LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Gehanesdanz bis geien (Bd. 2, Sp. 46a bis 47b)
 
-danz (†) M.: «Johannistanz» Dim.: -dänzchenRitueller, am 24. Juni zu Ehren des Täufers abgehaltener Tanz, der anscheinend mit den Tanzepidemien des XIV. und XV. Jahrhunderts zusammenhängt. Er soll Tanzwut und ihr assimilierte Geisteskrankheiten, auch Epilepsie heilen oder vor ihr schützen (cf. Springprozession). In der Stadt Luxemburg im XV. Jahrhundert belegt. Berühmt war der alljährlich auf dem Gehaansbierg (s. d.) abgehaltene G. Dort befand sich seit dem XV. Jahrhundert eine Johanniter Kommende. Möglicherweise war der hl. Johannes bereits Patron der alten, auf dem Gehaansbierg erbauten Regionalkirche, deren Sitz im XIV. Jahrhundert nach Düdelingen verlegt wurde und an deren Stelle die heutige Johanniskapelle steht. Als der G. auf dem Gehaansbierg abgeschafft wurde, soll das Vieh in den Ställen getanzt und gebrüllt haben. Der Sage nach wurde der G. nach einem fernen Land entrückt, wo er von Engeln abgehalten wird bis zu dem Tag, an dem er wieder auf dem Gehaansbierg eingeführt wird. Ein Zusammenhang mit etwaigen ähnlichen heidnischen Bräuchen läßt sich nicht nachweisen; -déierchen N., -fénkelchen M., -méck F., -quénkelchen, -quonk, -wiermchen M.: «Glühwürmchen, Leuchtkäfer» — d'Gehaansdéiercher fléien, 't gët gutt Wieder; -elcher(t), -elchen ON.: «Nobressart» — Dorf der belg. Prov. Luxemburg — B 18 (cf. Elchert); dafür auch: Gaans-, Ganz-, Gaunzelchert; -iwergiljen N.: «Johannesevangelium» — als Schutzmittel gegen tolle Hunde, Wölfe und den bösen Blick in nachstehender Formel: Jesus dee goung iwer Land, wat hat en an der rechter Hand? E gëlle Stiefchen. Wat war drop geschriwen? Dräi Gehanesiwergiljen. Zum éischte Gott der Vater, zum zwäte Gott der Son, zum drëtte Gott der helege Geescht. Gott behitt mer mäi Blutt a mäi Fleesch. Dass kee béisen Hond mech bäisst, dass kee Wollef mech zerräist, dass keng béis Aën widder mech schaën. Duerfir behitt mech Gott an ons léif Fra. Amen; -kiewerlénk M.: «Junikäfer» (auch: Häkiewer); -kränkt F.: «Johanniskrankheit» — Kinderkrankheit, die mit dem Zahnen zusammenhängt und sich in Konvulsionen äußert. Auch sollen die Kinder «wie Hähne krähen». In diesem Anliegen wird der Heilige z. B. in Vianden angerufen, wo seine Statue auf dem Kirchhof steht; -kréischel F.: «rote Johannisbeere» — dafür auch: rout Kréischel, Wäikréischel, Klängelchen; -maart M.: «Johannismarkt» — alter, am 24. Juni auf und bei dem Gehaansbierg (s. d.). abgehaltener Markt, der wohl mit dem Patronatsfest der alten, auf dem Gehaansbierg erbauten Regionalkirche (s. Gehaansdanz) zusammenhängt. Er wurde später in den Herbst verlegt; -wäin M.: «Johannisminne» (Wein, der am Tag nach Johannes Ev. — am [Bd. 2, S. 47] 27. Dez. — in der Kirche gesegnet u. am selben Tag in der Familie getrunken wurde — veraltet); de la Fontaine erwähnt in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts noch folgenden, im Luxemburgischen üblichen Brauch: am 27. Dezember läßt der Familienvater einen Krug Wein, mitunter auch zwei — einen als Geschenk für den Pfarrer — in der Kirche segnen. Von diesem Wein erhält jeder Hausgenosse einen Trunk als Schutzmittel gegen schädliche Getränke und Speisen. Einige Tropfen werden in die Weinfässer gegossen. Der Rest wird aufgehoben, um bei gewissen Krankheiten Verwendung zu finden. — Im 17. Jahrhundert gehörte G. zu den üblichen Heilmitteln eines Echternacher Schinders. Kranken oder besessenen Menschen od. Tieren wurde der Wein, der im Klarissinnenstift gesegnet worden war, eingegeben oder sie wurden damit besprengt oder begossen.
 
