donk nach e F. Esseg bei d'Zalot; 3) «das beste Stück Fleisch, Lendenstück» (Metzgerspr.) — e Stéck vum F. — Zuss.: Contrefilet, Entrefilet, Fauxfilet (Rückenstück) — dazu die Komposita: Filetsbifdeck M., Filetsstéck N.; 4) Handwerkerspr.: «feiner Strich, Randzierat, Rille, linienförmiger Zug» (z. B. auf Bucheinbänden, Löffelstielen, Zwischenstab in der Architektur, Schraubengewinde) — dazu die Zuss.: Entrefilet M.: «eingeschobene Notiz in der Zeitung»; 5) Metzgerspr.: «fette Haut zum Einwickeln des Leberkäse» — d'Liewer gët am F. gebroden (cf. Ränzelchen).
 
Philharmonie F.: «Musikgesellschaft» im Ggs. zur Fanfare (s. d.); heute dafür lieber Harmonie.
 
Filial F.: «Zweiggeschäft, Zweigstelle».
 
Filialkiirch F.: «Filialkirche».
 
F(i)libuster (Westen — cf. frz. flibustier) M.: «Abenteurer» — sonst auch geläufig in der frz. Ausspr.: Flibustier (s. d.).
 
Filière F.: 1) «Werkzeug des Feinmechanikers zum Durchziehen und Ausrichten von Drähten, dünnen Eisenstäben»; 2) «Dienstweg eines Schriftstückes»; 3) «regelmäßiger Aufstieg eines Beamten» — en as duurch d'ganz F. gaang.
 
Philipp männl. Vorn.: «Philipp» — erscheint häufig in der Kurzform Flëpp, lok. bisw. als Fibbi, Fibbes, Fippi, Fips, bisw. Fäipel.
 
Philippchen M.: «Vielliebchen» (Gesellschaftsscherz) — Die sub Välten besprochenen Liebesbräuche bringen dem engl. Valentine die Bed. «Liebchen» ein, die über frz. Valentine auf Philippine übergeht und so ins westl. Mitteldeutsche weitergegeben wird; hier geschieht die (schriftsprachliche) Umdeutung von Philippchen zu «Vielliebchen» (cf. dies bei Kluge-Götze 15. Aufl. S. 839). Der Gesellschaftsscherz besteht darin, daß derjenige, der bei einer Tischgesellschaft eine Doppelmandel findet, einer Dame, die er besonders leiden mag, einen der beiden Kerne gibt; bei der nächsten Begegnung begrüßen sich beide mit dem Namen Philippchen; spricht die Dame das Wort zuerst, so hat sie Anrecht auf ein Geschenk, kommt der Herr ihr zuvor, so schuldet sie ihm einen Kuß.
 
Philippsgaass F.: bekannte Straße in Stadtlx. nach Philipp II (1555-1598), Sohn Karls V. benannt.
 
filissen intr. Verb.: «nach einer besonderen Art häkeln» (cf. Filet sub 1).
 
Philister M.: «Spießer» (aus der hd. Burschenspr.).
 
Filius M: spaßh. für «Sohn» — cf auch: Fils, Fiss.
 
vill (Steigerung: méi, am määschten — s. d.) verstärkt: villeg, in der Ammenspr. bisw. villeleg Adj.: «viel» (adverbial: «sehr») — Spww.: Dee v. huet, verdeet v. (bisw. mit dem Zus.: soss as et e Kuuschtert) — ähnlich: Dee v. huet, brauch v. — Dee v. huet, as v. gehäit — anders: Dee v. huet, as gehäit, deen näischt huet, as et nach méi — Ga.: Deen nët v. gesäit, dee kann nët v. verzielen — 't muss ee villes erdroen, ier ee vun Alter stierft — V. Häre, v. Gekurels (Hader und Streit unter Angehörigen der privilegierten Stände) — v. Kanner, vill(e) Verdross; Raa.: esou v. ewéi (komm gëf mer) näischt — nët esou v. ewéi een am A verdréit, oder wéi d'Schwaarzt vum Nol (sehr wenig) — mat viller Nout a Méi — nët v. awer wéineg — da's eng v. Aarbecht (eine große Arbeit) — 't muss ee villes an de Kaf huelen — 't geet der v. (oder: v. Leit) näischt un (abweisend: kümmere dich deiner Sachen) — 't waren der v. méi wéi ech geduecht hat — villeg méi grouss — da's v. (hoher [Bd. 1, S. 371] Preis) — en as v. ze v. gutt mat him — déi v. Leit! — dee ville Spektakel! — déi v. Méi, déi dat kascht huet! — wat v.! — méi v. ewéi gutt (die Quantität überwiegt die Qualität) — vill Geheies an näischt lass (viel Mühe u. kein Lohn).
 
