LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Gäässeknëllchen bis Gäilech (Bd. 2, Sp. 14b bis 15b)
 
-knëllchen, -knippchen, -këttel F.: 1) «Ziegenkot»; 2) «Lakritze» (in dieser Bed. bes. in Echt. belegt); -kraut N.: 1) «Geißfuß, Aegopodium Podagraria»; 2) «wilder Kerbel, Anthriscus silvestris = Chaerophyllum silvestre» (bisw. auch: Gäässkraut s. d.); -lieder N.: «Ziegenleder»; -maart M.: «Ziegenmarkt; überhaupt Markt, auf dem kein größeres Vieh zugetrieben ist» — 't war nëmmen esou e G. (auch auf andere schäbige Veranstaltungen, Versammlungen bezogen); -mëllech F.: «Ziegenmilch»; -pelz M.: «Ziegenpelz»; -schmier F.: «mit Salz bestreute Brotschnitte» (die der Ziege verabreicht wird, damit sie die Nachgeburt abwerfe — cf. feën) — dafür auch einfach Gääss; -stall M.: «Ziegenstall» — 't as eppes ewéi e G. (armselige Wohnung); -zéckel M.: «Ziegenbart»; -zënzelcher, -zipp(er)cher (lok. -kläckelcher) Pl. F.: «die zwei Hautzipfel am Unterkiefer der Ziege»; -zocker (lok.) M.: «Klette» (so belegt in Everlingen, Kanton Redingen).
 
Gääss-/Geess- -blat N.: «Geißblatt» — bisw. auch Jhasmin genannt; -bock M. s. Gäässe(n)-; -driisch häufiger Fn. Mosel — s. Dréisch; [Bd. 2, S. 15] -fouss M.: 1) «Geißfuß, Aegopodium»; 2) «einfältiger Mensch» (cf. Gäässekapp); 3) «Hebebock» (cf. das Simplex Gääss sub 3) — Instrument des Zahnarztes; -kléi M.: «dreiblättriger Fieberklee, überhaupt wilder Klee»; -kraut, -kraitchen N.: «großblumige Sternmiere, Stellaria»; -wäller, -wëller ON.: «Villers-la-Chèvre» (in Nordostfrankreich, Dept. Meurthe-et-Moselle).
 
Gäbberchen M.: 1) = Gäppchen «alte römische Lampe»; 2) «Tülle der Lampe» - dafür auch: Zull (s. d.).
 
Gäbberchen F.: 1) Dim. zu Gabber (s. d.) «Plappermäulchen»; 2) im. bes. «Spiel der kleinen Kinder mit den Fingern an den Lippen, wobei sie trällern» — auch: Spruddelgäbberchen, Spriddelchen.
 
Gäd, Geed F.: «Färberwaid, Isatis tinctoria» (beim Blaufärben verwandte Pflanze, frz. guède).
 
Gäert I F.: «Gerte» (Aangels-, Fëschgäert) lok. Giert.
 
Gäert II (Stadtlux. Giert, lok. Geert) weibl. Vorn.: «Gertrud» — erscheint meist als Traud(chen), bisw. als Jhert, Jhebbes, in Sprüchen als Gertraud, Gäertraud, Gierderaud, Giertraud (s. d.); Hausnamen: Giertchen, Giertches, a Géiert.
 
Gäertchen M.: Dim. zu Gaart (s. d.).
 
Gäertner (Stadtlux.: Giertner) M.: «Gärtner» — da's de Bock zum G. gemat (cf. Bock); dazu: Gäertnerei F. und Gäertnesch F. «Gärtnerin».
 
Gäertnesch- -hutt M.: «breitkrempiger Strohhut des Gärtners»; -meedchen N.: «Gärtnerstochter»; -schiertech N.: «Gärtnerschürze», mit Vordertasche.
 
Gäffelchen F.: Dim. zu Gafel (s. d.).
 
Gähäil, -häl, -heel (lok. Géi-) M.: «Feldgauchheil» - dafür auch: Vulle-, Gänsekraitchen.
 
Gäich, Gäisch F.: «Fehlstelle im Baumstamm (Nutzholz)» — Echt.: en eiche Madrill ounéi Knot a Gäichen.
 
gäicheg, gäischeg Adj.: «ringrissig, fehlerhaft (vom Holz)» — s. eilefiedereg.
 
Gäichel ON.: Sägemühle bei Eischen — dafür in der nächsten Umgegend lieber: Giechel, Giecher.
 
Gäifer(chen), Geifer (lok. Westen Gäfer, Gefer) N. u. M.: 1) «gemeiner Wacholder»; 2) bisw.: «Sadebaum» — wofür gewöhnlich: Siwebam (s. Wakelter).
 
Gäiferkä(e)rchen M.: «Wacholderbeere».
 
Gäilbock (Mosel) M.: «Schürzenjäger».
 
Gäilech ON.: «Geilich, Gouvy» — wallonischer Ort der Gem. Limerlé, im belg. Arrondissement de Bastogne, an der Sprachgrenze im Nordwesten Luxemburgs (Gäilech gehörte früher zur Pfarrei Niederbeßlingen im heutigen Großherzogtum, auf deren Friedhof noch heute der ehedem den Wallonen vorbehaltene Teil vorhanden ist — cf. Legros, La frontière des dialectes romans en Belgique, S. 50) — heute weitgehend Gouvy vorgezogen.

 

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