LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Gäiz bis Gänsemarsch (Bd. 2, Sp. 16a bis 17a)
 
Gäiz I (meist im Pl. gebr.) F.: 1) «Wasserschößlinge» (im bes.: in den Blattachseln der Reben) - dafür auch: (H)ouerelaf (s. d.); 2) übtr.: «Pflugsterz» — dafür auch: Haren («Hörner» — s. d.); 3) «Nebenhäute an Gedärmen».
 
Gäiz II F.: «Wasserspinne, Wasserläufer, Argyroneta aquatica» — dafür meist: Waasserspann, Schneider, bei den Kindern in Echt. auch Mock (= gemeinlux. Mouk — s. d.).
 
Gäiz III M.: «Messerrücken» (so Wb. 06).
 
Gäiz IV M.: «Geiz» — dafür gewöhnlich: Geier, gelegentlich Gascht (s. d. sub 3); — Wat de G. méi huet, wat em méi ofgeet — Echt.: de G. frësst deen wi de Roast d'Eisen.
 
Gäiz- -deiwel M.: «großer Geizhals»; -hals M.: 1) «Geizhals»; 2) bisw. (neben dem geläufigeren Jäizhals) Bezeichnung für den Ringfinger; -mierder M.: «Mensch, der aus Geiz zum Mörder werden könnte»; -mudder F.: «sehr geizige Frau».
 
gäizeg Adj.: «geizig», manchmal für gaarzeg sub 1, b.
 
gäizen I trans. Verb.: «von den Wasserschößlingen befreien» — das Abblatten der Rebe heißt dagegen: ausbriechen, lowen, spëtzen (s. d.).
 
gäizen II intr. Verb.: «geizig sein» — g. a geieren.
 
Gäizert M.: «Geizhals».
 
Gäl, Geel I M. (lok. N.): 1) «Wurfnetz der Fischer» — de G. ausgeheien — 't gët alles geholl wat mer an d(e) G. kënnt (eigtl. u. übtr.) — an d'G. goen (sich fangen lassen) — wann si än bis am G. hoat, da lisst si nët mi no (Echt.); 2) «Halstuch aus Wolle» (= Fëschgar — s. d.).
 
Gäl, Geel II M.: «Hode bes. des männl. Borstenviehs».
 
gäl, geel (Wb. 06: geil) Adj.: «dünn und schwach, aufgeschossen» (weil im Schatten oder zu dicht aufeinander gewachsen, von Pflanzen — auch auf Tiere übtr.).
 
Gäm(me)fouss M.: «Blitum Bonus Henricus, guter Heinrich» — cf. wëlle Spënot.
 
gäng Adj.: 1) «gängig, gutgehend» — de Beschass as där gängster Wueren eng — de Mond as eng g. Strooss (man kann viel durch die Gurgel jagen) — elo as et erëm g. (die Straße ist wieder gangbar, nach Glatteis); 2) «passend» — 't as mer g.; 3) adverbial: «rasch, schnell, sogleich» — dafür gemeinlux. meist nur gaangs, im Nösl. dafür jäng.
 
gängeg Adj.: «gängig» (s. das vor. sub 1 und 2).
 
gängelen (lok. phV. Osten: geengelen) trans. Verb.: «gehen tun» — d'Mamm gängelt d'Kand (die Mutter lehrt das Kind gehen, führt es am Gängelband) — e gängelt d'Leder vru sech (vun engem Bam op den anren) — e gängelt eng eise Plack mat engem Hiefeisen — d'Fra gängelt hire Mann (gefügig machen).
 
Gängeler M.: «Hausierer».
 
Gängelstull M.: «Gestell mit beweglichem Einsatz, für Kind, das gehen lernt» — dafür neol.: Juppala (Markenname).
 
Gänn F.: «Raum über der Tenne» (diese heißt Denn M. — s. d.) — früher: d'Nopeschkanner hëllefen d'Hä op der G. trëppelen — das Komp. Ierze-, Rädelgänn bezeichnet lok. den mit Latten oder Stangen ausgelegten Raum über der Scheuneneinfahrt, sonst den Raum über der Gänn.
 
Gänneläder F.: «die vom Denn auf die Gänn führende Leiter».
 
Gännlach N.: 1) «Garbenloch»; 2) «Futterloch».
 
Gäns F.: «Gans» — im Pl. gilt im Ösl. fast ausschließlich die Form Gänsen (Nösl. jεnzən), sonst daneben auch Gans (cf. Bruch, Grundlegung, Karte 42/J, II53, B) — Formen mit n-Schwund vor Spirans sind im Südwesten erhalten (cf. op. cit. Karte 37/H, II41, A), am geläufigsten erscheint hier Gaus im Sg. und Gäis, Geis lok. auch Gis im Pl., ältere Einzahlformen sind Gas, Gus, Goas, Gous, ältere Mehrzahlformen sind Gees und Géis (heute kaum noch zu belegen), auch sonst im Gutland erscheint gelegentlich Gausen im Pl. — der männl. Vogel heißt Guntert, Gunz (s. d.)1) der Vogel - wëll G.-(a. eigtl.: «Graugans, Saatgans»; b. bisw.: «Schneegans», wofür allg. Hol-, Hoergäns s. d.) — dräi Gänsen an e Framënsch maachen e Maart — wann d'G. wéischt sin, da päife (fauchen) se — d'G. schnadderen — Märtesgäns (für Martinustag gemästete Gans, früher meist für den Dorfherrn oder Pfarrer bebestimmt); 2) übtr.: «Überschnappen beim Spielen eines Blasinstrumentes mit Schnarrwerk (instrument à anche)»; 3) übtr. auf Menschen: «törichtes Frauenzimmer» — auf [Bd. 2, S. 17] Backfische bezogen, auch: Gäns-chen (cf. auch Gaus II); 4) übtr. auf Gegenstände: a) «viereckiges Eisenplättchen zum Festhalten einer Schraube»; b) «in Zement eingelassenes Eisenplättchen mit runder Vertiefung zum Festhalten eines Eisenstiftes» (dafür auch: Pännchen); 5) Spiele: a) Knabenspiel = Giisch(t) — s. d.; b) auch für Gänsespill.
 
Gäns- -ducker M.: «Polartaucher, Colymb. artic.»; -kapp M.: «Dummkopf» (cf. auch Gäässekapp).
 
Gänse(n)- N.: «Gänseei» — Gänsen- an Intenär si fir an den Deeg; -been Pl. N.: in der Druckerspr.: «Gänsefüßchen, Anführungszeichen»; -brot M.: «Gänsebraten»; -hiirt M.: «Gänsehirt» — dafür älter: Guussert (s. d.); -himmel M.: 1) «Aufenthalt der Seelen der verstorbenen ungetauften Kinder»; 2) spaßh. in der Ra.: bas d'am G.? (zu jem. der in den hellen Tag hineinträumt); -käerz F.: «Hirtentäschel, Capsella bursa pastoris» — dafür auch: Häerzkraitchen; -käil M.: «Gänsekiel» (Gänsefeder zum Schreiben); -kraut N.: «kleinblütige Sternmiere» — dafür auch: Gääss-, Geess-, Géiss-, Gissekraitchen (cf. auch Gäässkraut); -kraitchen (auch: Gäns-) N.: 1) «Feldgauchheil, Anagallis» — dafür auch Gähäil, -häl; 2) «Gänsedistel» — dafür auch: Dalem-, Daudëschtel; -liewer F.: «Gänseleber»; -marsch M.: «Gänsemarsch» (einer hinter dem andern);

 

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