LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Gänsemarsch bis Gebääss, Gebeess (Bd. 2, Sp. 17a bis 18b)
 
-marsch M.: «Gänsemarsch» (einer hinter dem andern); -paschtéit F.: «Gänseleberpastete»; -plaum F.: «Gänseflaumfeder»; -spill N.: «Gänsespiel» (Würfelspiel); -staf M.: «Daunenfedern der Gans».
 
Gäppchen M.: 1) eigtl.: «Öllampe nach römischer Art», s. Gäbberchen, Ueleggäppchen — Nach dem Volksglauben brennen die den Toten zur Römerzeit beigegebenen Lampen bis zu dem Moment, wo das Grab geöffnet wird, erlöschen dann aber sofort; 2) verallgemeinernd: «kleines Licht»; z. B. a) «durch Öl genährtes Nachtlicht»; b) «fortwährend brennendes Zündungsflämmchen am Gasheizofen»; c) spaßhaft: «durch Branntweingenuß oder Schnupfen gerötete Nase»; 3) «kleine Handhabe an Geräten und Maschinenteilen»; 4) «kleines Motorfahrzeug» (Motorrad oder Kleinauto).
 
gär(en) (phV.: Nösl. jε:ərən, jεrən, Echt. gε:iər, Stadtlux. gi:ər(ən)) Adj./ Adv.: «gern, lieb» — ech hun dech g. (ich liebe dich) — vu Gärhu war keng Ried (Geldheirat) — du kanns mech (fir fënnef Su) g. hun (laß mich in Frieden) — e gesäit d'Meedche g. (er findet Gefallen an dem Mädchen, empfindet eine Zuneigung zu dem Mädchen) — se krute sech g. (sie gewannen sich lieb) — ech géif, géing, déit (seltener géich) g. (ich möchte) — de gären Doud stierft nët (man stirbt nicht auf Wunsch); dazu (lok. Osten): et gäierzt nët (es paßt mir nicht).
 
gären intr. Verb.: «gären» (Part. Praet.: geguer(en) = abgestanden) häufiger dafür hiewen, opgoen (s. d.); dazu die Komp.: Gär-bidden F.: «Maischbottich»; -dëppen N.: «Gärspund», dafür auch: -pont F.; -faass N.: «Lagerfaß, in dem der Wein gärt»; -keller M.; -pont F. (s. -dëppen); das Adj. gäreg erscheint nur in Zussetz.: ënner-, iwwer-, lougäreg (s. d.).
 
gärren intr. Verb.: = garren (s. d.).
 
Gässel (Dim. Gässelchen, Gässchen, Osten: Geesselchen, Westen: Gëssel) F.: 1) «Gäßchen, Durchgang, enger Raum zwischen zwei Häusern» — übtr.: dat war mer duerch d'G. gaang (ich hatte es in der Hast vergessen) — en as duerch d'G. (er ist verschwunden); 2) bisw. ländlich: «Sackgasse» — in Stadtlux. dafür Kidsack (= frz. cul-de-sac); 3) bei Kinderspielen: «durch zwei Reihen von Kindern gebildete Gasse» — im Abzählreim: Ini, dini, Gässelchen / Do wunnen dräi Madammen dran / Déi kucken all de Bierg eran / Déi eng déi steet / Déi zweet déi geet / Déi drëtt déi lääft zum Bronnen / Si huet e Kand gefonnen / Wéi soll et heissen? / Zéckelchen oder Geisschen / Wie soll him déi Wëndele wäschen? / Onsen alten Plaudertäschen / Tipp, tapp, Tor aus, du bas aus.
 
Gäst F.: «Bierhefe» (früher beim Landbier).
 
