LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Gaass bis Gaft (Bd. 2, Sp. 5a bis 6a)
 
Gaass, Dim. Gässel (s. d.), Gässelchen, Gässchen F.: 1) «Straße im Innern des Ortes» (allmählich veraltend, Neuanlagen werden Strooss genannt, ebenso die größeren Verkehrsadern und Landstraßen, Zufahrts- und Verbindungswege am Ortsrand heißen eher Wee) —en as op der G. gezillt (ungezogen) — mer sin op der G. doheem (a) wir haben kein Heim; b) wir können nicht ins Haus hinein) — denen hir Bouwe sin op der G. doheem (lungern immer auf der Straße) — se sëtzen op der G. (obdachlos) — mer sëtzen hei wéi op der G. (unsere Wohnung liegt zu nahe an der Straße) — 't as an alle Gaasse gefeelt (meine Äußerung, Handlung ist sehr übel ausgelegt worden) — Steff an alle Gaassen (Hans Dampf in allen Gassen) — bleif mer vun der G.! — hues de dat do op der G. geléiert? — eng G. maachen (bei einem Brand, die zwei Reihen Personen, die die Eimer bis zur Wasserstelle befördern); 2) «Bewohner einer Gasse» — d'ganz G. wousst et, huet dervu geschwat; 3) beim Kegelspiel: «die beiden Längsräume neben der mittleren Reihe der Hölzer» — d'Klatz as duurch d'G.; 4) Buchdruckerei: «Zwischenraum zwischen zwei Regalen» — der Kollege, der im Rücken eines andern, in derselben Gaass arbeitet heißt: Aaschgespan M. (N.).
 
Gaasse(n)- -apostel M.: «Mensch, der mit allen Passanten Gespräche anknüpft»; -bouf M.: «Gassenbube»; dazu das Adj.: gaassebouweg; -dreck M.: «Straßenkot», bes. in der Ra.: frech ewéi G.; -engel M.: «Mensch (Mann, Frau od. Kind), der sich in der Öffentlichkeit auffallend gutmütig gibt, zuhause aber ein Hausdeiwel (s. d.) ist»; 2) «lüderliches Frauenzimmer, Straßenschnepfe» (sonst auch dafür: Läfesch); -jong M. = -bouf (s. d.) -kand N.: «Kind, das sich ohne Aufsicht auf den Straßen herumtreibt»; -läfer M., -läfesch F.: 1) = -kand (s. d.); 2) = -engel (s. d.) sub 2); -liddchen N.: «Gassenhauer»; -manéieren Pl. F.: «schlechte Manieren»; -meedchen N. = -kand (s. d.); -schwitz M.: «gemeiner, frecher Bengel».
 
Gab(b) männl. u. weibl. Vorn.: «Gabriel(e)» — erscheint als Gabi, Gabbes.
 
Gabardine (wie frz.): 1) M.: «Mantelstoff»; 2) F.: «Mantel aus diesem Stoff».
 
Gabari (Ton: 2 — zu frz. gabarit) M.: 1) «Gestell zum Abschätzen der zulässigen Höhe der Ladung bei Eisenbahnwagen»; 2) «Gußform».
 
Gabber (lok. Echt. dafür auch: Gabb) F. u. M.: 1) «Mundwerk» — séng G. geet ewéi eng Kaffismillen; 2) «Plaudertasche» (in dieser Bed. nur F.) — dazu: Gabberstéck N. = Mondstéck (s. d.).
 
gabberen intr. Verb.: «andauernd plappern, plaudern» — d'Kënnche gabbert schon ewéi en Aalt.
 
Gab(be)rioul (Ostrand: -/jul) F.: 1) «Kapriole, mutwillige Bewegung, mutwilliger Streich» (in dieser Bed. auch: Trick, gelegentl. Konscht) — en huet de Kapp voller Gabrioulen; 2) übtr.: «Elster» (s. auch: Elster).
 
Gab(be)rioulemécher M.: 1) «Gaukler»; 2) «Schönsprecher» (cf. Konschtemécher).
 
Gabberzuel F. = Abberzuel (s. d.).
 
Gabi M.: «Dummkopf» — s. Topert, Gab(b).
 
Gach, neben Jach (Nösl. joç) N. (und lok. F.): «Joch» (des Ochsengespanns, des Wasserträgers).
 
Gâche (wie frz.) F.: 1) «Schließkappe» (Schlosserei); 2) «Halbring für Abflußröhren»; 3) «Rührschaufel, besonders zur Mörtelbereitung».
 
Gâchette F.: «Schließhaken im Schloß», dafür auch: Zéngel — s. Fieder sub 3. [Bd. 2, S. 6]
 
Gachel F.: «Stinkwanze» (bes. auf Him-, Stachelbeeren — dafür auch Kréischelsbock, Sténkert).
 
Ga(c)kelchen, Ga(c)keli (Ga.: Kackeléi) N.: «Ei».
 
Gadderscheier ON.: in der Gem. Sassenheim, Kant. Esch.
 
Gafel lok. Gaffel (Dim.: Gäffelchen, Giewelchen, Osten: Gefelchen, Gewelchen) F.: 1) «Astgabelung»; 2) «große hölzerne od. eiserne Gabel» (etwa zum Hantieren von Heu oder Stroh, zum Auflegen des Gewehres beim Zielen); 3) «Gabelung, die das Vorderrad des Fahrrades hält, auch sonst an Maschinen und Fahrzeugen» (dazu die seltenere südl. Var. Guebel); 4) «gabelähnliches Gerät, Maschinenteil» (z. B. der gabelähnliche Teil der Uhr, in dem der Pendel hängt); 5) «gespreizte Schwurfinger» — wann ech et op d'G. kréien, da sin ech gewonnen (wenn es zum Eide kommt, gewinne ich den Prozeß) — in dieser Bed. bes. Dim.: d'Giewelchen, Gewelchen, Gäffelche maachen (schwören).
 
Gafelstill M.: «Gabelstiel».
 
gafelen refl. Verb.: «sich gabeln, verzweigen» — de Bam, de Wee gafelt sech — dazu: Gegafels N.
 
gafen Echt.: goafen intr. Verb.: «gaffen» — dafür meist: afen (s. d.).
 
Gaffe (wie frz.) F.: «gesellschaftliches Versehen, Bloßstellung durch unangebrachte Bemerkung».
 
Gaffel F.: «echte Nelkenwurz».
 
Gaft N. = phV. zu Gëft (s. d.).

 

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