LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Fuesguddenuecht bis Vulpert (Bd. 1, Sp. 423a bis 424a)
 
Fuesguddenuecht F.: «Fastnachtsmahl» (am Fastnachtsdienstag) — cf. auch: Dräikinnéks-, Méchels- und Mäertesguddenuecht.
 
Fuessoirée F.: «Fastnachtsfest».
 
Fuessonndeg M.: «Fastnachtssonntag» (s. Fuesdeeg).
 
Fuite (wie frz.) F.: 1) «Leck (bes. in einer Leitung)»; 2) iron. Hüllwort für «Bauchwind» — hm, ech mengen, 't hat een eng F.; 3) übtr.: «Ruchbarwerden (bes. eines Amtsgeheimnisses)».
 
Vull (lok. phV.: Vianden Vul (fu:l), Ost. Vugel, Vuël, Ösl. Vujel, Südwesten Vaul — Pl. Vullen, Vigel, Vaulen — Dim. Villchen, Vigelchen, Väilchen) 1) «Vogel» — Spww.: Liddereg Vulle maache liddereg Äschter — Schéi Fiedere (maache) schéi Vullen (Kleider machen Leute) — Wann ee Vulle fänke wëllt, dann däerf een nët mat Knëppelen draschloën — E schlechte Vull, dee säin egent Nascht beschäisst (Dicks: deen a säin Ascht mécht) — D'Vulle sangen ewéi en de Schniewel gewuess as; Raa.: Wann all Vulle päifen, dann hal du stëll (auch: da maach du jhips — du darfst nicht mitreden, du hast keinen Grund zu klagen, du bist selbst im Fall, mit betroffen) — ewéi e V. an der Luucht (emsig oder leicht) — e sëtzt do (oder en as) wéi (d)e V. um Räis (unsicher) — en as e V. fir d'Kaz (er ist ausgeliefert, unrettbar verloren); 2) die Var. Vaul wird bisw. als Kollektivum gebr.: «Hühnervolk» — géi d'Vaul fidderen; 3) Maurerspr.: a) «auf dem Rücken getragener Mörteltrog» — en dréit de V. (dafür auch: Männchen, Männi); b) übtr.: «der Mörtelträger selbst» (meist ein junger Bursche, daher gelegentlich allg. für jungen Handwerksgehilfen oder Lehrling, auch in andern Gewerben); 4) «männliches Glied» — en huet sech de Vull verbrannt (er hat eine venerische Krankheit erwischt); 5) «Rouladen» in der Ra.: Vigel ouni Kapp (oder: Schwanz), dafür auch: Trëtschen; 6) in der Ra.: de Spott an de V. (bisw. spaßh.: de Stopp an de V.) mat engem maachen.
 
Vulle(n)-: -aasch M. in der Ra.: e schäisst ewéi e V. (oft und wenig); -dokter M.: «Spezialarzt für Geschlechtskrankheiten» (zu Vull sub 4); -dreck M.: «Vogelkot»; -dréier (auch: Vulls-) M.: «Maurergehilfe der den Mörtel zuträgt»; -duuscht M.: «geringe Trinkfähigkeit», in der Ra.: en huet e V.; -fal F.: «Vogelschlinge»; -fank M.: «Vogelfang»; -gaass F.: «iron. Bezeichnung einer Straße des Bahnhofsviertels in Luxemburg» (zu Vull sub 4); -geck M.: «Vogelliebhaber»; -gras N.: «kleinblumige Sternmiere», auch -seemchen; -gréitchen N.: «griechischer Hornklee»; -grieschen N.: «gemeines Zittergras» (cf. Fliflaflieschen); -haischen N.: «Futterhäuschen»; -hiijhem M.: «Hirsesamen»; -jann M.: 1) allg.: «Finkler»; 2) die sprichwörtlich gewordene Gestalt des Joh. Reis aus Lintgen, der am 16. April 1832 zwischen Schönfels und der Schönfelser Klause — Klaischen — bei der Schëndelser Schéiferei den in Arlon residierenden belgischen Gouverneur Thorn — im Volksmund Ambosidär — dem die holl. Regierung die Anerkennung versagte, von dessen Pferd herunterhob und nach der Festung Luxemburg brachte, wo ihn General Gœdecke in Stadtgrund gefangen setzen ließ; -jong (auch Vulls-) M.: «Maurerlehrling, der den Vull (s. d. sub 3) trägt»; -juegd F.: «Vogeljagd»; -kiischt F.: «Frucht» des folg.; -kiischtebam M.: 1) «kleine Süßkirsche, Prunus avium» (frz. merisier); 2) «Vogelbeerbaum, Sorbus aucuparia»; 3) «wäisse V. oder wäisse Faulbam, Viburnum opulus, gemeine Schlinge»; -kraitchen N.: «Vogelmiere»; -kraut N.: 1) = -gras (s. d.); 2) «stinkender Gänsefuß» (s. Fotzekraut); -kuerf (bisw. auch Vulls-) M.: 1) «Vogelbauer» — Vive déi Al (m)am V. (verspotten die Kinder eine vorübergehende alte Frau) — en ësst wéi e Vull, mä der Däiwel soll em de V. botzen; 2) «Gitterkasten am Gemeindehaus» (spaßh. — so etwa in Arlon belegt, wofür sonst Reider — s. d.). — si hänken am V. (ihre bevorstehende Verheiratung ist im Gitterkasten durch Anschlag angekündigt); -läim M.: 1) «Vogelleim»; 2) «weiße Mistel»; -mann, -männchen (lok. Simmern) M.: «im Frühling aus Flieder -oder Weidenrinde gefertigte Pfeife»; [Bd. 1, S. 424] -mäerder M.: 1) «Knabe, der Vogelnester aushebt»; 2) «geiles Weib»; -millen, neben häufigerem Vugelsmillen ON.: «Vogelsmühle» bei Grundhof, Kant. Echternach; -(n)ascht N.: 1) «Vogelnest» — hues d'e V. ënnert der Kap (zu jem. der die Mütze nicht abnimmt); 2) «Nestwurz, Neottia nidus avis»; 3) «kleiner runder Damenhut» Wb. 06 auch: Vullsascht; -sank (lok. Vaul-) Flurn.: «Vogelsang»; -schäich(el), älter: -schä(r), -häsch F.: 1) «Vogelscheuche» — lok. dafür: Péiter-, Pittermännchen; 2) iron. auf häßliche oder klapperdürre Menschen bezogen — 't as esou eng V. (een ewéi eng V.); -som, -seemchen M.: 1) allg.: «Körner als Vogelfutter»; 2) bes.: a) «Kanarienhirse» — Spottvers: Vulleseemchen, Wéi as et, ale Kanari; b) «gemeine Fingerhirse»; c) «kleinblumige Sternmiere» — s. -gras; d) lok. auch: «gemeiner Wegerich» — s. Weeblat; -stëbs M.: «Vogelschrot»; -strack (jünger -stréck) M.: «Vogelschlinge» — en huet eng Léngt Vullestréck (Mehrzahl) am Bësch stoen (Leine mit Vogelschlingen);
 
Vulpert Ortsbez.: «Platz vor dem früheren Abteitor in der Nähe der Basilika, in Echternach».

 

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