LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Fuesdënschteg bis Vulleschäich(el) (Bd. 1, Sp. 422b bis 424a)
 
Fuesdënschteg Nösl.: Faasdaaschtig M.: «Fachtsnachtsdienstag» (s. Fuesdeeg).
 
Fues(ents)geck (Arlon: Fuesemsgeck) M.: = -bok (s. d.).
 
Fues(ents)gesiicht (seltener: Fuesechts-, lok. Var. im Nösl. Fassechts-, Fasichsgesit) N.: «Fastnachtsmaske» (wofür auch: Bok, Bokemaul — s. d.).
 
Fues(ents)liddchen Nösl.: Fasichsléid N.: «Fastnachtslied», meist Heischelied (s. -brot und Rommelspottslidd). In der Stadt Luxemburg und in Arlon liefen früher die Kinder den durch die Straßen ziehenden Masken, meist Einzelgängern, nach und sangen: Haarig, haarig, haarig ist die Katz, Und wenn die Katz nicht haarig ist, Dann fängt sie keine Mais! Lustig, lustig, lustig ist die Welt, Und wenn die Welt nicht lustig ist, Dann haben die Leit kein Geld!; Héiréngskapp, Béckléngskapp, Zossisswupp (Wupp, Wupp); In Echternach: Hoaschli, [Bd. 1, S. 423] Hoaschli, De Bockel voll Fli, De Bockel voll Lais, Gët zelewen nët weis!
 
Fuesmeendeg Nösl.: Faasmoondig M.: «Fastnachtsmontag» (s. Fuesdeeg).
 
Fuesguddenuecht F.: «Fastnachtsmahl» (am Fastnachtsdienstag) — cf. auch: Dräikinnéks-, Méchels- und Mäertesguddenuecht.
 
Fuessoirée F.: «Fastnachtsfest».
 
Fuessonndeg M.: «Fastnachtssonntag» (s. Fuesdeeg).
 
Fuite (wie frz.) F.: 1) «Leck (bes. in einer Leitung)»; 2) iron. Hüllwort für «Bauchwind» — hm, ech mengen, 't hat een eng F.; 3) übtr.: «Ruchbarwerden (bes. eines Amtsgeheimnisses)».
 
Vull (lok. phV.: Vianden Vul (fu:l), Ost. Vugel, Vuël, Ösl. Vujel, Südwesten Vaul — Pl. Vullen, Vigel, Vaulen — Dim. Villchen, Vigelchen, Väilchen) 1) «Vogel» — Spww.: Liddereg Vulle maache liddereg Äschter — Schéi Fiedere (maache) schéi Vullen (Kleider machen Leute) — Wann ee Vulle fänke wëllt, dann däerf een nët mat Knëppelen draschloën — E schlechte Vull, dee säin egent Nascht beschäisst (Dicks: deen a säin Ascht mécht) — D'Vulle sangen ewéi en de Schniewel gewuess as; Raa.: Wann all Vulle päifen, dann hal du stëll (auch: da maach du jhips — du darfst nicht mitreden, du hast keinen Grund zu klagen, du bist selbst im Fall, mit betroffen) — ewéi e V. an der Luucht (emsig oder leicht) — e sëtzt do (oder en as) wéi (d)e V. um Räis (unsicher) — en as e V. fir d'Kaz (er ist ausgeliefert, unrettbar verloren); 2) die Var. Vaul wird bisw. als Kollektivum gebr.: «Hühnervolk» — géi d'Vaul fidderen; 3) Maurerspr.: a) «auf dem Rücken getragener Mörteltrog» — en dréit de V. (dafür auch: Männchen, Männi); b) übtr.: «der Mörtelträger selbst» (meist ein junger Bursche, daher gelegentlich allg. für jungen Handwerksgehilfen oder Lehrling, auch in andern Gewerben); 4) «männliches Glied» — en huet sech de Vull verbrannt (er hat eine venerische Krankheit erwischt); 5) «Rouladen» in der Ra.: Vigel ouni Kapp (oder: Schwanz), dafür auch: Trëtschen; 6) in der Ra.: de Spott an de V. (bisw. spaßh.: de Stopp an de V.) mat engem maachen.
 
