LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Gäm(me)fouss bis Gässel (Bd. 2, Sp. 16a bis 17b)
 
Gäm(me)fouss M.: «Blitum Bonus Henricus, guter Heinrich» — cf. wëlle Spënot.
 
gäng Adj.: 1) «gängig, gutgehend» — de Beschass as där gängster Wueren eng — de Mond as eng g. Strooss (man kann viel durch die Gurgel jagen) — elo as et erëm g. (die Straße ist wieder gangbar, nach Glatteis); 2) «passend» — 't as mer g.; 3) adverbial: «rasch, schnell, sogleich» — dafür gemeinlux. meist nur gaangs, im Nösl. dafür jäng.
 
gängeg Adj.: «gängig» (s. das vor. sub 1 und 2).
 
gängelen (lok. phV. Osten: geengelen) trans. Verb.: «gehen tun» — d'Mamm gängelt d'Kand (die Mutter lehrt das Kind gehen, führt es am Gängelband) — e gängelt d'Leder vru sech (vun engem Bam op den anren) — e gängelt eng eise Plack mat engem Hiefeisen — d'Fra gängelt hire Mann (gefügig machen).
 
Gängeler M.: «Hausierer».
 
Gängelstull M.: «Gestell mit beweglichem Einsatz, für Kind, das gehen lernt» — dafür neol.: Juppala (Markenname).
 
Gänn F.: «Raum über der Tenne» (diese heißt Denn M. — s. d.) — früher: d'Nopeschkanner hëllefen d'Hä op der G. trëppelen — das Komp. Ierze-, Rädelgänn bezeichnet lok. den mit Latten oder Stangen ausgelegten Raum über der Scheuneneinfahrt, sonst den Raum über der Gänn.
 
Gänneläder F.: «die vom Denn auf die Gänn führende Leiter».
 
Gännlach N.: 1) «Garbenloch»; 2) «Futterloch».
 
Gäns F.: «Gans» — im Pl. gilt im Ösl. fast ausschließlich die Form Gänsen (Nösl. jεnzən), sonst daneben auch Gans (cf. Bruch, Grundlegung, Karte 42/J, II53, B) — Formen mit n-Schwund vor Spirans sind im Südwesten erhalten (cf. op. cit. Karte 37/H, II41, A), am geläufigsten erscheint hier Gaus im Sg. und Gäis, Geis lok. auch Gis im Pl., ältere Einzahlformen sind Gas, Gus, Goas, Gous, ältere Mehrzahlformen sind Gees und Géis (heute kaum noch zu belegen), auch sonst im Gutland erscheint gelegentlich Gausen im Pl. — der männl. Vogel heißt Guntert, Gunz (s. d.)1) der Vogel - wëll G.-(a. eigtl.: «Graugans, Saatgans»; b. bisw.: «Schneegans», wofür allg. Hol-, Hoergäns s. d.) — dräi Gänsen an e Framënsch maachen e Maart — wann d'G. wéischt sin, da päife (fauchen) se — d'G. schnadderen — Märtesgäns (für Martinustag gemästete Gans, früher meist für den Dorfherrn oder Pfarrer bebestimmt); 2) übtr.: «Überschnappen beim Spielen eines Blasinstrumentes mit Schnarrwerk (instrument à anche)»; 3) übtr. auf Menschen: «törichtes Frauenzimmer» — auf [Bd. 2, S. 17] Backfische bezogen, auch: Gäns-chen (cf. auch Gaus II); 4) übtr. auf Gegenstände: a) «viereckiges Eisenplättchen zum Festhalten einer Schraube»; b) «in Zement eingelassenes Eisenplättchen mit runder Vertiefung zum Festhalten eines Eisenstiftes» (dafür auch: Pännchen); 5) Spiele: a) Knabenspiel = Giisch(t) — s. d.; b) auch für Gänsespill.
 
Gäns- -ducker M.: «Polartaucher, Colymb. artic.»; -kapp M.: «Dummkopf» (cf. auch Gäässekapp).
 
