LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Gefolls bis Geheiesch (Bd. 2, Sp. 25a bis 27a)
 
Gefolls phV. für Gefëlls (s. d.).
 
Gefoosch(s) N.: 1) «Fadenschlag»; 2) «schlechte, oberflächliche Arbeit».
 
Gefor (lok. phV. cf. Ltb. 54) F.: «Gefahr» — e kennt, gesäit keng G. (er stürzt sich blindlings in die Gefahr) — op d'G. hin — ('t as) keng G. (es besteht keine Aussicht — ablehnend) — hien hält sech aus der Gefor.
 
Gefréckels N.: 1) «unruhiges Gebaren»; 2) «Lockerungsversuch»; 3) «vorsichtiges, unauffällig sein sollendes Forschen».
 
Gefree(t)s, Gefro(ot)s N.: «das ewige Fragen, Gefrage».
 
Gefréiss N.: 1) «Fresserei, übermäßiges Essen»; 2) «Fraß, schlechtes Essen»; 3) «Fresse» — wann s de d'Maul nët hälls, da kriss d'eng an d'G.
 
gefréisseg Adj.: «gefräßig» (Raa. cf. faul) — g. ewéi d'Raupen um Kabes.
 
Gefréissegkät, -keet F.: «Gefräßigkeit».
 
Gefrei(t)s N.: «langwierige Freite» — dat laangt G. daagt näischt.
 
gefrënt Verbadj.: 1) «befreundet»; 2) «verwandt».
 
Gevueder M., Gevuedesch F.: «Gevatter(in)» — dafür auch: Komper, Kompesch oder Commère — mit den gängigen Bed. des hd. Wortes; im bes.: 1) «gegenseitige Anrede der Väter u. Mütter zweier Eheleute» 2) «gegenseitige Anrede der Paten desselben Täuflings»; 3) «Partnerin bei einem Hochzeitszug»; 4) «freundschaftliche Anrede» — a wéi as et da, G.?
 
Gefuersch N.: cf. Gefréckels sub 3.
Von den Komposita mit der Vorsilbe Ge-, deren Stammwort mit g- anlautet an, werden nur jene berücksichtigt, die sich nicht ohne weiteres von einem Verbum herleiten lassen. Die übrigen stehen vom zweiten Band an unter dem entsprechenden Simplex.
 
gegäästert (lok. Echt.) Verbadj.: in der Ra.: g. Gromperen «Art Pellkartoffeln» (wann e Kräs ronderëm geschnidden as).
 
Gegängels N.: «Hin- und Hergehen» — Echt.: hal äs op mat deim Gegeengels — ech konnt hënt nët schlofe mat deem G. dobaussen.
 
gehaangen Verbadj.: «schlampig gekleidet» — in der Ra.: du kënns do wéi g. (wéi e gehaangene Mäerder).
 
gehaangene Männchen M.: «Aceras anthropophora» (Orchideenart).
 
Gehaangenen M.: «Gehängter» — Flurn.: um Hond Gehaangener (im Grünewald).
 
Gehalt M.: 1) «Arbeitsentgelt der Beamten und Angestellten» — in dieser Bed. auch N.; 2) «wertvoller Inhalt» [Bd. 2, S. 26] — an där Ried war kee G., kee Salz a kee Schmalz.
 
gehauft (lok. Echt.) Adj.: «gelaunt» — en ass gutt, schlecht g. — ech maachen et, wann et mer (wéi et mer grad) g. as — s. auch hauwen.
 
gehääsch(er)lech, -heesch-, -hësch-, -héisch- Adj.: «sanft, vorsichtig, pfleglich, geschicklich» — g. mat der Braut (Vorsicht!) — op déi Manéier si mer g. heemkomm (ohne Schwierigkeiten).
 
Gehäck(s), lok. Gehieks N.: allg. «das Gehackte», im bes.: 1) «Häcksel, Häckerling»; 2) ländliches Fleischgericht: «in Würfeln geschnittene Lunge (bisw. auch Herz, Leber) und gebackene Zwetschen in brauner Brühe» (früher gewöhnlich erster Gang einer Kirmesmahlzeit auf dem Lande) — dafür auch: Longeméis-chen, Saueriessen; 3) «Hackfleisch» — hal d'Maul oder ech maën dech zu G.
 
Gehäck(s)bänk F.: «Häckselbank».
 
Gehäck(s)maschin F.: «Häckselmaschine».
 
Gehäers, Gehäesch N.: «üppiger Haarwuchs» — e G. wéi e Bësch.
 
gehäerzt, lok. gehierzt Adj.: 1) «beherzt, herzhaft, mutig, unternehmungslustig» — huel emol e gehäerzte Schotz; 2) «schmackhaft, pikant» — übtr.: dee kann näischt Gehäerztes verdroën; 3) «grob, rauh, roh» (bes. im Ausdruck) — dat war nawell eng Gehäerzt (anstößige Anekdote).
 
