LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Gaarf bis Gabi (Bd. 2, Sp. 4b bis 5b)
 
Gaarf (ga·rf, auch Garef, Goref (Knaphoscheid) phV. gO:Arf, gu:ərf) F.: «Garbe» — dazu das Dim. Gäerfchen — wa fréier d'Leit, déi glanne goungen, eng G. haten, dann huet de Préiter se gepannt, se hun nëmmen dierfen eng Gäerfchen hun —von einer übersehenen oder beim Einbringen herabfallenden Garbe heißt es: o looss déi fir den aarme Jhang!
 
Gaart (lok. phV. s. Ltb. 2 — Pl.: Gäert/Gaarden, Dim.: Gäertchen — Echt.: /gε·iərt, /gε·iərtçən) M.: 1) «Garten» — 't as nët a séngem G. (Gäertche) gewuess (das hat ein anderer ihm nahegelegt); 2) der Pl. Gaarden häufig als Flurbezeichn. gebr.: an de Gouerden (Echt.) — an den naasse G.
 
Gaarz Osten Goarz M.: 1) «Finnen» (des Schweines); 2) «Perlsucht, Rindertuberkulose»; 3) übtr.: a) «Geiz, Knauserei» — de Gaarz frësst deen; b) «Geizhals» (M. oder F., je nach dem natürlichen Geschlecht).
 
Gaarzdeiwel M.: «Geizhals».
 
gaarzeg (Nösl. ga:tsiç, Osten goarzig, gouerzig) Adj.: 1) eigtl.: a) «finnig»; b) «perlsüchtig, tuberkulös» — en g. Kou; 2) übtr.: a) «unverträglich»; b) «übertrieben geizig»; dazu die Abl.: Gaarzegkeet F.
 
Gaasch ON.: «Garsch» (bei Diedenhofen — dazu der häufige Familienname Gaasch).
 
Gaasch(t)grond ON.: Mühlengehöft zwischen Mamer und Kopstal.
 
Gaaschtmillen ON.: in der Gem. Mamer, Kant. Capellen.
 
Gaaschel(t) (lok. phV.: Gauschel, Gäischel, Goaschel, Nösl. /gO:səl) F.: «was in beide hohle Hände geht» — eng G. Gromperen.
 
Gaascht (Nordosthälfte Gaast, Nösl. Gast) Pl. Gäscht (Nordosthälfte Geest, Nösl. Gäst) M.: 1) «Gast» — Spww.: En ongebuedene (iwwerläschtege — Wb. 06: onggeluedene) G. setzt een hannert d'Dir — Echt.: Owesgeest säin [Bd. 2, S. 5] ongebeden — s. auch Dag sub 2.; Raa.: ech war beim Buergermeeschter zu G. — se hun d'Englänner (s. d. sub 3) zu G. — dir sid hei zu G.! (Höflichkeitsbezeugung); 2) übtr.: «unzufriedener Mensch, Kerl, Geselle» — e kriddelege G. — wat e raue G.! — mat esou Gäscht huet een am léifsten näischt ze dun; Komp.: Éiere-, Kiirmes-, Maart-, Stammgaascht.
 
Ga(a)sglettchen lok. auch Kaselettchen (neben volksetymologischem Glasglettchen) F.: «Reliquie eines Heiligen in einem Medaillon» (oft aus Pappe).
 
Ga(a)sper, Gaaschper M.: 1) der männl. Vorname «Kaspar»; 2) verallgemeinert: a) «feiger Mensch» (so belegt in Bofferdingen); b) in Raa. wie du domme G.! — Aëgaasper «glotzäugiger Mensch».
 
Gaasperech ON.: «Gasperich», Gem. Luxemburg — 425 (s. gaapsereg); Gaasperecher Helleg «Siebenschläfer»; bisw.: op dem Gaasbierg kontaminiert von Gaasperecher Bierg.
 