Gänse(n)- N.: «Gänseei» — Gänsen- an Intenär si fir an den Deeg; -been Pl. N.: in der Druckerspr.: «Gänsefüßchen, Anführungszeichen»; -brot M.: «Gänsebraten»; -hiirt M.: «Gänsehirt» — dafür älter: Guussert (s. d.); -himmel M.: 1) «Aufenthalt der Seelen der verstorbenen ungetauften Kinder»; 2) spaßh. in der Ra.: bas d'am G.? (zu jem. der in den hellen Tag hineinträumt); -käerz F.: «Hirtentäschel, Capsella bursa pastoris» — dafür auch: Häerzkraitchen; -käil M.: «Gänsekiel» (Gänsefeder zum Schreiben); -kraut N.: «kleinblütige Sternmiere» — dafür auch: Gääss-, Geess-, Géiss-, Gissekraitchen (cf. auch Gäässkraut); -kraitchen (auch: Gäns-) N.: 1) «Feldgauchheil, Anagallis» — dafür auch Gähäil, -häl; 2) «Gänsedistel» — dafür auch: Dalem-, Daudëschtel; -liewer F.: «Gänseleber»; -marsch M.: «Gänsemarsch» (einer hinter dem andern); -paschtéit F.: «Gänseleberpastete»; -plaum F.: «Gänseflaumfeder»; -spill N.: «Gänsespiel» (Würfelspiel); -staf M.: «Daunenfedern der Gans».
 
Gäppchen M.: 1) eigtl.: «Öllampe nach römischer Art», s. Gäbberchen, Ueleggäppchen — Nach dem Volksglauben brennen die den Toten zur Römerzeit beigegebenen Lampen bis zu dem Moment, wo das Grab geöffnet wird, erlöschen dann aber sofort; 2) verallgemeinernd: «kleines Licht»; z. B. a) «durch Öl genährtes Nachtlicht»; b) «fortwährend brennendes Zündungsflämmchen am Gasheizofen»; c) spaßhaft: «durch Branntweingenuß oder Schnupfen gerötete Nase»; 3) «kleine Handhabe an Geräten und Maschinenteilen»; 4) «kleines Motorfahrzeug» (Motorrad oder Kleinauto).
 
gär(en) (phV.: Nösl. jε:ərən, jεrən, Echt. gε:iər, Stadtlux. gi:ər(ən)) Adj./ Adv.: «gern, lieb» — ech hun dech g. (ich liebe dich) — vu Gärhu war keng Ried (Geldheirat) — du kanns mech (fir fënnef Su) g. hun (laß mich in Frieden) — e gesäit d'Meedche g. (er findet Gefallen an dem Mädchen, empfindet eine Zuneigung zu dem Mädchen) — se krute sech g. (sie gewannen sich lieb) — ech géif, géing, déit (seltener géich) g. (ich möchte) — de gären Doud stierft nët (man stirbt nicht auf Wunsch); dazu (lok. Osten): et gäierzt nët (es paßt mir nicht).
 
gären intr. Verb.: «gären» (Part. Praet.: geguer(en) = abgestanden) häufiger dafür hiewen, opgoen (s. d.); dazu die Komp.: Gär-bidden F.: «Maischbottich»; -dëppen N.: «Gärspund», dafür auch: -pont F.; -faass N.: «Lagerfaß, in dem der Wein gärt»; -keller M.; -pont F. (s. -dëppen); das Adj. gäreg erscheint nur in Zussetz.: ënner-, iwwer-, lougäreg (s. d.).
 
gärren intr. Verb.: = garren (s. d.).
 
Gässel (Dim. Gässelchen, Gässchen, Osten: Geesselchen, Westen: Gëssel) F.: 1) «Gäßchen, Durchgang, enger Raum zwischen zwei Häusern» — übtr.: dat war mer duerch d'G. gaang (ich hatte es in der Hast vergessen) — en as duerch d'G. (er ist verschwunden); 2) bisw. ländlich: «Sackgasse» — in Stadtlux. dafür Kidsack (= frz. cul-de-sac); 3) bei Kinderspielen: «durch zwei Reihen von Kindern gebildete Gasse» — im Abzählreim: Ini, dini, Gässelchen / Do wunnen dräi Madammen dran / Déi kucken all de Bierg eran / Déi eng déi steet / Déi zweet déi geet / Déi drëtt déi lääft zum Bronnen / Si huet e Kand gefonnen / Wéi soll et heissen? / Zéckelchen oder Geisschen / Wie soll him déi Wëndele wäschen? / Onsen alten Plaudertäschen / Tipp, tapp, Tor aus, du bas aus.

 

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