LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Gääschterstonn bis Gäässkraut (Bd. 2, Sp. 13a bis 15a)
 
Gääschterstonn F.: «Geisterstunde».
 
gääschtlech, geeschtlech (Nordosten -st-) Adj.: 1) eigtl.: «geistlich» — eise gääschtlechen Här (unser Herr Pfarrer, auch: unser geistlicher Sohn) — spaßh.: wéi as et dann dir g. Hären? (an irgend eine Gesellschaft gerichtet); 2) uneigtl. «geistig» — g. Gedrénks (im besonderen: Wein).
 
Gääschtlechen, Geeschtlechen (Nordosten -stlichen) M.: «Priester» — d'ware vill Geeschtlech(er) derbäi — eise (Jong) geet fir Geeschtlech, gët G.
 
Gääschtlechkät, Geeschtlechkeet F.: «Geistlichkeit» — hannen um Wupp koum d'G. (bei einer feierlichen Prozession, etwa in der Muttergottesoktave).
 
gääschteren, geeschteren intr. Verb.: «herumirren, spuken» — wat gääschters de nammel doruechter? — ech mengen, hei gääschtert et (wenn etwas auf unerklärliche Weise verschwand).
 
gäästrig (lok. Echt.) Adj.: 1) «geil» (von Pflanzen, die zu rasch gewachsen sind); 2) übtr. auch auf Kinder u. junge Tiere: «hager, aufgeschossen».
 
Gääss, Geess (dafür iron. auch Gaus — s. d.) F.: 1) «Ziege» — Raa.: eng koppeg G. (ungehörnte Ziege) — en huet derno verlaangert, wéi d'G. nom Messer oder e war esou frou dermat wéi d'G. mam Messer (er verabscheute es) — du kanns d'G. tëschent den Hare këssen (du bist sehr mager) — de Kaffi as esou dënn oder de Greechen as esou sauer, wann een enger G. en an d'Ouer géing schëdden, da léif se bei der Deiwel — d'Geesse friessen am léifste wat se rawen, daher auch: raweg ewéi eng G. — ähnlich: glëschtereg, schnekeg wéi eng G. — spaßh. beim Spiel: elo gët d'G. bei de Bock geféiert (jetzt wirst du verlieren) — e mécht ewéi déi Habschter (Hobscheider) Geessen (von jem. der im Spott meckernde Laute ausstößt) — se komme wéi d'Boune vun der G. (in Menge); Folkl.: Zu Matheis bëtschelen (s. d.) d'Geiss, se siewe gebockt (Mosel: se säiwen zu Bock gaang) oder nët — verscholl. Volkslied: Et goung emol eng G. iwwer d'Hesperénger Bréck (Dicks, Kiirmesgäscht) — Schoßliedchen: Schneid der G. den Deckel erof, Schneid er en nët ganz erof, Schneid en nët ze kuurz erof, Loosst er nach e Wippche ston, Datt se mat der Häerd ka gon — ech setzen en an d'G., e gët an d'G. gesat, e kënnt an d'G., bréng d'G. erno, wat eng G. huet deen (ich überhole ihn, er wird überholt, und zwar zunächst beim Heiraten, bes. wenn die jüngere Schwester vor der älteren heiratet, dann überhaupt beim Arbeiten, von jem. der mit seinen Arbeitsgefährten nicht Schritt hält — das nicht beackerte Stück des Nachzüglers heißt lok. d'Gääss; ähnlich heißt es unter Schwestern: hatt huet mer eng G. kaaft «sie hat vor mir geheiratet, obwohl sie jünger ist als ich», bisw. kaufte die jüngere Schwester in diesem Fall der älteren eine Ziege, die bei dem Hochzeitsessen vorgeführt wurde) — 't as d'Seeche vun der rouder G. (die bekannte, langatmige Geschichte); Spww.: Mat Force hieft een eng G. hannen erëm (mit Gewalt bringt man das Schwierige fertig — gelegentl. Zusatz: awer keng Kou) — Eng al G. huet och alt nach gär e gréngt Blietchen, ähnlich: leckt och nach gäre Salz (auch ältere [Bd. 2, S. 14] Frauen, gelegentl. auch Männer, mögen noch eine Liebelei) — d'G. hätt och gär e Schwanz gehat, se huet ower nëmmen en Deckel kritt (antwortet man jem., der unerfüllbare Wünsche äußert) — Wann d'G. am Gaart as, wier se gär eraus, wa se dobaussen as, wier s'erëm gär dobannen — Mat enger G. kleeds de dech éischter a Seid wéi mat engem Schof a Woll (Ziegenzucht ist einträglicher als Schafzucht); 2) auf Menschen übertragen: «Frauenzimmer» (pejor.: meist eingebildet) — geringschätzig: eng goureg G. (klapperdürres Weib), dagegen in gutem Sinn: esou schmank ewéi eng Réigääss (Rehgeiß) — eng laang G. (aufgeschossen) — du domm G.! 3) auf Gegenstände übertragen: a) «Gestell, auf dem die Faschinen im Wald gebunden werden» = Bock sub 4/f, Fäschebock; b) «Art Hebekran»; c) «alte Art von Spinnrad, langgebaut, auf drei Beinen» (die Spule und das Rad laufen nebeneinander); d) bisw.: «gerade Zahl zusammengewachsener Nüsse auf demselben Stiel» (die ungerade Zahl zusammengewachsener Nüsse heißt in diesem Fall Bock — s. d. sub 6); e) Knabenspiel: eine 1—2 Meter hohe, oben gabelförmige Stange wird senkrecht in den Boden gesteckt, und in die Gabel wird ein hölzerner — Krop od. Zéckel — eingehängt. Von der Mol aus suchen die Spieler den Haken mittels Knüppel herunterzuwerfen, während ein durch das Los bestimmter Mitspieler d'Zéckel hidden muß. Beim Werfen wird gerufen: Aus der Miff, damit der Hüter sich vorsehe; er wird abgelöst, wenn es ihm gelingt, einen Mitspieler, der seinen geworfenen Knüppel wieder an sich nimmt, in seinem Bereich einzufangen; 4) = Gäässeschmier (s. d.).
 
