LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Gevueder bis Gehoojhem (Bd. 2, Sp. 25b bis 27b)
 
Gevueder M., Gevuedesch F.: «Gevatter(in)» — dafür auch: Komper, Kompesch oder Commère — mit den gängigen Bed. des hd. Wortes; im bes.: 1) «gegenseitige Anrede der Väter u. Mütter zweier Eheleute» 2) «gegenseitige Anrede der Paten desselben Täuflings»; 3) «Partnerin bei einem Hochzeitszug»; 4) «freundschaftliche Anrede» — a wéi as et da, G.?
 
Gefuersch N.: cf. Gefréckels sub 3.
Von den Komposita mit der Vorsilbe Ge-, deren Stammwort mit g- anlautet an, werden nur jene berücksichtigt, die sich nicht ohne weiteres von einem Verbum herleiten lassen. Die übrigen stehen vom zweiten Band an unter dem entsprechenden Simplex.
 
gegäästert (lok. Echt.) Verbadj.: in der Ra.: g. Gromperen «Art Pellkartoffeln» (wann e Kräs ronderëm geschnidden as).
 
Gegängels N.: «Hin- und Hergehen» — Echt.: hal äs op mat deim Gegeengels — ech konnt hënt nët schlofe mat deem G. dobaussen.
 
gehaangen Verbadj.: «schlampig gekleidet» — in der Ra.: du kënns do wéi g. (wéi e gehaangene Mäerder).
 
gehaangene Männchen M.: «Aceras anthropophora» (Orchideenart).
 
Gehaangenen M.: «Gehängter» — Flurn.: um Hond Gehaangener (im Grünewald).
 
Gehalt M.: 1) «Arbeitsentgelt der Beamten und Angestellten» — in dieser Bed. auch N.; 2) «wertvoller Inhalt» [Bd. 2, S. 26] — an där Ried war kee G., kee Salz a kee Schmalz.
 
gehauft (lok. Echt.) Adj.: «gelaunt» — en ass gutt, schlecht g. — ech maachen et, wann et mer (wéi et mer grad) g. as — s. auch hauwen.
 
gehääsch(er)lech, -heesch-, -hësch-, -héisch- Adj.: «sanft, vorsichtig, pfleglich, geschicklich» — g. mat der Braut (Vorsicht!) — op déi Manéier si mer g. heemkomm (ohne Schwierigkeiten).
 
Gehäck(s), lok. Gehieks N.: allg. «das Gehackte», im bes.: 1) «Häcksel, Häckerling»; 2) ländliches Fleischgericht: «in Würfeln geschnittene Lunge (bisw. auch Herz, Leber) und gebackene Zwetschen in brauner Brühe» (früher gewöhnlich erster Gang einer Kirmesmahlzeit auf dem Lande) — dafür auch: Longeméis-chen, Saueriessen; 3) «Hackfleisch» — hal d'Maul oder ech maën dech zu G.
 
Gehäck(s)bänk F.: «Häckselbank».
 
Gehäck(s)maschin F.: «Häckselmaschine».
 
Gehäers, Gehäesch N.: «üppiger Haarwuchs» — e G. wéi e Bësch.
 
gehäerzt, lok. gehierzt Adj.: 1) «beherzt, herzhaft, mutig, unternehmungslustig» — huel emol e gehäerzte Schotz; 2) «schmackhaft, pikant» — übtr.: dee kann näischt Gehäerztes verdroën; 3) «grob, rauh, roh» (bes. im Ausdruck) — dat war nawell eng Gehäerzt (anstößige Anekdote).
 
Gehäignes, lok. Gehaignis N.: 1) «Trost, Erquickung, Erleichterung» — säi Gaart as säi G. (die Arbeit in seinem Garten, der Anblick seines Gartens bietet ihm Erquickung) — cf. auch: Lutem(es); 2) «Sorge, Pflege, Verpflegung, Schutz» — d'Mamm huet awer och kee G. bei kengem vun de Kanner — Echt.: et hoat kä G. oa saim Man; 3) «Geheimnis zwischen zweien, heimlicher Gedanke, geheimes Einvernehmen» — wat hut dir zwéin dann do fir e G. zesummen? (wenn zwei Personen sich absondern und geheimtun); 4) persönl.: «liebende, sorgende, schützende Person» — de Monni wor esou e G. em d'Haus; 5) dinglich: «gepflegte Sache» (cf. auch das Beispiel sub 1).
 
gehäit Verbadj. zu geheien (s. d.).
 
Gehäng, Gehänk N.: 1) «Riemen, Ledergehänge» (der Flegelgerte, der Glocke, Hotte, Peitsche — cf. beispw.: Fläel); 2) «Türgehänge»; 3) iron. in der Ra.: en as futti am G. (lendenlahm).
 
gehässeg Adj.: 1) meist nur: «bissig» — tjëss, wéi as deen haut esou g.; 2) «gehässig»; dazu die Abl.: Gehässegkeet F.
 
Gehätschels N.: «klein gebrochenes, zertretenes Stroh, Kraut, Getreide» — auch Verhätschels.
 
Gehecks N.: «Gestrüpp, Untergehölz, Niederwuchs».
 