Gaass, Dim. Gässel (s. d.), Gässelchen, Gässchen F.: 1) «Straße im Innern des Ortes» (allmählich veraltend, Neuanlagen werden Strooss genannt, ebenso die größeren Verkehrsadern und Landstraßen, Zufahrts- und Verbindungswege am Ortsrand heißen eher Wee) —en as op der G. gezillt (ungezogen) — mer sin op der G. doheem (a) wir haben kein Heim; b) wir können nicht ins Haus hinein) — denen hir Bouwe sin op der G. doheem (lungern immer auf der Straße) — se sëtzen op der G. (obdachlos) — mer sëtzen hei wéi op der G. (unsere Wohnung liegt zu nahe an der Straße) — 't as an alle Gaasse gefeelt (meine Äußerung, Handlung ist sehr übel ausgelegt worden) — Steff an alle Gaassen (Hans Dampf in allen Gassen) — bleif mer vun der G.! — hues de dat do op der G. geléiert? — eng G. maachen (bei einem Brand, die zwei Reihen Personen, die die Eimer bis zur Wasserstelle befördern); 2) «Bewohner einer Gasse» — d'ganz G. wousst et, huet dervu geschwat; 3) beim Kegelspiel: «die beiden Längsräume neben der mittleren Reihe der Hölzer» — d'Klatz as duurch d'G.; 4) Buchdruckerei: «Zwischenraum zwischen zwei Regalen» — der Kollege, der im Rücken eines andern, in derselben Gaass arbeitet heißt: Aaschgespan M. (N.).
 
Gaasse(n)- -apostel M.: «Mensch, der mit allen Passanten Gespräche anknüpft»; -bouf M.: «Gassenbube»; dazu das Adj.: gaassebouweg; -dreck M.: «Straßenkot», bes. in der Ra.: frech ewéi G.; -engel M.: «Mensch (Mann, Frau od. Kind), der sich in der Öffentlichkeit auffallend gutmütig gibt, zuhause aber ein Hausdeiwel (s. d.) ist»; 2) «lüderliches Frauenzimmer, Straßenschnepfe» (sonst auch dafür: Läfesch); -jong M. = -bouf (s. d.) -kand N.: «Kind, das sich ohne Aufsicht auf den Straßen herumtreibt»; -läfer M., -läfesch F.: 1) = -kand (s. d.); 2) = -engel (s. d.) sub 2); -liddchen N.: «Gassenhauer»; -manéieren Pl. F.: «schlechte Manieren»; -meedchen N. = -kand (s. d.); -schwitz M.: «gemeiner, frecher Bengel».
 
Gab(b) männl. u. weibl. Vorn.: «Gabriel(e)» — erscheint als Gabi, Gabbes.
 
Gabardine (wie frz.): 1) M.: «Mantelstoff»; 2) F.: «Mantel aus diesem Stoff».
 
Gabari (Ton: 2 — zu frz. gabarit) M.: 1) «Gestell zum Abschätzen der zulässigen Höhe der Ladung bei Eisenbahnwagen»; 2) «Gußform».
 
Gabber (lok. Echt. dafür auch: Gabb) F. u. M.: 1) «Mundwerk» — séng G. geet ewéi eng Kaffismillen; 2) «Plaudertasche» (in dieser Bed. nur F.) — dazu: Gabberstéck N. = Mondstéck (s. d.).
 
gabberen intr. Verb.: «andauernd plappern, plaudern» — d'Kënnche gabbert schon ewéi en Aalt.
 
Gab(be)rioul (Ostrand: -/jul) F.: 1) «Kapriole, mutwillige Bewegung, mutwilliger Streich» (in dieser Bed. auch: Trick, gelegentl. Konscht) — en huet de Kapp voller Gabrioulen; 2) übtr.: «Elster» (s. auch: Elster).
 
Gab(be)rioulemécher M.: 1) «Gaukler»; 2) «Schönsprecher» (cf. Konschtemécher).
 
Gabberzuel F. = Abberzuel (s. d.).
 
Gabi M.: «Dummkopf» — s. Topert, Gab(b).

 

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