Géi (D Gee, Vichten Gi) M.: 1) «armer Schelm»; 2) «mißgünstiger Mensch»; 3) «Schuft»; 4) «Feigling» (zu. frz. gueux).
 
géi (Ostrand gi, Nösl. ji) Adj.: 1) «jäh, plötzlich» — géien Honger (Heißhunger) — en as enges géien Douds gestuerwen; 2) «steil abfallend» — häufig in On.: Géibierg (^> Kéibierg, Géibich usw.) — dazu: Géihät, -heet F.: «Steilheit».
 
géi-/Géi- -äifer M.: «Jähzorn»; -daf M. u. F.: «Nottaufe»; -hëtzeg Adj.: «cholerisch, jähzornig»; -jäizeg Adj.: «jähzornig»; -schëtzeg Adj.: «abschüssig»; -spëtzeg Adj.: «konisch spitz zulaufend» — e géispëtzegen Daach, Giewel.
 
Gei F.: 1) «Geige» — dat as eng aner G. (das gefällt mir schon besser) — dat as sénger G. (das gefällt ihm) — dat klëmmt an d'G. (verursacht große Kosten, Nachteile) — hie spillt d'éischt G. (er steht an der Spitze) — hie ka(nn op der) G. spillen — hien as dem Eefalt aus der G. gesprongen (ein Luftikus) — cf. Fid(d)el; 2) Buchdruckerspr.: «Setzschiff mit Zunge».
 
Geie(n)- -amecht F.: 1) «lang dauerndes Zusammensein fröhlicher Zechbrüder»; 2) «langatmige Erzählung»; -hals M.: 1) «Geigenhals»; 2) «Mensch mit langem, dünnem Hals»; -haarz M.: «Kolophonium»; -kapp M.: 1) «Schnecke an der Geige»; 2) Spottname (Anspielung auf die steife, schiefe Kopfhaltung); -këscht F.: 1) «Geigenfutteral»; 2) «großer Schuh, großer Fuß»; -klos M.: «Spielmann bei Hochzeiten in alter Zeit» — dafür auch: Fidelpéiter, Spillmates (nach Spedener, Lux. Land 1885); -sak M.: «Geigenfutteral»; -sät, -seet F.: «Violinseite»; -séil F.: «Seele der Geige»; -spiller M.: «Geigenspieler» (dafür auch Geiert, Geiist); -stréchel, -strécher M.: «Fiedelbogen»; -zap M.: «Geigenwirbel».
 
Geiert M.: «Geigenspieler» (meist abfällig).
 
Geiist M.: «Violinist».
 
geien intr. Verb.: 1) «geigen, aufspielen» — engem Dänzegen (cf. dänzereg) ass gutt g. (wenn man zum Tanzen aufgelegt ist, so ist die Musik einerlei) — Echt.: dat as him a säi Krom gegeigt (das paßt ihm) — gelegtl. auch trans: looss dech heem g. (zu jem. der eine große Dummheit gesagt oder getan hat) — den Dawen as gutt g.; 2) als Wortspiel: «gehen» — da looss mer g., sot de Spillman, du huet e gebaasst (als Aufforderung zum Fortgehen gesagt — auch baassen ist doppelsinnig, s. d.); Abl.:

 

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