Geheeg (-ç) N.: «Gehege» — komm mer nëmmen ni an d'G.!
 
geheien (lok. Osten heien, bes. im Imperativ, Ind. Präs. 3 sg.: e geheit, Osten bisw. geheicht, gehecht — Part. Prät.: gehäit, Ösling gehéckt, geheckt) trans Verb.: 1) der urspr. Bed. am nächsten, wenn auch nicht mehr so verstanden (geheien = nubere, coire, später stuprare) ist die Ra.: da's Maus gehei déng Mudder oder déi Al (das ist sich gleich — älter: das eine ist so schlecht wie das andere, die Kinder sind so schlecht wie ihre Eltern — vereinzelt noch heute verpönt, cf. erauspuchen S. I/ 282); 2) am gebräuchlichsten ist die aus stuprare herzuleitende Bed.: «plagen, quälen, ärgern» — in dieser Bed. auch unpers. gebr.: et geheit mech, datt en dat gesot huet — déi Frechhät huet en elle gehäit — dazu das Verbadj. gehäit: 't as e gehäite Mann — et as een awer g. ewéi en Hond (ironischer Zusatz: ouni Fléi — er weiß nicht, was ihm fehlt) — ewéi e Mëssdéideger (Missetäter) — dee vill huet as vill gehäit, deen näischt huet nach méi; 3) refl. gebr.: «sich plagen, anstrengen, abmühen» — déi Fra huet sech all hiert Liewe vill gehäit; Abl.: Leitsgeheier M. (s. d.); 4) konkret verengt: «werfen» — si hun d'Käl gehäit — ä mat Steng geheien. In vielen unfesten Verbindungen: hues de de Bréif agehäit? (in den Briefkasten gesteckt) — si hun en agehäit (ins Gefängnis) — en huet sech an d'Broscht gehäit (er hat sich aufgespielt) — ech geheie mech an de Wichs — deen Iirtom huet mech dragehäit (dieser Irrtum hat mir das Genick gebrochen) — en as nëmmen drop aus fir déi aner eranzegeheien (schädigen, in die Falle locken) — hal d'Maul, soss geheien ech dech hei eraus — gehei de Billet nët ewech — gehei de Moteur un — déi Käschten hu mech hannendra gehäit — d'Kiischten, d'Äppel si wéi dru gehäit (der Baum ist voll von Früchten); 5) refl.: «sich werfen, sich fortmachen» — gehei dech (ewech)! (verschwinde!); 6) [Bd. 2, S. 27] bisw. intr.: «fallen» — en as de laange Wee duer gehäit (geschloën).
 
Geheierei F., Gehei(e)s N.: «Plackerei» — Geheis a Gedos de ganzen Dag (= keng Rou a keng Rascht — Wortspiel mit hei und do).
 
Geheiesch F.: «Hausdrache» — Spw.: Deem hei eng Freiesch (s. dies), deem do eng G. — das entsprechende männl. Simplex -geheier nur im Kompos.: Leitsgeheier M. (s. d.).
 
geheier Adj.: 1) «sicher, geheuer» — 't as mer nët ganz g. — 't as engem nët méi g., wann een dat gesäit — hei as et nët g. — Bergmannsspr.: de Bierg as erëm stëll a g. (das Hangende droht nicht einzustürzen) ähnlich heißt es: de Bierg schwätzt nët méi; 2) «anstellig, brauchbar, gehörig» — deen as méi g. (dieser Freier ist dem Mädchen genehmer) — 't as nët g. wat der haut geschafft hut.
 
Gehéier N.: «Gehör» — e gët kee G. (er schenkt kein Gehör) — en as schlecht vu G. (en huet e schlecht G.) — d'G. as fort (nach einem Unfall, Ohrenleiden).
 
gehéiereg, gehéierlech Adj.: 1) «wie es sich paßt, gehörig» — elo kriss d'eng g. Strof; 2) meist: «stark, gründlich» (meist adverbial) — ech hun em et g. gesot (ich habe ihn g. zurechtgewiesen) — lok.: en as g. geschwächt, en huet eng g. sëtzen (er ist sehr betrunken) — en huet eng g. (scil.: Ouerfei «Ohrfeige») erwëscht — 't as g. kal; 3) alt: «hörig, abstammend» — wuer as d'Schnauer g.? (ähnlich: wuer héiert se?).
 
Gehéieregkät, -keet F.: «passende Art und Weise».
 
gehéieren Verb.: 1) intr.: «hingehören, am passenden Ort sein» — wa giess gët g. d'Katzen an d'Kichen (nët an d'Stuff) — du gehéiers nët eluer (auch: déng Plaz as nët do) — kleng Kanner gehéieren em dës Stonn an d'Bett — géi wuer s de hi gehéiers — du gehéiers nët ënner d'Leit — gehei dech, wuer s de gehéiers, an de Stall!; 2) refl.: «sich passen» — wéi et sech gehéiert (in dieser Bed. dafür auch gelegtl. das Simplex héieren); 3) bisw., und zwar hauptsächlich nur, wenn es sich um Auseinandersetzungen handelt: «zueigen sein» — dat Stéck Land gehéiert mir an nët dir — sonst dafür nur: dat as mäi Buch.
 
Gehéischtels N.: «Hüstelei» (bes. als Zeichen des Protestes).
 
Gehëlz (lok. Westen Gehéilz) N.: 1) allg.: «Gehölz, Ansammlung von Holz»; 2) «Wäldchen» (cf. die Zussetz.: Ënnergehëlz) — Red.: wiers de gutt am G. (etwa: wo der Pfeffer wächst); 3) im bes.: «Bau- und Schnittholz».
 
Gehir(en) (Ösl. nur Gehirren mit erhaltener Endsilbe) N.: «Gehirn» (cf. auch: Hiren).
 
gehoojhem, gehoujhem (lok.: -schem) Adj.: «gehorsam, untertänig».
 
Gehoojhem (u. Var. s. d. vor.) M.: «Gehorsam».

 

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