Gäässe(n)-/Geesse(n)- -auder M.: 1) «Ziegeneuter»; 2) früher: «leinerner, ziegeneuterförmiger Behälter zum Auslassen von Honig» — dafür geläufiger: Hunnegsak (s. d.); -baart, -bäertchen M.: 1) «Ziegenbart»; 2) iron.: «Spitzbart»; 3) «Druck auf das Kinn mit Daumen und Zeigefinger» — ech hun em (d)e G. gemat, gesat — en hëlt de Bouf beim G. (Wb. 06.: «beim Kinn fassen und sanft schütteln»); 4) «Bäffchen, Priesterkragen, Läppchen»; 5) verschiedene Pflanzen: a) «Bartflechte, Usnea barbata»; b) «Keulenschwamm, Clavaria flava»; c) «Waldgeißbart»; d) bisw. lok.: «Klette» (wofür sonst: Klät); -beschléier M.: Spottname der Remicher; -bir F.: «Waldbirne»; -blumm F.: «Wiesenschaumkraut, Cardamine pratensis»; -bock M.: 1) «Ziegenbock»; 2) «Klapptisch» (in dieser Bed. auch: Gäässbock); -boun F.: 1) «Ziegenkot»; 2) «Lakritzenkügelchen», in dieser Bed. lieber das Dim. -béinchen; -fell N.: «Ziegenfell» — dafür auch: -pelz; -handel M. in den Raa.: dat wär de Coup, de Fock vum G. «das wäre ein schlechter Handel» (iron.), (s. auch: Fock I); -hiirt M.: «Ziegenhirt» (lok. dafür: Gäässert); -hoër Pl. N.: «Ziegenhaare» in dem Spruch: vill Gléck am neie Joer an eng Paréck mat (vu) G.! -kapp M.: «Dummkopf» — bes. in neg. Feststellungssätzen: 't as kä G. (er ist nicht dumm); -knäppchen M., bisw. -knupp F. ON.: Anhöhe bei Merl (Stadtlux.); -knëllchen, -knippchen, -këttel F.: 1) «Ziegenkot»; 2) «Lakritze» (in dieser Bed. bes. in Echt. belegt); -kraut N.: 1) «Geißfuß, Aegopodium Podagraria»; 2) «wilder Kerbel, Anthriscus silvestris = Chaerophyllum silvestre» (bisw. auch: Gäässkraut s. d.); -lieder N.: «Ziegenleder»; -maart M.: «Ziegenmarkt; überhaupt Markt, auf dem kein größeres Vieh zugetrieben ist» — 't war nëmmen esou e G. (auch auf andere schäbige Veranstaltungen, Versammlungen bezogen); -mëllech F.: «Ziegenmilch»; -pelz M.: «Ziegenpelz»; -schmier F.: «mit Salz bestreute Brotschnitte» (die der Ziege verabreicht wird, damit sie die Nachgeburt abwerfe — cf. feën) — dafür auch einfach Gääss; -stall M.: «Ziegenstall» — 't as eppes ewéi e G. (armselige Wohnung); -zéckel M.: «Ziegenbart»; -zënzelcher, -zipp(er)cher (lok. -kläckelcher) Pl. F.: «die zwei Hautzipfel am Unterkiefer der Ziege»; -zocker (lok.) M.: «Klette» (so belegt in Everlingen, Kanton Redingen).
 
Gääss-/Geess- -blat N.: «Geißblatt» — bisw. auch Jhasmin genannt; -bock M. s. Gäässe(n)-; -driisch häufiger Fn. Mosel — s. Dréisch; [Bd. 2, S. 15] -fouss M.: 1) «Geißfuß, Aegopodium»; 2) «einfältiger Mensch» (cf. Gäässekapp); 3) «Hebebock» (cf. das Simplex Gääss sub 3) — Instrument des Zahnarztes; -kléi M.: «dreiblättriger Fieberklee, überhaupt wilder Klee»; -kraut, -kraitchen N.: «großblumige Sternmiere, Stellaria»;

 

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