Vulle(n)-: -aasch M. in der Ra.: e schäisst ewéi e V. (oft und wenig); -dokter M.: «Spezialarzt für Geschlechtskrankheiten» (zu Vull sub 4); -dreck M.: «Vogelkot»; -dréier (auch: Vulls-) M.: «Maurergehilfe der den Mörtel zuträgt»; -duuscht M.: «geringe Trinkfähigkeit», in der Ra.: en huet e V.; -fal F.: «Vogelschlinge»; -fank M.: «Vogelfang»; -gaass F.: «iron. Bezeichnung einer Straße des Bahnhofsviertels in Luxemburg» (zu Vull sub 4); -geck M.: «Vogelliebhaber»; -gras N.: «kleinblumige Sternmiere», auch -seemchen; -gréitchen N.: «griechischer Hornklee»; -grieschen N.: «gemeines Zittergras» (cf. Fliflaflieschen); -haischen N.: «Futterhäuschen»; -hiijhem M.: «Hirsesamen»; -jann M.: 1) allg.: «Finkler»; 2) die sprichwörtlich gewordene Gestalt des Joh. Reis aus Lintgen, der am 16. April 1832 zwischen Schönfels und der Schönfelser Klause — Klaischen — bei der Schëndelser Schéiferei den in Arlon residierenden belgischen Gouverneur Thorn — im Volksmund Ambosidär — dem die holl. Regierung die Anerkennung versagte, von dessen Pferd herunterhob und nach der Festung Luxemburg brachte, wo ihn General Gœdecke in Stadtgrund gefangen setzen ließ; -jong (auch Vulls-) M.: «Maurerlehrling, der den Vull (s. d. sub 3) trägt»; -juegd F.: «Vogeljagd»; -kiischt F.: «Frucht» des folg.; -kiischtebam M.: 1) «kleine Süßkirsche, Prunus avium» (frz. merisier); 2) «Vogelbeerbaum, Sorbus aucuparia»; 3) «wäisse V. oder wäisse Faulbam, Viburnum opulus, gemeine Schlinge»; -kraitchen N.: «Vogelmiere»; -kraut N.: 1) = -gras (s. d.); 2) «stinkender Gänsefuß» (s. Fotzekraut); -kuerf (bisw. auch Vulls-) M.: 1) «Vogelbauer» — Vive déi Al (m)am V. (verspotten die Kinder eine vorübergehende alte Frau) — en ësst wéi e Vull, mä der Däiwel soll em de V. botzen; 2) «Gitterkasten am Gemeindehaus» (spaßh. — so etwa in Arlon belegt, wofür sonst Reider — s. d.). — si hänken am V. (ihre bevorstehende Verheiratung ist im Gitterkasten durch Anschlag angekündigt); -läim M.: 1) «Vogelleim»; 2) «weiße Mistel»; -mann, -männchen (lok. Simmern) M.: «im Frühling aus Flieder -oder Weidenrinde gefertigte Pfeife»; [Bd. 1, S. 424] -mäerder M.: 1) «Knabe, der Vogelnester aushebt»; 2) «geiles Weib»; -millen, neben häufigerem Vugelsmillen ON.: «Vogelsmühle» bei Grundhof, Kant. Echternach; -(n)ascht N.: 1) «Vogelnest» — hues d'e V. ënnert der Kap (zu jem. der die Mütze nicht abnimmt); 2) «Nestwurz, Neottia nidus avis»; 3) «kleiner runder Damenhut» Wb. 06 auch: Vullsascht; -sank (lok. Vaul-) Flurn.: «Vogelsang»; -schäich(el), älter:

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

© 2010 - Projekt LexicoLux des Laboratoire de linguistique et de littératures luxembourgeoises der Universität Luxemburg, in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier
Hinweis zum problematischen Wortgut