vill- / Vill-: -fälteg Adj.: «vielfältig»; -fréisser M.: «Vielfraß»; -geschwei(ge)ns, -geschwei(g)s Adv.: «geschweige» — Echt.: e Schoofskoap, deen nët emol ëmstand as en See ze schäerfen, v. än ze schrénken (Du.); -hät, -heet F.: «große Anzahl» (auch: Mass) — d'V. mécht et nët — umgekehrt: d'V. (auch: d'Mass) muss et maachen (donken — bisw. mit dem spaßh. Zus.: sot d'Äppelfra oder d'Opkäfesch, du huet s'ënner dem Akaafspräis verkaaft); -méi Adj.: nur Wb. 06 «vielmehr», dafür allgem. lieber: éischter — villméi meist als verbessernde Redefloskel im Munde der Intellektuellen; -mol, -mools Adj.: «oft, vielmals» — in Dankesformeln: v. merci (herzlichen Dank), wofür in Echt.: der sid v. bedankt; -schwätzer M.: 1) «Großmaul, Vielschwätzer»; 2) lok. mit der Nebbed.: «Schönsprecher, Beischwätzer».
 
villäicht Adv.: = vläicht (s. d.).
 
villerlä, -lee Adj./Pron.: «vielartig, vielerlei» — ech hat v. Méi a Käschten — s. allerhand.
 
Fillchen N.: Dim. zu Fillen (s. d.) «kleines Fohlen».
 
Villchen (Pl. Villercher im Gemeinlx. sonstige phV. cf. Vigelchen u. Ltb. 50) M.: Dim. zu Vull (s. d.) — häufiger (auch von Erwachsenen) gebr. als im Hd.1) eigtl. «Vöglein» — Ra.: en ësst ewéi e V. (häufiger Zus.: mä der Deiwel mag em de Vullekuerf botzen) Folkl.: Wenn im Winter die Kinder Brosamen ausstreuen für die Vögel, sagen sie: da's fir eiser Härgott séng Villercher, a wann der Däiwel driwwer geet, da soll en Hals a Bä briechen; 2) übtr.: «Fleck» (meist im Gesicht) — du hues e V. op der Nues (zu einem Kind, das sich beim Essen das Gesicht beschmierte); 3) bei kleinen Kindern: «Penis»; 4) neol.: «schwer zu lokalisierendes Geräusch in einem Auto» — de Won huet e V.
 
fillen (Ostrand: féilen — dazu das Part. Praet. gefoult, gefullt, neben geféilt — für den Tonvokal cf. Ltb. 70/71): Verb. A. trans.: 1) «fühlen, verspüren» (in dieser Bed. meist dafür: spieren) — Spww.: Deen nët héiere wëllt, dee muss f. — Jidderee fillt säint, sot d'Fra, du hat de Mann s'op d'Ouer geschloën (oder: gebrigelt) — en huet mech et joërelaang f. gelooss — ech krut et nach oft ze f. — si huet Liewe gefillt (von einer Schwangeren); 2) «tasten» (in dieser Bed. meist dafür: frieden) — looss mech emol f. (wenn ein Kind behauptet, satt zu sein oder Schmerzen zu verspüren) — ech muss deem emol de (lok. auch: op de) Bols oder: op den Zant f. (eigtl. u. übtr. in der Bed. «auf den Zahn fühlen»); B. refl. 1) «sich fühlen» — e fillt sech nët doheem, nët op sénger Mëscht — e fillt sech nët a sénger Rei, nët gutt; 2) abs.: «stolz sein, Selbstgefühl haben, sich seines Wohlstandes, seiner Erfolge bewußt sein» — e fillt sech (auch: e mengt, spiert sech) — e fillt sech erëm (nach einer Rüge wieder vorlaut werden) — sech erhabe fillen (hochmütig sein); 3) nur neg.: «außer sich sein» — en huet sech nët méi gefillt vu Roserei.

 

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