Gätt(chen), Gätti (wofür bisw. auch Jätti, Jhätti) weibl. Vorn.: «Agathe».
 
ge- (gespr.: immer nur gə- mit dem Indifferenzlaut, vor vokalisch anlautendem Stamm häufig, bes. in fließender Rede, nur noch als g- mit folg. Glottisverschluß hörbar) Worbildungssuffix: [Bd. 2, S. 18] außer der schon urgerm. vorhandenen Funktion, dem Verb die Bedeutung des momentanen Geschehens, des Geratens in einen Zustand oder des Abschlusses eines Vorgangs zu geben, in welcher es im Part. Prät. allmählich allgemein notwendig geworden ist (mit zahlreichen Ausnahmen im Luxemburgischen, für die auf die einzelnen Verben verwiesen sei — etwa: bruecht «gebracht», fond «gefunden», gaang(en) «gegangen», kaaf(t) «gekauft», kannt «gekannt», konnt «gekonnt», kritt «gekriegt» usw.), fallen dieser Vorsilbe im Luxemburgischen vor allem die beiden Funktionen zu: 1) von sozusagen allen Verben kollektive Substantive zu bilden, welche eine Wiederholung oder ein Andauern, gelegentlich den Träger dieser Handlung, einen oft lästigen oder lächerlichen Gegenstand, bezeichnen, und 2) zu fast allen Substantiven Sammelnamen (mit oder ohne verächtl. Nebensinn) zu bilden; in beiden Fällen tritt an das mit ge- gebildete Kollektivum meist das Suffix -s an, das dem allgemein in mitteldeutschen Mundarten üblichen Kollektivsuffix ze (= niederdeutsch -te) entspricht (cf. Kluge, Deutsche Wortbildung § 29, b). Nachfolgend sind nur die typischsten dieser Bildungen berücksichtigt, da sie letzten Endes von jedem Verb oder jedem Dingwort abgeleitet werden könnten.
 
Gëaafs N.: «Gafferei».
 
Gëabberzuels, Gelabberzuels N.: «Hang zur Weitschweifigkeit, lästiger Wortschwall».
 
Gëaffers N.: nur pej. 1) «(allzu häufig) wiederholter Opfergang» (vom Standpunkt der Kirchgänger); 2) «(geringer) Ertrag des Opfergangs» (vom Standpunkt des Geistlichen).
 
Gëaiders N.: «dralle Euterbildung» (iron. auf starke Frauen übtr.).
 
Gëappers N.: «schlechte, säumige Handlangerdienste» — da's en aarmt G. wat dee féiert.
 
Gëawers N.: «anhaltender, unkonstruktiver Widerspruch, lähmende Unschlüssigkeit».
 
Gebaaks N.: «anhaltendes, umständliches, (zu) reichliches Backen» (cf. dagegen Gebäcks).
 
Gebaass(els) N.: «Geschwätz» (bes. der Klatschbasen).
 
Gebalechs N.: 1) «Balgerei, rohes Bubenspiel»; 2) «lästiges Drängen»; 3) «mühevolles, hastiges Arbeiten» — dafür gelegentl. auch Gebaatschs.
 
Gebabbel(s) N.: «Geplauder».
 
Gebaffs N.: «tüchtiges Essen» (Handlung und Substanz).
 
Gebai (Pl. Gebaiër) N.: «Gebäude» —dazu: Gebailechkeet F.
 
Gebampels, Gebëmpels, Gebompels N.: 1) «lästiges Baumeln»; 2) «baumelnde Gegenstände» (etwa billiger Schmuck); 3) «wiederholtes Glockengeläut».
 
Gebatt (lok. Gebott) N. (lok. M.): «Angebot» (beim Handel)zb - op d'éischt G. hat ech mäin Zouschlag — dazu allgebatt (s. d.) — da's mäi lescht(e) G. — beim éischte G. huet e mech mam Wuert geholl.
 
Gebauchecht F.: «große Wäsche».
 
Gebaups N.: 1) «Gebell»; 2) «unwirsche Rede».
 
Gebau(t)s N.: 1) «rege Bautätigkeit» — dat G. kritt keen Enn; 2) «schlechte, nachlässige Bauarbeit».
 
Gebauschs N.: bes. «künstliches Auftreiben der Preise bei Versteigerungen».
 
Gebääss, Gebeess (lok. bes. Norden: Gebäz, Gebeez) N.: «Konfekt» — in vielen Komp.: Äppel-, Kiischte-, Kréischels-, Quetsche- usw.

 

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