Gehäignes, lok. Gehaignis N.: 1) «Trost, Erquickung, Erleichterung» — säi Gaart as säi G. (die Arbeit in seinem Garten, der Anblick seines Gartens bietet ihm Erquickung) — cf. auch: Lutem(es); 2) «Sorge, Pflege, Verpflegung, Schutz» — d'Mamm huet awer och kee G. bei kengem vun de Kanner — Echt.: et hoat kä G. oa saim Man; 3) «Geheimnis zwischen zweien, heimlicher Gedanke, geheimes Einvernehmen» — wat hut dir zwéin dann do fir e G. zesummen? (wenn zwei Personen sich absondern und geheimtun); 4) persönl.: «liebende, sorgende, schützende Person» — de Monni wor esou e G. em d'Haus; 5) dinglich: «gepflegte Sache» (cf. auch das Beispiel sub 1).
 
gehäit Verbadj. zu geheien (s. d.).
 
Gehäng, Gehänk N.: 1) «Riemen, Ledergehänge» (der Flegelgerte, der Glocke, Hotte, Peitsche — cf. beispw.: Fläel); 2) «Türgehänge»; 3) iron. in der Ra.: en as futti am G. (lendenlahm).
 
gehässeg Adj.: 1) meist nur: «bissig» — tjëss, wéi as deen haut esou g.; 2) «gehässig»; dazu die Abl.: Gehässegkeet F.
 
Gehätschels N.: «klein gebrochenes, zertretenes Stroh, Kraut, Getreide» — auch Verhätschels.
 
Gehecks N.: «Gestrüpp, Untergehölz, Niederwuchs».
 
Geheeg (-ç) N.: «Gehege» — komm mer nëmmen ni an d'G.!
 
geheien (lok. Osten heien, bes. im Imperativ, Ind. Präs. 3 sg.: e geheit, Osten bisw. geheicht, gehecht — Part. Prät.: gehäit, Ösling gehéckt, geheckt) trans Verb.: 1) der urspr. Bed. am nächsten, wenn auch nicht mehr so verstanden (geheien = nubere, coire, später stuprare) ist die Ra.: da's Maus gehei déng Mudder oder déi Al (das ist sich gleich — älter: das eine ist so schlecht wie das andere, die Kinder sind so schlecht wie ihre Eltern — vereinzelt noch heute verpönt, cf. erauspuchen S. I/ 282); 2) am gebräuchlichsten ist die aus stuprare herzuleitende Bed.: «plagen, quälen, ärgern» — in dieser Bed. auch unpers. gebr.: et geheit mech, datt en dat gesot huet — déi Frechhät huet en elle gehäit — dazu das Verbadj. gehäit: 't as e gehäite Mann — et as een awer g. ewéi en Hond (ironischer Zusatz: ouni Fléi — er weiß nicht, was ihm fehlt) — ewéi e Mëssdéideger (Missetäter) — dee vill huet as vill gehäit, deen näischt huet nach méi; 3) refl. gebr.: «sich plagen, anstrengen, abmühen» — déi Fra huet sech all hiert Liewe vill gehäit; Abl.: Leitsgeheier M. (s. d.); 4) konkret verengt: «werfen» — si hun d'Käl gehäit — ä mat Steng geheien. In vielen unfesten Verbindungen: hues de de Bréif agehäit? (in den Briefkasten gesteckt) — si hun en agehäit (ins Gefängnis) — en huet sech an d'Broscht gehäit (er hat sich aufgespielt) — ech geheie mech an de Wichs — deen Iirtom huet mech dragehäit (dieser Irrtum hat mir das Genick gebrochen) — en as nëmmen drop aus fir déi aner eranzegeheien (schädigen, in die Falle locken) — hal d'Maul, soss geheien ech dech hei eraus — gehei de Billet nët ewech — gehei de Moteur un — déi Käschten hu mech hannendra gehäit — d'Kiischten, d'Äppel si wéi dru gehäit (der Baum ist voll von Früchten); 5) refl.: «sich werfen, sich fortmachen» — gehei dech (ewech)! (verschwinde!); 6) [Bd. 2, S. 27] bisw. intr.: «fallen» — en as de laange Wee duer gehäit (geschloën).
 
Geheierei F., Gehei(e)s N.: «Plackerei» — Geheis a Gedos de ganzen Dag (= keng Rou a keng Rascht — Wortspiel mit hei und do).
 
Geheiesch F.: «Hausdrache» — Spw.: Deem hei eng Freiesch (s. dies), deem do eng G. — das entsprechende männl. Simplex -geheier nur im Kompos.: Leitsgeheier M. (s. d.).

 

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